Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
genialer Film |
| Kontra: |
nicht immer ganz einfach |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Almodovar, ein eigenartiger Künstler. Ein Mann, der die verschiedenen Facetten von Frauen auf den Bildschirm bannen will. Ein wohl eigenartiger Künstler und so sind auch irgendwie seine Filme.
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Über den Film:
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„Atame“, wie der Film im Original hieß, erschien 1990. Sowohl das Buch als auch die Regie führte Pedro Almodovar.
Hauptdarsteller waren Antonio Banderas als Ricky und Victoria Abril als Marina.
Der Film ist erst ab 16 Jahren freigegeben, was ich bei der Handlung und der Darstellweise auch sehr gut verstehen kann.
Lauflänge sind ungefähr 100 Minuten.
Leider ist der Film momentan weder auf VHS noch auf DVD erhältlich, aber gebraucht gibt es oft noch die Möglichkeit ihn zu erhalten. Die Suche hierzu lohnt sich wirklich, aber dazu gleich noch mehr.
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Über den Regisseur:
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Pedro Almodovar wurde wahrscheinlich zwischen 1949 und 1951 in Spanien geboren. Er ist nur bereit, diese ungenaue Angabe zu seinem Alter zu machen.
Mit ungefähr 16 Jahren (bzw. es könnten ja auch 18 sein s.o.) zog er nach Madrid um dort künstlerisch tätig zu werden und probierte verschiedene Bereiche aus, während er noch zusätzlich arbeiten ging.
Doch obwohl er schon 1980 seinen ersten Film und danach noch etliche mehr drehte, schaffte er erst 1989 mit „ Mujeres al borde de un ataque de nervios“ den Durchbruch. Der Film wurde für den Oskar nominiert.
Zwischenzeitlich hatte er aber auch bereits mit seinem Bruder eine Produktionsfirma gegründet.
Zahlreiche weitere Filme folgten, darunter auch Atame!. 1999 folgte „Todo sobre mi madre“, der prompt mit dem Oskar für den besten ausländischen Film versehen wurde. Und dann folgte schließlich „Hable con ella“, ein Film, der nicht nur mit dem Oskar für das Drehbuch versehen wurde, sondern mit Massen weiterer Preise überhäuft wurde.
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Der Inhalt:
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Der Inhalt ist an sich sehr kompliziert und verwoben, so dass ich nur eine kurze Inhaltsangabe schreibe, weil es sonst zu ausführlich werden würde:
Der junge Ricky wird aus einer Nervenheilanstalt entlassen um in Zukunft ein ganz normales Leben führen zu können. Und genau das möchte Ricky auch gerne: Er möchte Arbeit finden, eine nette Frau heiraten und dann natürlich auch Kinder. Blöd nur das seine Auserwählte, die Schauspielerin in drittklassigen halb Porno-halb Scary Filmen, Marina, nicht möchte.
Kurzerhand dringt er daraufhin in ihre Wohnung ein, überfällt sie und fesselt sie ans Bett als sie sich gegen ihn wehrt. Sein einziges Ziel ist es Marina dazu zu bringen ihn zu lieben. Doch kann man Liebe so einfach erzwingen? Nach und nach tauchen Probleme auf. Entsetzliche Zahnschmerzen bei Marina, eine nach ihr suchende Schwester, die Flucht vor dieser in die Nachbarwohnung, deren Besitzer gerade im Urlaub ist, ein Ricky, der von Drogen und Tablettendealern zusammengeschlagen wird und irgendwie schweißt dies die beiden immer mehr und mehr zusammen. Doch alles auf Marinas Seite nur gezwungenermaßen durch Ricky oder aber nur scheinbar gezwungen?!?
Doch dann kommt der Moment, in dem sich alles entscheiden wird: Während Ricky fort ist, findet Marinas Schwester sie gefesselt vor und mit einem mal muss Marina sich selbst entscheiden, was sie möchte. Tatsächlich die Flucht vor ihrem Entführer oder aber diesen selbst?
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Meine Meinung:
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Was für ein Film. Ein sich selbst übertreffender Antonio Banderas, wie man ihn selten gesehen hat, in einem Film voller Facetten und Details, den man zig mal gesehen haben sollte, bevor man ihn auch nur annähernd kennt und beginnt zu verstehen. Dennoch lohnt sich jedes einzelne Mal sehen.
Almodovar hat sich mal wieder selbst übertroffen und ein mehr als anspruchsvolles Werk geschaffen. Dass dieses einen Titel trägt, der sich eher wie die Werbung einer 0190-er Sex- Nummer anhört, ist zwar im ersten Moment komisch, aber dennoch passt der Titel ideal zum Film. Die Szene, in denen Marina diese Wort zu Ricky sagt, ist eine der eindrucksvollsten des gesamten Filmes. Er geht weg und vertraut ihr soweit, dass er sie ungefesselt allein lassen zu können glaubt und doch bittet ihn Marina darum sie zu fesseln. Eine Entscheidung, die ihren inneren Widerstreit sehr deutlich zeigt. Zwinge mich zu bleiben, geht es denn überhaupt und ist das dann noch Zwang, wenn des Opfer selbst dies verlangt?
Der gesamte Film weist nur auf die eine entscheidende Szene hin, die Szene, in der sich Marina entscheiden muss. In der sie gezwungen ist, sich selbst zu entscheiden und Ricky keinen Druck mehr ausüben kann. Eine schwierige Entscheidung, die sich in jeder Bewegung, jedem Prozent der Mimik und jedem Wort widerspiegelt. Denn jetzt erst wird sie wieder gezwungen, gezwungen selbst zu entscheiden und selbst verantworten zu müssen was geschieht, während sie lange Zeit vorher die Entscheidung und damit die Verantwortung an ihren Entführer abgeben konnte.
Ein sehr anspruchsvoller, aber nichtsdestoweniger spannender und mitreißender Film, der Marinas Entwicklung darstellt. Als Zuschauer kann man ihre Gefühle und Zweifel genaustens nachverfolgen und das ohne jegliche Anstrengung, denn durch Almodovars Darstellung „springen“ sie fast aus dem Film heraus. Ricky ist dagegen fast nur Mittel zum Zweck der Entwicklung und tritt weit hinter Marina zurück, aber das ist ja auch eigentlich typisch für Almodovar, dass die Männer nur bloßes Beiwerk zu der grandiosen Darstellung seiner Frauen ist.
Natürlich wäre auch Pedro Almodovar nichts ohne die darstellerischen Fähigkeiten der Victoria Abril als Marina. Jede einzelne Sekunde ist liebevoll inszeniert und auch liebevoll gespielt, was wohl den Hauptreiz dieses Filmes ausmacht.
Der Film ist böse, sarkastisch, humorvoll, traurig, nachdenklich und alles mit einem bösen schwarzen Humor durchzogen, so dass es durchaus Szenen gibt, in denen ich gezwungenermaßen grinsen musste, obwohl sie eigentlich gar nicht komisch waren, und nur einfach der Humor aufblitzte.
Beide Schauspieler sind grandios und ich habe Antonio Banderas noch nie zuvor in einer Rolle dermaßen gut gesehen. Hätte ich diesen Film als erstes von ihm gesehen, wäre ich wohl ein Fan auf Anhieb gewesen, während ich ihn bislang nur als durchschnittlichen Actionheld-Darsteller angenommen hatte.
Nachdem ich nun schon einige Filme von Almodovar gesehen habe, dachte ich eigentlich, dass seine „Magie“ irgendwann einmal nachlassen würde und doch bin ich von dem Film wieder einmal gefangen. Und so passt auch der Titel in dieser Hinsicht, denn „Atame“ hat auch mich gefangen. Vor allem lässt diese „Magie“ auch nach dem 20.en mal Anschauen nicht nach, sondern wächst höchstens noch. Schade, dass dieser Film nicht mehr einfach im Handel zu kaufen ist, denn das Schauen lohnt sich.
Almodovar kann man wohl nur lieben oder hassen, zumindest ist mir bislang keiner begegnet, der etwas dazwischen meinte.
Und ich gehöre wohl auf Ewig zu denen, die seine Filme lieben.
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
09.03.2002
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