Fest, Das

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... und dann hat er uns vergewaltigt...

5  30.12.2003

Pro:
Dogmafilm, gute Handlung

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


Datini

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:18

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 85 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Vorab kann ich zu dem Film sagen, dass jeder, der eher Mainstreamfilme mag, sich diesen Streifen nicht ansehen sollte. Der Film ist ja nicht sehr bekannt und wie kommt man nun auf diesen Film. Das ist alles Zufall und hat sich sehr lang aufgebaut. Aber der Ursprung liegt bei der Tatsache, das ich gerne Musik von Björk höre. Was hat aber Björk mit dem Film „Das Fest“ von Thomas Vinterberg zu tun? Ganz einfach. Björk hat in einem Film von Lars von Trier mitgespielt. Lars von Trier hat mit Thomas Vinterberg ein Manifest geschrieben. Das sogenannte Dogma 95. Und „Das Fest“ ist der erste Film, der die Kriterien eines Dogmafilmes erfüllen. Die Kriterien zusammengefasst sind:

1. Keine Requisiten. Es darf nur am Schauplatz gespielt werden.
2. Keine Filmmusik. Ton und Bild dürfen nicht später geändert oder zusammengefügt werden.
3. Nur Handkamera darf verwendet werden.
4. Keine Beleuchtung. Der Film muss in Farbe sein.
5. Keine Effekte
6. Keine oberflächliche Action (Mord)
7. Zeitliche und geographische Verfremdung sind verboten.
8. Keine Genrefilme
9. 35 mm Academy Filmformat
10. Der Regisseur dar weder im Vor-, noch im Abspann genannt werden.

Es ist nur verständlich, warum das Manifest auch „Schwur der Keuschheit“ genannt wird. Man könnte jetzt denken, dass die Filme visuell und akustisch „minderer“ Qualität sind, aber ich war erstaunt, dass dieser Verzicht, kaum stört und später überhaupt nicht mehr auffällt. Wobei ich vorher eine positive Erwartung hatte, da ich eine Abneigung gegen Mainstream habe und die Begründung des Dogmas, nämlich als „Rettungsaktion, um bestimmte Tendenzen im modernen Kino entgegenzuwirken“ und den Film zu „reinigen“ und „das Innenleben der Figuren zu rechtfertigen.“

Inhalt:

Das Fest- Jede Familie hat ihr Geheimnis. Der Titel auf der DVD ist sehr vielversprechend und spricht schon an worum es geht.
Der Hotelier Helge feiert seinen 60. Geburtstag und lädt seine ganze Verwandschaft und Freunde zu den Festlichkeiten ein. Anfangs läuft auch alles normal. Man sitzt gemeinsam zu Tisch, trinkt und isst. Als Christian, der älteste Sohn, die Eröffnungsrede hält, konfrontiert er seinen Vater vor versammelter Verwandschaft mit der Tatsache, dass Helge seinen Sohn und die verstorbene Tochter als Kinder ständig vergewaltigt hat. Nach dieser Rede, sitzen zuerst alle sehr betroffen an ihren Tischen, sagen aber nichts und feiern schließlich weiter. Währenddessen hat Christian eine Unterredung mit seinem Vater. Dieser streitet ab seinen Kindern je etwas angetan zu haben und Christian gibt nach und entschuldigt sich. An dieser Stelle ist man als Zuschauer sehr verdutzt, weil man nicht weiß was diese Aktion sollte und warum die Gäste so anormal reagiert haben. Später aber hält Christian immer wieder Reden und macht dem Vater immer weitere Vorwürfe. Helge und seine Frau wehren sich dagegen und sagen Christian wäre verwirrt und wüsste nicht was er sagt. Der Film entwickelt sich noch wesentlich weiter, das möchte ich aber nicht vorweg nehmen.

Stil:

Natürlich kommt Dogma im Stil zu tragen. Es wurde mit Handkamera gedreht und deshalb ist das Bild ein wenig wacklig, was aber noch im absolut ertragbaren Bereich liegt, da der Kameramann eine ruhige Hand hat. Die Wirkung dieser Kameraführung ist, dass man sich näher an das Geschehen heranversetzt fühlt und die Empfindung auf das gespielte deshalb stärker sind. Obwohl ich das Ende nicht verraten habe, kann ich sagen, dass fast jede Person mit betroffenem Schweigen aus dem Kino geht. Teilweise nimmt die Kamera auch dieselbe Position ein, wie eine Überwachungskamera. Die Einstellungen sind uns aus dem täglichen Leben bekannt, da wir im Fernsehen oft diese sehen oder eben auch eigene Aufnahmen mit Handkameras zu Hause haben. Zu Beginn, als alle Gäste auf ihren Räumen sind wird zwischen den Handlungen auf den Zimmern sehr häufig in kurzen Abständen von der einen Handlung zur anderen gewechselt. Für mich hat es aber keine Probleme gemacht und ich habe den Faden nie verloren.

DVD:

Bildformat: 4:3
Tonformat: Deutsch/Dänisch Mono
Sprachen: Deutsch/Dänisch mit deutschem Untertitel für Gehörlose
Laufzeit: 101 min.
Ländercode: 2

Extras:

Als Extras sind auf der DVD die Richtlinien der Dogmafilme als Texttafel vorhanden, sowie ein Interview mit dem Regisseur, welches sehr informativ ist, aber leider nur schriftlich abrufbar ist. Es sind auch noch fremdsprachige Trailer, sowohl vom Film als auch von anderen dogmaaähnlichen Filmen vorhanden. Dogmaähnliche Filme sind solche, die die Kriterien nur teilweise erfüllen. Jedem Dogmafilm wird ein Zertifikat ausgestellt. Das Fest ist der erste von momentan 35 Filmen, der dieses erhalten hat. Man kann zu Beginn des Filmes dieses im Vorspann sehen. Die Extras sind nicht sehr spektakulär aber sie sind „dogmatisch“ und passen daher ganz gut zum Film.

Fazit:

Ich finde, das Thomas Vinterberg unter diesen harten Bedingungen einen wirklich guten Film gemacht hat, in dem viele Persönlichkeiten aufeinandertreffen und ein Konflikt erster Klasse entsteht. Der Ausgang bleibt bis zum Schluss offen, aber man kann sagen, dass er unerwarteter Weise nachvollziehbar ist. Ich kann diesen Film jedem, der sich für Dogma 95 interessiert nur raten. Wer alle Dogmafilme sehen will, der sollte auf die Seite www.dogme95.dk gehen. Dort ist eine Liste aller 35 Filme vorhanden.

PS: Ein Film, der gesehen werden muss ist DANCER IN THE DARK von Lars von Trier.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Mocat

Mocat

05.02.2004 19:54

Ich habe noch nie einen Dogmafilm gesehen bzw. davon gehört, aber das klingt wirklich interessant, dazu noch diese Handlung - ich denke, diesen Film muss ich sehen! Liebe Grüße, Marlene

sarahhaller

sarahhaller

30.01.2004 20:07

Klingt interessant

Beatfreak

Beatfreak

25.01.2004 22:13

Klingt nach einen ziemlich außergewöhnlichen Film, leider habe ich damit so gut wie keine Erfahrungen, bin mehr ein Mainstreamschwimmer. ;-) Aber die Machart hört sich so ähnlich an wie Blairwitch Project, bloß dass BP wahrscheinlich etwas oberflächlicher ist. Kann das so hinhauen?

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