Das Schicksal ist ein schlechter Verlierer
04.08.2002
Pro:
Makaber und einfallsreich beim Umbringen der Hauptfiguren
Kontra:
Viel mehr auch nicht - der Rest ist Routine
Empfehlenswert:
Ja
 peregrinus
Über sich:
Warum sind in Deutschland die andern schuld, wenn man selbst zu doof ist zum Denken? Ach Mutti, Mutt...
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Sturm. Nacht. Dunkelheit. Bedeutungsschwanger schwingt ein Plastikskelett vor einem verregneten Fenster, Mondlicht läßt den Kopf eines Plüschaffen wie einen Totenschädel aussehen. Auch die Musik läßt keinen Zweifel daran, daß Unheil naht... Am nächsten Morgen geht es für den siebzehnjährige Alex Browning (US-Teenieschwarm Devon Sawa, “Now and Then”, “Die Killerhand”) auf eine lange Reise. Sein Französisch-Highschool-Kurs fliegt zum Abschluß der Schulzeit nach Paris. Auf dem Weg zum Flughafen wird Alex (und der Zuschauer) von bösen Omen und Vorahnungen geplagt, die in einer düsteren Vision vom Absturz der Maschine gipfeln. Verständlicherweise verliert der Junge die Nerven, schreit herum und wird zusammen mit sechs anderen aus dem Flieger geworfen. Minuten später sehen die sechs, wie die Maschine in Flammen aufgeht.
Noch einmal glücklich davongekommen? Von wegen. Zuerst ist da das FBI, das Alex wegen seines doch recht eindrucksvollen Abgangs als Attentäter verdächtigt. Mit der Flucht aus der Maschine haben die sechs Teenager und ihre Lehrerin (Kirsten Cloke) zudem irgendjemandens Pläne durchkreuzt, und der (oder “das”) ist jetzt hinter ihnen her. Einer nach dem anderen fällt einem ungewöhnlichen “Unfall” zum Opfer. Steckt da ein teuflischer Plan hinter? Wird es Alex und seinen Freunden rechtzeitig gelingen, den zu durchkreuzen? Wird aus ihm und dem Mädchen Clear (Ali Larter, “Varsity Blues”) im Angesicht des nahen Todes ein Liebespaar? Wird sein Freund Billy (Sean William Scott, “American Pie”) erst die Nerven oder das Leben verlieren, oder beides gleichzeitig?
Die größte Stärke des Films besteht darin, daß er nichts erklärt. Der Tod erhält kein Gesicht, wird nicht zur allegorischen Figur verniedlicht. Filmgerecht deutet er seine Anwesenheit an, und nach einiger Zeit haben wir Gewißheit, daß etwas nicht mit rechten Dingen zugeht - aber wer oder was da zuschlägt, bleibt der Phantasie des Zuschauers überlassen. Genauso ungeklärt bleibt die Frage nach dem warnenden Gegenspieler: Gibt es einen guten Geist, der Alex und seine Freunde vor dem Schicksal bewahren will - oder spielt der Tod selbst nur Katz und Maus? Klar ist jedenfalls, daß dieser Warner ziemlich aufdringlich ist - die Omen, Vorzeichen und Andeutungen sind zahlreich und mehr als deutlich.
“Final Destination” ist ein Teenie-Slasher-Movie ohne Slasher. Statt eines durchgedrehten Hockeymaskenfetischisten, eines brandvernarbten Ex-Hausmeisters oder eines Gespensterkostümträgers bietet der Film einen nicht greifbaren, un-menschlichen Täter. Und einen einfallsreichen: Während der Tod in der Wirklichkeit meist nicht sonderlich originell, selten dramatatisch und ohne erkennbaren Sinn auch nur für literarische Gerechtigkeit vorgeht, plant er hier sorgfältige, hinterlistige und höchst gemeine Anschläge. Der Film läuft nach dem üblichen weichgekauten Zehn-Kleine-Negerlein-Prinzip ab; seine Spannung zieht er daraus, daß jeder Anschlag noch raffinierter, einfallsreicher und grotesker als der vorige ist.
Der Tod hat in diesem Film eindeutig die interessanteste Rolle bekommen und spielt seine Mitspieler glatt an die Wand (beziehungsweise ins Leichenschauhaus). Devon Sawa, der seit seinem Debüt in Caspar (als Tanzpartner in der Endszene) in den USA als Teeniestar gehandelt und durch eine ganze Reihe zumeist zweitklassiger Filme gereicht wurde, und auch seine Mitschauspieler werden professionell und mühelos den Anforderungen gerecht, die das Drehbuch an sie stellte: Mehr als Verlieben, Angsthaben und einige sportliche Aktivitäten hat der Schreiber ihnen nicht zugemutet - die seltenen Möglichkeiten, den Charakteren Tiefe zu geben, wurden dann auch nicht groß genutzt. Andererseits: Wer erwartet das auch schon? Bei Filmsprache, Musikuntermalung, Schnitte und Ausleuchtung hielt sich Regisseur James Wong zumeist an die Genrekonventionen: Meist ist es dunkel, wenn etwas finsteres geschieht, Rascheln, unmotivierte Windböen und dergleichen kündigen Unheil an, und unheilvolle Musik vermittelt jedem Zuschauer, wann er angespannt zu sein hat. Einige ungewöhnliche Einstellungen - besonders die vom Absturz, oder die Schlußszenen - sind dagegen recht effektvoll und originell gestaltet.
Wer mit einer großen Portion schwarzen Humors und genügend viel schlechten Geschmacks gesegnet ist, wird bei dem Film viel zu lachen haben: Durch die Überzeichnung verliert die eigentlich grauenvolle Geschichte ihren Schrecken und wirkt eher grotesk. Die Schockeffekte liegen im genretypischen Mittelfeld - trotzdem nichts für schwache Gemüter. Die Anfangsszene mit dem Flugzeugabsturz gehört zu den beeindruckendsten Filmkatastrophen, die ich kenne - ansonsten ist der Film eher durchschnittlich, macht (wie das Leben selbst) mit passender Einstellung durchaus Spaß und gibt nicht vor, mehr als unterhalten zu wollen.
IN EINEM SATZ
Makabrer und einfallsreicher Teenie-Schocker, nicht mehr und auch nicht weniger.
IM NETZ findet man mehr unter
www.deathiscoming.com
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13.08.2002 14:44
...für diejeniger, die Filme nicht groß hinterfragen oder interpretieren ist er also empfehlenswert..?
10.08.2002 12:45
Ich weiß bis heute nicht was ich von dem Film halten soll. Von leicht angegruselt bis sturzblöd war eigentlich alles drin. Ich denke da hat jemand keinen Bock gehabt überflüssige Millionen in den Kamin zu schaufeln und nach einem adäquaten Projekt gesucht (und gefunden). Gruß, The Moneysafer
06.08.2002 11:40
Statt eines durchgedrehten Hockeymaskenfetischisten, eines brandvernarbten Ex-Hausmeisters oder eines Gespensterkostümträgers...! Lass mich raten: Helloween (meeep falsch), Freddy Krüger und Scream...! Juchuuu! 75 Punkte...! Grüße Pandoolio