8 Punkte die euch das Leben erleichtern

5  13.04.2002

Pro:
Man erspart sich jede Menge Arbeit, Stress und Zeit

Kontra:
Man sollte sich an jeden Punkt halten

Empfehlenswert: Ja 

Laurielle

Über sich:

Mitglied seit:26.03.2001

Erfahrungsberichte:86

Vertrauende:59

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Dieser Bericht bezieht sich hauptsächlich auf Facharbeiten im Fach Geschichte u.ä.!
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Auch für mich war die Zeit also gekommen, meine Facharbeit zu schreiben. In diesem Jahr fand sie bei uns an der Schule für die zweiten Leistungskurse statt, was bei mir Geschichte ist. Zunächst freute ich mich zwar sehr darauf, wurde auch noch so viel von Mitschülern herumgemault, wie anstrengend sie doch werden würde. Ich sah darin eine Chance mich zu bewähren und stellte sie mir als spannende Detektiv-Arbeit vor.

Dann kam der Tag, an dem die uns zugeteilten Themen verkündet wurden. Und was fand sich bei mir Schönes?
"Hart wie Kruppstahl? Hitler-Jugend in der Stadt des KdF-Wagens". Für alle, die es noch nicht wussten: Stadt des KdF-Wagens (KdF = Kraft durch Freude) war der ursprüngliche Name des heutigen Wolfsburgs. Der alte Name klingt ganz schön nach Nationalsozialismus. Die Stadt wurde nämlich im dritten Reich gegründet, nachdem Hitler beschloss, das KdF-Werk (richtig, das Volkswagenwerk) hier zu bauen – schließlich sollte es zentral gelegen sein und zudem einen würdigen Standpunkt bekommen, welcher sich hier fand, direkt neben der ehemaligen Stadt Fallersleben, in der Hoffmann von Fallersleben, der Texter der deutschen Nationalhymne lebte.

Zunächst war ich recht erfreut, dass ich dieses Thema bekam. Sooft es auch bereits durchgekaut wurde (das glaubte ich zu dem Zeitpunkt zumindest noch), war es doch schließlich eines nach meinen ungefähren Wünschen. Zuvor teilte ich meinem Lehrer nämlich mit, dass ich, wenn ich nicht das Thema „Zwangsarbeiter in Wolfsburg“ bekäme, gerne eines im Zusammenhang mit Kindern hätte. Sei es Schule, BDM oder eben Hitler-Jugend. Der Grund war, dass ich möglichst viel mit anderen Leuten zusammenarbeite, sprich Zeitzeugenbefragungen machen wollte, da ich mir unheimlich gerne Geschichten anderer anhöre.

Einen Monat hatten wir für die Arbeit Zeit. In diesen Wochen waren wir mit dem Kurs an zwei Tagen im Stadtarchiv, um gemeinsam zu lernen, Informationen zu bestimmten Themen zu finden. Alles schien mir so einfach... anfangs. Faul wie ich nun leider bin, schob ich also die Arbeit auf die lange Bank. Mit der Praktikums-Mappe hatte es ja schließlich auch funktioniert. Aber schnell sollte ich herausfinden, dass die Facharbeit weit mehr als eine Anfertigung einer simplen Mappe ist, in der mir bereits bekannte Informationen einfach bloß zusammengefasst werden müssen. Zu viel Zeit habe ich verloren, viel zu spät erst wirklich zu arbeiten begonnen. Das Resultat kann man sich beinahe denken: Zwar fing ich eine Woche vor Abgabetermin an, richtig durchzustarten, doch auch sieben Tage können sehr knapp sein. Angefangen habe ich mit einem Besuch im Altersheim, in dem meine Oma die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte. In einer mir vertrauten Umgebung, würde mir das Arbeiten leichter fallen, dachte ich. Doch dort war mir alles so fremd. Als kleines Kind bemerkt man eben das Leid älterer Menschen noch nicht so. „Glücklicherweise“ konnte mir jedoch jemand einen Treffen mit ein paar älteren Herren organisieren, das zwei Tage später stattfand. Entgegen meinen Wünschen war jedoch kein einziger von ihnen in Wolfsburg aufgewachsen. Einer kam aus Aachen, ein anderer aus Schlesien, wo der Rest herkam, weiß ich nicht. Und in der Hitler-Jugend direkt war keiner von ihnen. Ein Einziger war wenigstens noch ein paar Monate bei den Pimpfen, was mir herzlich wenig weiterhalf, da er sich nur noch dunkel an jene Zeit erinnerte und es wie bereits erwähnt noch nicht mal die Pimpfe in Wolfsburg waren. Ein anderer, der mir vermittelt wurde, war sogar in der SA. Sie alle waren wirklich überaus lieb, kein wenig grantig, wie mich der Herr warnte. Doch letztendlich habe ich durch das Gespräch nur einen Tag Arbeit verloren, statt irgendetwas zu gewinnen. Zudem habe ich eigens für das Interview ein Diktiergerät und drei Aufnahmekassetten gekauft.

Die nächsten Tage blieb mir also nichts weiter übrig, als stundenlang jeden Tag im Stadtarchiv Akten zu durchforsten und Mikrofilme nach brauchbaren Zeitungsartikeln zu untersuchen. Den Rest der Zeit suchte ich im Internet vergebens nach Informationen über die Hitler-Jugend in der Stadt des KdF-Wagens. So blieb mir nur noch, einen sehr breiten Teil an allgemeinen „Zusatzinformationen“ (meine Zusatzinformationen machen den Großteil aus) herauszusuchen. Die letzte Nacht vor der Abgabe war die schlimmste. Bis nach 4 Uhr nachts saß ich am PC, versuchte mit letzter Kraft diese fürchterliche altdeutsche Schrift auf den Kopien der Zeitungsausschnitte zu entziffern, telefonierte und mailte mit ebenso gestressten Klassenkameraden zwecks Informationsaustausch, joggte zwischendurch (um 1 Uhr nachts) durch die Gegend, um mein Gehirn mit etwas Sauerstoff wieder auf Trab zu bringen, rauchte eine nach der anderen und trank Unmengen an Cola. Ich glaube, dies war die schlimmste und arbeitsreichste Nach meines ganzen Lebens. Bloß zwei Stunden hatte ich in jener Nacht schlafen können. Wie immer in solchen Situationen ging natürlich der Drucker kaputt, sodass ich am nächsten Tag noch früher aufstehen musste, um ihn wieder in Ordnung zu bringen. Zu spät merkte ich leider, dass meine Facharbeit eine Brutstätte für Rechtschreib- und Grammatikfehler war. Peinlich, ärgerlich, aber nicht zu ändern.

Wenn ihr wollt, dass eure Facharbeit besser läuft, werde ich mein bestes tun, um euch ein paar hilfreiche Tipps zu liefern. Doch ehe ich das kann, muss ich erst mal verraten, was mein größtes Problem war; wenn ihr es nicht schon selbst wisst: Time Management! Denn das Wichtigste bei den Recherchen für eine Facharbeit ist weder viele Zeitzeugen zu haben, noch Unmengen an Büchern. Glaubt mir, das A und O ist, sich die Zeit richtig einzuteilen.


Punkt 1: GLIEDERN

Bevor ich euch in die große Arbeit stürzt, solltet ihr euch einmal, ganz allein für euch und frei von jeder Informationsquelle, damit auseinandersetzen, was ihr von eurem Thema überhaupt erwartet. Stellt euch selbst Fragen. Solche, die euch selbst interessieren, aber auch, was sich direkt auf das Thema bezieht. Fertigt eine kurze Gliederung an, die etwa folgendermaßen aussieht:

1. Allgemeine Informationen zur HJ
1.a Wann wurde sie gegründet
1.b Warum und durch wen wurde sie gegründet
1.c Was war das Ziel der HJ

2. Leben in der HJ
2.a. Wie sahen die Heime aus
2.b. Gab es Bestrafungen
2.c Wurde man auf den Krieg vorbereitet

Und so weiter. Eure Fragen solltet ihr so bündeln, dass sie immer mit solchen ähnlicher Gattung in einem Kapitel stehen.

Punkt 2: SAMMELN

Bei einem ähnlichen Thema, wie ich es hatte, solltet ihr die ersten Tage die gröbsten Informationen in Zeitungsausschnitten sammeln. Ich würde sagen vier bis sieben braucht man in etwa dafür. Je nachdem, wie intensiv man arbeitet und wie viel man findet. Lest euch nicht sofort alles sorgfältigst durch! Wichtig ist erst einmal, genügend Material zur Hand zu haben, sodass man es sich später mit der Arbeit zuhause oder an irgendeinem Ort wie einer Bibliothek gemütlich machen kann.

Punkt 3: SORTIEREN

Nachdem ihr also einen Berg an Informationen zusammen habt, solltet ihr anfangen, in jeden Text etwas reinzulesen. Erscheint euch etwas sehr wichtig, legt ihr es auf den einen Stapel, klingt es eher unwichtig, kommt es auf einen anderen Stapel. Keine Angst vor der vielen Arbeit! Ihr sollt ja zunächst nur alles überfliegen.

Punkt 4: VERINNERLICHEN

Wenn ihr schließlich wichtig von unwichtig getrennt habt, geht es daran, die Materialien genauer zu betrachten. Markiert, in welche Richtung jede der einzelnen geht. Das heißt, verglichen mit meinem Thema: Ist es ein Dokument, das zu Propagandazwecken entstand, wird es rot gekennzeichnet, entspricht es der Wirklichkeit, markiert ihr es grün. So oder so ähnlich solltet ihr vorgehen, denn dies erspart wirklich eine Menge Zeit und Arbeit, so aufwendig es auch klingen mag. Außerdem solltet ihr alle nötigen Punkte unterstreichen. Lest ihr etwas, womit ihr nicht gerechnet hättet oder etwas, das Antwort auf eine eurer Fragen gibt, dann haltet es fest!

Punkt 5: ZUSATZINFORMATIONEN BESORGEN

Das können Zeitzeugenbefragungen, Sekundärliteratur, andere Fach- oder Doktorarbeiten zu ähnlichen oder sogar zum gleichen Thema sein. Aber Vorsicht! Hier darf nicht auch nur ein kleiner Absatz wortwörtlich übernommen werden, denn das gilt als Betrug und kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass ihr die Schule verlassen müsst. Übrigens: Plant ihr Zeitzeugenbefragungen oder ähnliches, dann kümmert euch rechtzeitig um einen Termin. Denn oft, sind die viel schwerer zu bekommen als man anfangs vermutet.

Punkt 6: DEUTEN

Habt ihr alles zusammen, wonach ihr gesucht habt – keine Panik, wenn ihr nicht alles gefunden habt, das kommt fast immer vor – dann beginnt ihr alles miteinander zu vergleichen, infrage zu stellen und aus allen Blickwinkeln zu betrachten, das heißt objektiv wie auch Subjektiv. Wenn ihr zum Beispiel etwas gelesen habt, was euch nicht gefällt, dann versucht es nachzuvollziehen. Jedoch könnt ihr natürlich immer noch anhängen, wie eure Sicht dazu ist. Passt aber auf, dass ihr nicht unsachlich werdet. Eure persönliche Meinung dürft ihr nicht allzu weit ausbreiten. In einem Kapitel, das entsprechend gekennzeichnet ist, geht das selbstverständlich in Ordnung. Macht euch nun schon einige Stichpunkte.

Punkt 7: SCHREIBEN DES HAUPTTEILS

Macht unter keinen Umständen den selben Fehler wie ich und fangt mit dem Kapitel an, das euch am meisten zuspricht bzw. euch am einfachsten erscheint. Am Ende gibt das nur Probleme über Probleme in der Ordnung. Haltet euch lieber an eure Gliederung, die ihr vorher angefertigt habt, auch wenn sie möglicherweise ein paar Punkte enthält, für die ihr keine Materialien finden konntet. Fangt mit dem ersten Kapitel an und schreibt der Reihe nach eines nach dem anderen. Versucht euch bitte stets an die Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikregeln zu halten! Übrigens könnt ihr euch schon während des Schreibens des Hauptteils, Fußnoten machen. Das sind diese kleinen Bemerkungen, die man mit Nummern im Text angibt und die entweder unten auf der selbigen Seite oder im Anhang zu finden sind. Wenn ihr es lieber mögt, könnt ihr dir jedoch auch zum Schluss machen. Da riskiert ihr es jedoch, einiges zu übersehen. Und dies kann euch teuer zu stehen kommen, z.B. wenn ihr vergesst ein Zitat zu markieren. Auch hier gilt übrigens die Regel: Schreibe ausführlich, aber kürze Unnötiges weg. Das soll heißen, dass ihr euch nicht in eher unwichtigen Nebeninformationen verrennen dürft, sondern kontinuierlich direkt auf das Thema bezogen schreiben solltet.

Punkt 8: Habt ihr den Hauptteil abgeschlossen, dann schreibt, wenn es verlangt wurde, Vor- und Nachwort. Darin vorkommen sollten eure Intention, eure Meinung und eine kurze Erklärung zum Thema.

Punkt 8: DESIGN GESTALTEN

Das Auge isst nicht nur mit, es bewertet auch mit. Darum solltet ihr euch ebenso große Mühe um, die Optik, wie um den Inhalt machen. Bei uns an der Schule ist man ganz pingelig, Schriftart und –größe, Zeilenabstand und Randbreite sind klar angegeben. Haltet euch daran, wenn es bei euch genauso sein sollte. Außerdem macht sich Blocksatz immer am schönsten, es sei denn, man macht sich freiwillig die Arbeit, jedes einzelne Wort zu trennen, das nicht mehr vollständig auf eine Zeile passt. Ein schönes Deckblatt ist außerdem sehr wichtig. Es vermittelt den ersten Eindruck. Seid kreativ und lasst euch was Hübsches einfallen. Aber schweift dabei nicht zu sehr vom Thema ab. Das Deckblatt sollte nämlich möglichst treffend wiedergeben, womit ihr euch befasst. Natürlich ist es aber auch von großer Wichtigkeit, saubere Blätter ohne Eselsohren abzugeben. Auch der Anhang sollte abwechslungsreich und interessant sein. Fotografien, Malereien, Stammbäume, Zeitungsausschnitte, Briefe, und all so etwas gehört genau da hinein.


Haltet ihr euch an meine Punkte, dann habt ihr kaum etwas zu befürchten. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, gäbe ich einiges darum, es zu tun. Ihr glaubt ja gar nicht, wie sehr man es bereuen kann, sich nicht etwas mehr um etwas bemüht zu haben. Denn so wie ich es getan habe, ergab sich nichts anderes als purer Stress, der letztendlich sicherlich nicht mal lohnend ist. Besonders vielversprechend las sich meine Facharbeit jedenfalls nicht. Und denkt immer daran: Die Facharbeit ist keine Folter, die sich die Lehrer für euch ausgedacht haben, sondern die mit Abstand effektivste Vorbereitung auf späteres Arbeiten oder Studieren, denn sie lässt euch zum ersten Mal vollkommen selbstständig arbeiten.


Ich hoffe wirklich, dass ich euch mit meinem Bericht etwas weiterhelfen konnte. Macht es gut, macht es besser als ich!


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Lambertus2008

Lambertus2008

27.01.2008 13:08

Das ist nicht nur ein "bh" wert, sondern auch noch ein Vertrauen! (Altes Vertrauen rostet nicht ...- oder so.) LG, Kurt

Bubbelz

Bubbelz

06.12.2004 14:25

Sehr guter Bericht! Den muss ich mir jetzt noch ein paar mal durchlesen, weil ich sonst eigentlich auch eher der Typ bin, der alles auf dem letzten Drücker macht...! Also danke für den Bericht *g* Gruss, Paula :o)

opiniator

opiniator

30.03.2004 16:44

Wirklich klasse! Ich fange auch gerade mit meiner Facharbeit an (Latein). Ich habe so ein Zeitproblem aber schon einmal erlebt. Bei meinem Hausaufsatz in der 11. Klasse. Und wie bei dir hat auch mein Drucker gestreikt. Das machen die extra :-)

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