Farm der Tiere - Ein Märchen / George Orwell

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Farm der Tiere - Ein Märchen / George Orwell

Diese Sonderausgabe bringt ein Vorwort von Ulrich Wickert; Farm der Tiere in der neuen Übersetzung von Michael Walter; Orwells Essay 'Die Pressefreihe...

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Erfahrungsbericht über "Farm der Tiere - Ein Märchen / George Orwell"

veröffentlicht 01.01.2001 | giovanna
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Ausgezeichnet
Pro gelungene Parabel über die Unmöglichkeit, die Utopie eines Sozialwesens, in dem alle Menschen gleiche Rechte genießen, zu verwirklichen
Kontra ich wüßte nicht, was gegen die Lektüre dieses Buches sprechen sollte
sehr hilfreich

"Alle Tiere sind gleich, aber einige sind gleicher"

Kurz vor seinem Dahinscheiden erzählt Old Major, der preisgekrönte alte Keiler der Herrenfarm des Mr. Jones den anderen Tieren der Farm von seinem schönsten Traum: Ihm träumte von der Befreiung der Tiere aus dem Joch des Menschen, von satten Wiesen und Weidegründen, von der Gemeinschaft aller Farmtiere ohne Futterneid und fernab von jeglicher Hackordnung ...

Dieser Traum ihres verehrten Old Major geht den Tieren der Herrenfarm nicht mehr aus dem Kopf. Der Gedanke an ein Leben in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, ohne Ausbeutung und Unterdrückung, läßt sie nicht mehr los. So spinnen sie denn Umsturzpläne, die immer konkretere Gestalt annehmen.

Eines Tages wagen sie den Aufstand, verjagen Farmer Jones und seine Leute vom Hof und übernehmen die Herrschaft über die Farm. Aus der einstigen „Herrenfarm“ wird die „Farm der Tiere“. An der Scheune prangt von nun an ein Schild mit der Inschrift:

ALLE TIERE SIND GLEICH.


Nach der geglückten Revolte herrschen Euphorie, Gemeinsinn und Solidarität unter den Tieren. Alle Tiere arbeiten härter denn je, denn sie tun dies ja von nun an für sich selbst. Sie nehmen an einer Alphabetisierungskampagne teil, lernen also lesen und schreiben. Es gelingt ihnen sogar, den inzwischen dem Trunk verfallenen Farmer Jones, der sich eines Tages anschickt, die Farm zurückzuerobern, abermals zu vertreiben.

Alles in allem erfreut sich die ehemals heruntergekommene Farm erfreut einer nie zuvor gekannten Blüte. Schneeball, das klügste aller Schweine, sprüht nur so vor brillanten Ideen und Verbesserungsvorschlägen für ein Leben in Wohlstand, Brüderlichkeit und Frieden. Er träumt sogar von der Möglichkeit, die Farm zu elektrifizieren. (Dies ist eine unverkennbare Anspielung Orwells auf Lenin, der der Bevölkerung der damals noch jungen Sowjetunion Eisenbahnen und, eben, Elektrizität versprach).

Aber neben dem blitzgescheiten und gutwilligen Schnellball gibt es da noch das ebenso fette wie faule Schwein Napoleon, ein Keiler mit enormem Machthunger.

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Von nun an geht's bergab. Napoleon versteht es, durch Intrigen und Erpressungen die anderen Schweine des Hofs zu seinem Gefolge zu machen, und mit Hilfe der eigens zu diesem Zweck abgerichteten Hunde, gelingt es ihm schließlich, Schneeball von der Farm zu vertreiben und die Macht an sich zu reißen.

Die alten Zustände von Unterdrückung und Ausbeutung werden wieder hergestellt, denn jetzt beherrscht Napoleon das Terrain. Eine neue Tyrannei nimmt ihren Lauf. Auf der Farm herrschen wieder Knechtschaft, Ausbeutung und Unterdrückung. Gegenüber den Zuständen vor der Revolte der Tiere hat sich nichts geändert, nur, daß statt sie statt von dem einstigen Zweibeiner nun von einem Vierbeiner, also jemandem aus ihren eigenen Reihen, unterdrückt und ausgebeutet werden.

Und an der Scheune wurde die Parole:

ALLE TIERE SIND GLEICH ergänzt durch den Zusatz:

... ABER EINIGE SIND GLEICHER.

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George Orwell bezeichnet sein Werk selbst als „Märchen“. In Wahrheit ist es natürlich eine Parabel, eine Erzählung, die von Tieren handelt, die wie Menschen agieren. Orwell, der mit „Animal Farm“ (Originaltitel) seine tiefe Abscheu gegenüber dem Totalitarismus stalinscher Prägung zum Ausdruck bringen wollte, mußte im Jahre 1949, als er dieses Buch schrieb, seine Erzählung als Parabel verpacken, da Großbritannien zu dieser Zeit noch mit der Sowjetunion verbündet war und von daher jegliche Kritik am Stalinismus im Vereinigten Königreich unerwünscht war, um es gelinde auszudrücken.

Orwell selbst hatte im Jahre 1936 auf Seiten der Republikaner am Spanischen Bürgerkrieg teilgenommen und als Augenzeuge miterleben müssen, mit welch roher und unerbittlicher Gewalt die Leute aus der Stalin-Gefolgschaft gegen jeden vermeintlichen „Abweichler“ von ihrer Ideologie vorgingen.

George Orwell war Zeit seines kurzen Lebens (er starb schon 1950, nur 46-jährig, an Tuberkulose) eine entschiedener Verfechter von Demokratie und persönlicher Freiheit. Völlig verhaßt war ihm jegliche Art von Totalitarismus, unter welchem Deckmantel auch immer er daher kam.
Das beredtste Zeugnis seiner radikaldemokratischen Haltung legte er wohl in seinem berühmtesten Werk „1984“ („Big Brother is watching you“) vor, der Vision eines totalitären Staates, in dem es dem Individuum nur dann einigermaßen gut ergeht, wenn es bereit ist, sich der alles beherrschenden Staatsgewalt bedingungslos zu unterwerfen.

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Das englische Original von FARM DER TIERE, „Animal Farm“ ist auch für einen im Englischlesen ungeübten Leser durchaus gut und leicht verständlich. Die Lektüre in der Originalsprache empfiehlt sich, denn diese wunderschöne Parabel ist in englischer Sprache, also ohne die Schwächen, die Übersetzungen stets mit sich bringen, am schönsten und eindrucksvollsten. Orwells Erzählstil ist schlicht, gerade, schnörkellos und völlig unprätentiös, so daß das Lesen des Originaltexts keineswegs mühsam ist, sondern spannend und unterhaltsam. Wie alle Werke Orwells, ist „Animal Farm“ im Penguin Verlag als Taschenbuch erschienen und für ein paar Mark in Buchhandlungen, die auch englischsprachige Literatur führen, erhältlich.

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Seit einigen Monaten bietet die renommierte, inzwischen zwar in die Jahre gekommene, aber unvermindert frische Büchergilde Gutenberg (www.buechergilde.de) Orwells „Farm der Tiere“ als ein ganz besonderes Schmankerl an: eine völlig neu übersetzte Ausgabe, in Leinen gebunden und opulent ausgestattet mit zahlreichen, trefflichen Tuschezeichnungen von F.K. Waechter. Dieses bibliophile Schmuckstück zum Preis von nur DM 36,-- (ein Spottpreis im Hinblick auf die Qualität dieses Buches!).

Viel Spaß bei der Lektüre

wünscht giovanna


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Cuchulainn1981 veröffentlicht 02.07.2003
    Sehr guter Bericht. Ich habe das Buch heute gelesen und fand es großartig.
  • urlaubsgaby veröffentlicht 18.05.2001
    Dieser Bericht ist mehr als nur ein "sn" wert! Das Buch sollte Pflichtlektüre in allen Schulen sein! Ich kann mich erinnern, wir haben den Film bei der Konfirmandenfreizeit gesehen und waren alle mordsmäßig beeindruckt! (Seehr lang ist's her). Aber der Spruch "manche sind gleicher" ist mir heut noch geläufig! Gruß Gaby
  • mo27 veröffentlicht 18.05.2001
    Wie Du sicher weißt, ist das Buch auch verfilmt worden, und zwar in Form eines recht einfachen und kurzen Zeichentrickfilms, was genau den von Dir angesprochenen Orwellschen Erzählstil ("schlicht, gerade, schnörkellos und völlig unprätentiös") sehr gut wiederspiegelt. Es ist sehr interessant zu beobachten, wenn Kinder diesen Trickfilm sehen. Viele verstehen den Trickfilm besser als manch Erwachsener das Buch...
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Produktdaten : Farm der Tiere - Ein Märchen / George Orwell

Produktbeschreibung des Herstellers

Diese Sonderausgabe bringt ein Vorwort von Ulrich Wickert; Farm der Tiere in der neuen Übersetzung von Michael Walter; Orwells Essay 'Die Pressefreiheit', sein Vorwort zur ukrainischen Ausgabe vom März 1947 und Briefe aus den Jahren 44/45, u.a. an den Verleger Victor Gollancz; Ein Kapitel aus Michael Sheldens großer Orwell-Biographie; die Illustrationen von F.K. Waechter

Haupteigenschaften

Produktform: Einband - flexibel (Paperback)

Nummer der Ausgabe: 45

Erscheinungsdatum: 1973

Seitenzahl / arabisch: 144

ISBN: 3257201184

EAN: 9783257201185

Titel: Farm der Tiere

Untertitel : Ein Märchen

Sprache: Deutsch

Kategorie: Belletristik / Hauptwerk vor 1945

Medium: Taschenbuch

Biographische Notiz: George Orwell war ein Rebell und ein scharfsichtiger Zeuge seiner Zeit - und wurde so zu ihrem unbestechlichen Gewissen.

Höhe: 180 mm

Breite: 113 mm

Gewicht: 146 gr

Lieferstatus: lieferbar

Titel in Originalsprache: Animal Farm

Nummer innerhalb der Reihe: 20118

Titel der Reihe: detebe

Verlag: Diogenes

Autor: George Orwell

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