Rent A Dragon

5  03.02.2012 (04.02.2012)

Pro:
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Kontra:
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Empfehlenswert: Ja 

dahmane

Über sich: Entwicklungshilfe ist der Transfer von Geldern von den armen Menschen in reichen Ländern zu den reic...

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Éamonn also kam eines Vormittags durch ein kleines Dorf im Westen, da sah er die Frau, die gerade ihre Wäsche zum Bleichen auslegte. Er strich sich die Haare glatt und ritt klappernd heran.
„Éamonn atá orm“, sagte er freundlich.
Die Frau schaute auf zu ihm auf, ein wenig mißtrauisch, ein wenig spöttisch, so daß er sich fast schon für sein schlechtes Gälisch schämte. Dabei war er ein Mann von Welt, erfahren und geschickt. Éamonn, müßt ihr wissen, war auf dem Weg zu König Arthus, und wer kann sagen, was aus ihm geworden wäre, wäre nicht geschehen, was jetzt geschehen sollte.
„Cén t-ainm atá ort?“ fragte er. Und wie heißt Du?
Die Frau antwortete immer noch nicht. Noch nie hatte er so große dunkle Augen gesehen, unter einer freundlichen hohen Stirn und im Frühwind flatternden dunklen Haaren. Und dann erhob sie sich auch noch. Wie groß sie war! Und ihre Beine sahen aus und sie bewegte sich, als würde sie gerne tanzen und singen, und ihre kräftigen Schultern schienen den ganzen Morgen, ach was, den ganzen Tag tragen zu können.
Das mußte die verschwundene Prinzessin sein, die er suchte, und er würde sie aus der mißlichen Lage befreien, in die sie geraten war. Wäsche auslegen! Unfaßbar! Kinder großziehen (wie er mit einem Blick auf die Wäschestücke bemerkte), wie schmutzig, wie unwürdig! Es wäre besser für sie, wenn sie ihn auf seinen wilden Abenteuern bis zum Hofe Arthurs begleitete, nicht wahr? Und dann könnte sie immer noch zu ihrem Vater zurückkehren, wenn sie das denn wollte.
„Was führt Euch hierher, Herr Éamonn?“ fragte sie. „Sucht Ihr Abenteuer und Gefahr?“
Was für eine Stimme! Sie schwebte zwischen dunkler Tiefe und heller Wärme, so daß sich im gleichen Augenblick noch seine Brust weitete und seine Muskeln sich anspannten und, ich erwähne es nur am Rande, auch noch etwas anderes.
„Für Euch, werte Dame“, hörte er sich zu seinem nicht geringen Erstaunen sagen, „würde ich einen Drachen erschlagen. Oder, wenn es auf der Stelle sein soll, eine Fliege in Eurem Schlafzimmer!“
Sie starrte ihn an. (Wegen seines Mutes und seines Witzes hoffte er.)
„Ach, Herr“, rief sie, „in meinen Zimmern gibt es keine Fliegen. Erschlagt lieber ein paar Wölfe! Dahinten!“ und damit deutete sie auf den Waldsaum, der sich als dunkle Linie am Horizont zeigte, und dann gab sie seinem Pferd wahrhaftig einen heftigen Schlag auf das Hinterteil, so daß es aufsteigen wollte, dann aber, als er es mit bewunderungswürdiger Geistesgegenwart und beachtlichem Schenkeldruck daran hinderte, davonpreschte. Éamonn riß die Rechte hoch, um seinem Abgang etwas Würde und Freundlichkeit zu verleihen, und dann galoppierte er auf den Wald zu. Die Wölfe könnte er sich ja einmal ansehen. Es begegnete ihm aber kein Wolf. Er hörte sie nur einige Male in der Ferne heulen.
So beginnt diese Geschichte von Éamonn, dem Kämpfer, der in den Tagen danach immer noch keine Wölfe fand und sich immer weiter in den Wald hinein verirrte und eines Tages sich auch aus dem Wald heraus in die weite Welt hinein.
Die ganze Zeit dachte er an die Frau mit den großen dunklen Augen und den vollen, weichen Lippen und dem frechen Verstand und der Stimme zwischen dunkler Tiefe und heller Wärme (wenn er daran dachte, regte sich immer noch etwas und das, beeile ich mich hinzuzufügen, von Mal zu Mal stärker und länger), und er dachte daran, woher er, wenn er schon die Wölfe nicht fand, vielleicht einen Drachen nehmen könnte.

Seit vielen Jahren hatte nämlich niemand mehr einen Drachen gesehen, müßt ihr wissen, was natürlich nicht bedeutete, daß es keine mehr gab. Außerdem – wenn er einen Drachen gefunden hätte, einen hinreichend großen und gefährlichen… Ja, wie sollte er ihn bis zu dem Dorf locken, wo die entführte Prinzessin mit den Augen voller Träume und den Tänzen in den Beinen ihre Wäsche wusch, ihr Brot buk und ihre Kinder kraulte?
Cha d’dhùin doras nach d’fhosgail doras, sagen die Leute in dem kleinen Dorf. Keine Türe ist für immer verschlossen, und andere Türen sind für immer geöffnet, und deshalb gelangte er, gerade als er sich in die weite Welt verirrte, in das große Tal, in dem damals Myrddin Lailoken lebte, der große Magier. Ihr kennt ihn, vielleicht auch unter einem anderen Namen, und wißt, daß er schon lange Zeit vorher überall dorthin gereist war, wo die Drachen wüteten. Er hatte sie seinem Willen unterworfen und war dann auf ihrem Rücken in dieses Tal geflogen. Von den Menschen, die er von der Macht der Drachen befreit hatte, verlangte er nur, daß sie die Hälfte des Viehs bei ihm ablieferten, die vorher der Drache geschlagen hatte – mit der Drohung, daß sonst die Ungeheuer zurückkehren würden, zorniger und schrecklicher als zuvor –, und damit hielt er seine seltsame Menagerie am Leben, damit er abends ihren Erzählungen lauschen und ihre Weisheit erfahren könnte. Wie ihr wißt, kam ihm das in seinem späteren Leben oft zupaß.
Es sollte sicherlich so kommen, daß der sich in der Welt verirrende Éamonn die Schutzzauber, die Myrddin Lailoken so sorgsam gewoben hatte, durchbrach und nach einem langen Marsch durch das dämmrige Tal plötzlich vor dem Feuer stand, über dem der Magier einen Hasen kochte. Er kochte ihn, soviel Zeit muß sein, nachdem er ihn kurz und heftig angebraten hatte, mit herben Kräutern, mit bittersüßen Wurzeln und nach Eisen schmeckendem dunkelgrünen Gemüse, mit ein wenig Salz und ein wenig wildem Honig, mit Knoblauch und Zwiebeln und Wendigo, so daß dem Edelmann, als er in das Licht des Feuers stolperte, auf der Stelle der Wund wässerte.
„Wer seid Ihr denn, junger Narr?“ fragte Myrddin Lailoken, rührte aber unbeeindruckt weiter im Topf, damit die schwere Suppe nicht anbrennen sollte. Unter den Bäumen schliefen die Drachen, gewaltige unförmige Gebilde, die mit dem unruhigen Schatten der Blätter sonderbar verschmolzen.
„Éamonn, Herr!“, sagte der Edelmann. „Und wer seid Ihr?“
„Éamonn wer?“
„Nun… Éamonn von den Tiglalath, Sohn des Älteren Éamonn, Sohn des Séan von Bran, der bin ich, auf dem Wege nach Süden, um überzusetzen…“
Weit hinter ihm öffnete sich plötzlich ein gewaltiges Auge.
„Ruhig!“ sagte Myrddin Lailoken bestimmt, und daran merkte Éamonn, daß s nicht er gemeint sein konnte. Also wandte er sich um. Unter einer gewaltigen Eibe lag ein Drache, so groß wie das Haus der wunderschönen Frau (da regte sich doch schon wieder etwas!) und musterte ihn aus einem gelb glimmenden Auge.
Mit einer Ruhe, die sicherlich beeindruckend wirkte, wandte er sich wieder dem Mann am Feuer zu.
„Ist das Euer Drache, Herr?“
„Nein“, sagte Myrddin Lailoken sanft. „Sie gehören sich selbst. Ich habe sie nur bezaubert. Für eine Weile werden sie bei mir bleiben, und das Land hat Ruhe.“
„Aha!“ sagte Éamonn.

Ich werde euch die Zeit ersparen, in der Éamonn von den Tiglalath, Sohn des Älteren Éamonn, Sohn des Séan von Bran, auf Myrddin Lailoken einredete, bis dieser endlich ärgerlich wurde und laut überlegte, ob er ihn einfach einem der Drachen zuteilen sollte, vielleicht als Anzahlung auf eine künftige Belohnung. Éamonn spürte den wachsenden Überdruß seines Gastgebers erst, als es fast schon zu spät war, weil er die ganze Zeit an die schöne Frau mit den kleinen festen Brüsten und der Stimme dachte, der Stimme zwischen dunkler Tiefe und heller Wärme.
„Ruhe da, ihr beiden“, sagte plötzlich eine Stimme. Sie war ganz klar und wunderbar artikuliert. Deshalb dauerte es lange, bis Éamonn merkte, daß sie wirklich von dem Drachen unter der uralten Eibe kam und daß sie nur deshalb nicht tief rumpelte, weil sie nur in seinem Kopf erklang und niemand sie hören konnte als nur er und Myrddin Lailoken.
Der hatte gerade ernstlich ärgerlich werden wollen, wurde statt dessen aber unvermittelt ganz ruhig. „Was ficht dich an, Rott? Ich –“
„Nein, Magier“, sagte die Stimme in seinem Kopf, und Éamonn wandte sofort den Blick ab. Wenn man dem Drachen in die Augen schaute, während der mit einem redete, das wußte jeder, dann war man verloren.
Leider wußte aber Éamonn nicht einmal alles, was jeder wußte. Vor allem wußte er nicht, daß dem Gedächtnis eines Drachen nichts entfällt, niemals, sondern daß die Erinnerung im Geist, im rachsüchtigen und finsteren Geist eines Drachen wilde Ranken treibt, die noch wildere Pläne reifen lassen, und auch wußte er nicht oder hatte vergessen – einerlei am Ende –, was für ihn der Drache Rott hätte bedeuten müssen. Aber Rott erinnerte sich mit der durch das Bewußtsein der Demütigung geschärften Genauigkeit daran, wie achtundvierzig Jahre zuvor Séan von Bran ihm mit einem vergifteten Speer eine Niederlage angesichts des gesamten Königshofes beigebracht hatte, so daß er – er, Rott – am Ende mit schwerfälligen Schwingenschlägen von der Walstatt hatte fliehen müssen, bevor das Gift ihn vollends lähmte, anstatt das saftige Pferd des Königs und womöglich den König selbst davonzutragen: das Pferd als Mittagsmahl, den König… Nun, das würde sich finden. Es ist kein Märchen, daß manche Drachen gerne Horte anlegen, in denen sie ihre Schätze sammeln. Aber das ist eine andere Geschichte, besonders, was Rott anbelangt.
Das alles hatte Éamonn vergessen oder nie gewußt, und darum war er dem Untergang geweiht, sobald er, der verführerischen Stimme des Drachen folgend, seine Geschichte erzählt hatte.
„Wenn ich Euch richtig verstehe, junger Narr, wollt Ihr diesen Drachen ausleihen, damit er eine gewisse Frau anfällt, die Ihr dann wiederum gegen den Drachen verteidigen werdet, so daß besagte junge Frau Euch endlich die Fliegen in ihrem Schlafzimmer töten läßt – oder was immer Ihr dort vorhabt.“
Éamonn nickte. Er fühlte die Augen des Drachen auf sich gerichtet – freundlich, um nicht zu sagen, vorfreudig.
„Ich würde ihm vielleicht in paar Wunden schlagen müssen, bevor er abdreht und nach Hause, also zu Euch, Herr, zurückfliegt. Es soll ja überzeugend wirken, denke ich mir…“
„Gewiß!“ sagte die Stimme in seinem Kopf. „Und auch Ihr solltet ein paar Schrammen abbekommen, damit Ihr um so würdiger ausschaut für die sanften Tröstungen Eurer Auserkorenen.“ Éamonn schluckte, aber bevor er etwas erwidern konnte, redete der Drache schon weiter. „Fürchtet mich nicht. Ich kann Euch nicht erschlagen. Das verhindern die Zauber, mit denen ich belegt bin, und Ihr könnt mich nicht erschlagen, weil ich Euch“ dabei verzog sich das zerfurchte Maul des Drachen zu einem gräßlichen Grinsen, „überlegen bin. Jawohl.“
Für einen langen Moment standen alle schweigend da. Dann kramte Myrddin Lailoken zwei Schüsseln aus Bein hervor und schenkte großzügig von der herrlich duftenden Suppe ein.

Was soll ich sagen? Die Gespräche dauerten noch lange in die Nacht hinein. Die Abmachung hatte nämlich einen großen Mangel. Éamonn hatte nichts, was er für das Privileg geben konnte, sich den Drachen auszuleihen, und dabei hätte er alles hingegeben, was er hatte, sogar seine funzelnde Seele, wenn jemand daran interessiert gewesen wäre.
Rott behauptete, er würde sogar drei tiefe Schmisse in der Seite riskieren – „Hört ihr? Nicht mehr als drei, und befreit vorher Euer Schwert vom Rost!“ –, nur um, wie er sagte, noch einmal nach so langer Zeit unter die Leute zu kommen, und dann bellte er so schauerlich los, daß sich die anderen Drachen unter ihren Bäumen regten und Éamonn sich am liebsten hinter dem Kessel verkrochen hätte. Aber der Magier fühlte, daß er um seiner Reputation willen schon einen gewaltigen Preis würde fordern müssen. Daß sein Kunde nichts zu bieten hatte, war leider ein Ärgernis.
Als der Hinkende Bogenschütze über ihren Köpfen stand, einigten sie sich darauf, daß Herr Éamonn (Herr jetzt wieder und nicht mehr Alter Narr, nachdem er sich verpflichtet hatte) für ein Jahr in die Dienste des Myrddin Lailoken treten würde, am Tage und in der Nacht, mit dem Auftrage, überall im Lande umherzustreifen und alle noch die Leute terrorisierenden Drachen zuverlässig aufzuspüren und behelfs einiger einfacher Zaubersprüche… Ihr könnt euch den Rest denken. Für ein Jahr, sagte der Magier, und Ihr könnt eure Frau mit dem hübschen Hintern und dem Tanzen in den Beinen gerne mitnehmen, wenn Euch das hilft, die Drachen zu finden. Ein Jahr oder drei Drachen, je nachdem, was zuerst zu Ende ist.
„Jawohl!“ sagte Éamonn begeistert.
„Und ich gebe Euch noch etwas dazu, Herr Éamonn“, sagte die Stimme in seinem Kopf. „Ich kümmere mich um Eure Wölfe.“
Éamonn schaute den Drachen erstaunt an. Ihm war, obwohl er das nur wenige Stunden zuvor erzählt hatte, wieder entfallen, wie lange er nach den Wölfen gesucht hatte, um wenigstens mit ihren Kadavern die Frau mit den funkelnden Augen und dem frechen Kinn zu beeindrucken.
„Ich sehe“, sagte Rott, „daß Ihr keine Ahnung habt, wie Ihr der Wölfe Herr werdet. Aber das müßt Ihr, wenn Ihr Eure Frau wirklich glücklich machen wollt. Ich sage Euch, was Ihr tun müßt, und dann werde i c h für Euch die Wölfe abschlachten, so daß Ihr, wenn ihr wollt, erzählen könnt, Ihr hättet das selbst vollbracht. Mich kümmert das nicht. Aber ich – ich kann sie mit einer Klaue aufschlitzen und es aussehen lassen, als wäre Euer Schwert es gewesen. Diesen kleinen Dienst schenke ich Euch, weil Ihr mir einen amüsanten Nachmittag verschaffen werdet.“ Damit bellte er noch einmal los.
Man kann das Lachen der Drachen nur mit einem heiseren, fast wütenden Bellen gewaltiger Hunde vergleichen. Es fängt tief in der Kehle an, ein leise dröhnendes Grollen, das sich dann auf dem Weg nach oben auflöst in hellere, scharfe Explosionen, die jedem, der das einmal gehört hat, den Schweiß auf der Stirne gefrieren lassen.
Und nachdem er solcherart gelacht hatte, erklärte Rott ihm, was er, Éamonn, zu tun hätte. Fünf Tage würde er ihm Zeit geben, nicht länger, und dann würde er das Rauschen dunkler Schwingen hören. (Wahrhaftig, das sagte Rott, und wenn er, als er das sagte, zum dritten Mal gelacht hätte, hätte uns das nicht gewundert. Aber er lachte nicht, sondern grinste nur und leckte sich mit seiner riesigen Zunge die Lefzen.)

So kehrte Éamonn zurück in das Dorf. Dabei merkte er, daß er nur eine sehr ungefähre Vorstellung davon hatte, wo es überhaupt lag, und als er es lange Zeit später tatsächlich fand, weil der Wald am Horizont ihn sozusagen ausspie, erblickte er darin einen Segen der Götter für seine Queste.
Hinter sich her schleifte er auf einer langen Bahre ein riesiges Wildschwein, das Rott für ihn getötet hatte. Es begann schon stark zu riechen, so daß er erleichtert war, es am Waldrand ablegen zu können. Es dämmerte schon wieder (oder immer noch, einerlei). Er führte sein Pferd eine Strecke zurück in den Wald und rieb es und auch sich selbst mit der Tinktur ein, dann kletterte er auf eine Esche, suchte sich eine bequeme Astgabel und wartete ab.
Etwa eine halbe Stunde später tauchte ein Schatten auf und näherte sich vorsichtig dem Kadaver. „Wölfe fressen kein Aas, wenn sie frisches Fleisch haben können!“ hatte er eingewandt.
„Sie werden Euch nicht riechen, Herr Éamonn, Euch nicht und Euer Pferd auch nicht“, hatte der Magier gekichert, „dafür sorge ich. Tut nur, was Rott Euch sagt, und Ihr werdet sehen, was Ihr bekommt!“
Er bekam, in der Tat, ein kleines Rudel Wölfe, das sich, nachdem der erste Wolf die gute Nachricht in den Wald hinein geheult hatte, um das Schwein versammelte, er bekam das Rauschen dunkler Schwingen, die sich unvermittelt aus den Zweigen der Eichen löste, er bekam das ekelerregende fetzende Geräusch gewaltiger Krallen, die Schwein und Wölfe aufrissen, er bekam einen heftigen Schluckauf, er –
„Geht nun, Herr Éamonn!“ sagte die Stimme in seinem Kopf.
Die Sonne stand schon ein wenig im Westen, über dem Meer, als er das Dorf erreichte. Die Frau mit den dunklen Haaren und dem geschmeidigen Leib kam gerade aus dem Haus, um die Wäsche aufzusammeln, die noch in der Sonne bleichte. Éamonn sah, daß es genau die gleiche Kleidung war und daß sie in genau dem gleichen Muster lagen wie an dem Vormittag, da er zum ersten Mal hier gewesen war.
„Schon wieder da, Herr Éamonn?“ sagte sie fröhlich. „Was habt Ihr zu berichten?“
„Die Wölfe, das habe ich zu berichten, sind tot. Hier habe ich ihre Schwänze, zum Beweis, edle Frau!“
Sie zuckte nicht zurück, als er die buschigen, zerrupften Lunten von acht Wölfen vor ihren Augen schwenkte, sondern blickte ihn ernst an.
„Das ist, fürwahr, eine wackere und gewaltige Tat, Herr Éamonn! Steigt doch ab, wenn Ihr mögt, und kommt auf einen kühlen Trunk herein an diesem heißen Nachmittag, und wir werden überlegen, wie das Dorf, wie ich Euch danken kann.“
Er lächelte mit steifen Lippen und stieg ein wenig unbeholfen von seinem Pferd. Es dampfte in der Hitze. Ein Rest der Tinktur stieg als sanft duftender Dampf in den Nachmittagshimmel auf.
Aber da schaute sie über seine Schulter, und ihre großen Augen weiteten sich noch mehr. Er wandte sich um. Über dem südlichen Hügel, vom Meer her, über die Klippen, stieg gewaltig und furchtbar Rott, der Drache, auf.
Die Welt wurde still.

Brìgh gach cluiche gu dheireadh, sagte er, ohne zu wissen, was er sagte. Der Gewinner steht erst am Ende fest.
„Geh ins Haus!“ sagte er dann, mit sehr heiserer Stimme.
„Oh!“ sagte sie, und niemals mehr sollte er ihre Stimme so dunkel und so tief und so warm hören wie in diesem Augenblick, so strahlend, so atemlos. „Wie schön er ist!“ Sie ergriff seinen Arm. „Schaut doch nur!“
Rott schlug nur langsam mit seinen gewaltigen Schwingen, und das gab Éamonn die Zeit, sein Schwert zu ziehen und dem Drachen entgegenzulaufen. Geradewegs in den heißen Atem hinein.
Niemand, der weiß, was er tut, nähert sich einem Drachen von vorne oder von hinten. Wer von hinten kommt, kann von einem einzigen Schlag des gewaltigen Schweifs umgerissen und sogar getötet werden. Wer von vorne kommt, wird von dem heißen Hauch getroffen, den – ausgenommen die Frostdrachen – jeder Drache auf seine Feinde richten kann. Ein Kampf mit dem Drachen ist wenig ansehnlich. Man versucht, an seinen Bauch zu kommen. Alles andere ist sinnlos und tödlich.
Der Rest ist Geschichte.
Éamonn erlebte diesen Kampf nicht als eine albtraumhaft langsame Choreographie voller stiller Eleganz und tödlicher Anmut, sondern als ein panisches Gefuchtel, darin sich selbst als kreischendes und brüllendes Wesen, das besinnungslos um sich schlug; drei- oder viermal traf das Schwert – jawohl, er hatte es von allem Rost befreit und sorgsam geschliffen – auf etwas Zähes, das dann plötzlich nachgab, so daß er seine Waffe mit Anstrengung freiziehen mußte. Irgendwann wurde er unerbittlich zu Boden geschleudert. Der Aufprall schlug ihm mit einem Mal alle Luft aus den Lungen. Der Himmel schien zu einem kleinen dunklen Punkt zu schrumpfen. Blut lief ihm in die Augen.
Der Drache schrie. Es klang nach Schmerz. Oder nach Zorn. Oder, vielleicht, nach Triumph. Der Schrei schien die Schindeln von den Dächern der Häuser zu fegen, und er holte Éamonn aus der Ohnmacht zurück. Er richtete sich mühsam in eine kniende Haltung auf. Wundersamerweise hielt er das Schwert immer noch in der Hand. Die Klinge war nicht einmal schartig, aber sehr blutig.
Mit der Linken wischte er sich das Blut aus den Augen. Es war sein eigenes. Der heiße Atem des Drachen hatte die schützende Tinktur des Magiers aufgelöst, die ihn so gründlich der Welt entzogen hatte, so daß die Wölfe ihn nicht wittern und der Drache ihn nicht verletzen konnte. Aber was tun schon ein paar Schrammen, dachte er, wenn diese Frau sie gleich säubern und verbinden kann? Er versuchte, seinen Atem zu kontrollieren. Dann wurde ihm plötzlich bewußt, daß die gleichen Klauen vor nicht allzu langer Zeit ein verwesendes Schwein zerfetzt hatten. Er faßte sich wieder an die Stirn, hastig, verzweifelt. (Wer würde jetzt die Drachen suchen und an den Magier verraten? Er sicherlich nicht mehr.)
„Um Euch lohnt es sich wohl zu kämpfen, Frau!“ sagte die Stimme in seinem Kopf. „Nicht, daß ich etwas davon verstünde.“
„Fearchara atá orm!“ sagte die Frau hinter ihm.
Aber der Drache hob schon ab und flog über sie hinweg dem Wald entgegen. Schwere dunkelrot glühende Tropfen bezeichneten seinen Weg.


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Alle diese Leute haben wirklich gelebt, und alle ihre Namen sind echte alte irische Namen.


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Anacrusis

Anacrusis

22.04.2012 18:22

ein Heidenspass.

Post_scriptum

Post_scriptum

26.02.2012 16:42

irischen dank für die inspiration (http://www.ciao.de/Allgemeines_zum_Ciao_Cafe__Test_8803675)

mima17

mima17

09.02.2012 17:07

bh + lg, mima

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