Erfahrungsbericht über

Fast nackt / Leo Hickman

Gesamtbewertung (4): Gesamtbewertung Fast nackt / Leo Hickman

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Pflichtlektüre für alle Verbraucher!

4  06.07.2008

Pro:
Idee und Umsetzung, Inhalt !  !  ! , humorvoller Schreibstil, Ausgewogenheit, Checkliste und Links

Kontra:
fehlende Inhaltsangabe

Empfehlenswert: Ja 

geistreich

Über sich: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! LT: psychoanalyst. - Ich bin auch auf yopi (...

Mitglied seit:07.08.2007

Erfahrungsberichte:283

Vertrauende:72

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 109 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Zunächst einmal möchte ich Euch heute ein Buch ans Herz legen, dessen Thematik uns alle angeht, und mit dem sich immer wieder auseinander zu setzen immer wichtiger wird. Vielen Dank an Ciao, dass mein Produktvorschlag so schnell angenommen wurde!
Ciao hat es zwar leider in die falsche Kategorie eingeordnet, aber das ist ja nicht meine Schuld. ;-)

Eigentlich wollte ich das Buch ja im englischen Original lesen (was aufgrund der Einfachheit und leicht verständlichen Schreibweise sicherlich für die meisten auch mühelos vonstatten gehen dürfte - und nicht nur für Menschen, die so wie ich sprachlich ausgebildet sind). Aber als ich es vor kurzem durch Zufall auf Tauschticket in deutscher Fassung angeboten fand, musste ich natürlich sofort "zugreifen". Bezahlt habe ich persönlich demnach nichts dafür - es hat mich lediglich ein Tauschticket gekostet. Eines, das es mir durchaus wert war!
Neu kostet es 8,95 €; gebraucht ist es auf Amazon bereits ab 6,87 € zu haben (Stand: heute).

Die weiteren, unvermeidlichen Daten des Buches:


Titel: "Fast nackt - Mein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben".
Mein Exemplar ist ein Taschenbuch, das im Juni 2008 im Piper Verlag in München erschienen ist (erstmalig auf Deutsch erschienen war es 2006 im Pendo Verlag ebenfalls in München). Die ISBN-Nummer lautet: 978-3-492-25022-1, und es umfasst insgesamt 319 normal dünne Seiten aus weißem Papier.
Es handelt sich (wie bei der anderen Ausgabe auch) um die von Theda Krohm-Linke übersetzte Fassung.
Titel des englischen Originals: "A life stripped bare - My year trying to live ethically". Die englische Fassung erschien im Jahre 2005.

Die übrigen Daten (wer noch mehr wissen will):
Umschlag: Büro Hamburg; Anja Grimm und Stefanie Levers
Bildredaktion: Büro Hamburg; Alke Bücking, Charlotte Wippermann
Umschlagfoto: Linda Nylind
Autorenfoto: privat
Satz: Fuldaer Verlagsanstalt in Fulda
Papier: Munken Print von Arctic Paper Munkedala AB, Schweden
Druck und Bindung: CPI - Clausen Bosse in Leck
Gedruckt in Deutschland.

Zum Cover:

Leider hat Ciao ein anderes Produktbild genommen als das, was auf der von mir angegebenen Produktseite [http://www.piper-verlag.de/serie/buch.php?id=12485&page=suche&auswahl=a&pa genum=1&page=buchaz&PHPSESSID=e9b37c313dea9d063b82423627c0fb30] gezeigt wird.
Bei meiner Ausgabe handelt es sich um die im Piper Verlag erschienene Taschenbuchversion (jedoch um dieselbe Übersetzung, so dass es inhaltlich zu 100 % identisch ist).
Daher sehe ich mich gezwungen, einmal kurz das Äußere meines Buches zu beschreiben:
Auf dem Cover ist der Autor passend zum Titel "fast nackt" (jedoch die entsprechenden Stellen immer noch anständig verdeckt - damit hier keine falschen Vorstellungen aufkommen ;-)) mit großen Augen und etwas verdutztem Gesicht in die Kamera blickend und einem großen Gemüsekarton mit frischem Gemüse in den Händen zu sehen. Der Hintergrund ist hellgrün - wobei ich finde, dass gerade dieser Grünton meiner Ansicht nach nicht gerade mit "Bio" assoziiert wird, da dieser Grünton doch recht synthethisch wirkt. Ein anderer, natürlicherer Grünton hätte meines Erachtens besser gepasst.
Mitten auf dem Cover (auf Brusthöhe des Fotomodells) befindet sich ein breiter, beige-weißer Streifen, auf dem der Titel und der Untertitel: "Fast nackt - Mein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben", stehen sowie ganz rechts das Logo des Piper-Verlages.
Die Rückseite ist beige-weiß; darauf steht in relativ kleiner schwarzer Schrift der Klappentext. In der Mitte sieht man wiederum einen Streifen mit einem Element aus dem Coverbild: Die Gemüsekiste vor dem hellgrünen Hintergrund, und links (genau seitenverkehrt zur Vorderseite) das Verlagslogo.
Dies soll genügen, um sich ein Bild von meinem Cover machen zu können. Ich habe es auch nur deshalb erwähnt, weil Ciao ein anderes Produktbild gewählt hat. Sicher wäre es einfacher gewesen, einfach ein eigenes Foto beizufügen - aber ich will es Euch ja nicht zu einfach machen, sondern auch mal Eure visuelle Phantasie anregen. :-) Im Übrigen werdet Ihr das Cover ja ohnehin sehen, wenn Ihr das Buch irgendwo selbst bestellt, oder es direkt im Buchladen in den Händen haltet. Meine Beschreibung soll also nur eine Vorstellung davon geben, damit Ihr es erkennt, wenn Ihr es seht. Und nun genug davon.

Zum Inhalt

Was der Klappentext verrät:

"Ein Jahr mit gutem Gewissen leben
Fair-Trade-Äpfel aus Übersee oder heimischer Bioapfel? Was halten auswaschbare Windeln aus? Ein Jahr lang hat der Londoner Journalist Leo Hickman versucht, ohne schlechtes Gewissen zu leben: gesunde Ernährung, schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Versuch, bestimmten Großkonzernen seine Kaufkraft zu entziehen. Mit viel Witz berichtet er davon, wie er und seine Familie sich erfolgreich umgestellt - und damit ihr Leben von Grund auf umgekrempelt haben."
Der Inhalt im Detail - inklusive Schreibstil

In einem leicht verständlichen, lockeren, unterhaltsamen und populären Schreibstil erzählt der Autor, durchaus selbstkritisch und mit einer angemessenen Portion Humor, mit einem Augenzwinkern, wo dies möglich ist, wie er sich und seine Konsumgewohnheiten im Laufe dieses einen Jahres (und natürlich darüber hinaus bis heute und in der Zukunft - denn nur so macht es ja Sinn ;-)) zusammen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter Schritt für Schritt immer mehr auf ökologisch, umwelt- und sozialbewusst umgepolt hat. Dabei erwiesen sich einige Maßnahmen als einfacher als gedacht; andere hingegen brauchten mehr Überlegungs- und Gewöhnungszeit oder waren in diesem Fall auch nicht unmittelbar umsetzbar.
Unterstützt wird das Paar dabei von drei "Beratern", die sich mit dem Thema auf ihre jeweilige Weise auskennen und somit auch verschiedene Aspekte ansprechen (deren Sichtweisen und Perspektiven sich logischerweise aber auch mal unterscheiden können, so dass der Horizont relativ weit gefasst ist): Hannah Berry, die für das britische Verbrauchermagazin "Ethical Consumer" arbeitet und Vegetarierin ist. Mike Childs, Marketingleiter von "Friends of the Earth", einem internationalen Netzwerk von Umweltgruppen. Und Renée Elliott, die Aufsichtsratmitglied der Soil Association und Gründerin der Planet Organic-Bioläden in Großbritannien ist.
Weiterhin geben die zahlreichen Briefe und Mails, die den Autor im Verlauf des Experimentes erreichen, ihm (und uns Lesern) sehr viele Tipps, aber auch Rückhalt. Warum bekam er währenddessen so viel Post / warum war das Experiment schon während der Durchführung so bekannt? Ganz einfach: Der Autor hat wohl währenddessen so eine Kolumne im Internet geführt, zu der er regelmäßig Beiträge in diesem Rahmen sowie wohl auch über den Fortgang des Experimentes schrieb.

Zu Beginn des Experimentes statteten nun die Berater den Hickmans einen Besuch ab, um ihre aktuelle Lebensweise zu checken und darauf beruhend Tipps geben zu können, was sie verbessern können, um ökologischer zu leben. Dazu räumen sie die Küchen- und Badezimmerschränke aus, gucken, was für Elektrogeräte sie benutzen, wie vielen Chemikalien (ob in den Pflegeprodukten enthalten oder in der Wandfarbe der frisch gestrichenen Kinderzimmerwand) das Baby tagtäglich ausgeliefert ist, welche Putzmittel sie verwenden, auch welche Marken, wie viel Verpackung mit den im Haus vorhandenen Produkten verschwendet wird und wie viel Müll sie allgemein produzieren, ob sie ihren Müll trennen, inwiefern sie bereits Bioprodukte verwenden (und welche), uvm.
Schon hier stellt sich heraus, dass es einiges gibt, was sie tun können, um ihre Ökobilanz (oder "ökologischen Fußabdruck" auf dieser geschundenen Erde) zu verbessern.
Und Leo zögert natürlich nicht lange, aktiv zu werden: Beispielsweise kauft er sich einen Wurmkomposter, um seine Bioabfälle zu recyceln, beschließt, in seinem kleinen Garten Kräuter und Gemüse anzubauen, bestellt bei einem entsprechenden Biounternehmen eine Abokiste mit einheimischem, in der jeweiligen Saison erhältlichen Gemüse, kauft auswaschbare Stoffwindeln für das Kind, beschließt, ab dem nächsten Einkauf keine Plastiktüten mehr dazuzunehmen, sondern entsprechende Transportbehälter selbst von zu Hause mitzubringen, sowie überhaupt noch mehr darauf zu achten, keine Lebensmittel mehr mit überflüssiger Verpackung, und statt von weither eingeflogener lieber einheimische Produkte zu kaufen.
Seine Frau Jane macht bei vielem bereitwillig mit; in anderem hingegen (z.B. bestimmte Pflegeprodukte, aber auch in punkto Kleidung, Second-Hand- und Biokleidung, wo ihr das Angebot nicht so zusagt und obendrein die Zahl der Anbieter von solcher in London ziemlich begrenzt ist) zeigt sie sich weniger begeistert und einsichtig. Hier zeigt sich schon, dass jeder seinen eigenen Rhythmus braucht, um sich auf eine ökologischere Lebensweise umzustellen. Auch ist es klar, dass jeder seinen eigenen Weg (und manchmal auch Kompromiss) dazu finden muss. Zum Beispiel ist nicht jeder bereit, völlig auf das Fliegen zu verzichten - nicht nur, aber auch aus Kosten- und Zeitgründen für weitere Strecken. Auch das Ehepaar Hickman hat letztlich beschlossen, nicht ganz auf Fernreisen verzichten zu wollen (während andere wiederum aus geschäftlichen Gründen darauf angewiesen sind); dafür aber bei Reisen innerhalb Europas mehr auf andere Reisemethoden wie Zug oder Bus umzusteigen. Und auch bei der Wahl der Reise selber wollen sie noch mehr auf ökologische Gesichtspunkte achten, etwa indem sie bestimmte Anbieter wählen, die nachweislich Wert auf diese Kriterien legen.
Dass dieses Vorhaben, ökologischer zu leben, auch die eine oder andere Schwierigkeit mit sich bringt, und immer wieder aufs Neue Entscheidungen erfordert, zeigt sich schon beim nächsten Einkauf im Supermarkt. Mehr einheimische Produkte - schön und gut; aber was ist, wenn der Supermarkt diese nur in eingeschränktem Maße anbietet? Außerdem müssen sie nun an vielen Produkten vorbeigehen, zu denen sie sonst gewohnheitsmäßig gegriffen haben. Und woher sollten sie beispielsweise wissen, ob ein bestimmtes Produkt unter ökologischen Bedingungen hergestellt wurden - wenn es logischerweise nicht auf der Verpackung draufsteht? Klar, über bestimmte multinationale Konzerne kann man sich informieren, und diese entsprechend meiden. Aber dass eine bestimmte Sorte Zuckererbsen in Kenia hergestellt wurde, hätten sie nicht auf Anhieb wissen können, wenn ihre Berater sie nicht zuvor darauf aufmerksam gemacht hätten. Es gibt also sehr viele Fettnäpfchen, in die man schon bei einem simplen Wocheneinkauf treten kann...

Ein Aspekt, an den man bei diesem Thema vielleicht nicht sofort denkt, wird in diesem Buch ebenfalls angesprochen: Banken und Geldanlagen. Dabei ist es, wenn man wirklich ethisch leben will, schon von Bedeutung, sich darüber zu informieren, wohin die Bank, bei der man ist, investiert, welche Unternehmen sie unterstützt, ob sie überhaupt darauf achten, oder ob es ihnen egal ist, ob sie durch die Unterstützung entsprechender Konzerne, von denen das bekannt ist, indirekt Waffengeschäfte oder unethische Praktiken unterstützt, etc. Leo erfährt, dass es bestimmte "ethische Banken" gibt, über die man sich informieren kann, und wechselt sogar - was ihm durchaus nicht leicht fällt, zumal er bei seiner vorigen Bank, der er vertraut hat, viele viele Jahre war.

Ebenfalls dazu gehört ehrenamtliches Engagement, am besten in der eigenen Umgebung - so trägt man dazu bei, sein eigenes Umfeld ethischer zu gestalten, etwa indem man Menschen hilft, die nicht dieselben guten Bedingungen haben wie wir, oder indem man sich für die Umwelt engagiert, usw.
Hier bekommt Leo eher durch Zufall über seinen Arbeitsplatz einen Tipp: Er erfährt von einem Leseförderungs-Projekt an einer Schule, in dem Kinder, die Probleme damit haben, beim Lesenlernen unterstützt werden. Dort engagieren sich bereits viele seiner Kollegen. Initiativ und spontan beschließt er, einmal pro Woche seine Mittagspause zu investieren, um hierbei ehrenamtlich mitzuwirken. Und es macht ihm sogar ungeheuer viel Spaß!
Außerdem lässt es sich gut in seinen vorhandenen engen Zeitplan integrieren. Alles eine Frage der Organisation. Das viel verwendete Argument "Keine Zeit" ist also nicht unbedingt eine Entschuldigung - schon eine Stunde wöchentlich etwas zum Wohle der Allgemeinheit tun bewirkt viel; viel mehr als nur ein gutes Gefühl!

Dies soll als Überblick über dieses vielfältige Themenspektrum, und als zum Nachdenken anregende Inspiration, als Anreiz, genügen.
Noch viel mehr Tipps und Anregungen erhaltet Ihr, wenn Ihr das Buch selber lest, und Euch zusätzlich und regelmäßig über einzelne Aspekte, Hintergründe, auch Inhaltsstoffe, usw. im Internet informiert.

Was ich besonders hilfreich finde, ist dass es im Anschluss an den Hauptteil im Buch noch eine Checkliste gibt, in der die wichtigsten Punkte noch einmal aufgelistet stehen. Außerdem bietet das Buch eine nützliche Linkliste zu den verschiedenen Einzelthemen wie "Ernährung, Naturkosmetik und Haushalt", "Kleidung", "Land- und Gartenbau", "Wohnen und Bauen", "Energie", "Reisen", "Geldanlage" und "Ehrenamt" mit interessanten Internetseiten, über die man sich individuell und nach Bedarf über diese verschiedenen Aspekte informieren kann.
Die Links sind übrigens speziell auf die deutschen / österreichischen und schweizer Leser ausgerichtet; auch bei englischen Seiten steht immer der Link zur jeweiligen deutschsprachigen Version (falls vorhanden).

Meine Meinung

Es ist dem Autor gelungen, auf unterhaltsame, leicht verständliche und ausgewogene (nirgendwo wird man mit übermäßigen Informationen zugebombt - aber dennoch in ausreichendem Maße informiert), aber nichtsdestotrotz eindringliche Weise gelungen, dem Leser aufzuzeigen, wie man durch Information, bewusste Kauf- oder Verzichts-Entscheidungen, und entsprechenden durchführbaren (v. A. bezahlbaren!) Maßnahmen sich nach und nach immer mehr auf eine ökologischere, global verträglichere und nicht mehr so verschwenderischere Lebensweise umstellen kann. Dabei ist er mit gutem Beispiel vorangegangen - es ist also nicht nur "Blabla".
Natürlich ist es auch klar, dass man nicht alles auf einmal umsetzen kann, dass man aber auch mal selektieren muss, was einen persönlich am wichtigsten erscheint, und dass man ab und zu auch mal Kompromisse eingehen muss. Insgesamt aber gibt es schon einiges, was man tun bzw. ändern kann - und hier sollte man auch keinerlei Angst vor Selbstkritik haben. Das muss allerdings nicht unbedingt bedeuten, dass man ständig mit einem schlechten Gewissen herumläuft - manchmal wird man auch gezwungen sein, ein Auge zuzudrücken. Das Entscheidende ist aber, dass man in der Regel die Augen offen behält, und sich auch, wenn man einmal eine Ausnahme machen muss (z.B. weil nichts anderes im Angebot ist oder man dafür unvertretbar lange Autostrecken in Anspruch nehmen müsste, oder weil es kein Geschäft für Bioklamotten in der Gegend gibt und man auch keine Zeit geschweige denn das Talent hat, sich seine Kleidung selber zu nähen), bewusst ist, was seine Verhaltensweise als Konsument auf der anderen Seite der Welt für Auswirkungen haben kann.
[Da fällt mir (unabhängig von dem Buch) das Sprichwort ein: "Ein Schmetterling kann einen Hurrikan auslösen". Das ist natürlich nicht wortwörtlich, sondern im übertragenen Sinne gemeint, und passt an dieser Stelle denke ich ganz gut. ;-) Der Schmetterling sind in diesem Fall wir, und der Hurrikan - das sind die Bedingungen für die armen, unterbezahlten Leute in den asiatischen Bekleidungs-, Sportschuh- und Technikprodukte-Fabriken, das ist die Ausbeutung der armen Bauern in Afrika und teilweise Lateinamerika durch Händler und durch die dortigen Regierungen, durch die dort praktizierte Wirtschaft, der sie eher ausgeliefert sind, anstatt an ihr teilzuhaben... usw.]
Besonders gut gefällt mir an diesem Buch, dass hier bereits sehr viele Tipps und Anregungen zur eigenen Umsetzung gegeben werden, sowie dass einige nützliche Links am Ende mitgeliefert werden, über die man sich individuell und weiterführend informieren kann.
Es dürfte klar sein, dass so ein Buch - das ja ein Erfahrungs-Bericht des Autors selbst ist, mit den Schwerpunkten, die er persönlich für sein Leben für am Wichtigsten hält - trotz der Vielfalt des Themenspektrums nur ein Auszug aus sämtlichen möglichen Maßnahmen ist, und dieses Themenspektrum noch wesentlich komplexer ist, als es auf 319 Seiten hätte beschrieben werden können. Es erhebt also keinen anspruch auf Vollständigkeit. Und wer glaubt, mit dem Lesen dieses Buches sei es schon getan, man bräuchte sich nicht mehr näher damit zu befassen, der irrt sich.
Dieses Buch soll lediglich ein Anreiz sein, sich selber näher damit auseinander zu setzen; es soll zum kritischen Nachdenken über die eigenen Konsumgewohnheiten - und was man daran in Richtung "ökologisch vernünftiger" ändern könnte - anregen; dabei gibt es auch einige Tipps, womit man überhaupt erst einmal anfangen, und worauf man achten sollte.
Klar ist, dass es kein Buch ist, das man nach dem Lesen einfach wegstellt. Wer ein reines Unterhaltungsbuch ohne an sich ernstes Thema sucht, der kauft sich besser einen entsprechenden Unterhaltungsroman, legt die Füße hoch und tut weiter so, als ob eine ökologische und ethischere Lebensweise ihn nichts anginge, oder als ob es ihm egal wäre. Dieses Buch hingegen erwirbt man, um sich auf das Thema einzulassen. Entsprechend arbeitet es auch nach dem Zuklappen weiter - bestenfalls ein Leben lang!
Außerdem ist es durchaus nützlich, es nach dem Lesen nicht gleich weiterzugeben, sondern erstmal zu behalten - falls man etwa einen bestimmten Infolink zu einem gewissen Zeitpunkt noch einmal nachschlagen will. Denn man kann sich ja nicht mit allem gleichzeitig und in gleichem Ausmaß befassen - in der Regel wird man sich wohl zuerst über das unmittelbar Wichtige, was man sofort umsetzen kann, informieren, und über das Weitere, was man nicht sofort braucht (z.B. ökologisch Bauen und Renovieren, Möbelkauf usw.) immer bei Bedarf, wenn eine entsprechende Kaufentscheidung ansteht.
In diesem Sinne, um auch mal etwas inhatllich nachschlagen zu können (von den Links und der Überblicks-Checkliste abgesehen), hätte ich persönlich es besser gefunden, wenn die Kapitel übersichtlicher nach Thema gegliedert gewesen wären. Stattdessen sind sie nur durchnummeriert, und es gibt keinerlei Inhaltsverzeichnis. Da das Buch klugerweise so aufgebaut ist, dass jedes Kapitel ein großes Hauptthema umreißt, wäre es doch nicht schwierig gewesen, jedem Kapitel einen entsprechenden Titel zu verpassen, er jeweils mit Seitenzahl in einem zuvorderst stehenden Inhaltsverzeichnis vermerkt gewesen wäre, oder? Ein Inhaltsverzeichnis hätte lediglich ein oder zwei Seiten mehr Platz in Anspruch genommen - das sollte die Übersichtlichkeit und der langfristige Nutzwert dieses Buches doch wert sein, oder nicht?
Das ist jedoch der einzige Minuspunkt, den ich hier zu bemängeln habe.
Der Schreibstil (wie der sich gestaltet, habe ich weiter oben schon beschrieben) spricht denke ich jedermann an; es werden nicht übermäßig Fachbegriffe verwendet, es ist auch für Laien (die wohl den Hauptteil der Leser darstellen dürften - auch der Autor war schließlich zu Beginn des Experimentes ein Laie, was der Verständlichkeit seines Geschreibsels noch zusätzlich zugute kommt) sehr leicht verständlich, und auch ein Unterhaltungswert, der einen auch ab und zu schmunzeln lässt, ist gegeben. Man liest dieses Buch also keineswegs als trockene Sachlektüre, sondern mit der Lockerheit eines Romans - wenn auch im Bewusstsein der Seriosität. Humor und Sachlichkeit, Unterhaltung und nützliche Infos und Inspirationen, schließen hier einander keineswegs aus, sondern ergänzen sich ausgewogen.

Eine kleine Textprobe


Um Euch einen kleinen Einblick über den Schreibstil und in das Thema zu geben:

"Mike findet es äußerst besorgniserregend, was in manchen Mitteln enthalten ist. Er hält eine Flasche mit einem antibakteriellen Oberflächenreiniger für die Küche hoch. "Niemand mag die Vorstellung, dass sich Bakterien in seiner Küche breit machen - vor Allem, wenn man Essen zubereitet", sagt er. "Aber antibakterielle Produkte enthalten Triclosan, das wesentlich gefährlicher als alle Bakterien zusammen sein kann. Außerdem brauchen wir ein gewisses Maß an Bakterien, damit unser Immunsystem arbeitet. Im Übrigen geht man davon aus, dass antibakterielle Mittel die Widerstandskräfte der Bakterien erhöhen und Superbakterien erzeugen. Triclosan lagert sich im Körper ab und hat langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit. Man hat Spuren davon in der Muttermilch und im Fisch gefunden. Ich würde nicht wollen, dass dieses Produkt mit meinem Essen oder meinem Geschirr in Berührung kommt. Man kann es jedoch relativ leicht vermeiden, weil es als Inhaltsstoff aufgeführt sein muss."
Hanna weist darauf hin, dass wir auch antibakterielles Spülmittel am Becken stehen haben. "Und Sie haben besonders aggressive Reinigungsprodukte wie zum Beispiel Meister Proper Ofenreiniger."
Alle Berater sind sich darüber einig, dass es nicht nur darum geht, dass diese Chemikalien in unser Haus und unsere Haut eindringen, sondern wir sollten auch daran denken, was ins Abwasser gelangt.
"Viele Bestandteile haben sich nur teilweise aufgelöst, wenn sie ins Abwasser gelangen, und die einzelnen Giftstoffe können sich vermischen, sodass man die Wirkung noch weniger voraussagen kann", erklärt Hanna. (...)
Okay, okay, sage ich, ich glaube, es ist deutlich geworden, dass wir besser einen Totenkopf auf die Schranktür malen. Aber was sollen wir machen - unser Haus im Dreck verkommen lassen?"
Im Folgenden werden Tipps gegeben, wie man das Haus mit natürlichen Reinigungsmitteln säubern kann; zum Beispiel mit Zitrone und Essig.

Der Autor

Leo Hickman, der als Journalist und leitender Redakteur beim "Guardian" seine Biobrötchen verdient, lebt mit seiner Frau Jane und den mittlerweile zwei Töchtern in London.
Weitere Werke: "Und Tschüss! - Was wir anrichten, wenn's uns in die Ferne zieht" (den englischen Titel weiß ich jetzt nicht).

FAZIT

Es gibt also keinerlei Entschuldigung dafür, dieses Buch NICHT zu lesen!
Dieses Thema geht uns alle an, und das Buch sollte zur Pflichtlektüre für alle werden, die bisher noch nicht bewusst darauf geachtet haben.
Aber auch für die, die sich nicht sicher sind, ob sie in ihrem Konsumverhalten bereits genug für (statt gegen) die Umwelt tun, und ob es nicht Bereiche gibt, wo sie noch mehr auf eine ethisch vernünftige Lebensweise achten könnten (s. Herstellungsbedingungen, Unterstützung der einheimischen Wirtschaft, Unterstützung fairer Handelsbedingungen, die den armen Bauern in den Entwicklungsländern zugute kommt, Boykott unverantwortlicher Großkonzerne, Kleidung, Geld, ehrenamtliche Tätigkeit, usw.). Auch diese Menschen bekommen hier Impulse, was sie noch besser machen können.
Als Zielgruppe gebe ich also eindeutig und unbedingt "Jedermann" an.
Beachtenswert finde ich auch die nützlichen Links am Ende des Buches. Allerdings wäre es noch besser gewesen, wenn es vorne eine Inhaltsangabe gegeben hätte - damit wäre es noch leichter, irgendein bestimmtes Thema oder einen bestimmten Tipp zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal nachschlagen zu können. Alternativ oder ergänzend wäre auch ein Stichwortverzeichnis (zumindest das) hilfreich gewesen. So aber muss man immer, wenn man etwas sucht, noch einmal das ganze Buch durchblättern; am besten ist es, wenn man noch weiß, wo der jeweilige Aspekt UNGEFÄHR auftauchte.
Dieser Kritikpunkt sollte jedoch niemanden davon abhalten, das Buch zu lesen. Denn inhaltlich ist es wirklich TOP, inhaltlich richtig und gut recherchiert.

PS: Was ich auch noch nicht wusste: Diese Abokisten werden durchaus auch hier in Deutschland (und auch in Österreich, Links dazu im Buch) angeboten. Zum Beispiel unter: www.lebegesund.de und www.fruchtversand.de.
Aber eigentlich ist es ja auch schon sehr sinnvoll, wenn man sein Gemüse auf dem heimischen Wochenmarkt kauft statt bei irgendeinem Discounter.
Und auch der im Buch erwähnte Anbieter ökologischer Wasch- und Putzmittel namens Ecover liefert auch nach Deutschland: http://www.ecover.com/de/de/.

-------------------

Ich habe diesen Bericht bislang auch auf dooyoo unter gleichem Titel und meinem dortigen Nicknamen veröffentlicht.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Cosmay

Cosmay

16.03.2009 11:51

Suuuuuuuuuuuuuper Rezension. Das Buch hab ich ebenfalls über tauschticket erstanden (gegen 2 Tickets, verdammt! *g), gestern angefangen und bin schon restlos begeistert, obschon einem die wahre Informationsflut zu manchen Pausen zwingt. Die Gemüsekisten gibts bei uns auf'm Dorf auch, doch ich geh lieber direkt zum Wochenmarkt, eben weil ich da jeweils spontaner entscheiden kann und diese Kisten sauteuer sind bei uns.

t.schlumpf

t.schlumpf

28.10.2008 20:30

Da hatte sich doch noch einer versteckt ;o))

Cybersyssy

Cybersyssy

06.09.2008 11:48

Wow! Liebe Grüße, Elena

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Taschenbuch Mai 2008, Verlag: Piper, Reihe: Serie Piper, Seitenanzahl: 318

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