Fahrzeugbewertung des Autors:
| Pro: |
Legendärer Sound, Fahrleistungen über jeden Zweifel erhaben |
| Kontra: |
Fahrer ist notwendiges Übel aber zur Bedienung notwendig |
Tja, da geht er hin, der Traum meiner schlaflosen Nächte.
Letzte Woche habe ich meinen 348 ts verkauft.
Schweren Herzens schaute ich zu, wie er auf den Transporter nach Norwegen verladen wurde.
Jaja, aber so ist das eben, in Zeiten, in denen der Wirtschaftsteil der Zeitungen auf Zwiebelpapier gedruckt wird, muß man halt etwas kürzer treten. Schnief.
Mein Exemplar hatte GTS Optik, d.h. sowohl das Dachteil als auch Front und Heckspoiler sowie die Seitenschürzen sind in Wagenfarbe lackiert, also rot (logisch, oder nicht?)
Innen schwarzes Leder ohne sichtbare Abnutzungserscheinungen. Der Käufer hatte wirklich Glück daß er ein solch guterhaltenes Exemplar gekauft hat, ohne es jemals vorher zu sehen.
Bei einigen Exemplaren kann man an der linken Seitenwange des Fahrersitzes deutliche Spuren sehen, daß der Fahrer sich beim Einsteigen mit dem Hintern an diesem Seitenteil abrutschen lässt. Solange man dem schwarzen Leder ab- und zu auch mal ein bißchen Nivea Lotion (Geheimtip) gönnt, kann man das ja ruhig machen. Etwas Pflege tut auch einem Ferrari gut.
Nun aber zum eigentlichen Fahrbericht:
Wenn man es geschafft hat, sich hinter das weit vorne liegende Cockpit einzufädeln, kommt einem der Verdacht, daß der Fahrer bei diesem Auto eigentlich nur ein notwendiges Mittel zum Zweck ist. Ohne den geht's halt nunmal nicht. Man rutscht sich auf dem Sitz so zurecht, daß man die Pedale und das Lenkrad gut in Reichweite hat und findet sich unwillkürlich in einer gewissen Froschhaltung wieder. Mit etwas angewinkelten Beinen lässt man den Motor an und wundert sich, wie rasant dieser (im Gegensatz zu den Vorgängermodellen 328 und 308) schon im Stand klingt. Zumindest mit dem Fuchs Sportauspuff, den die meisten Ferraristi an ihr Gefährt schrauben lassen.
Der erste Gang liegt links hinten in der offenen Schaltkulisse und lässt sich gut einlegen. Auch das Anfahren mit kaltem Motor und Getriebe ist kein Problem. Die Kupplung lässt sich zwar nicht gerade butterzart, aber doch gefühlvoll dosieren. Wer dann gleich in den zweiten Gang schalten will, sitzt sicher zum ersten Mal in diesem Auto. Bevor die Öltemperaturnadel sich nicht vom linken Anschlag bewegt hat, ist das Einlegen des zweiten Gangs ohne Gewaltanwendung praktisch kaum möglich. Dann lieber gleich vom ersten in den dritten Gang schalten. Der Motor ist auch elastisch genug um den Sprung vom ersten in den dritten ohne Ruckeln zu überstehen.
Alternative: Gleich im zweiten Gang Anfahren. Im Stand lässt sich der nämlich problemlos einlegen. Sowohl Motor als auch Kupplung haben damit kein Problem. Alles eine Frage der Gewöhnung. Sobald die Öltemperatur sich nach einigen Minuten etwas erwärmt hat und die Nadel des Öltemperaturmessers anfängt, sich vom Anschlag zu entfernen, geht auch der zweite Gang problemlos rein und man darf dem Motor auch etwas mehr Drehzahl zumuten.
Wer seinem Fahrzeug etwas gutes tun möchte, und nicht darauf angewiesen ist, zwecks möglichst großem Aufsehen gleich im ersten Gang bis zum Drehzahlbegrenzer hochzujubeln, sollte das obere Drittel des möglichen Drehzahlniveaus ohnehin erst mit steigender Öltemperatur nutzen. Erst dann hat das Öl die nötige Konsistenz, das es schnell genug an alle Stellen hinkommt, die gerade bei hohen Drehzahlen unbedingt versorgt werden wollen.
Doch zurück zum Thema Getriebe: Von "normalen" Autos ist man es ja durchaus gewohnt, daß der Ganghebel einfach von einem Gang zum nächsten und wieder zurück flutscht. Doch hier sitzt man ja nunmal nicht in einem "normalen" Auto.
Nein, nein, der polierte Schaltknauf der offenen Kulisse will energisch von starker Hand bedient werden. Dann gehen auch die Gangwechsel schnell und ohne Krachen von sich.
Das gilt auch für die Lenkung:
Der 348 war das letzte Modell von Ferrari, das ohne Servolenkung ausgeliefert wurde. Da heißt es zupacken. Spätestens nach ein paar Stunden Fahrt durch enge und kurvige Alpenstrassen merkt man dann auch, daß dies kein Auto für zartbesaitete Naturen ist; Man spürt es in allen Knochen (und den Ohren) und ist dennoch irgendwie glücklich.
Der Kofferraum fasst erstaunlicherweise genug Gepäck für einen zweiwöchigen Urlaub mit 2 Personen. Den reichhaltig ausgestatteten Werkzeugkoffer aus dickem Rindsleder kann man ja zur Not zu Hause lassen.
Benzinverbrauch?, Ist vorhanden. Ich hatte bösen Unkenrufen zufolge mit 18 l/100km gerechnet und war dann positiv überrascht, daß es im Schnitt doch nur 15 Liter Super waren. Beim Mitschwimmen im Verkehr können es sogar auch mal nur 12 sein.
Die Klimaanlage gibt sich Mühe, die Temperaturen im Auto in einem erträglichen Maß zu halten, was sie mit aufgedrehtem Gebläse auch schafft. Wenn man das Dachteil mit Hilfe des Beifahrers hinter dem Sitz verstaut hat, hat man den Himmel über sich und den ungetrübten Genuß, den Motor direkt hinter sich zu hören. In der prallen Sonne sollte man das allerdings eher vermeiden, denn dann ist die Klimaanlage machtlos.
Gegen Abend, wenn es etwas abgekühlt hat und die Sonne nicht mehr so brennt, ist das das reine Vergnügen. Man hört alle Nuancen des Motors: das Saugen, Pfeifen, und Röhren... Es gibt wohl kaum ein anderes Auto auf der Welt, was selbst beim Langsamfahren so atemberaubend schnell klingt. Fährt man durch Ortsdurchfahrten mit eng stehenden Häuserzeilen, klingt es wie an der Boxeneinfahrt einer Formel 1 Rennstrecke. Ohne dabei auch nur ein Ticket wegen zu chnellem Fahren riskieren zu müssen.
Ein anderes Thema ist die Wirkung, die dieses Gefährt auf die Umwelt ausübt: Nur eine kurze Geschichte dazu:
In Italien an einer roten Ampel lief ein älterer Mann auf mich zu, beugte sich über das Auto, küsste den Kotflügel, faltete die Hände und streckte sie gen Himmel.
Ok, ich stimme euch überein: das ist maßlos übertrieben, aber tatsächlich passiert und ist nur eine der Geschichten, die einem mit solch einem Auto eben passieren. Besser gesagt, passiert sind. Nun nicht mehr, schnief...
Naja, warten wir auf bessere Zeiten... Die Analysten an der Börse sind ja alle optimistisch (das sind sie immer... ;-)
(29.3.2002)
Wenn ich mich so im Nachhinein erinnere, so gibt es noch einige Annehmlichkeiten am Rande, die einem als Ferrari-Kunden so geboten werden, und an die ich mich gerne erinnere:
Einladungen zu Veranstaltungen, Stammtischtreffen, Formel-1 Rennen und Ausfahrten aller Art.
Da stellt man dann fest, daß die meisten Ferraristi ganz und gar nicht so arrogant und abgehoben sind, wie die meisten sich das so vorstellen. Im Gegenteil, das sind Leute, die Lust am Leben haben und für jeden Spaß zu haben sind.
Das Beste sind aber die Ausfahrten;
Alleine mit einem Ferrari zu fahren, macht ja schon sehr viel Spaß, aber das Gefühl, in einem Konvoi von mehr als 20 Ferrari (davon meist bis auf 1 oder 2 Ausnahmen alle rot) mitzufahren, ist unbeschreiblich.
Wenn man dann irgendwo Pause macht, und alle rangieren in die Parkplätze, läuft meist der halbe Ort zusammen und verfolgt das ohrenbetäubende Schauspiel. Wenn dann alle wieder losfahren, klingt das in etwa, wie wenn bei einem Formel 1 Start.
Und das Hotel am Zielort, auf dessen Parkplatz die ganze Meute dann für 1 oder 2 Tage steht, braucht sich für diese Zeit keine Sorgen um Zulauf machen; Der Parkplatzwächter hatte alle Mühe, die Menschentrauben von den Fahrzeugen abzuhalten.
Diese Ausfahrten werden mir mindestens so fehlen wie der Ferrari selbst.
Andreas Bräg
Technische Daten:
Motor:
Hinterradantrieb, längs eingebauter 90° V8, Motorblock und Zylinderkopf aus Leichtmetall
Bohrung x Hub
85 x 75 mm
Hubraum pro Zylinder/ gesamt
425.62/3,405 cc
Verdichtungsverhältnis:
10.4:1
Leistung:
225kw/300 PS bei 7,200 /min; 88 PS/Liter
Motorsteuerung:
4 Ventile pro Zylinder, 2 obenliegende Nockenwellen pro Zylinderbank
Benzinzufuhr:
Bosch Elektronische Einspritzung
Zündung:
Bosch Statisch
Getriebe:
Zweischeiben Trockenkkupplung, 5-Gang Getrieben, ZF Differentialsperre
Chassis:
Stahl monococque und Stahlrohr Hilfsrahmen hinten
Vorder/Hinterrad Aufhängung:
Doppelquerlenker, Schraubenfedern und Gasdämpfer
Bremsen:
Innenbelüftete Scheibenbremsen, doppelter Hochdruck Kreislauf, Bremskraftverstärker, ABS
Lenkung :
Zahnstangenlenkung
Kühlsystem:
2 Kühler seitlich hinter den Türen
Länge:
4230 mm
Breite:
1894 mm
Höhe:
1170 mm
Radstand und Spur vorne/hinten:
2,450/1,502/1,578 mm
Leergewicht:
1,393 kg
Reifengröße vorn:
215-50 ZR 17
Reifengröße hinten:
255-50 ZR 17
Tankinhalt:
95 L
Höchstgeschwindigkeit:
275 km/h
| weitere Erfahrungsberichte |
Der Ferrari 348 ts, eine Welt für sich
Fahrzeugbewertung für Ferrari 348ts von
enzo246
Pro: Emutionen pur, einfach "DAS AUTO" schlecht hin
Kontra: die seelische verbindung zu diesem Auto
...Dieses Auto ist kein normales Auto, um dieses Auto wie ein Ferraristi fahren zu können, braucht man erstens Nerven aus Stahl, zweitens ein großes Herz und drittens viel viel Liebe zur Pflege.
Ich habe mir im Januar 2002 einen Ferrari 348 ts zugelegt, anf ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Fahrbericht insgesamt als hilfreich |
|
hilfreich
14.12.2005
|