Felsenlabyrinth Luisenburg, Wunsiedel

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Felsenlabyrinth Luisenburg, Wunsiedel

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Erfahrungsbericht über "Felsenlabyrinth Luisenburg, Wunsiedel"

veröffentlicht 26.06.2006 | SabineG1959
Mitglied seit : 16.10.2004
Erfahrungsberichte : 283
Vertrauende : 59
Über sich :
Ihr Lieben, ich wünsche Euch allen eine scholne Adventszeit frohe Weihnachten und einen guten Rutsch :)
Ausgezeichnet
Pro schon Goethe schwärmte fürs Felsenlabyrinth
Kontra nix für absolut Unsportliche oder zu breit Gebaute
sehr hilfreich

"~ Losburg - Luxburg - Luisenburg ~"

Tränengrotte - Blick auf Luisensitz

Tränengrotte - Blick auf Luisensitz

Das Fichtelgebirge lag schon immer im Herzen Europas, und so führten schon in den alten Zeiten wichtige Handelsstraßen mitten hindurch. Zur Sicherung dieser Handelsstraßen gab es Furten durch die Flüsse oder Berge mit weiter Sicht oder …. Als man aufgrund von Modernisierungsmaßnahmen oder Verlegung von Straßen oder …. von den Einkünften der Straßensicherung nicht mehr existieren konnte, änderte sich das ehemalige "Schutz"Rittertum in Raubrittertum, und man plünderte nicht nur die vorbei fahrenden Kutschen sondern schreckte auch vor erpresserischem Menschenraub nicht zurück.

So auch nahe der heutigen Stadt Wunsiedel. Hier gab es die Losburg, auch Luxburg genannt, die schon um das Jahr 1000 hier gestanden haben muss. Eigentlich waren es ja sogar zwei Burgen in dem unwegsamen Gelände des Felsenlabyrinths, das auch heute schwierig zu begehen ist, trotz angelegter Wege.

Nachdem sich nun auch die Luxburg dem Raubrittertum zugewandt hatte, wollte man eines Tages den großen Clou landen und raubte eine Egerer Prinzessin. Die Egerer zahlten allerdings nicht das geforderte Lösegeld sondern stürmten die Burg und schleiften sie bis auf die Grundmauern, von denen noch einige wenige Reste zu sehen sind.

Jahrhundertelang war die Losburg nun ein düsterer Platz, den die Menschen mieden. Allerdings gab es schon an der Stelle, wo heute der Eingang ins Felsenlabyrinth ist, Theateraufführungen, wo die Geschichte der Losburg erzählt und nachgespielt wurde. In dieser Tradition entstand dann auch die heutige Freilichtbühne mit den Luisenburgfestspielen gleich neben dem Eingang zum Felsenlabyrinth. Heute gibt es dort im Sommer Aufführungen verschiedenster Art: Kindertheater (Pippi Langstrumpf in 2006), Oper, Operette, Theater für Erwachsene etc. - aber das ist heute nicht mein Thema.

Schon Goethe interessierte sich um 1785 für das Felsenlabyrinth. Damals war es noch ein Haufen wirrer Steinblöcke, ein Felsenmeer. Zu der Zeit gab es zwei widerstreitende Meinungen darüber, wie dieses Felsenmeer wohl entstanden sein könnte. Die einen behaupteten, es wäre Vulkanismus, die anderen meinten, dort hätte rohe Naturgewalten, also Katastrophen, die Steine zertrümmert und wild in der Gegend verteilt. Goethe jedoch traf den Kern des Ganzen: er behauptete, dass diese Felsenmeere, die es ja an verschiedenen Stellen des Fichtelgebirges gibt, durch Verwitterung entstünden. Er meinte, dass die verschiedenen Gesteine, aus denen sich das Gebirge zusammen gesetzt hatte, verschieden schnell und verschieden stark verwittern und auf diese Weise zunächst Hohlräume entstünden, die dann irgendwann eingebrochen sind.

Um 1800 entschloss man sich, aus dem Felsenlabyrinth einen bürgerlichen Park zu gestalten. Dies war der erste bürgerliche Park überhaupt, vorher gab es nur die Parks der Adligen, also die Schlossgärten und ähnliches. Inzwischen war jedoch das Bürgertum so reich geworden, dass es sich auch selber einen Park leisten konnte.

Im Jahre 1805 besuchte die preußische Königin Luise Bad Alexandersbad, wo es ihr sehr gut gefiel und wo sie eine sehr glückliche Zeit verbrachte. Ihr Lieblingsplatz war ein besonderer Felsen gleich am Anfang des Felsenlabyrinths, den man heute Luisensitz nennt. Von hier aus hatte man eine wunderschöne Aussicht, die inzwischen vom wieder nachgewachsenen Wald zugewachsen ist. In früheren Jahrhunderten, als es noch Bergbau hier im Fichtelgebirge gab (Zinn, Gold, Silber, Eisen …), hatte man das ganze Gebirge kahl geschlagen, da man das Holz für die Verhüttung der verschiedenen Erze brauchte.

verlor mit dem neuen Namen auch den schrecken früherer Tage. Als Goethe um 1820 das zweite Mal das Felsenlabyrinth besuchte, betrat er dann nicht mehr die pure Wildnis der Luxburg sondern den Bürgerpark Luisenburg.

Ich habe das Felsenlabyrinth erst zweimal besucht, einmal kurz im Jahre 2001 und einmal eine ausführliche Führung mitgemacht in 2006. Seit meinem ersten besuch wurde anlässlich der Landesgartenschau in Marktredwitz auch dem Felsenlabyrinth ein weiterer Weg hinzugefügt bzw. ein uralter, verschütteter wieder frei gelegt. Dazu wurde auch der Eingang verlegt, so dass man jetzt gleich neben dem Eingang zum Theater das Labyrinth betritt.

Der neue Weg führt oberhalb der Bühne vorbei. Von hier hat man einen Blick auf die Bühne von oben und auf die schmalen und halsbrecherischen Wege und Treppen, die die Schauspieler im Dunkeln bei den Aufführungen gehen müssen. Außerdem hat man auch einen sehr schönen Blick auf die Stadt Wunsiedel und in die Weite.

Unter Weg darf man sich im Felsenlabyrinth keine breiten, bequemen Wege vorstellen, es sind eher Trampelpfade über Stock und vor allem Stein, teilweise leicht halsbrecherisch, und teilweise muss man sich zwischen Felsspalten oder höhlenartigen Pfaden hindurch quetschen, eher ein Abenteuer als ein netter Spaziergang.

Nicht allzu weit ins Labyrinth hinein gibt es auch einen Goethefelsen mit Inschrift zum Andenken an den Besuch von Goethe. Die Reste der Losburg findet man auch hier in diesem Teil des Labyrinths. Allerdings scheint ein Türmchen kein Original zu sein sondern in der Romantik, als es Mode war, im eigenen Garten eine "antike" Ruine zu haben, hinzugefügt worden zu sein. Oberhalb der echten Mauerreste befindet sich eine Aussichtsplattform mit einem wunderschönen und nicht allzu sehr zugewachsenen Blick auf die ganze Gegend.

Über Stock und Stein - heute noch! - gelangt man zu der Dianaquelle, wo schon die alten Ritter ihr Wasser geholt haben bzw. wohl eher holen ließen … Von hier aus geht es dann durch einen dunklen Tunnel, die Teufelsgrotte - glaube ich …

Hinter der Höhle befindet sich ein etwas breiterer Platz mit Picknicktischen und Bänken zum Ausruhen. Außerdem sind hier noch eine weitere Aussichtsplattform und das Gipfelkreuz und wieder ein atemberaubender Blick in die Umgebung.

Nun geht es wieder abwärts über felsige Wege zu einem ebenfalls erst jetzt wieder aufgebauten Pavillon, der Insel Helgoland, die tatsächlich von Wasser umgeben ist und über eine brückenartige Treppe zu besteigen ist. Während der Napoleonischen Kriege um 1805 war die Einfuhr von Zucker nach Deutschland bzw. in die deutschen Lande verboten. Ein pfiffiger Wunsiedler Geschäftsmann umging dies Verbot, indem er Zucker aus Südamerika nach Helgoland schiffen ließ, das damals nicht zu Deutschland gehörte, und den Zucker von da aus dafür, Napoleon ausgetrickst zu haben - und der Wunsiedler wurde unermesslich reich dabei.

Nicht weit von Helgoland befindet sich dann auch sinnigerweise eine sehr merkwürdige Felsformation: der Napoleonhut. Hier ruht ein unten abgerundeter Felsen auf einem geraden Stein. Es wirkt so, als ob er jeden Moment herunter fallen müsste - aber er hält wie durch ein Wunder … eben: WIE durch ein Wunder! Durch den Aufprall hatte der obere Fels eine Kuhle in den unteren gedrückt, so dass er nun feste in dieser Kuhle sitzt.

Unter dem Hut führt eine schmale, steile und ungleichmäßige Treppe hinab. Hier unten findet man dann einen Felsen, der angeblich ein Walgesicht hat, aber ich finde, er wirkt noch eher wie ein Hai als wie ein Wal.

Wieder zurück auf dem Platz vor dem Ausgang, an dem in früheren Zeiten die Luxburgspiele waren, geht es auch zu einer weiteren Grotte, von der aus man genau auf den Luisensitz sehen kann. Diese Grotte wurde nach dem viel zu frühen Tod der Königin Luise für die Trauer um die Königin der Herzen des 18./19. Jahrhunderts genutzt.

Ich habe den Rundgang ganz grob aus dem Gedächtnis geschildert und übernehme keine Gewähr dafür, dass das alles exakt die richtige Reihenfolge ist. Außerdem gibt es noch so viel mehr dort zu sehen, was ich gar nicht alles aufzählen konnte. Ich kann nur sagen, einen Besuch ist das Felsenlabyrinth auf jeden Fall wert, allerdings sollte man einigermaßen körperlich fit sein, da es teilweise ganz schön anstrengend und auch ein wenig schwierig zu gehen ist. Manchmal muss man sich bücken, manchmal klettern, und Menschen mit extremer Überbreite passen meiner Ansicht nach nicht unbedingt durch die schmalen Spalten. Wer nicht so gut in Form ist, kann auch eine kleinere Runde ohne den Gipfel nehmen und erhält auch da schon einen wunderschönen Einblick in dieses auf alle Fälle sehens- und erlebenswerte Naturwunder.

Einen lesenswerten ausführlichen Bericht mit den Zeichnungen von Goethe zur Verwitterung habe ich hier gefunden: http://www.bayern-fichtelgebirge.de/luise/1.htm, hier noch weitere Bilder und Informationen: http://www.fichtelgebirge-oberfranken.de/wunsiedel/index.html#Labyrinth. Öffnungszeiten, Eintrittspreise etc. habe ich leider nicht im Internet gefunden. Von Wunsiedel aus ist der Weg zum gebührenpflichtigen Parkplatz beschildert, öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht dort hin, zu Fuß vom Busbahnhof in der "City" dauert es bestimmt ein halbe Stunde bergauf. Bei Regen ist es absolut NICHT zu empfehlen - viel zu gefährlich!

Ich freue mich auf Eure Kommentare und eigenen Erlebnisse im Felsenlabyrinth.

Alles Liebe von Sabine :)

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Zilina veröffentlicht 30.09.2014
    Ich finde es da wunderschön, aber man muss schon sehr schlank sein um durch alle Ritzen durchzukommen. LG Zilina
  • Lush-Pedi veröffentlicht 14.08.2006
    Schöner, interessanter Bericht, bh von mir dafür. VLG Petra
  • Zari-Sa veröffentlicht 14.08.2006
    Fundierter+gelungener Bericht, dazu Spitzenfotos! Kompliment-da hab ich echt wieder was gelernt! VLG
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Produktdaten : Felsenlabyrinth Luisenburg, Wunsiedel

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