Wie eine Zecke mein Leben veränderte...

1  25.08.2009

Pro:
Es gibt nichts positives an dieser Erkrankung

Kontra:
Man kann bös krank werden

Empfehlenswert: Nein 

Engelherz

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Erfahrungsberichte:136

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  • Vorwort
  • Einführung in die Lyme-Borreliose
  • Wo tritt Borreliose auf?
  • Allgemeiner oder typischer Verlauf
  • Therapie einer Lyme-Borreliose
  • Meine Borreliose Erkrankung
  • Fazit
  • Selbsthilfegruppen

Hallo!


Ich möchte gerne meine Erfahrungen über eine Erkrankung schreiben, die ich seit ziemlich genau 10 Jahren habe und immer noch darunter leide.
Einzig und alleine Auslöser für diesen Höllentrip durch den ich gegangen bin war eine Zecke!
Nun haben wir ja gerade Sommer und damit auch wieder aktuell Zeckenzeit!
Ich möchte keine Angst machen, aber daraufhin weisen, was eine Zecke die mit den Borrelia Viren verseucht ist ausrichten kann.
Bevor ich von meinem Leidensweg berichte, der mir meinen Arbeitsplatz und fast mein Leben gekostet hat, erstmal ein paar Erklärungen, was eine Lyme Borreliose eigentlich ist und welche Beschwerden im Körper dadurch ausgelöst werden können.
Für manche ist der Bericht vielleicht zu lang geraten, aber es handelt sich um eine Krankheit mit vielen verschiedenen Symptomen, eine Krankheit mit unglaublich vielen Facetten und Auswirkungen.
Sollte jemand ernsthaft unter solchen Beschwerden leiden, so hoffe ich mit diesem Bericht auch ein wenig helfen zu können!
Denn ich bin auch von Pontius zu Pilatus gelaufen, um Hilfe zu erlangen. Leider kennen sich viele Ärzte mit dieser Erkrankung immer noch nicht ausreichend aus, bzw. aufgrund der vielen verschiedenen Symptome wird die Krankheit auch manchmal verkannt.
Es ist sehr wichtig, dass man wachsam ist, wenn man einen Zeckenbiss hatte, aber kein Grund zur Panik.
Denn behandelt man eine Borreliose im Anfangsstadium sind die Heilungschancen sehr hoch!

Zur Anmerkung meines Berichtes, ich komme aus einem medizinischen Beruf, ich habe die Fachbegriffe alle ausgeschrieben, aber auch auf deutsch erklärt, wer dennoch Fragen hat, nur zu- ich stehe Rede und Antwort zu dem was ich geschrieben habe.


Einführung in die Lyme-Borreliose

Die Erreger der Lyme Borreliose, BORRELIA BURGDORFERI, BORRELIA GARINII und BORRELIA AFZELII sind mit dem Syphiliserreger Treponema pallidum eng verwandt. Zwischen beiden Krankheiten bestehen zahlreiche Parallelen. Ähnlich wie bei der Syphillis existieren mehrere Krankheitsstadien, die fließend ineinander über gehen können oder auch durch sehr lange „freie“ Intervalle getrennt sein können.

Die Borreliose wird praktisch immer von Zecken übertragen ( in Europa von Ixodes ricinus, in Amerika von Ixodes dammini und von Ixodes pacificus, in Ostasien von Ixodes persulcatus), andere Übertragungswege wurden diskutiert, beispielsweise durch den „Wadenstecher“ eine in der Nähe von Herden lebenden stechenden Fliegenart, sind bisher nicht gesichert. Eine sexuelle Übertragung wie bei der Syphillis existiert nicht.

Bisher gibt es weder eine wirksame Prophylaxe noch einen Impfstoff. Die Entwicklung eines Impfstoffes ist außerordentlich kompliziert, wie die Borrelien an ihrer Oberfläche zahlreiche unterschiedliche antigene Strukturen tragen und bisher kein Antikörper mit Schutzwirkung beim Menschen bekannt ist. Mehrere Arbeitsgruppen arbeiten an einer Impfstoffentwicklung. Wenn es überhaupt gelingen sollte einen Impfstoff zu entwickeln, so wird dies noch Jahre dauern.

Wo tritt Borreliose auf?

Die Lyme-Borreliose ist praktisch weltweit verbreitet. Es gibt inzwischen Berichte aus fast allen Teilen der Erde, inclusive Australien, Südafrika, China, etc. Temperaturgrenzen, wie bei der Viruskrankheit FSME ( Frühsommermeningitis = Hirnhautentzündung), die nicht über die Gebiete mit einer mittlerer Jahrestemperatur von mindestens 8°C hinausgeht, existieren nicht. Borrelien kommen sogar im Eismeer vor, wo sie in Seevögeln nachgewiesen wurden, die von einer speziellen Zeckenart befallen werden.

Manche der Krankheitsmanifestationen, wie die Acrodermatitis sind seit dem letzten Jahrhundert in Europa bekannt. Die ersten Berichte über Acrodermatitis ( eine entzündliche Haut die häufig mit Ödemen und Nervenleiden gekennzeichnet ist ), stammen von Buchwald 1883 und von Touton 1886.
Wenig später wurden die ersten amerikanischen Fallberichte über in Amerika geborene Patienten mit Acrodermatitis berichtet. Die Borreliose ist also keineswegs eine neue Krankheit!!!!!
Da aber die verschiedenartigen Symptome, die im Rahmen einer Borrelien Infektion auftreten können, nicht als einheitliches Krankheitsbild erkannt wurden, war über Jahrzehnte die Bedeutung einer Borreliose unbekannt.

Heute wissen wir, dass auch in Mitteleuropa fast alle Gebiete mehr oder minder zum Verbreitungsgebiet gehören, wobei regionale Schwerpunkte bestehen, wie zum Beispiel im Taunus, wo ich wohne und mir die Zecke zugezogen habe!

Allgemeiner oder typischer Verlauf

Viele an Borreliose erkrankter Personen erinnern sich überhaupt nicht an einen Zeckenbiss! Es liegt einmal an der Tatsache, dass der Infenktionsbeginn lange zurückliegen kann und andererseits daran, dass gerade die Zeckenlarven und Zeckennymphen so klein sind, dass der Stich oder Biss unbemerkt bleiben kann. Bereits 0,8 mm große Zeckenlarven können aber Borreliose übertragen, da sie selbst schon transovariell infiziert werden können.

Nach der Übertragung der Borrelien durch den Zeckenbiss kommt es zunächst zu einer lokalen Infektion der Haut. Ein klassisches ERYTHEMA MIGRANS (Wanderröte: eine normalerweise ringförmige Rötung, die meist keine Beschwerden verursacht) wird nur in 30-40% der Fälle beobachtet!
Es verschwindet mitunter auch ohne Therapie, kann aber Monate persistieren und dehnt sich meist langsam von der Bissstelle in die Umgebung aus. Es ist zu vermuten, dass je nach dem ort des Zeckenbiss auch eine direkte hämatogene Aussaat erfolgen kann..( wie ein Bluterguss auslaufende Verfärbung ).
Die tritt auf, wenn zum Beispiel ein Blutgefäß beim Biss verletzt wird.
Bereits im Stadium des Erythema Migrans können Allgemeinsymptome ( Schweißausbrüche, Abgeschlagenheit, Grippegefühl ) als Zeichen der Erregergeneralisation auftreten.

Meist kommt es aber erst in der Latenzzeit von bis zu zehn Wochen zur Streuung des Erregers über die Blutbahn oder Lymphbahn, dadurch treten Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit,

Bilder
FSME / Lyme-Borreliose durch Zecken - Tipps & Tricks BILD0874 - FSME / Lyme-Borreliose durch Zecken - T
Lyme-Borreliose durch Zecken
Nachtschweiß, Fieber, Fibromyalgien und Gewichtsabnahme auf. Manchmal unerträgliche Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, und Schwindelattacken. Ganz besonders charakteristisch sind extreme Schweißausbrüche ( die Patienten ziehen sich nachts mehrmals um, weil sie völlig durchschwitzt sind )!
Aber auch Episoden mit unangenehmen Empfindungen durch einen schnellen und heftigen Pulsschlag und Herzrasen!

Nach der Erregergeneralisation kommt es zu ersten Organsymptomen: Entzündliche Vorgänge an peripheren Nerven verursachen pseudoradikuläre Symptome mit oft Borrelienneuritis ( Nervenentzündung ) können einen Bandscheibenvorfall imitieren. Die Schmerzen sind nachts oft am schlimmsten, Belastung verschlimmert die Schmerzen. Kein Schmerzmittel hilft!!!!

Sensorische Störungen: Kribbelgefühle mit starkem Hitze oder Kältegefühl, schlimme Missempfindungen sind dabei sehr häufig, motorische Ausfälle eher selten. Relativ häufig kommt es zu neurologischen Störungen, die an ein Carpaltunnelsyndrom denken lassen, was gelegentlich auch zur Operation des Patienten führt.

Manchmal kommt es auch zu Hirnnervausfällen ( am häufigsten periphere Facialisparesen )….Gesichtshälftelähmung.
Kappenförmige vom Nacken ausgehende Kopfschmerzen sind auch häufig der Fall, sowie Schwindelattacken und Sehstörungen sind ebenso häufig wie ein überhöhter Ruhepuls!
Die Patienten wachen manchmal mit unangehmen starken Herzklopfen auf. Die akute Lyme-Karditis ( Herzmuskelentzündung ) kann zu einer passageren Myokardinsuffiziens mit Herzvergrößerung führen.

Passagere Kreatininerhöhungen und eine flüchtige Proteinurie werden meist übersehen. In dieser Phase können auch bereits erste Gelenkentzündungen vorkommen. Dieses Stadium der Krankheit dauert unbehandelt wenige Wochen bis mehrere Monate.

Die Neuroborreliose mit Befall des Liquorraums ( des Nervenwassers ) ist ein Sonderfall der Borrelieninfektion. Nur in einem Teil der Fälle ( in etwa 10% der Fälle ) kommt es zu einer Beteiligung des zentralen Nervensystems. Wenn diese auftritt so in der Phase nach 10 Wochen der Erkrankung, in der noch keine Antikörper gebildet wurden.
Bei einer Liquoruntersuchung kann eine Neuroborreliose festgestellt werden.

Monate bis Jahre später treten Symptome des Spätstadiums auf. Typisch sind von Gelenk zu Gelenk springende Arthridien, Muskelentzündungen, Knochenschmerzen und Fibromyalgien. Als Begleitsymptome am häufigsten sind chronische Entzündungen peripherer Nerven ( Polyneuropathie vom fleckförmigen Typ ). Diese manifestieren sich vor allem in schmerzhaften Dysästhäsien, die zum Beispiel ein Carpaltunnel imitieren können.
Die elektroneurologischen Untersuchungen bleiben aber lange fast normal. Vermutlich selten sind dagegen chronische Encephalitiden, wodurch ein Pseudosyndrom entstehen kann. Die Patienten sind dann oft wesensverändert und unkonzentriert.

An der Haut vor allem der Extremitäten kann nach längerer Laufzeit die typische Acrodermatitis chronica atrophincans entstehen.
Hierbei kommt es vor allem an Händen und Füßen zunächst zu einer kissenartig geschwollenem, blaurot verfärbten Haut vor allem über den Streckseiten der Gelenke. Später wird die Epidermis zunehmend atrophisch und bekommt ein zigarettenpapierdünnes, vermehrt transparentes Aussehen. Kombinationen mit einer Polyneuropathie und mit Knochenbeteiligungen sind häufig.

Auch das Herz kann vor der chronischen Form der Borelliose betroffen sein.

Augenbeteiligungen treten auch häufiger auf. Praktisch alle Teile des Auges können betroffen sein. ( Iritis, Konjunktivitis, Uveitis, Papillitis, Vitriritis, Panuveitis )

Auf HNO – ärztlichem Gebiet können Hörstürze und Neuritis vestibularis auftreten, sowie Ausfälle des Riechvermögens!

Eine Übertragung auf das ungeborene Kind bei einer Schwangerschaft ist möglich.
Theoretisch können die Erreger auch über Blutkonserven übertragen werden, da sie die Kühlschranklagerung problemlos überstehen!
Da die Bakteriämie bei der Borreliose aber nur sehr kurz auftritt, ist eine derartige Übertragung wohl sehr selten, aber wie gesagt nicht ausgeschlossen!!

Therapie einer Lyme-Borreliose

Die Anforderungen einer Therapie der Borreliose hängen vom Stadium der Erkrankung ab.
Im Frühstadium gibt es noch keine vaskulitischen Prozesse, die die Wirksamkeit des Antibiotikums behindern würden.
Daher ist eine ORALE THERAPIE oft noch ausreichend!
Auch bei Kindern reicht eine orale Antibiotikumtherapie oft aus.

Ferner ist zu berücksichtigen, dass die Erreger nur in der Teilungsphase für ein Antibiotikum empfindlich sind. Ruhende Keime ( Persister ) können also unter Umständen die Therapie überdauern. Wegen der langen Generationszeit der Borrelien ( 8- 35 Std.) sind Persister vermutlich nicht selten.

Und dies war bei mir der Fall…..:-((

Nach dem derzeitigen Stand der Kenntnisse dürfte daher eine Wiederholung der Therapie als eine noch längere Therapiedauer erfolgsversprechend sein.

UND
Bei allen therapeutischen Intentionen ist immer zu berücksichtigen, dass eine systemische Infektion therapiert werden muss!
Das Verschwinden der Hautläsion die Anfangs entsteht beweist keinesfalls eine Heilung der Krankheit!!

Die verwendeten Antibiotika dürfen nicht unterdosiert werden. Es ist mit Sicherheit sinnlos eine Lyme-Athritis mit 100mg Doxicyclin oral täglich therapieren zu wollen!!
Leider war dies auch bei mir der Fall…ich hätte auch Smarties essen können, dies hätte die gleiche Wirksamkeit gehabt!!

Meine Borreliose Erkrankung

Nun dazu muss ich noch mal ausholen, wie alles begann.
Ich fuhr am 1.Juni1999 mit dem Fahrrad im Taunus durch knöchelhohes Gras. Wer im Taunus mal gewandert ist, weiß dass es nicht überall asphaltierte Wege gibt.
Manchmal muss man eben eine Wiese überqueren im oder über Stock und Stein im Wald kraxeln, weil der Waldweg verschwindet und erst nach dem Dickicht wieder weiterführt.
Knöchelhohes Gras am Rande des Waldes??? Ein Paradies für Zecken!!
Die Parasiten lauern meist auf den Grashalmen und streifen sich an Mensch und Tier ab, welches die Halme berührt.
Ich war nun nicht wenig bekleidet. Ich trug eine Jeans, darunter Socken und Schuhe.
Dennoch kam mir ein Biest wohl auf die Kleidung und krabbelte in meinen Socken und setzte sich am rechten Sprunggelenk fest!
Etwa zwei Stunden später sah ich den Übeltäter auch und lies diesen von einem Arzt in der Notfallambulanz entfernen, da ich keine Zeckenzange daheim hatte.

WAS MAN AUF KEINEN FALL MACHEN DARF- KEIN ÖL ODER KLEBER AUF DIE ZECKE SCHMIEREN! Dies ist in vieler Leute Munde, aber wenn eine Zecke damit versucht wird zu ersticken, dann sondert diese im Todeskampf noch mal viel Speichel ab und dieser begünstigt wunderbar viele Erreger – die wenn die Zecke Borrelia Erreger besitzt oder auch FSME übertragen sollte alles in die Blut oder Lymphbahn gelangt.
Also lieber Zeckenzange und raus das Tier!
Notfalls vom Arzt.

Nachdem mir der Blutsauger entfernt wurde, machte ich mir auch keine weiteren Gedanken, dass die Zecke was übertragen könnte! Ich wusste zwar von Borreliose oder FSME, aber ich glaubte einfach mal, dass ich so was nicht bekomme.

Zwei Wochen später entstand am Sprunggelenk eine verfärbte Stelle- diese sah aus wie ein Hämatom! Also wie ein Bluterguss!
Ich dachte noch- komisch! Ich wüsste nicht wo ich mich gestoßen habe! Das Hämatom tat aber auch nicht weh und ich schenkte dem nicht weiter Beachtung!
Dies war aber der Beginn meiner Borreliose.

Ein paar Tage später entstand ein roter Kreis um mein Sprunggelenk, der einige Stunden später das Bein hoch wanderte! Dort breitete die Röte sich Girlandenförmig aus.
Oh weh!! Nun checkte ich- DIES SIND ANZEICHEN EINER BORRELIOSE!!!!

Ich ging einen Tag später zu meiner Hausärztin!
Nun hatten wir bereits Mitte Juni und die hessischen Sommerferien hatten begonnen. Da meine Hausärztin schulpflichtige Kinder hatte, wollte auch sie in den Urlaub gehen.
Aber es reichte noch für die Diagnose.
Sie sah mein Bein und erschrak. Sie nahm mir Blut ab und gab mir sofort auf Verdacht schon Antibiotikum mit!
Ich sollte auch gleich mit der Einnahme beginnen!

Die Blutuntersuchung bei Borreliose dauert 10-11 Tage, da im Labor erstmal eine Züchtung angelegt werden muss, um die Erreger feststellen zu können.

Ich begann also mit der Antibiotikatherapie. Aber ich kam nicht weit damit, denn nach 2 Tage Tabletten schlucken, bekam ich hohes Fieber, Übelkeit, Erbrechen…ich behielt die Medikamente nicht drin! Somit konnte die Therapie nicht wirken!!
Meine Ärztin rief mich aus dem Urlaub an und bestätigte, dass ich tatsächlich Borreliose habe! Sie empfahl mir zum Vertretungsarzt zu gehen und mich weiter behandeln zu lassen.
Also schleppte ich mich krank dorthin und erzählt dem Vertretungsarzt meine Geschichte!
Meine Wanderröte war bereits wieder abgeklungen, aber ich hatte Anzeichen einer Grippe und Kopf und Gliederschmerzen. Der Arzt glaubte einfach nicht, dass ich tatsächlich Borreliose habe und verschrieb mir nur fiebersenkende Mittel!
Ich bat ihn doch meine Ärztin zu kontaktieren, aber er nahm mich irgendwie nicht ernst!

Nun war ich ohne Medikation. Ich dachte blöd wie ich war, warte ich noch bis meine Ärztin aus dem Urlaub zurück kommt.
EIN FEHLER!!

Die Grippe Erscheinungen ließen nach ein paar Tagen nach und ich erholte mich aber nicht. Ich fühlte mich sehr müde, schwer, abgeschlagen, einfach nicht gut, hatte permanent starke Bauchschmerzen, leichte Übelkeit und leichte Sehstörungen.
Ich suchte einen anderen Mediziner auf, der verschrieb mir nur was Immunsystemstärkendes!
Oh weia!! Niemand wollte mir glauben, dass ich Borreliose hatte!
Dabei lag das Ergebnis schwarz auf weiß in der Praxis meiner im Urlaub befindlichen Ärztin.

Ich ging wieder arbeiten, quälte mich mit Kopfschmerzen zum Teil so stark, dass ich mich übergeben musste zu meinem Arbeitsplatz.
Ich war in allen Tätigkeiten die ich ausübte um vieles langsamer als sonst.
Meine Beine und Arme waren wie Gummi und meine Gelenke sackten ständig ab….
Ich weiß noch, ich stand im Flur meines Arbeitsplatzes und ich hatte das Gefühl mir schlägt jemand mit einem Hammer auf die Kniescheiben…ich konnte ja nicht schreien vor Schmerzen, ich kniff meine Lippen zusammen, ich bekam Schweißausbrüche und wurde ohnmächtig. Daraufhin schleifte meine ehemalige Chefin mich zum Arzt. Er war der Meinung, dass ich zuviel gearbeitet hatte. Ich erzählte ihm auch, dass ich doch Borreliose habe und er nahm mir dann auch Blut ab, aber auch diesmal dauerte es 11 Tage bis das Ergebnis in die Praxis kam!
Ja- auch dieser Arzt hatte schriftlich, dass ich Borreliose habe!
Meine Ärztin war wieder zurück und ich suchte diese wieder auf!
Sie verschrieb mir noch mal Antibiotika, aber viel zu niedrig dosiert und ich spürte keine Besserung.
Ich lag im Bett und hatte das Gefühl jedes einzelne Organ wurde unter Strom gesetzt, ich hatte Organschmerzen, ich hätte nur schreien können!!

Ich schleifte mich täglich zur Arbeit, war nicht mehr leistungsfähig, hatte Gelenkschmerzen, Gliederreißen, war total langsam, konnte mich nicht konzentrieren, hatte Schweißausbrüche, Wortfindungsstörungen und ein Herzklopfen zum Teil, dass ich dachte jetzt platzt mein Herz!

Die Missempfindungen begannen Anfang September.
Ich fuhr mit dem Auto eine Landstraße entlang. Plötzlich erschrak ich, ich hatte das Gefühl das Gaspedal ist glühend heiß!! Ich hatte das Gefühl mein Fuß verbrennt auf dem Gaspedal!! Ich fuhr sobald dies möglich war seitlich ran!
Ich stieg aus dem Wagen und fasste mit meiner Hand das Gaspedal an!
Aber es war ganz normal temperiert!
So wusste ich, es war eine Missempfindung! Als ich weiter fuhr hatte ich das Gefühl, dass mein Fuß soooo kalt war, dass dieser am Gaspedal festfror… es war die Hölle!!
Und dann die Schweißausbrüche dabei!
Nachts hatte ich das Gefühl dass tausend Nadeln auf meinen Körper einstachen und wieder klatsch nass geschwitzt und Herzklopfen, sowie Kopfschmerzen ohne Ende.
Ich war inzwischen bei einer Neurologin in Behandlung die immer noch diagnostizierte, aber ich bekam nicht geholfen.

Ende September war ich auf einer Feier bei Freunden. Ich wollte erst gar nicht hin, weil ich keine Kraft mehr hatte!
Ich konnte nicht mehr richtig laufen, ich hatte einfach keinen Antrieb mehr!
Jeder Schritt tat höllisch weh und ich hatte Ohrensausen, Sehstörungen, Scheißausbrüche, Gelenkschmerzen ständig wandernd – mal an den Handgelenken, dann Sprunggelenken, an den Fingergelenken, es war einfach nur schlimm.
Ich war kurzatmig, hatte abgenommen, hatte Schlafstörungen, Rückenschmerzen so heftig, dass ich nicht sitzen, liegen, oder stehen konnte.
Vor lauter Schmerzen konnte ich nichts mehr richtig wahrnehmen, ich konnte keinem Gespräch mehr richtig lauschen, ich konnte nicht mehr arbeiten.
Ich empfand in meinem inneren eine schreckliche Leere.
Ich fühlte mich als wandelnde, schmerzende Körperhülle.
Wie betrunken lief ich umher, weil ich mein Gleichgewicht nicht mehr richtig regulieren konnte.
Schreiben konnte ich auch nicht mehr! Sobald ich einen Stift zur Hand nahm, hatte ich durch die Missempfindungen das Gefühl, dass ich ein Stück glühendes Eisen in der Hand halte!!

So schleifte ich mich auf die besagte Fete.
Dort brach ich dann zusammen.
Meine Freunde alarmierten den Krankenwagen.
Ich kam ins Krankenhaus. Ich war einige Tage nicht bei Bewusstsein gewesen. Ich hatte sehr hohes Fieber.
Mir wurde Hirnwasser mittels einer Liquorpunktion entnommen.
Man stellte fest, dass ich eine Hirnhautentzündung hatte. Man hat die Borrelia Erreger bereits im Hirnwasser gefunden.

Ich war als ich wieder bei Bewusstsein war auf der Intensivstation total verwirrt. Ich erkannte meine Eltern nicht mehr, ich wusste nicht wie ich heiße wie alt ich bin und was ich beruflich mache!
Ich kam mir total verloren vor!!

Eine intravenöse Antibiotikatherapie mittels eines Antibiotikums, welches die Hirnschranke überwand half mir wieder etwas auf die Beine zu kommen.

Ich war insgesamt 11 Wochen im Krankenhaus. Die Symptome wurden weniger und flammten aber wieder auf! Ein Wechselspiel.
Täglich musste ich neurologische Untersuchungen wie Nervenreizweiterleitung, EEG, MRT über mich ergehen lassen und vieles mehr.

Das schlimmste war aber, dass ich immer noch nicht richtig orientiert war.
Alle Schmerzmittel die ich bekam halfen nichts.
Meinen Arbeitsplatz habe ich dann zwischenzeitlich verloren.
Meine Chefin glaubte nicht an meine Genesung.

Durch die schlimmen Nervenschmerzen in meinem Körper empfand ich keine normalen Gefühle mehr! Ich war nur noch angespannt und hatte Selbstmordgedanken!
Es half mir einfach nichts und diese Abgeschlagenheit lies mich nicht aus dem Bett kommen. Aber schlafen konnte ich nicht im Bett! Die Nervenschmerzen hielten mich Tag und Nacht wach!
Das Fieber stieg wieder bis fast zum Thermometer platzen und die Ärzte meinten zu meinen Eltern, dass es nicht gut aussähe.

Drei Monate später nach der Klinik, das Fieber war unten, aber meine Beschwerden nicht weniger kam ich in eine Rehaklinik.
Dort halfen mir Psychologen einigermaßen wieder auf die Beine und ich wand mich an eine Selbsthilfegruppe für Borreliose Erkrankte!
Ich kam mir so alleine vor mit dieser Erkrankung! Nachdem ich mit einigen Kontakt aufgenommen hatte, erfuhr ich, dass dies leider ein fast typischer richtiger Verlauf dieser Krankheit war.
Sie empfahlen mir mich an Ärzte zu wenden, die sich auf dem Gebiet der Borreliose spezialisiert hatten!
Und dies tat ich!

So kam ich in die Uniklinik Gießen, die eine Borreliose Ambulanz gegründet hatte!
Dort wurde ich von Kopf bis Fuß noch mal untersucht, Blutwerte wurden erneut genommen und ich sollte in eine Klinik nach Frankreich geschickt werden. Warum?
Ich hatte verschiedene Antibiotika durch, es half keines richtig. In Frankreich wurden bei Borreliose Antibiotika verabreicht, die auch in Amerika sehr erfolgreich bei Lyme-Borreliose gegeben werden. Diese waren in Deutschland nicht zugelassen.
Meine Krankenkasse genehmigte mir auch den Aufenthalt!!

Aber dann kam ein neues Antibiotika in die Gießener Klinik und dies wurde mich verabreicht. So brauchte ich nicht nach Frankreich.
Mir ging es dann etwas besser.

Meine Kraft kehrte mehr in meinen Körper zurück.
Aber gesund bzw. beschwerdefrei war ich noch lange nicht.

Ich musste irgendwas mit meinem Leben ja wieder anstellen! So suchte ich mir eine neue Arbeitsstelle und wurde doch tatsächlich genommen! Ich suchte mir absichtlich keine Vollzeitstelle, weil ich noch nicht die Kraft zum arbeiten hatte.
Leider blieb mein Gesundheitszustand nicht stabil.
Ich hatte wieder Tag und Nacht Nervenschmerzen, Herzklopfen, Schweißausbrüche, die neurologische Untersuchung der Nervenreitzweiterleitung war bei meiner niedergelassenen Neurologin wieder im auffälligen Bereich. Ich hatte Koordinationsstörungen und Gelenkschmerzen.
Also wieder Klinikaufenthalt….diesmal reichten 3 Wochen aus. Wieder intravenöse Antibiotikatherapie.

Durch meinen schlechten körperlichen Zustand hatte ich echt Angst wieder meine Arbeit am Arbeitsplatz nicht schaffen zu können. Ich bekam eine Wiedereingliederung in den Job genehmigt und mein damaliger Chef hatte zum Glück Verständnis!!

Ich kontaktierte immer wieder die Borreliose Selbsthilfegruppen und mir wurden auch Heilpraktiker empfohlen, die bei den Nervenschmerzen häufig besser helfen können.

So begann ich bei einem homöopathischen Arzt eine wochenlange Ausleitungstherapie…und meine Beschwerden wurden nach inzwischen 3 Jahren Krankheit VIEL BESSER!!

Ich lernte in Psychotherapien wieder schlafen! Ich hatte keinen Rhythmus mehr und brauchte viel Unterstützung.
In einer Schmerztherapie bei einer Ärztin wurde ich bei meinen chronischen Kopfschmerzen, Nervenschmerzen und der großen Abgeschlagenheit behandelt!
Auch dort zeigte sich eine Verbesserung der Symptome!

Aber jedes Jahr, wenn die kalte Jahreszeit einbricht, schwellen meine Fußgelenke und manchmal auch die Handgelenke an. Ich habe starke rheumatische Schmerzen, kann meine Gelenke oft nicht richtig bewegen.
Ich bin auf sämtliche Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises getestet worden, ich habe nichts!!
Einzig und alleine ist ein Borreliose Titter nachzu weisen.

Die Gelenkbeschwerden habe ich bis heute nicht im Griff.
Ich habe schon immer Angst vor nasskaltem Wetter, denn dies bedeutet, dass ich Schmerzen habe und manchmal etwas unbeweglich bin.

Dennoch ist dies kein Vergleich zu dem, was ich an Beschwerden der Borreliose mal hatte!
Ich werde weiterkämpfen um auch diese Symptome in den Griff zu bekommen.
Wer einen Tipp hat, ich bin für jegliche Hilfe dankbar!!

So nun ende ich mal meine Erfahrung über diese Krankheit, es soll ja nicht zuuuu lang werden. Aber so sieht meine Geschichte aus und dies ist unter vielen Borreliose Erkrankten kein Einzelfall.

In der warmen Jahreszeit geht es mir gut! Da habe ich kaum pseudo- rheumatische Beschwerden.
Somit freue ich mich über jeden warmen Sommertag!! :-))

Fazit

Ich hoffe mein Bericht kann Borreliose Erkrankten etwas behilflich sein, wer dies wirklich alles lesen möchte, darf dies natürlich tun!
Es ist echt eine üble Erkrankung, ich muss sagen- ich wünsche die meinem ärgsten Feind nicht.
Nun kann ich nach 10 Jahre Erkrankung wirklich sagen, dass ich dennoch dankbar bin aus dem Tunnel der Verzweiflung herausgekommen zu sein.
Meine noch verbliebenen Beschwerden sind zu dem was mal war zu ertragen.
Ich danke allen Ärzten, Psychologen und den Borreliose Selbsthilfegruppen, dass sie mir in meiner Zeit beigestanden haben.

Borreliose Selbsthilfegruppen

Borreliose SHG Lübeck
( Beratung Hanne Paul )
Forstmeisterweg 116
23568 Lübeck
Tel: 0451/33306

Borreliose Beratung Köln
( Beratung Peter Rohleder )
Guntherstr. 11
51147 Köln
Tel: 02203/69257


Borreliose SHG Augsburg
( Beratung Klaus Gesell )
Daucherstr. 2
86156 Augsburg
Tel: 0821/404492

ICH BEDANKE MICH FÜRS LESEN

Liebe Grüße
------Engelherz--->25.August09

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
sunrise67

sunrise67

31.05.2010 09:42

dein BH ist da!

golden_rose

golden_rose

28.05.2010 20:46

BH wird nachgereicht!!

sunrise67

sunrise67

27.05.2010 21:14

... Ich habe eine Gänsehaut nach der anderen bekommen und kann nur sagen: Einfach fürchterlich!!!!! Da hast du ja echt ganz schön was durchgemacht! Ich komme mit bh wieder und hoffe, jetzt sind die 'Symtome noch mehr verschwunden als vor fast einem Jahr!

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