Freud und Leid - so nah beieinander
18.05.2008
Pro:
nichts
Kontra:
alles
Empfehlenswert:
Nein
 Neunfinger
Über sich:
Auch mal wieder hier nach langer Zeit... Mal sehen, wen von den "alten" Hasen ich noch wie...
Mitglied seit:26.05.2000
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Es war Silvester 2006, als meine Freundin Julie und ich uns mit einem Glas Sekt gegenüberstanden und uns vor dem Anstoßen unsere Wünsche für das neue Jahr 2007 erzählten. Ich sagte ihr damals: "Ich wünsche mir einen positiven Schwangerschaftstest unter dem Tannenbaum nächstes Jahr!" Darauf prosteten wir uns zu und besiegelten unsere Wünsche. Seit einigen Jahren wünschen Mann und ich uns zunehmend ein Baby. Da ich das PCO-Syndrom habe, welches verhindert, das man als Frau Eisprünge hat, wussten wir schon vor einigen Jahren, dass es für uns nicht so ohne Weiteres möglich sein wird, ein Baby zu bekommen. Dennoch probierten wirs und verzichteten auf Verhütung.Nach 2 Jahren ohne Erfolge wandte ich mich erstmals mit diesem Problem an meine Frauenärztin und ließ mich beraten, welche Möglichkeiten wir denn haben. Sie empfahl uns zunächst eine Hormonbehandlung, die bei mir den Eisprung auslösen sollte. Nachdem mein Mann seine Schwimmerchen einer Leistungsprüfung unterziehen ließ und diese für gut befunden wurden, begann ich also im August 2007 mit der Hormonbehandlung.Es war keine leichte Zeit, schon eine ganze Weile vor der Behandlung hatte ich immer wieder Depressionen, fühlte mich minderwertig als Frau und jedesmal, wenn in unserem Freundeskreis mal wieder ein Baby zur Welt kam, war das für mich eine mittelschwere Tragödie. Die Behandlung selber verlief gut, ich hatte regelmäßige Eisprünge, aber die Nebenwirkungen, wie z. B. Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme waren wirklich nicht ohne.Nach 3 Hormonzyklen entschieden wir uns daher, den vierten noch zu machen und danach erstmal eine Pause einzulegen, weil mich die Nebenwirkungen, aber besonders das ständige Hoffen auf einen positiven Test wirklich sehr niedergeschlagen haben. Das war im November 2007. Zu diesem Zeitpunkt waren meine Depressionen bereits so heftig, dass ich mich zudem entschied, aus diesem Grund in eine Tagesklinik zu gehen, um die Probleme besser in den Griff zu bekommen. Die Aufnahme in der Klinik war am 17.12.07 und hat mich extrem durchgerüttelt, denn für jemanden, der wie ich sein ganzes Leben mit allen Sinnen und Beinen mehr als fest auf dem Boden stand, öffnet sich in diesem Moment eine andere Welt.Weihnachten stand vor der Tür und einen Tag vor Heilig Abend meinte mein Mann zu mir, ob ich nicht langsam meine Periode bekommen sollte. Durch die Hormonbehandlung war diese überaus pünktlich gekommen in den Monaten zuvor. Wie Recht er hatte! Ich habe es tatsächlich vergessen, darauf zu achten, nachdem so viel passiert war in den Wochen zuvor und ich mich einfach mit vielen anderen Dingen befasst habe. Wir beschlossen, am nächsten Morgen einen Test zu machen. So kam es dann, dass ich am heiligen Morgen, den 24.12.07 einen Schwangerschaftstest machte. Ich war früh von den Katzen geweckt worden und noch total duselig, als ich den Test machte. Da dieser ja 5 Minuten liegen muss bis zum Ergebnis legte ich ihn einfach auf den Nachttisch und legte mich wieder ins Bett. Nach 10 Minuten konnte ich aber nicht wirklich einschlafen und machte das Licht wieder an, um etwas zu lesen. Ehrlich gesagt, hab ich den Test beinah vergessen, denn mir war klar, dass der eh wieder negativ ist. Doch nun im Schein des Nachttischlämpchens leuchteten mir eindeutig 2 rosa Streifen auf dem Test entgegen und ich sagte nur: "Ach du heilige Sch...!"Mein Mann wurde dadurch wach und fragte mich, was denn los sei. "Wir kriegen einen kleinen Heimann", antwortete ich und er entgegnete nur "Ach du Sch....!" Danach hielten wir uns ewig lange fest in den Armen und mir fiel mein Wunsch für das Jahr 2007 wieder ein. Genau wie gewünscht am heiligen Abend.... Unglaublich.Wir waren beide zu baff, um weiter zu schlafen. Also kochten wir uns einen Kaffee und knuddelten uns aufs Sofa um dann zu überlegen, wie wir meinen Eltern die Nachricht abends unterm Tannenbaum überbringen können. Wir entschieden uns, zwei Babyschuhe einzupacken und diese unter den Baum zu legen. Wir beschrifteten jeden Schuh mit "Oma" und "Opa". Abends bei der Bescherung, als schon alles ausgepackt war, holten wir die Päckchen unterm Baum hervor und meinte Eltern waren völlig überwältigt. Weinend fielen sie uns um den Hals, weil sie genau wie wir, jeden Monat mitgefiebert haben und sich das Enkelchen sehr wünschen.Leider war meine Ärztin an den Feiertagen nicht in der Praxis, so kam es, dass ich dann nach den Tagen wieder in die Tagesklinik ging und dort von meiner Schwangerschaft stolz erzählte und man empfahl mir, die Gynäkologen in der Klinik aufzusuchen, um alles sicher abzuklären, was ich dann auch direkt am 27.12.07 tat. Ich weiß es noch ganz genau, wie nervös mein Mann und ich auf den Ultraschallmonitor starrten, als uns der Arzt den kleinen Punkt zeigte. Unser "Pünktchen" war es von dem Moment an und wir waren sehr, sehr glücklich. Ich war bereits in der 7. Woche.Einen Tag später jedoch bekam ich starke Krämpfe. Meine Mutter beruhigte mich und sagte, sie habe das auch gehabt. Das wäre die Einnistung, die manchmal etwas weh täte. Das hat mich zwar ein wenig beruhigt, aber abends waren die Schmerzen so groß, dass ich es kaum noch aushielt. Ich machte mir solche Sorgen und wir fuhren in die Klinik. Dort wurde wieder ein Ultraschall gemacht. Die behandelnde Ärztin sagte nichts, werkelte aber mit dem Schallkopf in mir rum, rief dann noch eine weitere Ärztin, aber ich merkte gleich, da stimmt was nicht. Unser "Pünktchen" war nicht mehr da, wo wir es gestern noch gesehen haben. Ich hatte solche Angst, mir liefen die Tränen und auch mein Mann hielt nur unsicher meine Hand. Dann durfte ich mich anziehen und man sagte plump, dass es sich wohl um eine gestörte Schwangerschaft halte und man sich zu 80% sicher sei, dass der Embryo abgehen würde in den nächsten Tagen. Ich solle gegen die Schmerzen Buscopan plus nehmen und nächste Woche zu meiner Frauenärztin, sofern ich keine Blutungen hätte, denn sonst sollte ich direkt kommen, man müsse eine Ausschabung machen. Die könne man auch direkt machen, wenn ich wollte, aber manchmal wäre das nicht nötig, daher erstmal ein paar Tage warten...Total emotionslos und kalt, als wäre hier eine Warze am Fuß hatte man uns das gesagt. Unsere Welt brach zusammen. Wir haben uns das so sehr gewünscht. Einige Tage später bekam ich dann Blutungen und unser Pünktchen war nun definitiv nicht mehr bei uns.Ich fühlte mich so unsagbar leer und wie tief man fallen kann, habe ich erst danach gelernt. Nur gut, dass ich mich bereits wegen der Depressionen in Behandlung befand, denn so hatte ich während der ganzen Zeit psychologische Unterstützung, die ich auch wirklich brauchte.Heute glaube ich, dass sicher irgendwas nicht gestimmt hat und mein Körper unser Pünktchen deswegen losgelassen hat, auch wenn es immer noch sehr traurig ist. Wenn ich daran denke, dass Ende August unser Baby zur Welt kommen sollte, könnte ich immer noch heulen und wenn ich Babybäuche sehe, denke ich immer, dass meiner jetzt wohl auch so ausgesehen hätte. Dennoch hat es auch ein Gutes, denn wir wissen nun, dass wir ein Baby bekommen können, was ja vorher alles andere als sicher war. Seit der Schwangerschaft habe ich sogar regelmäßige Zyklen, was häufig bei PCO-Syndrom nach einer Schwangerschaft der Fall ist. Somit können wir nun der Natur ihren Lauf lassen, brauchen keine anstrengende Hormonbehandlung mehr und hoffen von ganzem Herzen, unserem Pünktchen noch einen Doppelpunkt folgen zu lassen!
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27.04.2011 11:25
heyho, sowas liest man gerne! ciao Iotoh
30.01.2010 19:03
Oh das tut mir so schrecklich leid!!! Auch bei mir gestaltet sich das alles gerade sehr schwierig, bekomme seit etwa 2 Jahren meine Tage nicht mehr und meine Frauenärztin möchte das ich zu einem Endokrinologen gehen, wohl auch eine Hormonbehandlung. Vom PCO-Syndrom sagte sie nichts und ich lese es in deinem Bericht zum ersten Mal. Was auch immer der Grund bei mir sein sollte, ich muss mich einfach mal überwinden zum Arzt zu gehen, aber ich habe ziemlich angst davor. Genau vor dem was Du geschrieben hast. Und es tut mir so schrecklich leid das ihr beiden das durchstehen müsst, aber ich hoffe mit euch, dass euer Traum sich ganz natürlich erfüllen wird! Herzliche Grüße Nicki
21.06.2008 07:11
Ganz herzlichen Dank für Deinen warmen Bericht. Ich bin Papa und 2 fach Opa. Kinder sind unsere Zukunft und das bedeutet mir sehr viel. das Leid ist dann beim Lachen eines Kindes oft größer, tröstet aber auch. Gruss jens