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Das Buch Fantasia der Preisträgerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels (vorletztes Jahr) Assia Djebar ist im Schweizer Unionsverlag erschienen ,326 Seiten dick und kostet 9,90 Euro.
Die Meinungsüberschrift ist nicht nur ein Sprachgag, sondern es ist wirklich ein fantastisches ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Die_Buchhaendlerin über Fantasia / Djebar, Assia 23. Oktober 2000
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
sehr anspruchsvoll
Unterhaltungswert:
hoch
Spannung:
durchschnittlich spannend
Humor:
wenig humorvoll
Aufmachung:
schön
Pro:
wunderbare Schriftstellerin, die man kennenlernen sollte
Kontra:
man muss sich beim Lesen Konzentrieren, also nichts zur Entspannung nach einem harten Arbeitstag
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Ich habe mich zu einem Update zu diesem Buch entschlossen, da es eine meiner ersten Besprechungen hier war, ich damals nur sehr wenige Leser hatte und - ich andererseits der festen Überzeugung bin: dieses Buch m u s s öfter gelesen werden! Es gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern.
Das mag an sich noch kein überzeugendes Argument sein, deshalb stelle ich meinem "alten" Bericht gerne noch mal die überzeugendsten Argumente voran:
1. die Autorin ist international anerkannt, sie gilt als die mit Abstand renommierteste SchriftstellerIn (also auch Schriftsteller mit inbegriffen) des Maghreb. Sie wurde mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet. 2. ihre Themen, nämlich das Leben von Frauen in einer islamischen Welt, die Entwicklung von Selbständigkeit und Eigenleben von Frauen trotz einer sie eher behindernden Umwelt, Politik, Zeitgeschichte, Algerien - Frankreich- Konflikt etc. sind allesamt sehr interessant 3. Leser, die aus Büchern gerne etwas lernen wollen, ohne auf trockene Geschichtsbücher zurückgreifen zu wollen, sind sehr gut bei ihr aufgehoben. 4. Frau Djebar kann sehr gut schreiben... 5. Ich hab sie bei einer Lesung aus Anlass der Verleihung des Friedenspreises erlebt, und bin seither noch mehr von ihr begeistert als ich das vorher schon war. (hab auch ein nettes Autogramm mit freundlichen Worten ergattert und mein schlechtes Französisch an ihr ausprobiert "Madame Djebar, je vous adore depuis longtemps...", was sie mit einem huldvollen Lächeln über sich ergehen ließ "g"... Bevor ich noch mehr Peinlichkeiten von mir gebe (das heißt nämlich: Frau Djebar, ich verehre sie bereits seit langem... und ist natürlich ein bißchen kitschig, war aber absolut ernst gemeint), gibt es ab jetzt meinen Originalbericht aus meinen Ciao Anfangszeiten zu lesen.
Das Buch Fantasia der Preisträgerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels (vorletztes Jahr) Assia Djebar ist im Schweizer Unionsverlag erschienen ,326 Seiten dick und kostet 9,90 Euro.
Die Meinungsüberschrift ist nicht nur ein Sprachgag, sondern es ist wirklich ein fantastisches Buch. Ich habe es 1994 gelesen und war so begeistert wie selten , obwohl ich ja viel lese. Es war ein Gefühl, als ob ich plötzlich eine mir neue Welt entdeckt hätte. Ich habe daraufhin weitere Bücher von Frau Djebar gelesen, fand alle sehr gut (ich habe aber noch nicht alle von ihr, kommt noch), aber keines reichte an Fantasia heran.
Warum das Buch Fantasia heißt: Fantasia ist ein Reiterspiel, bei dem Kunststücke auf galoppierenden Pferden gezeigt werden. Diese Reiterspiele werden oft von Militärs gezeigt. Im Buchtitel klingen demnach schon die zwei Grundthemen des Romans an: Reiter-Militär-Krieg-französische Besatzungsmacht- politischer Kampf um Unabhängigkeit in Algerien und andererseits: das Leben ist eine Fantasie, speziell das Leben der Frauen, die einerseits ein "fantastisches" Gegenleben zu dem harten Alltag erträumen, aber es sich auch in ihrer abgeschotteten Frauenwelt nehmen, andererseits kämpfen für die Utopie eines besseren Lebens.
Das Buch ist gegliedert in 3 Hauptteile, im ersten Teil, "die Eroberung der Stadt oder die Liebe wird niedergeschrieben"genannt, der sehr autobiographisch ist, wird das Leben eines jungen Mädchens, aus liberaler, aufgeklärter Familie kommend, geschildert. Dieses Mädchen wird das erste sein, das die Grenzen im Ort, überhaupt im damaligen Algerien (Djebar ist 1936 geboren) überschreitet. Sie wird die Schule nicht mit 10 Jahren verlassen, wie sonst üblich, sondern sie geht als einzige Algerierin auf ein französisches Gymnasium und wird noch später in Frankreich studieren und Literaturdozentin werden. Jetzt habe ich aber vorgegriffen, denn im ersten Teil wird nur das Leben das Mädchens als Kind und Teenager geschildert, das Leben im Elternhaus, im Dorf, Besuche bei der Tante, die in einem dörflichen Harem lebt, Gespräche der Eltern und der Verwandten über die Zukunft des Kindes, Vorurteile und Repressalien der französischen Regierung.
Der erste Teil des Buches liest sich wie eine sehr gute, nahegehende Autobiographie eines Mädchens, das es schafft, aus den zu engen Strukturen auszubrechen.
Der zweite Teil heißt "die Rufe der Fantasia" und beschäftigt sich mit der Geschichte Algeriens, besonders der Zeit von 1840 bis zum Unabhängigkeitsaufstand 1954 . Assia Djebar gelingt es, historische Begebenheiten, die einem Europäer sicher nicht sehr geläufig sind, so lebendig und farbig zu schildern, dass es eine wahre Freude ist. Sie geht auf geschichtliche Ereignisse ein, Massaker von Franzosen an algerischer Zivilbevölkerung, aber auch Verrat unter den kämpfenden Gruppen, aber sie beschreibt diese Ereignisse immer aus einer Perspektive von "unten" von "innen" und ganz beosnders aus der Sicht von Frauen.
Der dritte und längste Teil des Buches "Die verschütteten Stimmen" genannt, ist wie ein Musikstück in 5 Sätzen aufgebaut (kenne mich da ja nicht so gut aus, aber ich vertraue der Autorin einfach, dass ihr das Einhalten der von ihr selbstauferlegten Regel sicher gelungen ist). Sie läßt hier viele verschiedene Stimmen zu Wort kommen, wieder vorwiegend Stimmen von Frauen , die alles, das harte Leben im Dorf, die Revolution, Gefängnisaufenthalte, aber auch geschütztes behütetes Leben von reicheren Frauen oder wie sie selbst, das Leben derjenigen, die nach Frankreich gehen und von dort aus versuchen, etwas für ihr Land zu tun. Es würde viel zu weit führen, alle aufzuzählen, aber eins ist gewiß: es gelingt Frau Djebar ein wunderbares Gewebe zu erstellen aus vielen völlig unterschiedlichen Geschichten, Leben, Erinnerungen und Träumen. In einer manchmal sehr poetischen, manchmal auch sehr klaren und harten Sprache. Wie in ihren anderen Büchern auch spielt auch das körperliche Empfinden von Frauen eine große Rolle, sie schreibt sehr empfindsam über weibliche Sexualität und bricht (brach) damit ein absolutes Tabu. Ihre Sprache ist großartig, aber nicht sehr leicht zu lesen. Naja, die Sprache liest sich schon leicht, aber es gelingt nicht immer auf Anhieb Zusammenhänge zu verstehen, weil sie auch viel mit Rückblicken, Assossiationen und Erinnerungen arbeitet. Wirklich grosse Literatur, aber dieses Buch ist so interessant und auch inhaltlich lohnend, dass man sich davon nicht abhalten lassen sollte. Ich weiß nicht, ob es mir wirklich gelungen ist, meine Begeisterung richtig rüberkommen zu lassen, ich habe wohl zu viel über die Schwierigkeiten beim Lesen geschrieben und zuwenig von den vielen tollen Geschichten, auch vielen Liebesgeschichten, die sie geschickt ins Buch hineinwebt, deshalb noch mal zum Schluß:
Assia Djebar ist eine wunderbare Autorin, es lohnt sich absolut , sie kennen zu lernen!!!
Pro: faszinierendes Ineinandergreifen aus Geschriebenem, Erzähltem und Persönlichem. Interessantes zur Geschichte Algeriens. Lebendige Sprache. Kontra: Nicht einfach zu lesen.
Die Algerierin Assia Djebar hat dank ihres fortschrittlichen Vaters als einziges Mädchen in ihrem Dorf die Möglichkeit, eine französische Schule zu besuchen. Später studiert sie in Paris und kehrt schließlich nach Algerien zurück, wo sie Zeitzeugen der bewegten Geschichte des Landes befragt. Als Historikerin hat sie Zugang zu französischen Quellen und Berichten über die Eroberung der Kolonie im 19. Jahrhundert. In „Fantasia“ erinnert sich Assia Djebar ... ...in den Dörfern, lässt Zeitzeugen und historisch dokumentierte Personen durch ihre Sprache zu Worte kommen, die doch die Sprache der Eroberer ist. Der Leser wird zum Zeugen ihres Kampfes mit sich selbst und mit der sie sich selbst und ihren Traditionen entfremdenden Sprache, der sie nicht traut, obwohl es längst ihre eigene Sprache ist, einer Sprache, die in ihrem Empfinden die ursprünglichen Gedanken mehr zu verschütten als zu erklären droht; das ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
sehr hilfreich
15.04.2003
(17.04.2003)
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