Farbmaus

Erfahrungsbericht über

Farbmaus

Gesamtbewertung (41): Gesamtbewertung Farbmaus

 

Alle Farbmaus Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


Die Mühe lohnt sich

4  19.03.2006 (31.03.2006)

Pro:
niedlich, erkennen Bezugsmenschen, Kosten für Futter&Unterkunft halten sich in Grenzen

Kontra:
Sehr krankheitsanfällig, kurzlebig, hohe Tierarztkosten

Empfehlenswert: Ja 

Meppelchen

Über sich:

Mitglied seit:30.08.2005

Erfahrungsberichte:34

Vertrauende:2

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 13 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Heute möchte ich über Farbmäuse berichten. Meine Erfahrungen beruhen sich auf über 3 Jahre Haltung von mehreren Farbmäusen (männlich und weiblich). Da dazu auch Besuche bei Tierärzten und in der Zoohandlung gehören, berichte ich auch davon etwas.
Der Bericht wird etwas länger und enthält ein paar Tips, die man beachten sollte, wenn man sich Farbmäuse zulegt.


Angebot&Auswahl der Farbmaus
---------------------------------------------
Die meisten größeren Zoohandlungen führen heute unter den Nagern neben Kaninchen, Hasen, Hamstern, Ratten und verschiedenen anderen Mäusearten auch Farbmäuse. Da sich die Tiere extrem schnell vermehren, haben auch immer wieder Züchter und Liebhaber Tiere abzugeben.

Bei der Auswahl der Tiere kann aber schon viel falsch laufen. Viele Tierhandlungen sind nicht einmal in der Lage das Geschlecht der Tiere zu bestimmen. So wurden mir zwei "Weibchen" verkauft, wovon sich eines nachher als Männchen herausstellte. So lange die Farbmäuse noch jung sind, ist das Geschlecht für einen Laien nicht so einfach zu erkennen, aber leider sind auch viele Zoofachverkäufer nicht richtig geschult. Hier sollte man sich vorher Fachliteratur holen und im Geschäft das Geschlecht selbst überprüfen.

Viele Händler erwecken durch ihre Haltung der Farbmäuse auch den Eindruck, diese seien sehr anspruchslos und problemlos in einem kleinen Käfig zu halten, was nicht stimmt.
Oftmals sind die Tiere schon im Laden krank, was man an mattem Fell, verklebten Augen oder Trägheit erkennen kann.

Auch bei einer Privatperson kann man nie wissen, ob die Mäuse nicht an irgendeiner Krankheit leiden, die sich nachher auf den eigenen Bestand übertragen könnte.


Beratung
-------------
Von der Beratung in den meisten Zoohandlungen kann man auch nicht sehr viel halten. Viele Verkäufer sind offensichtlich der Ansicht, dass so winzige Tiere nicht viel Wert seien und sie werden einfach über den Ladentisch hinweg verkauft, ohne zu beraten und über wichtige Dinge zu reden.
Wenn man etwas genauer nach gutem Futter und Spielzeug fragt, gibt es zwar Wissen aus eigener Erfahrung in der Tierhandlung. Jedoch achtet dort eigentlich keiner darauf, was den Tieren gut bekommt.
Man bekommt z.B. Hamsterwatte und Laufräder empfohlen, die für die Tiere gänzlich ungeeignet sind.
Ein Verkäufer sollte sich auch etwas mit wissenschaftlicher Literatur dazu befasst haben (Tierschutzbund) und eigentlich müsste man ja selbst merken, dass es nicht gut ist, wenn 3 Mäuse in einem Gitterrad laufen und wenn eine raus springt, kriegt sie den Kopf zwischen das Rad und Gestell geklemmt. Das kann ja nicht gut sein :(


Angebot an Futter&Spielzeug
----------------------------------------
Spezielles Futter für Farbmäuse gibt es nur sehr selten, meistens gibt es nur welches für Hamster, Chinchillas oder Ratten. Am besten sind speziell auf Mäuse zugeschnittene Packungen, falls man diese nicht findet, sollte man ein Futter für Ratten nehmen und dann an einer Futterbar (nicht abgepacktes Futter) das dazumischen, was im Rattenfutter fehlt (je nach Hersteller unterschiedlich) und was die Maus gerne frisst.
Man sollte darauf achten, dass nicht zu viel Sonnenblumenkerne oder ähnliche Kerne darin sind, weil diese zu viel Fett enthalten.

Spielzeug und Ausstattung für den Käfig gibt es sehr vieles, einiges mehr, anderes weniger geeignet. Hier eignen sich eigentlich alle Produkte für kleinere Nager, die möglichst aus Holz oder einem anderen natürlichem Rohstoff sind.
Vor allem von Schlafhäuschen mit Plastikboden muss abgeraten werden, weil dort keine Luftzirkulation stattfindet und das Nistmaterial ganz schnell anfängt zu schimmeln.
Es muss auch von Laufrädern abgeraten werden, die an einer Seite nicht komplett geöffnet sind und aus Gitter sind. Hier besteht eine extrem hohe Verletzungsgefahr für die Mäuse.


Kosten
----------
Die Kosten für eine Farbmaus halten sich in Grenzen.
Die Tiere an sich werden für ungefähr 2 bis 6€ das Tier verkauft.
Ein ausreichend großer Käfig kostet zwischen 25 und 50€

Ansonsten ist mit monatlichen Kosten von ungefähr 15€ zu rechnen.
Diese berechnen sich wie folgt:
Einstreu und Heu: etwa 5€/Monat
Trockenfutter: etwa 5€/Monat
Frisches Futter: etwa 5€/Monat
Dies ist eine grobe Schätzung und hängt natürlich vom Einkaufspreis ab (Saisongemüse usw.)

Falls das Tier krank wird, ist aber mit ziemlich hohen Kosten zu rechnen.
Eine Behandlung wegen Milbenverdacht kostet so für 4 kleine Mäuschen schonmal 55€. Meistens ist danach noch eine Nachkontrolle nötig, wofür nochmals Geld anfällt.


Aufwand
-----------
Der Aufwand für eine Farbmaus ist nicht so hoch. Am besten ist es natürlich, wenn man sich mit ihr beschäftigt, aber wenn sie mit mehreren Mäusen zusammenwohnt, ist sie auf den Bezug zum Menschen eigentlich nicht angewiesen.
Zeit benötigt man zum Einkaufen von Futter, Streu und anderen Dingen. Der Putzaufwand ist nicht so hoch. Alle 1 - 2 Wochen sollte man den Käfiginhalt komplett austauschen. Frisches Futter und Wasser jeden Tag.
Falls die Maus krank wird, können mehrere Tierarztbesuche anstehen, für die man natürlich auch Nerven mitbringen muss.


Nachteile der Farbmaus
---------------------------------
Da die Farbmaus so klein ist und einen sehr hohen Stoffwechsel hat, ist sie auch sehr krankheitsanfällig.
Sie verträgt keine Zugluft, keine starken Gerüche und Temperaturunterschiede und mag auch keinen Lärm.

Ich hatte bis jetzt 9 Farbmäuse, die schon folgende Krankheiten hatten: Schnupfen, Milben, Mykoplasmose, Verdauungsprobleme, Tumor

Ich habe die Mäuse wie vorgeschrieben gehalten, kann mir also z.B. nicht vorstellen, woher die Mäuse plötzlich Milben bekommen haben, weil ich keine anderen Haustiere habe.
Die Prozeduren bei einer Krankheit sind für Maus und Tier extrem anstrengend.
Als die Mäuse Milben hatten, musste man gleich allen täglich für eine Woche lang ein bestimmtes Mittel direkt in den Mund geben, was diesen gar nicht gefallen hat. Hier haben sie auch gern mal gebissen.

Die Krankheitskosten können wie gesagt, ganz schön ins Geld gehen. Vor allem gibt es das Problem das sich sehr viele Tierärzte überhaupt nicht mit Farbmäusen auskennen und einfach denken, sie übertragen eine Methode, die sie zum Beispiel bei einem Hasen anwenden, auf eine Farbmaus. Viele Krankheiten werden gar nicht erkannt, da nicht richtig untersucht wird und bei Operationen unhygienisch gearbeitet wird. Einen kompetenten Tierarzt zu finden, ist fast unmöglich. Hierbei musste ich auch eine Tierärztin bei der Landestierärztekammer melden, da sie meine Farbmaus fast schon misshandelt hat.

Ein Lichtblick ist das Internet, wo man von Farbmaushaltern oft Tips bekommt, wo es gute Tierärzte gibt, und was man bei Problemen machen kann. Hier gibt es wirklich sehr nette Gemeinschaften, die einem oft helfen können und teilweise besseren Rat haben, als ein Tierarzt.

Außerdem haben die Farbmäuse nur eine Lebenserwartung von 2-3 Jahren.


Aktivität der Farbmaus und weiteres
-------------------------------------------------
Wer erwartet, dass die Farbmaus den ganzen Tag putzmunter herumläuft und mit einem spielen will, liegt falsch. Meistens werden sie erst abends gegen 10 wach und verbringen dann die Zeit mit futtern, Nest bauen und herumlaufen.

Wenn man sich intensiv mit der Maus beschäftigt, kommt sie auf die Hand gekrabbelt, man muss sie nicht einmal mehr mit einem Leckerli locken.

Die Maus kann lernen, die Stimme der Bezugsperson zu erkennen und reagiert dann auch, wenn man sie anspricht.
Manche Mäuse kommen und schmiegen sich in die Hand des Menschen und vertrauen ihm.
Wenn man sich aber nicht richtig mit der Maus beschäftigt, kann sie schüchtern und schreckhaft werden und man muss ihr vertrauen erst wieder gewinnen.
Beisen tun die Mäuse eigentlich nicht, höchstens wenn man sie z.B. zwecks Medikamentenbehandlung im Nacken packen muss und festhalten muss. Dann wehren sie sich schon.

Ich persönlich finde die Farbmäuse einfach putzig. Ich beobachte sie gerne beim fressen und bauen, oder wenn sie sich putzen. Es ist auch sehr schön, wenn man die Mäuschen aus dem Käfig nehmen kann und sie auf einem herumkrabbeln. Man muss schon ein Mensch sein, der die Mäuschen einfach machen lässt und beobachten kann. Erzwingen kann man bei Farbmäusen gar nichts.

Was ich nicht bestätigen kann ist der schlimme Geruch, den manche angeben. Ich hatte auch Männchen und Weibchen, wovon Männchen etwas mehr "duften", aber so extrem war der Geruch auch nicht.


Nachwuchs
----------------
Da man mir meine ersten beiden Farbmäuse als Weibchen verkauft hat, durfte ich auch die Geburt von 6 Farbmäuschen erleben.
Auch hier muss man einiges beachten, z.B. dass die Mutter genügend Eiweiß (Mehlwürmer) bekommt, sonst kann es sein, dass sie ihre Babys frisst oder diese nicht annimmt (alles erlebt).
Die Babys sind (wie alles Babys :) ) sehr süß, werden aber auch ganz schnell erwachsen. Wenn man genügend Platz hat und zwei Käfige, kann man es schon verantworten, dass es einmal Nachwuchs gibt. Danach sollte man die Mäuschen aber nach Geschlechtern trennen.


Fazit
--------
Insgesamt, kann es wie in meinem Fall, vorkommen, dass die Mäuse extrem viele Nerven kosten. Ich war in 3 Jahren mit insgesamt 9 Farbmäusen mindestens10 Mal beim Tierarzt und hab dort insgesamt bestimmt 250€ gelassen.
Vor allem, weil einige inkompetente Tierärzte keine Ahnung hatten, hätte ich mir einen Teil des Geldes wirklich sparen können. Das ist immer sehr frustrierend.

Wer in einer größeren Stadt wohnt und Zugang zum Internet hat, kann sich glücklich schätzen. Man sollte dann versuchen, möglichst viele Informationen von anderen Haltern herauszubekommen, um so der Farbmaus im Problemfall am besten selbst helfen zu können und den Tierarzt nur hinzuziehen um den eigenen Verdacht zu bestätigen.

Man kann eine enge Bindung mit den Farbmäusen eingehen. Daher finde ich es sehr schlimm, dass die Tiere bei mir so oft krank wurden und insgesamt sowieso nicht sehr lange leben.

Da ich mich als sehr geduldigen Menschen einstufe, der auch Spaß daran hat, Tiere einfach nur zu beobachten und die Mäuschen so süß findet, gebe ich ihnen 4 Sterne.
Für den Durchschnittshalter würde ich aber eher 3 geben, weil sie so krankheitsanfällig sind.


Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
bravie83

bravie83

20.03.2006 02:05

Ein klasse Bericht!! Ich kann mir vorstellen, dass die viel Nerven kosten, aber natürlich hast du sie nicht ohne Grund. Das mit der Tierärtzin, die du melden musstest, ist natürlich reudig, aber so was kommt leider immer mal vor. Liebe grüße, marco

Kaffeekalb

Kaffeekalb

19.03.2006 23:55

Ich finde die sooo niedlich. Meine Schwester hatte auch mal welche, aber die lebten gerade mal ein Jahr. Wir haben nur eine Zooabteilung in einem Baumarkt und da wurde ein alter, kranker Wellensittich als Jungvogel verkauft. Also weiß man nicht, wie alt die Mäuse meiner Schwester waren oder welche Krankheiten die mit sich geschleppt haben :( Aber ein schöner Bericht von dir. LG Mel

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 6453 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (100%):
  1. Haustierhalterin
  2. Luci201981
  3. mswmsw
und weiteren 10 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.