Fesseln / Susan Wright

Fesseln / Susan Wright

ISBN: 9783404128938 - Verlag: Bastei Lübbe mehr

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... Was ist nun unter einem Erotik-Thriller zu verstehen, fragte ich mich, und las das Buch „Fesseln“ von Susan Wright. Was ich zu lesen bekam, war mehr oder weniger eine langatmige Beschreibung, wie sie in ausgedehnten Romanen vorkommen, die für meinen Geschmack um die Hälfte gekürzt werden könnten. ... Bericht lesen





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"Fesseln" hat mich nicht gefesselt
Erfahrungsbericht von kroetenfieber über Fesseln / Susan Wright
15.08.2004


Produktbewertung des Autors:   

Niveau durchschnittlich 
Unterhaltungswert recht gering 
Spannung wenig spannend 
Wie ergreifend ist die Story? berührt kaum 

Pro: vom Thema her eine gute Idee
Kontra: wenige Spannungsmomente / langweilig, zuviel "Aufklärung"

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht


Ich lese gern spannende Bücher, wobei Brutalität und Gewalt weniger eine Rolle spielen müssen als gelungene Geschichten, deren Ausgang man nicht erahnen kann - sei es ein Psychothriller oder ein wirklich interessanter Krimi. Was ist nun unter einem Erotik-Thriller zu verstehen, fragte ich mich, und las das Buch „Fesseln“ von Susan Wright. Was ich zu lesen bekam, war mehr oder weniger eine langatmige Beschreibung, wie sie in ausgedehnten Romanen vorkommen, die für meinen Geschmack um die Hälfte gekürzt werden könnten. Da es in diesem Buch über das Thema Sadismus und Masochismus geht, wollte ich einfach einmal in eine ganz andere Welt eintauchen und wissen, was einer Frau widerfährt, die in die SM-Szene eintaucht, ohne vorher damit etwas zu tun gehabt zu haben. Wegen des Wortes „Thriller“ hatte ich Spannung erhofft, wurde jedoch gerade in diesem Punkt sehr enttäuscht.


Susan Wright
------------------
Über die Autorin gibt es nur wenige Informationen. Susan Wright ist Amerikanerin und lebt in New York. Sie schreibt vornehmlich Science Fiction-Romane, so zum Beispiel „Star Trek. Der Mörder des SLI“ oder „Star Trek, Die Badlands“. Auf dem Gebiet der sexuellen „Aufklärung“ hat sie auch Bücher wie „Wie Sie jeden Mann rumkriegen. Wie Sie jede Frau rumkriegen“ geschrieben. In New York lebt sie mit ihrem Mann Kelly Beaton. Sie hat Kunstgeschichte studiert. Wie alt Susan Wright heute ist, ist mir nicht bekannt. Im Bereich „Erotische Thriller“ scheint „Fesseln“ bislang das einzige Buch zu sein, das ins Deutsche übersetzt wurde, denn ich habe kein weiteres dieser Art von ihr entdecken können.


Die Geschichte
-----------------
In dieser Geschichte geht es um Jesse. Sie wohnt einer jüdischen Hochzeit bei, die in Manhattan stattfindet. Der Fotograf, der die Hochzeitsfotos aufnehmen soll, ist Jesses Freund Gary. Der Bräutigam auf der Hochzeit ist Garys bester Freund. Auf der Hochzeitsfeier erfährt Jesse, dass Gary seit einiger Zeit mit einer anderen Frau leiert ist. Sie selbst hatte den Eindruck, dass ihre Beziehung intakt sei.

Beruflich ist Jesse als Mitarbeiterin an der Rezeption in einem noblem Auktionshaus tätig. In dem Auktionshaus arbeiten auch ihre Freundin Andrea und ein homosexueller Italiener namens Dominic Tornelli, kurz „Dom“ genannt. Ein Freund von Dom gibt bei Jesse am Informationsstand einen Umschlag für Dom ab. Da Jesse neugierig und der Umschlag nicht verklebt, sondern nur mit Büroklammern versehen ist, öffnet sie den Umschlag und findet zehn oder zwölf Fotos darin vor. Auf den Fotos sind nackte Menschen, Füße auf Pfennigabsätzen und Leute mit Fesseln um die Knöchel zu sehen. Gerade als die Fotos auf den Boden fallen, kommt Dom zur Rezeption, um seinen Umschlag abzuholen. Jesse wird von ihm ertappt, und so lernt sie Dom kennen. Dom meint, dass die Fotos für eine Wohltätigkeitsversteigerung bestimmt seien, auf der es erotische Kunst zu sehen gäbe. Er lädt Jesse und Gary ein, zum „Erotischen Kunstmarkt“ zu kommen. Nachdem Jesse feststellen muss, dass Gary mit seiner Freundin sehr beschäftigt ist, geht sie allein zu der Ausstellung. Dort stößt sie auf einen Mann namens Haydn und sieht sich mit ihm erotische Kunstwerke an, bis Dom zu ihnen stößt. Dom mag Haydn nicht.

Nach dieser Ausstellung lädt Dom Jesse zu einer SM-Club-Party ein. Dort sieht Jesse zum ersten Mal Menschen, die sich offen als Sadisten und Masochisten outen. Sie taucht in die SM-Welt ein und wird zu Doms Sklavin. Dom beginnt nach einiger Zeit eine tiefe Beziehung zu einem anderen Mann, woraufhin sich Jesse auf Haydn einlässt, der SM sehr viel härter und brutaler praktiziert als ihr lieb ist...


Mein Eindruck
-------------------
Ich frage mich, ob das Wort „Thriller“ gerechtfertigt ist, das in „Erotik-Thriller“ steckt - so jedenfalls steht es auf dem Buchcover. Richtige Spannung kam in dem Buch weniger auf, als ich es erwartet hatte - eigentlich fehlt sie fast völlig. Die Geschichte Jesses ist eher ein Eintauchen in die Sado-Maso-Szene, in der sie zwar einmalig in Gefahr gerät, bei der es aber mehr darum geht, Jesse und vor allem den Leser darüber „aufzuklären“, wie es in der SM-Szene zugehen mag. Das Buch ist fast ein Aufklärungsbuch, denn Jesse stellt Dom dermaßen naive und fast dumme Fragen, das man das Gefühl hat, der Leser solle etwas über Sado-Maso erfahren, aber bitte nur oberflächlich und mit sehr viel Distanz. Ich hatte auch nicht erwartet, wirklich etwas über extremen Hardcore-SM zu lesen zu bekommen, aber die Art, wie die Autorin an das Thema herangeht, kommt schon etwas merkwürdig vor. Dom klärt Jesse mehrmals darüber auf, wo der Unterschied zwischen Sado-Maso unter Einverständnis der Beteiligten und Missbrauch liegt - bei letzterem wird einem Menschen GEGEN seinen Willen Gewalt angetan. Ich denke, dass es (fast) jedem klar ist, das SM von Leuten praktiziert werden, die die Rolle freiwillig übernehmen, sei es als Masochist oder als Sadist. Nun gut, der Leser erfährt also mehrmals, dass dies so ist.

Jesse läuft im Laufe der Geschichte von einer SM-Party zur nächsten. Bei jedem Party-Besuch wird genau beschrieben, wie heruntergekommen das jeweilige Gebäude ist, in dem eine SM-Party stattfindet und was dort vorgeführt wird. Es wird jedesmal beschrieben, wie es in den Räumen aussieht und was für Menschen dort herumlaufen. Nach der zweiten Party kam bei mir bereits das große Gähnen. Den ersten zwei Partys folgten noch weitere zwei oder drei SM-Partys. Spannend hätte ich es gefunden, wenn Jesses Geschichte etwas interessanter gewesen wäre, also die Geschichte der PERSON Jesse. Doch weit gefehlt. Es wird eine „Szene“ beschrieben, in der Jesse sich von Dom auspeitschen lässt und dass dies Jesse gefällt. Wie sie sich allerdings als Sklavin in der Öffentlichkeit gibt, fand ich sehr unrealistisch. Jemand, der vorher niemals etwas damit am Hut hatte, sich vor Publikum nackt zu zeigen und vor demselben Publikum auch noch SM-Spielchen mit sich machen zu lassen, kann es kaum über sich bringen, sich mal eben auszuziehen und eine Art Show darzubieten. Was man bedenken muss, ist, dass sich Jesses SM-Leben gerade einmal innerhalb von ganzen zwei Monaten abspielt - eine sehr kurze Zeit, um sich mit dieser für sie befremdlichen Welt kopfmäßig überhaupt einzuleben, geschweige denn, „einpeitschen“ zu lassen. Ich für meinen Teil könnte mir nicht vorstellen, von einer „normalen“ Liebesbeziehung fast übergangslos in die SM-Szene zu springen und SM wirklich zu praktizieren, auch wenn mein Interesse dort liegen würde. Muss Mann oder Frau nicht erst einmal begreifen, dass SM für ihn oder sie überhaupt in Frage käme? Nun denn, auch wenn jemand wie Jesse so schnell in eine solche Szene hereinrutschen kann, so gab es auch andere Ungereimtheiten: Zunächst weiß Jesse offensichtlich nicht, warum sich jemand überhaupt Nasenringe ins Gesicht setzen lässt, ist schockiert und ihr steht der Mund offen. Kaum eine Woche später schon (oder waren es zwei?) lässt sie sich auspeitschen wird bedingungslos zu einer Sklavin - und dies als sonst selbstsichere Frau, die mit festen Beinen im Berufsleben steht. Gut, wenn man so will, kann auch dies möglich sein, wenn man Beruf und Privatleben auseinander hält. Doch gerade das ist bei Jesse nicht passiert. Dom ist ein Arbeitskollege und erfahrener SM-Praktiker, der im Auktionshaus nichts von seinem Privatleben erzählt. Jesse hingegen wird, ohne es zu wollen, sehr schnell auf der Arbeit als SM-Praktikerin entlarvt und verliert schließlich ihren Job. Ob es das wert war, fragt man sich als Leser...

Abgesehen vom Inhalt, über den man sich streiten mag, ist der Unterhaltungswert nicht gerade hoch. Jesses Geschichte ist ein Versuch, etwas darüber zu erzählen, dass jemand in eine ihm zuvor völlig fremde Welt eintaucht und hinterher - nach gerade einmal zwei Monaten - allwissend zu sein scheint, was die SM-Szene anbelangt. Dies kann man nur verstehen, wenn man den Schluss des Buches gelesen hat, in dem es einen Epilog gibt. Zum Schluss kehrt Jesse schließlich der SM-Szene den Rücken, hängt ihren Job an den Nagel und fängt ein neues Leben an. Sie meint, nun den Unterschied zwischen fairem Maso-Sado und Missbrauch (endlich) zu kennen und glaubt, einer Frau, die von ihrem Freund tatsächlich misshandelt (geschlagen) wird, sagen zu können, dass sie ihr helfen könne. Etwas einfallslos und unrealistisch, meine ich, zumal sie die Frau gar nicht richtig kennt und nicht viel mit ihr zu tun hat.

Insgesamt frage ich mich, was dieses Buch soll - unterhalten oder völlig Unwissende mit blöden Fragen Jesses an Dom über SM aufklären? Was ich mit „blöden“ bzw. naiven Fragen“ meine, möchte ich einfach einmal anhand eines Beispiels verdeutlichen:


Leseprobe:
-----------------
“Jesse ließ sich auf einem Klappstuhl neben ihm nieder. ‚Gestern nacht habe ich etwas Schreckliches erlebt.’
Dom schob die Papiere auf seinem Tisch zur Seite. ‚Was ist passiert?’
‚Ich habe einen Streit meiner Nachbarn mit angehört. Nur, dass es eigentlich kein Streit mehr war. (...) Dieser Mann, Ronny, er hat...seine Freundin bedrängt. So etwas habe ich noch ne erlebt.’
Hat er sie...geschlagen?’
‚Nicht richtig, glaube ich. Aber er hat sie herumgestoßen. Und es hat sich angehört, als ob sie hingefallen ist.’
‚Das ist Misshandlung’, sagte Dom ausdruckslos.
(...)
Jesse überlegte, wie sie ihr Anliegen am besten in Worte fasste. ‚Ich fühle mich jetzt ein wenig seltsam, wegen der SM-Sache, mein ich. Ist es nicht, irgendwie, das gleiche?’ (...) Das, was wir getan haben, war anders, aber bei manchen Dingen, die ich gesehen habe, bin ich im Zweifel. (...)’
‚Jess, es ist völlig egal, was zwei Menschen miteinander anstellen, solange es in gegenseitigem Einvernehmen geschieht. Ein Mann küsst die Füße seiner Herrin, weil BEIDE es wollen. Von Misshandlung kann man erst sprechen, wenn jemand zu etwas gezwungen wird, das er nicht tun möchte. (...) Politisch korrekter SM beruht immer auf Freiwilligkeit, ist gefahrlos und natürlich.’ „

Solche Textstellen meinte ich, als ich zuvor von „Aufklärungsbuch“ schrieb. Für völlig Unwissende wird nun lang und breit erklärt, dass SM unter Menschen stattfindet, die alles, was sie tun, freiwillig tun. Auf der einen Seite tut Jesse extrem naiv und unwissend und auf der anderen Seite fühlt sie sich „sauwohl“, wenn sie ausgepeitscht wird - für mich passt dies nicht zusammen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es jemandem, der neu in solche eine Szene kommt, viele Fragen hat, doch grundsätzlich sollte Erwachsenen schon klar sein, worum es sich bei SM handelt. Nun denn, jedenfalls hatte ich dies vorausgesetzt und sah dies auch als Voraussetzung an, die man mitbringen sollte, wenn man sich ein SM-Erotikbuch zur Brust nimmt. Vielleicht war ich deshalb etwas irritiert, wenn es immer und immer wieder um diese „Aufklärungsarbeit“ ging, die in der Geschichte einfach störte und das bisschen Spannung, das überhaupt vorhanden war, noch geringer werden ließ. Genauso hätte ich auf weinerliche Bekundigungen schwieriger Kindheits-Traumata seitens Jesses und Doms verzichten können, die dem Leser offensichtlich vermitteln sollen, warum jemand zu SM kommt oder dies und jenes tut - als ob es eine Rechtfertigung geben müsse, warum Mann oder Frau SM praktiziere. Alles schwimmt ein wenig an der Oberfläche.

Ein Thriller muss für mich spannend sein, egal, ob es ein Spionage-Thriller, ein Psychothriller oder ein Erotik-Thriller ist. Die Geschichte von Jesse ist eigentlich nur eine Geschichte einer Frau, die die SM-Szene kurz kennenlernt und danach meint, alles darüber zu wissen und danach ihr Leben wieder in den Griff bekommt - nachdem sie sich der Szene abgewandt hat. Was der ganze Sinn und Zweck dieser Geschichte sein soll, ist mir nicht klar geworden. Thriller-mäßig unterhalten fühlte ich mich nicht, Jesses Geschichte ist eher uninteressant und langweilig. Es hätte für meinen Geschmack keinesfalls brutal sein müssen, was beschrieben wurde, aber in Jesses Geschichte ging es mehr um ihr Bemühen, sich selbst zu verwirklichen - vor allem beruflich - und frei zu sein von Männern, weil sie enttäuscht wurde. Mhm, das ist nicht das, was ich von einem „Thriller“ erwartet hatte.


Fazit
------
Dieser „Thriller“ war nicht sehr spannend und der Unterhaltungswert dementsprechend niedrig. Jesses Geschichte und ihr Hineinschnuppern in die SM-Welt empfand ich auf die Dauer schlichtweg als langweilig. Nun weiß ich, was eine „Szene“ ist oder was „jemanden toppen“ heißt, doch ist nicht richtig herübergekommen, was Menschen dazu treibt, SM zu mögen und/oder zu praktizieren. Die Frau Jesse wirkt einerseits naiv, will aber als super-erfahren und aufgeklärt wirken, was überhaupt nicht zusammenpasst. Die „Aufklärungsgeschichten“, die ich erläutert habe, halte ich für überflüssig, zumal sie des öfteren wiederholt wurden. Den Unterschied zwischen „politisch korrektem SM“ und „Missbrauch“ zu kennen, halte ich für wichtig, und wenn dieser Unterschied schon innerhalb eines „Thrillers“ erläutert werden muss, so reicht eine einmalige Erläuterung vollkommen aus. Die Hauptfigur Jesse gefiel mir nicht besonders gut, weder vom Charakter her als auch sonstwie, in ihrem Verhalten, ihrer Art oder in ihren Überlegungen, sofern diese überhaupt beschrieben wurden. Sie wirkte naiv und altklug zugleich, was ich beim Lesen als unangenehm und unsympathisch empfand. Ein packender Thriller ist „Fesseln“ keinesfalls, sondern m.E. lediglich der Versuch, extrem vorsichtig von SM zu erzählen. Bei über 400 Seiten kam doch zu oft das Gähnen meinerseits zum Vorschein.


Fesseln
Susan Wright
410 Seiten
deutsche Übersetzung: 1999
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 3-404-12893-1
(nur noch gebraucht erhältlich)
Amerikanischer Originaltitel: Say Fire (1995)
   


Fesseln / Susan Wright

Haupteigenschaften

EAN: 9783404128938

ISBN: 3404128931

Autor: Susan Wright

Autor Nachname: Wright

Autor Vorname: Susan

Autor Name invertiert: Wright, Susan

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