Fledermäuse in der Wüste
15.06.2007
Pro:
vollkommen abgedreht, entertainment pur
Kontra:
etwas drogenverherrlichend
Empfehlenswert:
Ja
 yesup
Über sich:
Weltfrieden
Mitglied seit:31.08.2000
Erfahrungsberichte:942
Vertrauende:167
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 82 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich wüßte nicht was außer abegefahren auf diesen Meilenstein der Filmindustrie zutrifft. Nachdem ich den Film vor X-Jahren im Programmkino gesehen hatte (ca. 10 Mann im Kino) war mir auch hier klar: Den Film muß ich haben. Die DVD schlummert auch schon etliche Jahre bei mir rum. Ich glaube damals von einem Versandkatalog auch so um die 10 Euro.
Zum Film: ======== Raoul Duke (alias Johnny Depp) ist ein Reporter. Gemeinsam mit seinem "Anwalt" Dr.Gonzo (Benicio del Toro) rast er mit einem Cabriolet durch die Wüste. Ständig begleitet von einem Off Kommentar Raoul's der uns die Situation schildern soll, da die beiden Hauptprotagonisten ca 80% des Films so zugekifft sind, das sie keiner Handlung standhalten können.
Also back in die Wüste. Sie jagen mutterseelenallein vollgedröhnt durch die Wüste, als die Drogen anfangen zu wirken. Raoul packt also die Fliegenklatsche aus und verjagt imaginäre Fledermäuse die die beiden Junkies imaginär angreifen. Brüllend inszeniert. Von den Fledermäusen bedrängt stoppt Raoul ab und öffnet den Kofferraum des Wagens. Dort sind alle nur erdenkliche Rauschmittel. Begleidet sind die beiden wie Hawaiiurlauber kurze Shorts und entsprechende Hemden. Gonzo vollgedröhnt und Bierbauchbleckig klemmt sich hinter das Steuer.
2 irre vollgekiffte schräge Typen brettern so durch die Wüste. Ein Anhalter (Toby Maguire mit blonder Mähne) wird aufgeschnappt. Raoul klemmt sich nach hinten bei ihm. Der Off Kommentar erklärt uns was der Protagonist gerade versucht. Dem Anhalter wird schon angst und bange bei den 2 Granatentypen. Raoul klärt ihn auf: Rückblende 24 Stunden zurück. IN einem Lokal so um 1971 erhält Raoul von seinem Arbeitgeber ein Wüstensandrennen zu reportieren und in Las Vegas einen Reporter zu treffen. Bei Aufbrechen wird eine schrottreife Karre vorgefahren (vor das Nobelrestaurant) - natürlich verschwinden die beiden Kumpels ohne zu zahlen. Also muß ein neues Auto her. Beim testen brettert Raoul erst mal einen 15cm hohen Bordstein mit anfangsbeschriebenen Cabrio rauf. Während sich der Händler noch furchtbar aufregt packt Gonzo tonnenweise Drogen, Alkohol, Bierdosen und Co ins Auto. Was den Händler noch nervöser macht. Und ab auf die Piste. So jagen die beiden vollbepackt mit Drogen dann ab in die Wüste.
Der Drogenrausch wird teilweise aus der Perspektive der Protagonisten dargestellt. Völlig irre Einstellungen. In Vegas angekommen, perlt Raoul schon der Schweiß von der Stirn so vollgepumpt ist er , kein Wunder verändert sich die Empfangsdame vor ihm - in seinem Drogenrausch natürlich- just eben in einen Dinosaurier. Röchelnd und grunzend bezieht er dann sein Zimmer. Abends gehen die beiden dann in die Bar. Durch die Wirkung der Drogen verwandelt sich in der Bar alles zu einer Dinosaurier Show. Als der Fotograf kurze Zeit später im Zimmer ist, ist Gonzo zumindest halbwegs ansprechbar. Raoul ist durch einen Kriegsfilm im TV animiert völlig kriegsbesessen und denkt John Rambo steht vor ihm.
Tags drauf, einigermaßen klar in der Hirse reist Raoul dann in die Wüste um seinen Job zu erledigen. Kaum angekommen starten die Motorräder und der ganze Standort versinkt im Staub. Mit einer meiner Lieblingsbilder. Johnny Depp, mit Taschentuch vor Mund und Nase, Drogenkippe im Mund versucht ein Bier im freien zu trinken, was ¾ voll mit Sand ist. Durch die Zunahme der Drogen kommt er sich wieder wie in einem Kriegsfilm vor und kurzerhand entlässt er den dessertierten Fotografen. Abends in der City brausen die dann wieder mit ihrem paradiesapfelfarbenen Cabrio durch die Stadt. Total stoned und besoffen mogeln sie sich in ein Konzert, wo sie keine 10 Sekunden später rausgeworfen werden.
Anschließend geht es schnurstracks in eine Nobelabsteige. Dort wirkt dann das Äther und das Mescalin so das beide von Eingang an nur rumtorkeln und rumgrunzen. Gonzo stürzt total ab und kommt nicht mehr von einem Drehkarussell herunter. Zurück im Hotel: Erst mal drogenauffrischen und aus dem Off was vorher geschah: Im Fahrstuhl hat Gonzo eine Reporterin (Cameron Diaz) angemacht ist aber schon durch seine vulgäre und bissige Art unangenehm aufgefallen. Im Hotelzimmer -was mittlerweile schon größtenteils verwüstet ist- stürzt Gonzo dann endgültig ab. Mit Anzug in der Badewanne liegend bedroht er Raoul mit dem Messer. Wenig später bittet er aber selbigen zum Song White Rabbit (Kiffer-Hymne) den Kasettenrekorder nebst Strom zu ihm in die Wanne zu werfen. Sensationell wie Gonzo mit dem Messer wild fuchtelnd Raoul zu attakieren versucht, während dieser mit dem Lampenschirm durch ein Megafon brüllend "Ich bin Ahab, ergib Dich) ihn in Grenzen hält.
So und ähnlich geht es dann weiter im Farbenmeer. Muß man einfach gesehen haben. Meine Meinung ============
Unschwer zu erkennen: Der Film hat Kultcharakter. Allein die Szene wo man abends ein normales Hotelzimmer sieht, groß geräumig, leicht abgestuft, lichtdurchflutet. Die 2 Typen nebst Freundin rollen ein. Schnitt. Nächste Szene: Der Morgen. Die Luft ist nebelig von vor lauter Qualm, der Dreck am Fenster lässt nur wenig Helligkeit zu. Im Metertiefen Wasser (!) schwimmt die halbe Einrichtung. Das Himmelbett wird ebenfalls fast überflutet. Da drinnen liegt Johnny Depp. Total versifft. Mit nem Tonbandgerät und Mikro um den Bauch festgebunden. Er steht auf und man sieht den Dinosaurierschwanz am Hintern festgebunden: Sensationell!!!! Ein Leben ohne Drogen und ich denke sagen zu können, das ich nichts verpasst habe. Aber den Farben- und Bilderrausch, den uns hier Terry Gilliam präsentiert ist aller Ehren wert.
Im Prinzip ist die Geschichte keine Geschichte, sondern nur die lose Episode aus dem Leben eines Drogenjunkies. Aber so intensiv dargestellt, das man doch häufiger einfach nur fasziniert ist. Das Tempo wird geschickt variiert. Mal verschwinden die Grenzen derer die die Protagonisten sehen und das was der Zuschauer sieht in einem Farben- und Drogennebel und dann gibt es wieder die Momente wo so etwas wie der Versuch einer Handlung aufzubauen entsteht, um dann doch wieder abrupt durch eine Ladung Äther oder ähnlichem zu versinken.
Dieser Film hat keine Aussage. Er will einfach nur unterhalten. Es gibt kein Böse und kein Gut, kein richtig und kein falsch. Er zeigt einfach 2 Menschen auf ihrem Weg, durch ihre Art vom Leben. Durchgeknallt, übertrieben, aber nicht völlig utopisch. Technische Details:
==========
Regie: Terry Gilliam. Ex Monthy-Pyton, Regie u.a. König der Fischer und Brazil Musik: Ray Cooder
Raoul Duke: Johnny Depp zu sehen u.a. Fluch der Karibik, Sleepy Hollow, Edward mit den Scherenhänden Dr. Gonzo: Benico del Toro zu sehen u.a. Traffic, Die üblichen Verdächtigen
Komödie, FSK 16 DVD Infos
Bildformat: 2,35:1 (16:9 anamorph codiert) Sprachen: Deutsch / Englisch jeweils Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, optional bzw. Englisch Menu: Kapitelzugriff, Cast & Crew Infos
Playstation 2 kompatibel Unterteilt in 20 Kapitel
DVD Extras: ========= Sehr mau: Cast&Crew: Johnny Depp, Benicio del Torro, Terry Gilliam, Tony Crison, Hunter S.Thompson. Vorgestellt werden die Personen auf 2 Seiten Texttaffeln
Extras: Deutscher Kinotrailer, Amerikanischer Kinotrailer (g-rated und x-rated), sowie B-Roll: ca 5 Minuten Filmschnipsel während des Drehens lieblos verquast und Hintergründe (gonzo Journalismus, 1971 Das anstößige Jahr des Herrn, Kleines Kompanion der verwendeten Rauschmittel, Produktionsnotizen - auch die wieder als 2 seitige Texttaffel Fazit: ==== Der Film ist nicht brüllend komisch aber auf sehr unterhaltsame, manchmal auch erschreckenderweise, komisch.
Ein Trip in die Wüste Nevadas, Staub, Dinosaurier und jede Menge Cameo Auftritte von Hollywoodgrößen bieten kurzweilige Unterhaltung an, die selten langweilt. Die Extras der DVD sind absolut rottig und verdienen das Wort Extras nicht. Für den Film für sich, kann ich diesem jeden Monty Python sowie Johnny Depp Film empfehlen und ich vergebe daher gerne 5 von 5 Sternen
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18.07.2009 02:51
sehr schön beschrieben
18.06.2007 11:33
mir fällt gerade auf, dass immer so wenige Leute im Kino sind, wenn du da bist....liegt es nun an dir oder an den merkwürdigen Filmen, die du dir reinpfeifst???
16.06.2007 16:06
... Johnny Depp vollbringt hier eine wahre Glanzleistung ..., der Film ist einfach genial ...