Fechten

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Nachdem ich drei Jahre beim Hockey war und es mir keinen Spaß mehr machte den Ball mit Schlägern wegzuhauen, ging ich zum Fechten - einer ganz anderen Sportart. Fechten ist ein Sport, bei dem man sehr viel Ausdauer, Kraft, gute Reflexe und viel Konzentration braucht. Vielen ist der Fechtsport ... Bericht lesen





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Piraten der Neuzeit
Erfahrungsbericht von Traumsegler über Fechten
04.03.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Spaß, Bewegung, die Konzentrationsfähigkeit wird gefördert
Kontra: Hohe Anschaffungspreis für die Ausrüstung

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Nachdem ich drei Jahre beim Hockey war und es mir keinen Spaß mehr machte den Ball mit Schlägern wegzuhauen, ging ich zum Fechten - einer ganz anderen Sportart. Fechten ist ein Sport, bei dem man sehr viel Ausdauer, Kraft, gute Reflexe und viel Konzentration braucht. Vielen ist der Fechtsport nicht so bekannt und daher stellen sich viele vor, dass man wie in dem Film “ Fluch der Karibik“ wild mit dem Säbel um sich schwingt. Aber ich wusste, bevor ich beim ersten Mal beim Fechten war auch nicht genau, was mich bei dieser Sportart erwarten würde.

Zu dieser Sportart bin ich durch eine Vereinszeitung gekommen. Mein Vater ist im Verein Blau-Weiß Buchholz Sportwart in der Abteilung Leichtathletik und daher bekommen wir alle drei Monate die Blau-Weiß Buchholz Vereinszeitung, in der alle Vereine die zu Blau-Weiß Buchholz gehören wie z.B. Tanzen oder Badminton, Berichte über die Abteilung schreiben. Beim Durchblättern dieser Zeitung fiel mir dann die Seite der Fechtabteilung ins Auge und schon in der gleichen Woche ging ich zum Training um mir das genauer anzuschauen.


^°^°^ Training ^°^°^

Als ich dann zum Training ging, welches 3 x die Woche stattfindet:

Mi: Allgemein 19:30h-22:00h
Fr: Anfänger + Schüler 17:00h-18:30h
Jugend B + fortgeschrittene Schüler 18:00h- 20:00h
Jugend A + Erwachsene 19:30h-22:00h
Sa: Wettkampftraining im 14-tägigem Rhythmus 9:30h-12:30h
Alle Trainingseinheiten sind in der Waldschule in Buchholz in der Nordheide.

wurde ich sehr nett von den Trainern empfangen und durfte gleich am Training teilnehmen. Das Training beginnt mit einem Aufwärmspiel und danach kommt die sogenannte Beinarbeit, bei der die einzelnen Schritte wie Vor, Zurück, Ausfall, Sprung vor und Sprung zurück trainiert werden. Die Beinarbeit hilft dem Fechter seine Beine besser zu bewegen und zu steuern.

Nach der Beinarbeit werden dann Melder, Kabel und Kabelrollen aus einem Schrank geholt, da man zum Fechten auch Strom benötigt. Wenn Zwei zusammen fechten, zeigt der Melder an, wer den Treffer erzielt hat. Am rechten und linken Ende einer Bahn, die 20 Meter lang ist, werden die Kabelrollen aufgebaut und mit einem Kabel, das unter dem Hallenboden verläuft mit dem Melder verbunden, dieser steht dann in der Mitte der Bahn.
Während alle gegenseitig fechten, nimmt der Trainer sich die Fechter einzeln vor und trainiert sie, indem er ihnen ganz spezielle Dinge zeigt, die in der Beinarbeit nicht trainiert wurden. Das nennt man auch eine Lektion erteilen.

Damit man sich nicht um die Treffer streitet, muss man sich beim Training gegenseitig helfen. Wenn Zwei gegeneinander fechten, steht ein dritter Fechter als Obmann und vergibt mit Hilfe des Melders die Punkte. Natürlich braucht er auch ein gutes Auge da, häufig beide Lampen leuchten, die für Treffer rechts und Treffer links, da muss der Obmann entscheiden, wer den Treffer bekommt. Ein Gefecht endet, wenn einer der beiden Fechter 5 Treffer hat oder wenn 3 Minuten. abgelaufen sind, dann hat der Fechter mit den meisten Treffern gewonnen. Aber sollte es z.B. 3:3 stehen und die Zeit ist abgelaufen, dann wird ein Kugelschreiber geworfen und auf den Fechter, auf den die Spitze zeigt, hat das Vorrecht. Es wird noch eine Minute weiter gefochten und wer in dieser Minute einen Treffer setzt, hat gewonnen. Wenn aber in dieser Minute kein Treffer gesetzt wird, hat der mit dem Vorrecht gewonnen.


^°^°^ Ausrüstung ^°^°^

Die ersten Fechtstunden kann man noch im Trainingsanzug machen aber um dann endlich mit dem richtigen Fechten zu beginnen, muss man sich durch spezielle Fechtkleidung schützten. Die sehr dicke Kleidung mindert die Stöße damit das Fechten auch viel Spaß macht und nicht wehtut.

Beginnen wir mal ganz unten, wo feste weiße Baumwollstrümpfe bis zum Knie alles gut schützten. Im Bereich des Schienbeins sind bei den meisten Strümpfe dicke Polster eingearbeitet.

Die Schuhe sind an der Hacke abgerundet damit man bessere Schritte machen kann. Sie haben eine sehr flache Sohle und kaum Profil.

Ganz wichtig ist auch die weiße Hose, sie geht bis zu den Knien und ist besonders dick. Damit sie nicht rutscht halten zwei in der Länge verstellbare Hosenträger sie am Körper. Zusätzlich wird sie mit einem Klettverschluss am Bauch verschlossen.

Brust und Bauch schützen die Fechtjacke, ein Plastron und eine E-Weste.
Das Plastron wird unter der Fechtjacke getragen und ist dünn aber mindert die Stöße sehr gut.

Die Jacke ist viel dicker als das Plastron und hält die Stöße ebenfalls sehr gut ab. Sie ist weiß und hat einen hohen Kragen, der den halben Hals bedecken sollte. Zugemacht wird die Jacke mit einem Reißverschluss.

Die E-Weste ist wie der Name schon sagt elektrisch. Sie leitet die Stöße durch das Kabel weiter zum Melder. Das Kabel wird an der Kabelrolle befestigt und wird durch den hinteren Teil der Jacke, in den Ärmel bis zum Florett oder Degen geführt. Es wird mit einem Stecker an die E-Weste angeschlossen und mit einem Stecker ans Florett. Es gibt unter den Fechtern auch sehr viele Linkshänder aber das macht nichts, dann wird das Kabel durch den linken Ärmel gezogen.

Der Handschuh wird nur an der Hand getragen, in der man auch das Florett hält. Bei Rechtshändern rechts und bei Linkshändern an der linken Hand. Er schützt durch ein Polster am Handrücken und die Hand.

Damit dem Kopf nichts zustößt schützt ihn die Maske. Sie gibt die Sicht durch ein feines Stahlgitter frei. Am hinter Kopf ist sie offen und ein Band hält sie auf dem Kopf. Die Maske hat schon recht viel Gewicht und nach einigen Gefechten wird mir immer sehr warm und schwitzt sehr stark, sodass man während der Fechtpausen immer reichlich trinken sollte.

Die gesamte Bekleidung ist weiß und muss beim Fechten getragen werden, um die Verletzungsgefahr zu senken. Trotz der dicken Bekleidung kommt es häufig vor, dass man blaue Flecke hat.


^°^°^ Degen, Säbel, Florett was ist das? ^°^°^

Beim Fechten gibt es drei verschiedene Arten von Waffen. Angefangen wird mit dem Florett. Später kann man auch noch auf Degen oder Säbel umsteigen. Bis zum 13. Lebensjahr wird mit einem kleinen Florett gefochten. Dieses ist kürzer und auch leichter. Für ein guten Sitzt in der Hand sorgt ein Pistolengriff. Die Klinge ist aus sehr biegsamen Metall. Es gibt jedoch weiche Klingen und härtere Klingen. Für welche Klinge man sich entscheidet, sollte man am besten ausprobieren. Die Trefferfläche beim Florett ist auf die E-Weste begrenzt.

Der Degen ist schwerer als das Florett und auch länger. Beim Degen ist der gleiche Griff wie beim Florett. Die Klinge ist jedoch breiter und härter. Ein erfolgreichen Treffer kann man fast auf dem gesamten Körper erzielen. Ausgeschlossen sind die Maske und der Degen. Fürs Degen fechten benötigt man keine E-Weste.

Über den Säbel kann ich nicht viel schreiben da ich noch nie einen in der Hand hatte aber ich werde es mal versuchen. Der Griff des Säbels ist so wie von den Säbeln, die man auch aus Filmen kennt. Er besteh aus einem einfachen Stab. Die Trefferfläche besteht aus Maske und E-Weste. Die E-Weste ist jedoch anders als beim Florett fechten. Sie geht bis über die gesamten Arme.


^°^°^ Fechtpass ^°^°^

Ohne Fechtpass darf man nicht auf Turniere. Um stolzer Besitzer eines Fechtpasses zu werden, muss man eine Anfängerprüfung bestehen. Bei mir liegt diese Prüfung jetzt schon 6 Jahre zurück. Ich kann mich aber noch erinnern, dass man bei der Prüfung die einzelnen Begriffe der Angriffe und ein sogenanntes Freigefecht machen musste.

Fangen wir mal mit der 1. Seite des Fechtpasses an auf der die Fechtlizenzen aufgeklebt werden, von denen es jedes Jahr eine neue gibt. Ohne diese Lizenz darf man auf kein Turnier. Auf der 2. Seite Ist ein Foto des Inhabers und Angaben zum Inhaber, Unterschrift des Vereinsführers und der Stempel des Vereins.
Die 3. Seite des Passes zeigt, wann und wo hin der Inhaber ein Wechsel des Vereins vorgenommen hat. Sperrfristen und Strafen werden auf Seite 4. angegeben. Genauso wie die Bescheinigung der Turnierreife. Auf den Seiten 5 und 6 muss ein Arzt den Fechter untersucht haben und mit einem Stempel bestätigen, dass der Fechter gesundheitlich in der Lage ist zu fechten. Diese Untersuchung kann bei dem ganz normalen Hausarzt geschehen und muss jedes Jahr erneuert werden. Von Seite 7 bis 26 wird in kleine Spalten vom Veranstalter eines Turniers, die Waffe, der Rang den der Fechter erzielt hat, die Art der Veranstaltung , das Datum und die Bestätigung durch die Turnierleitung in den Fechtpass eingetragen. Auf den letzten 4 Seiten können Ehrungen oder Teilnahme an Lehrgängen eingetragen werden.


^°^°^ Turniere ^°^°^

Wenn man dann endlich den Fechtpass hat will man auch gleich an einem Turnier teilnehmen. Aber da das Fechten eine nicht so stark vertretene Sportart ist, muss man schon mal längere Strecken fahren, um zu den Veranstaltungen zu gelangen. Es gibt verschiedene Veranstaltungen von einfachen Freundschafts- bis zu Landesturnieren oder sogar zu den Deutschen Meisterschaften.
Auf den Turnieren wird oft nach einem Rundensystem gefochten, bei dem der oder die schlechtesten Fechter nach einer Runde ausscheiden bis z.B. 6 nur noch übrig sind und diese dann um die ersten 6 Plätze kämpfen.
Um sich neue Fechtkleidung zu kaufen gibt es bei vielen Turnieren einen Stand die diese Artikel vermarkten.
Auf vielen Turnieren ist auch eine vom Veranstalter Verein aufgebaute Cafeteria bei der man sich Kuchen oder Salate zur Stärkung kaufen kann – finde ich immer besonders lecker.


^°^°^ Kosten ^°^°^

So viele Kleidungsstücke und Waffen kosten auch eine ganze Menge Geld. Dabei kommt es aber auch immer auf Größe und Hersteller an.

Ein Florett oder Degen kostet meist zwischen 50-200 EUR.
Ein Kabel nur 20 EUR.
Ein paar Socken gibt es schon für 5 EUR.
Die Hose oder Jacke kostet je nach Größe ab 50 EUR.
Die E-Weste ab 30 EUR.
Die Maske ab 50 EUR.
Plastron kostet ca. 50 EUR

Und dann kommt natürlich der Vereinsbeitrag von monatlich 5 EUR dazu.

^°^°^°Alter^°^°^

Bei uns sind die jüngsten Fechter 5 Jahre alt. Es ist vollkomen egal, ob man dick oder dünn - groß oder klein ist auf die Kondition, Ausdauer und Konzentration kommt es an. Wir haben in unserem Verein auch viele Fechter, die erst mit 30 oder 40 Jahren begonnen haben, weil Sie ihre Kinder immer zum Sport gebracht haben und dann selbst das Training aufgenommen haben.


^°^°^ Fazit ^°^°^

Wenn man erst einmal angefangen hat, bringt es einen Riesenspaß und man gar nicht mehr aufhören. Ich bin nun schon seit 6 Jahren beim Fechten und mir macht es immer noch viel Spaß. Dadurch, dass der Sport ganz anders ist als andere Sportarten, fasziniert er mich noch immer. Ich kann das Fechten nur weiterempfehlen, für alle die eine gute Ausdauer haben oder auch bekommen möchten und gerne Sport machen.

Am nächsten Samstag habe ich wieder ein Turnier in Braunschweig – ihr könnt mir alle mal die Daumen drücken, dass ich unter die ersten 6 komme.

für ciao und yopi
Vielen Dank fürs Lesen & Bewerten.


@@@@ Euer Traumsegler @@@@

   

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