Fenster zum Hof, Das

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Wir sind doch alle ein wenig Big-Brothers

5  05.01.2001

Pro:
Spannung pur

Kontra:
Nix

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


chocochip

Über sich: Zur Zeit studiere ich noch in Erlangen Dipl. Physik, arbeite nebenher für Siemens, surfe viel, vor...

Mitglied seit:22.05.2000

Erfahrungsberichte:92

Vertrauende:32

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 64 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Meinen ersten Kontakt mit Alfred Hitchcock hatte ich, obwohl es eigentlich doch nicht der Fall war, druch das Lesen. Zuerst las ich die Drei Fragezeichen Bücher, die den Namen dieses großen Regisseurs aber nur als Blickfang verwendeten, denn selber hat er nie eines dieser Bücher geschrieben.

Die zweite Begegnung waren dann die Erzählungen eines unserer Lehrer in der Schule, der von Hitchcock schwärmte und mich und die meisten Mitschüler dazu brachte einen Film von ihm anzuschauen.

Wer kennt diese Meisterwerke nicht, die für Spannung und Gänsehaut stehen? "Die Vögel", "Psycho" oder "Marnie"...
Was den Filmen sicherlich einen weiteren Reiz gibt, sind die kurzen Auftritte des Meister höchstselbst, der sich geschickt in jedem seiner Filme selbst in Szene setzte. Sei es als Mordofer in der Zeitung, als Schatten auf einer Wand oder als harmloser Passant auf der Straße. Es macht immer wieder Spaß nach diesen Auftritten zu suchen und ich habe es bis heute nicht geschafft ihn in jedem Film auch wirklich zu entdecken.

Seine ersten Erfahrungen mit der Regie und dem Filmen machte er als Kriegsreporter der Vereinigten Staaten, für die er die Befreiung eines KZ filmte und noch wesentlich mehr Kriegsdokumente anfertigte.

Doch ich will hier auf seinen Film "Das Fenster zum Hof" eingehen, der für mich einer seiner besten Filme ist, gewinnt
er doch durch die aktuelle Entwicklung des Fernsehens mit Big-Brother eine noch viel tiefschichtigere Bedeutung.
Zeigt er doch, das der Hang zum Voyeurismus nicht erst in unseren Tagen entstanden ist, wie manche Politiker glauben machen wolle, sondern seit eh und je im Menschen verankert ist.
Das aus dem Fenster "spannen" war vor der Einführung des flächendeckenden Fernsehens eines der liebsten Hobbies unserer Großeltern, bot es doch Abwechslung vom ansonsten recht trockenen Alltag. (Ist ja heute nicht anders, nur hat man in der Zwischenzeit wesentlich mehr Möglichkeiten sich zu zerstreuen)

Der Film wurde 1954 gedreht, mit James Stewart und Grace Kelly in den Hauptrollen. Er wurde für diverse Oscars nomiert.

Obwohl der Film ohne Action auskommt und genaugenommen immer nur in einem einzigen Zimmer spielt, schafft er es dennoch auch heute noch die Spannung bis zum Zerreisen der eigenen Nerven aufzubauen.

James Stewart ist ein Fotoreporter, der sich bei einem Unfall ein Bein brach und nun am Rollstuhl gefesselt ist.
Da er sich natürlich langweilt, schaut er die meiste Zeit aus dem Fenster seiner Wohnung. Er ist ein klassischer Voyeur, denn er ergötzt sich am Leben seiner Nachbarschaft durch ein Teleobjektiv.

In der Nachbarschaft gibt es einen offenbar erfolglosen Komponisten.
Eine Tänzerin übt stets spärlich bekleidet ihre Piroutten und bekommt ausgiebig Besuch von Herren, woran sich die gesamte
Nachbarschaft ergötzt, schließlich bietet ein solches Verhalten ja Anlaß zu Klatsch und Tratsch.
Und außerdem gibt es noch ein anderes Paar, die Thorwalds, die sich im Dauerclinch befinden, da die Frau behindert ist und ihren Mann nörgelnd überwacht. Diese beiden wecken sein besonderes Interesse.

Eines Nachts hört der Reporter, immer noch an seinen Rollstuhl gefesselt einen Schrei und sieht Herrn Thorwald mit einem Koffer mehrmals das Haus verlassen. Desweiteren sieht er wie der Mann eine Säge und ein Messer in Zeitungspapier einwickelt. Und dann ist plötzlich die Frau verschwunden.

Ein furchtbarer Verdacht keimt in ihm auf! Die Frau wurde ermordet!

Lisa, seine Verlobte, die sich um ihn kümmert, wunderbar gespielt von Grace Kelly, will ihm nicht so richtig glauben, klingt das ganze doch eher nach der Phantasie eines Schizophrenen, der sich in eine Sache hineingesteigert hat. Doch auch sie bekommt mit, wie Herr THorwald das Messer eingewickelt hat und schenkt den Vermutungen langsam Glauben.

Der gesamte Film strebt seinem Höhepunkt entgegen, der zwar nicht mehr überraschend ist, aber dennoch brilliant in Szene gesetzt wurde, sodaß der Zuschauer einfach mitgerissen wird. Und am Ende erkennen wir, daß nicht nur James Stewart ein Voyeuer ist, sondern wir - die Zuschauer - auch. Die meisten Vermutungen, die unser Reporter hat, werden nämlich nicht explizit geäußert, sondern keimen erst in uns auf, bevor sie von den Darsteller verbal geäußert werden.

Fazit: Für alle, die sich noch durch richtige Spannung fesseln lassen und nicht Spannung mit Action verwechselnist dieser Film eine Offenbarung. Leide verwchselt aber auch Dooyoo Action mit Thriller, denn es setzt diese beiden grundverschiedenen Genres gleich. Dieser Film spielt sich im Kopf der Zuschauer ab, nicht auf der Leinwand, was ihn dafür aber umso zeitloser macht.

Wer diesen Film also noch nicht kennt, der sollte ihn sich unbedingt anschauen!


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
RobDee

RobDee

30.10.2001 23:29

Ich bin ganz deiner Meinung. Kennst du auch solche Rentner, die sich extra eine Decke ans Fensterbrett legen, damit die Arme nicht frieren!? *g* ...Gruß! Robert

Noony1976

Noony1976

01.09.2001 16:53

Hi! Vielleicht schaue ich ihn mir mal bei Gelegenheit an! Toller Bericht! LG, Nicole

AngelOne

AngelOne

05.03.2001 14:43

sehr gujt geschrieben! Und der Film war wirklich super! Es gibt ja auch eine neue Version davon, doch die konnte dem Original nicht im Mindesten das Wasser reichen. Gruß aus München, AngelOne

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  1. Zick91
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  1. ddeuter
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