Ich grüße zunächst all diejenigen, die ihren Weg hierher gefunden haben und diesen Bericht just in diesem Moment vor ihren Augen wiederfinden. In den folgenden wenigen Wörtern möchte ich meine Eindrücke zu Final Fantasy IX wiedergeben. Viel Spaß beim Lesen.
--------------------
Story
--------------------
Das Spiel beginnt mit einer herausfordernd frechen Inszenierung eines der klassischsten Klischees überhaupt - der Entführung einer Prinzessin. Die Räuberbande Tantalus, der auch der Protagonist des Spiels Zidane angehört, hat eine Theater-Aufführung des Stückes "Deine Taube möcht' ich sein" in Alexandria, eine der größten Städte im ganzen Reich. Jedoch wurden sie in Wirklichkeit von Herzog Cid, Herrscher vom angrenzenden Großreich Lindblum, beauftragt, die Prinzessin von Alexandria, Garnet Til Alexandros, zu entführen. Cid bemerkte nämlich die Verwandlung von Alexandrias Regentin, Königin Brane, nachdem ihr Mann verstorben war. Um einen Trumpf gegen sie in der Hand zu haben und um Prinzessin Garnet, die ein gutes Verhältnis zu Cid pflegt, vor Gefahren zu bewahren, wird die Entführung organisiert. Die Prinzessin hingegen wehrt sich nicht, als Zidane nach rasanten Verfolgungsjagden sein Vorhaben erklärt - der langweilige Alltag im Schloss ist ihr zuwider, weshalb sie endlich mehr von der Welt sehen möchte. Auch ist sie die rechtmäßige Thronnachfolgerin, als solche aber ihrer Meinung nach viel zu naiv und weltfremd. Ihr persönlicher Leibwächter, der Hauptmann der Pluto-Truppe namens Adelbert Steiner, versucht die Prinzessin dagegen mit allen Mitteln vor einer Entführung zu bewahren, was ihm jedoch nicht wirklich gelingt. Zeitgleich treibt sich ein kleiner Schwarzmagier in der Stadt herum, der einen Rattenjungen namens Puck getroffen hat und sich die Vorstellung von Tantalus ansehen möchte. Sein Name ist Vivi, und er trifft später mit Zidane, Garnet und Steiner zusammen, die später zusammen fliehen (Steiner folgt ihnen aus dem Grund, die Prinzessin zu beschützen). Sie versuchen, mit dem Luftschiff der Tantalus zu entkommen, doch zum Entsetzen aller scheut sich Königin Brane nicht, auf sie zu feuern. Sie werden gezwungen, in einem nahegelegenen Wald, der sich später als der Verwunschene Wald herausstellt, notzulanden. Die Prinzessin ist dort spurlos verschwunden, Vivi verletzt, Steiner wutentbrannt ob dem Verlorensein der Prinzessin und Zidane zwischen den Fronten gelegen - Bark, Anführer der Tantalus-Bande, will die Prinzessin nicht retten, da es zu gefährlich sei, Zidane aber kann niemanden einfach hilflos alleine lassen.
Nachdem sich alle gesammelt haben und den Verwunschenen Wald nach dem ersten Bosskampf verlassen können, beginnt die Reise auf dem Kontinent des Nebels. (Die Welt von Gaia ist in vier Kontinente geteilt, und der Kontinent des Nebels ist davon der zivilisierteste und bewohnteste. Der Nebel ist übrigens über das gesamte Land verbreitet und dient als Rohstoff und Antriebmittel, ist aber auch die Ursache für die zahlreich auftretenden Monster.) Die Viererbande zieht später weiter und wird vor immer mehr Fragen gestellt. Sie finden in einem nahegelegen Dorf eine Fabrik, in der Vivi sehr ähnlich sehende Schwarzmagier hergestellt werden. Ansprechbar sind sie aber nicht, und der kleine Vivi dadurch umso verwirrter - die Frage, wer er eigentlich ist und wozu er lebt stellt sich ihm zum ersten Mal. Zidane trifft eine alte Freundin namens Freya bei einem Jagdfestival wieder, die auf der Suche nach ihrem seit Jahren verschwundenen Geliebten Fratley ist. Königin Brane wird derweil immer unberechenbarer und greift Städte und Königreiche des Kontinents an, um sogenannte Schatzkristalle zu finden. Garnet, die später den Namen Lili annimmt, um nicht erkannt zu werden, besitzt auch einen von diesen, weshalb die Truppe unaufhörlich von Brane und ihren Schergen verfolgt wird. Sie greift mit Schwarzmagier-Truppen an, die keine Seele zu besitzen scheinen - geliefert von einem Waffenhändler mit dem Namen Kuja, hinter dem mehr zu stecken scheint. Die Gruppe trifft dereinst auf ein Mädchen namens Eiko, das als Angehörige des Esper-Volkes die Fähigkeit besitzt, gewaltige Monstren, Bestia genannt, zu beschwören. Auch Garnet besitzt diese Fähigkeit, hat aber kein typisches Esper-Horn auf ihrer Stirn, was weitere Fragen aufwirft. Auf Kuja trifft man später immer wieder, und wird vollkommen verwirrt, als nach einem weiteren Angriff ein alter Mann namens Garlant auftaucht, der Kuja und Zidane zu kennen scheint.
Mehr will ich hier nicht verraten, denn natürlich sollten die genaueren Details von jedem selbst entdeckt werden. Etwas Allgemeines zur Story von Final Fantasy IX möchte ich allerdings erwähnen. Zwar ist der generelle Aufbau nett gemacht und insgesamt gesehen ist die Story auch in Ordnung, im Vergleich zu anderen RPGs und auch den anderen Teilen der Final-Fantasy-Reihe jedoch zu unspektakulär. Viel zu viel kann man bereits vorhersehen und viel zu viel basiert auf stupiden Klischees. Nicht immer ist alles spannend, und manchmal kommt die eigentliche Story überhaupt nicht mehr voran - andere Stellen sind dagegen das Gegenteil, wo man gleich ganze Informationsballen erzählt bekommt (ich denke z.B. an die Gespräche auf Terra), was fast noch langweiliger und vor allem anstrengender ist. Ich hatte den Eindruck, dass ich alles "in den Mund gesteckt bekomme" und ich an keiner Stelle meine Gedanken anstrengen müsste. Fast nie hat man das Bedürfnis, etwas intensiver nachzudenken und Zusammenhänge zu finden. Die einzige solche Stelle repräsentiert das recht offene Ende, was aber zu wenig ist und keinen großartigen Interpretationsstoff übrig lässt. Die Charaktere sind dagegen größtenteils recht gut in die Story eingebaut, nur leider zum großen Teil wieder zu stark mit Klischees belastet (dazu aber mehr in der entsprechenden Sektion). Ein gewisses Schema kann man auch erkennen, denn jedes Mal scheint sich einem ein Gegner in den Weg zu stellen, der später von einem größeren überboten wird. Weiterhin finde ich es schade, dass die Welt so wenig ausgenutzt wird - hat man auf den ersten beiden Kontinenten noch viel zu tun, gibt es auf den anderen jeweils einen größeren Ort und der Rest ist minder interessant/wichtig bzw. überhaupt nicht weiter vorhanden. Von der Komplexität der Story her kann der neunte Teil wahrlich mit den Vorgängern mithalten, jedoch hatten diese eine größere "Verstricktheit" anzubieten und waren insgesamt gesehen überraschender.
--------------------
Gameplay
--------------------
"Back to the roots" ist das Motto des Spiels und diesem wird es auch gerecht. Das Kampfsystem hat keine großartigen oder besonders innovativen Veränderungen erfahren, trotzdem existieren einige. So kann man wieder vier Charakter gleichzeitig in einem Kampf kommandieren, es existieren wieder Rüstungen, Helme, Armbänder und Accessoires und jeder Charakter besitzt eine festgelegte Klasse mit Spezialfähigkeiten. Neu ist auch das Ability System - nach jedem Kampf gibt es für die Charaktere neben den Erfahrungspunkten und Gil (Geld) eine bestimmte Anzahl an AP (Ability Points), die benötigt werden, um neue Fähigkeiten zu lernen. Jedes Ausrüstungsstück birgt nämlich gewisse Fähigkeiten in sich. So kann Zidane durch seine Waffen neue "Tricks" lernen, benötigt dafür aber eine bestimmte Menge an AP. Ist diese erreicht, hat er die jeweilige Fähigkeit dauerhaft gelernt und kann eine neue Waffe anlegen, um wieder einen neuen "Trick" zu lernen. Limit Breaks treten diesmal in Form von Trance-Attacken auf - in den "Trance Modus" gelangt ein Charakter, wenn er eine bestimmte Anzahl an Schaden eingesteckt hat. Leider wird man vorher nicht gefragt, ob man dies überhaupt will, und so passiert es oft, dass der Trance Modus für einen einfachen Zufallskampf verschwendet wird. Insgesamt ein gut erdachtes System, das aber mit dem Materia-, Job- oder Junctioning-System der Vorgänger in Sachen Vielfalt und Komplexität nicht mithalten kann.
Neben dem Kampfsystem ist vom Hauptmotto des Spiels vor allem das Design der Charaktere und der Welt beeinflusst, das mit seinem mittelalterlichen Touch mehr an klassische Fantasy erinnert als die meisten anderen Welten der Saga. Für mich persönlich auch eine Genugtuung sind die Charaktere, die weg von den pseudorealistischen Charakteren der beiden Vorgänger, vor allen weg von denen aus Final Fantasy VIII, gehen, und mit Amano als Charakter-Designer erfrischend phantasievoll wirken.
Neu sind auch die Active Time Events, die im Spiel als ATEs bezeichnet werden. Sie erscheinen an bestimmten Stellen im Spiel, wo man dann meist die Auswahl hat, ob man sie sich anschauen möchte oder nicht - empfehlenswert wäre dies auf alle Fälle, denn sie zeigen dann, was andere Charaktere gerade machen und enthalten deshalb auch einige Informationen.
Außerdem enthalten sind recht viele Minigames, die sich relativ abwechslungsreich darstellen. Wie im Vorgänger ist ein Kartenspiel, hier Tetra Master genannt, enthalten, das mich jedoch weniger überzeugt hat - nirgendwo im Spiel wird es ausführlich erklärt und die ganze Sache wird zu einem ziemlichen Zufallserlebnis, denn ich konnte auch gewinnen, wenn ich meine Karten einfach zufällig platzierte. Frösche fangen, ein Rennen mit einem Nilpferd (namens Hippo), Seilspringen in Alexandria und einige andere gehören ebenso dazu; das umfangreichste Minigame ist jedoch "Such, Chocobo, such!". Hierbei muss man mit dem Chocobo (die seit Final Fantasy II in jedem FF vertretenen, meist gelben Reittiere) Choco Schätze ausgraben. Dabei gibt es verschiedene "Schnabel-Level", neue Federkleider und somit neue Fähigkeiten für Choco und eine Unmenge an Schätzen, die es teilweise nur bei diesem Mini-Game zu gewinnen gibt.
Neben den Chocobos haben aber auch die Mogrys (den meisten wohl eher als Moogles bekannt) einen Auftritt - anstatt dass man einfach wieder Speicherpunkte in das Spiel einbaut, kann man nur bei den Mogrys speichern. Sie sind überall auf der Welt verteilt und bieten eben die Möglichkeit, zu speichern und auch zu zelten. Bei einigen kann man weiterhin Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Items kaufen, und jeder hat etwas mit dem Mog-Net zu tun. Das ist ein weltweites Briefzustellungs-Netzwerk, das die Mogrys nutzen, um untereinander zu kommunizieren. Man selbst wird nun öfters von den Mogrys geschickt, um einem anderen Mogry einen Brief zu überreichen. Diesen darf man dann auch mit dem Mogry zusammen lesen und erfährt so einige interessante Dinge; hauptsächlich bleibt es aber ein kleines Minigame.
Nebenher existiert auch eine große Zahl an Sidequests, die es zu finden und zu bestreiten gilt. In Treno darf man in einer Versteigerung (à la Final Fantasy VI) teilnehmen und im Waffenladen gegen Monster kämpfen, für einen alten Mann kann man auf der ganzen Welt nach Kaffee suchen, eine feine Dame möchte Stellatia-Münzen, den Mogrys muss auch geholfen werden usw.
Secrets sind natürlich ebenso vorhanden. Es existiert eine Vielzahl an Schatzkisten, die versteckt sind und es zu finden gilt, und Gimmicks sind ebenso über die Welt verstreut. Jeder Charakter hat eine ultimative Waffe, es gibt besonders starke Angriffe, alle Bestia müssen gefunden werden, ein interner Schatzjäger-Rang fehlt ebenso wenig wie neue Angriffe für Summons - und vieles mehr. Nicht zu vergessen sind gleich vier optionale Gegner, wovon einer - relativ gesehen - sehr schwer und stärker als der eigentliche finale Gegner ist. Alles in allem also genug für den abenteuerlustigen Entdecker, weshalb Final Fantasy IX viel Zeit in Anspruch nimmt, wenn man alles finden will.
Ebenfalls erwähnenswert sind die unzähligen Anspielungen auf ältere Teile der Serie, die in ihrer Anzahl nur noch von Final Fantasy Tactics überboten werden. Durch die Übersetzung gehen leider viele davon verloren, da die Namen einfach verändert wurden. So wurde "Armodullahan" ("Dullahan" in Final Fantasy III und VI) in "Hadesdroschke", Eikos Mogry "Mog" (so hieß ein Charakter in Final Fantasy VI) in "Mogu", "Carbuncle" in "Karfunkel" oder "Holy" in "Sanctus" umbenannt. Dennoch bleiben einige Namen erhalten; so kennt man die Geschichte, die Ramuh einem erzählt, bereits aus Final Fantasy II, im Waffenladen Lindblums findet man eine Anspielung auf Cloud aus Final Fantasy VII, Matoya ist einem aus Final Fantasy I bekannt usw.
--------------------
Charaktere
--------------------
----------
Zidane Tribal (Spielbarer Hauptcharakter)
----------
Der Hauptcharakter des Spiels, den man fast immer steuert. Er ist der "typische" Hauptcharakter - mutig, immer entschlossen, den Hilflosen zu helfen und gleichzeitig bestrebt, das Böse zu besiegen. Im Vergleich zu Squares letzten Final-Fantasy-Protagonisten etwas enttäuschend, denn obwohl eine Entwicklung seines Charakters zu erkennen ist, ist diese eher langweilig aufgebaut. Auch hat er immer einen Rat und wirft geradezu mit weisen Sprüchen um sich, wenn andere Charaktere einer Ermutigung bedürfen - zu seinem sonstigen Erscheinen, das eher dem eines pubertierenden Jugendlichen ähnelt, passt dies nicht wirklich.
Im Kampf hingegen ist er ein sehr nützlicher Charakter, da seine Stärke meist unverzichtbar ist. Er benutzt Dolche, Räuberschwerter oder Doppelklingen, die großen Schaden zufügen. Seine "Tricks" sind ebenfalls relativ nützlich und zumindest abwechslungsreicher als seine Trance-Attacken, die mit jedem Mal einfach nur stärker werden. Außerdem ist Zidane der einzige der dauerhaft spielbaren Charaktere, der die Fähigkeit besitzt, von Gegner Gegenstände zu stehlen - vor allem die Bossgegner haben viele seltene Items anzubieten, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
Mir persönlich gefiel Zidane jedoch gar nicht. Er strotzt nur so von Klischees und allein die "Ich helfe jedem und bin ja so ein guter Mensch"-Einstellung muss in heutigen Zeiten doch nicht mehr sein, schließlich will man etwas Neues sehen. Später im Spiel wird seine wahre Identität geklärt, die durch verschiedene Anspielungen auch nicht mehr so stark überrascht.
----------
Garnet Til Alexandros alias Lili (Spielbarer Hauptcharakter)
----------
Die Prinzessin von Alexandria hat noch nicht viel von der Welt gesehen, führte aber ein glückliches Leben. Seit ihr Vater starb, bemerkte sie allerdings eine deutliche Veränderung ihrer Mutter. Sie wurde zunehmend herzloser und wahnsinniger. Dennoch kann sich Lili, wie sich Garnet später nennt, nicht von ihrer Mutter trennen und versucht, sie wieder zum Guten zu bekehren. Allgemein ist sie eher ruhig und sieht in Zidane jemanden, zu dem sie aufblicken kann. Natürlich entwickeln sich die Gefühle zwischen den beiden immer mehr...
Im Kampf kann Lili Heilige Magie einsetzen und Bestia beschwören. Jedoch ist sie vornehmlich kein White Mage, sondern eben ein Summoner. Sie kann über acht verschiedene Bestia herrschen, die allesamt recht stark sind, im Vergleich zu ihrem MP-Verbrauch allerdings nicht allzu nützlich - oftmals richtet eine physische Attacke von Zidane oder Steiner genauso viel Schaden an. Wird eine Bestia im Kampf beschworen, während sich Lili im Trance-Zustand befindet, wird diese Bestia im Kampf solange wieder angreifen, bis Lilis Trance-Balken leer ist.
Lili fand ich persönlich erträglicher als Zidane, dennoch stellt sie nichts "Besonderes" dar - naives Kind auf Entdeckungsreise, begleitet von einem angeberischen Helden, der ihr immer mehr ans Herz wächst; die grobe Beschreibung könnte jedenfalls so lauten.
----------
Vivi Orunitia (Spielbarer Hauptcharakter)
----------
Der kleine Schwarzmagier hat kein richtiges Gesicht, denn man kann in der Schwärze seines Gesichts immer nur zwei gelb strahlende Augen erkennen. Er ist voller Selbstzweifel, wer er eigentlich ist, warum er existiert. Als er später die anderen Schwarzmagier trifft, will er mehr herausfinden und wird zunehmend emotionaler. Dennoch ist er immer schüchtern und zurückhaltend.
Zum Besiegen der Gegner vertraut Vivi auf Schwarzmagie. Er verfügt über ein Arsenal an verschiedenen Zaubersprüchen, die die Gegner direkt angreifen oder über ein paar indirekte Zauber wie "Stonehenge" und "Esprit" schwächen. Durch den Befehl "Sammeln" verstärkt er seine Zauberkräfte, was bis zu viermal möglich ist. Im Trance-Modus kann Vivi gleich zwei Zauber hintereinander beschwören.
Vivi ist meiner Meinung nach der beste Charakter des Spiels. Er macht die größte Wandlung durch und hat die interessanteste Geschichte, da sie endlich etwas Neues darstellt. Seine Spaziergänge in Alexandria sind für mich mit die schönsten Stellen des Spiels, und sein Auftreten (Sprache sowie Mimik und Gestik) markant. Hätte Square Vivi zum Hauptcharakter ihres neunten Final-Fantasy-Teils gemacht, hätte das Spiel wohl noch um einiges besser werden können.
----------
Adelbert Steiner (Spielbarer Hauptcharakter)
----------
Hauptmann der Pluto-Truppe und selbsternannter persönlicher Leibwächter der Prinzessin. Steiner (er wird im Spiel stets mit seinem Nachnamen angeredet) ist ein interessanter Charakter, der sein Leben jederzeit für die Prinzessin opfern würde. Später wird er jedoch vor die Frage gestellt, für wen er das macht und ob es für ihn selbst gar nichts gibt. Sein Design ist zudem sehr gut gelungen - ein feiner Ritter, jedoch die Rüstung verbeult, zu klein, verrostet und somit wunderbar passend zu dem tollpatschigen Verhalten dieses Ritters. Denn seine Grundprinzipien sind eher altmodisch, und das Schicksal will es, dass er öfters in das ein oder andere Fettnäpfchen tritt. Seine Bindung zu Zidane ist alles andere als rosig, sieht er in dem tollkühnen und schlecht erzogenen Räuber doch eine große Gefahr für die Prinzessin.
Steiners Stärke im Kampf stellt eine große Bereicherung dar. Sind seine physischen Attacken schon sehr stark, entwickelt er sein volles Potential erst, wenn Vivi ebenfalls in der Party ist. Dann kann er mit einem magischen Schwert Elementar-Angriffe ausführen - die Auswahl derer hängt von den Zaubern ab, die Vivi erlernt hat. Seine Spezial-Ability besteht aus einigen Schwert-Attacken, die vor allem die Werte des Gegners schwächen.
Persönlich gefiel mir Steiner im Spiel viel besser, als ich zunächst vermutet habe. Seine Einstellung an sich ist zwar eher eintönig, jedoch bringt er sie so seltsam rüber, dass er zunehmend lächerlicher wirkt - das macht ihn aber noch interessanter, denn einige der humoristischsten Szenen sind die mit Steiner. Die Charakterentwicklung ist nicht ganz so groß wie bei den vorherigen dreien, aber dennoch vorhanden - auch die Zuneigung zu einer gewissen Person trägt dazu bei.
----------
Freia Crescent (Spielbarer Nebencharakter)
----------
Freia würde ich nicht mehr als Hauptcharakter bezeichnen, schon allein deshalb, weil sie im späteren Spielverlauf an Wichtigkeit verliert. Sie ist ein ruhiger Charakter, der meist einen Rat für Zidane (und die anderen) parat hat und sich von anderen nicht großartig beeindrucken lässt. Die Worte "mein(e) Liebe(r)" und "mein(e) Beste(r)" kennzeichnen ihre Sprache. Ihre Trauer lässt sich mit dem Verschwundensein ihres Geliebten, Fratley, begründen, den sie schon seit Jahren sucht.
Im Kampf nimmt Freia die Rolle des Dragoons ein und beherrscht dementsprechend die traditionelle "Sprung"-Technik sowie Dragoon-Abilitys - "Regen" für alle, die MP der Verbündeten regenerieren und starke Attacken mit der Seele der Drachen gehören zu ihrem Repertoire.
Freia hat als Hintergrund recht viel Potential, das jedoch nicht vollkommen ausgeschöpft wird. Wie gesagt verliert sie später an Wichtigkeit im Spiel und tritt auch sonst nicht allzu oft auf.
----------
Eiko Carol (Spielbarer Nebencharakter)
----------
Ein kleines Mädchen, das Zuneigung sucht und sich deshalb Zidane anschließt (und auch immer wieder zu nähern versucht). Sie ist eine Esper und kann deshalb die Bestia beschwören. Zwar ist sie mit der Hauptstory verbunden, hat aber zu wenig Screen-Time und ist auch sonst nicht allzu profund entwickelt, weshalb ich sie nicht zu den Hauptcharakteren zählen würde.
Ebenso wie Lili kann Eiko Heilige Magie einsetzen und Bestia beschwören. Im Gegensatz zu Lilis acht Bestia hat Eiko aber nur die Kontrolle über vier, dafür stehen ihr mehr Weiße Magien zur Verfügung, was sie zum eigentlichen White Mage der Truppe macht. Im Trance-Modus kann sie ähnlich wie Vivi zwei Heilige Magien auf einmal einsetzen.
Eiko gefällt mir von daher nicht, dass sie in die Rolle von Palom/Porom, Relm, Yuffie bzw. Selphie der Vorgänger schlüpft und somit die "Nervensäge des Spiels" ist. Im Vergleich zu ihren "Vorgängern" ist sie zwar noch erträglich, aber die kindliche Naivität stört mich mehr als dass sie mich belustigt.
----------
Quina Quen (Spielbarer Nebencharakter)
----------
Groß und dick, weiße Haut, eine Schürze tragend, den Hut eines Kochs auf dem Kopf, ein riesiger Mund, aus dem eine überdimensional lange Zunge hängt und im Spiels als "dicke Weißwurst" beschrieben - das und nicht weniger ist Quina, einer der interessantesten Charaktere im Spiel. Er sieht aus wie jeder Angehörige des Qu-Clans und pflegt eine dementsprechende Lebenseinstellung - alles Essen, was möglich ist und die kulinarischen Köstlichkeiten der Welt kennen lernen, ist sein großes Ziel. Das ist übrigens auch die Motivation, warum sich Quina der Gruppe um Zidane anschließt.
Zwar würde man es ihm gar nicht zutrauen, aber dennoch ist Quina ein sehr starker Charakter im Kampf. Zunächst sind seine physischen Werte hoch, jedoch ist der angerichtete Schaden oftmals vom Zufall abhängig. Dafür ist Quina aber der Blue Mage des Spiels und kann als solcher die Attacken des Gegners lernen und dann einsetzen. Quina macht dies, indem er den Gegner einfach aufisst, nachdem selbiger nur noch wenige HP übrig hat. Ihre Attacken sind - wie die der meisten Blue Mages - wunderbar abwechslungsreich und eine wahre Bereicherung im Kampf.
Schade ist, dass Quina nicht viel mehr Hintergrund bekommen hat. Er besitzt zweifelsohne viel Screen-Time (vor allem die ATEs prägen ihn) und auch einige Dialoge, aber dennoch bleibt sein Ziel und einziger Motivationsgrund der, so viel wie möglich Neues zu essen. Aber dafür sind seine Entdeckungsreisen und Gespräche mit verwunderten Einwohnern teilweise herrlich humorvoll, und sein Aussehen beschert ihm auch noch einige Bonuspunkte.
----------
Mahagon Coral (Spielbarer Nebencharakter)
----------
Ein einsamer Wolf, der auch fast so aussieht und sich Zidane aus zunächst unklaren Gründen anschließt. Später wird klarer, dass er die Beweggründe von Zidane nicht versteht und ihm folgt, um mehr über ihn herauszufinden.
Für den Kampf ist Mahagon jedoch recht wertvoll, denn seine physischen Werte sind groß. Außerdem ist er ein Monk und kann von daher Gegenstände auf seine Gegner werfen, was meist großen Schaden anrichtet. Seine Abilitys umfassen eine Vielzahl an nützlich Attacken - u.a. kann er die eigenen Verbündeten heilen und wiederbeleben, die Gegner mit Gil bewerfen oder mit einer starken Attacke angreifen.
Im Spiel ist Mahagon weniger wichtig, und mir gefiel er nicht, da man zu wenig über ihn erfährt. Er hat kaum Dialoge und sein Ziel ist es weiterhin, Zidane und Werte wie Freundschaft zu ergründen. Dies ist aber relativ klischeehaft und birgt keine wirkliche Wandlung von Mahagon in sich. Da man auch so gut wie nichts über seine Vergangenheit weiß (in einem ATE erfährt man etwas, aber das hätte man auch getrost weglassen können, da es überhaupt nichts ändert), halte ich ihn für den am wenigsten entwickelten Charakter des Spiels.
----------
Kuja (Antagonist)
----------
Ein mysteriöser Mann in seltsamen Kleidern, die ihn feminin wirken lassen (und somit wohl einen recht hohen Bishounen-Charakter erzeugen). Er verhandelt mit Königin Brane und greift später die eigene Gruppe an; seine Beweggründe sind einem dabei jedoch unbekannt. Auch erscheint er recht psychopathisch - später im Spiel wird einem sein Ziel zwar klarer, dieses zeugt aber eben von einer gewissen Psychopathie. Dadurch könnte man ihn als eine "Mischung" aus Kefka (Final Fantasy VI) und Sephiroth (Final Fantasy VII) bezeichnen, die durchaus zu überzeugen weiß und einen sehr interessanten Charakter darstellt.
----------
Garlant (Antagonist)
----------
Er erscheint später im Spiel und man weiß zunächst überhaupt nicht, wer er ist. Er kennt Kuja genauso wie Zidane und man erfährt durch ihn später viel über die Welt und deren Schicksal. Ob er ein Bösewicht ist, kann man so genau gar nicht sagen, denn er handelt nach einem Ziel, das im ersten Sinne nichts vollkommen Böses darstellt.
----------
Brane (Antagonist)
----------
Einst eine glorreiche Königin, benimmt sie sich in letzter Zeit immer seltsamer. Königin Brane greift andere Reiche an und ihr steht nur noch die bloße Gier in Augen. Doch hinter den Gründen dafür und hinter ihrem merkwürdigen Benehmen gegenüber ihrer Tochter Lili steckt noch mehr als der Tod ihres Mannes.
----------
Son & Zon (Antagonisten)
----------
Die Hofnarren von Königin Brane, die aber mehr zu sagen haben als die Soldaten des Schlosses. Brane benötigt sie außerdem für ihr Vorhaben, und die Clown-gleichen, hinterhältigen Figuren machen nichts lieber, als für Stärkere zu arbeiten. Ihr Aussehen ähnelt sich übrigens recht stark; lediglich die Farben ihres Gewands und ihre Gesichtszüge sind unterschiedlich. In allen Versionen des Spiels prägt sie eine besondere Sprechweise.
----------
Cid Fabul (Nebencharakter)
----------
In diesem Final-Fantasy-Teil nimmt Cid die Rolle des Herrschers von Lindblum ein und ist wie fast immer technisch sehr bewandert - er arbeitet im Laufe des Spiels an der Hildegarde 1, 2 und 3; Luftschiffen, die auch ohne Nebel fliegen können. Vor einem halben Jahr hat ihn seine Frau Hilda in eine Juckzirpe verwandelt, da er fremdgegangen ist. (Und beim Versuch, ihn zurückzuverwandeln, wird er zunächst ein Frosch.)
----------
Beatrix (Nebencharakter; kurzzeitig spielbar)
----------
Die Generalin der Truppen von Alexandria dient Königin Brane genauso selbstverständig wie Steiner. Jedoch bemerkt auch sie die Veränderung Branes und zweifelt mehr und mehr an ihren Taten.
Nebst sehr vielen anderen Nebencharakteren, die ich hier aber nicht weiter aufzählen möchte.
--------------------
Grafik
--------------------
Wenige Worte zur Grafik, da sie für mich sowieso recht irrelevant ist. Die Grafik ist allgemein nicht viel besser als in Final Fantasy VIII, da die PSX auch nicht viel mehr kann. Die Hintergründe sind weiterhin vorgerendert und von daher sehr schön, ebenso wie die Figurenmodelle. Wie im Vorgänger wiederholen sich die Animationen der Charakter allerdings recht schnell, weshalb sie manchmal etwas steif wirken. Die Zaubereffekte sind wieder einmal gut gelungen und sehr ansehnlich. Die Highlights stellen natürlich die FMV-Sequenzen dar, die denen der Vorgänger in nichts nachstehen und sie sogar noch überbieten.
--------------------
Musik
--------------------
Zum letzten mal arbeitet Uematsu in diesem Teil ganz allein, und wie bei den Vorgängern prägt sich mir ein Bild - zwar klingen viele Stücke sehr gut, dafür fehlen aber seit dem grandiosen Final-Fantasy-VI-OST Innovationen. Die besten Stücke sind die Character Themes, die zum jeweiligen Charakter auch wirklich passen und sich von daher sehr schön anhören. Das Battle Theme hört klingt wunderbar, das Boss Theme ist dagegen recht unspektakulär. Titel wie "Assault of the Silver Dragon", "The Dark Messenger", "Far Away in the Twilight", "We are Thieves" und "You Are Not Alone" und eben die Character Themes klingen und passen aber so gut, dass man den OST insgesamt als gelungen ansehen kann.
--------------------
Schwierigkeitsgrad
--------------------
Insgesamt zu leicht. Waren Final Fantasy I-III recht schwer, Final Fantasy IV und V sehr passend und Final Fantasy VI noch annehmbar, sind die PSX-Final-Fantasy-Teile zu einfach, und Final Fantasy IX bietet da den "Höhepunkt". Ich habe den Game-Over-Bildschirm während des gesamten Spielens nicht ein einziges Mal gesehen. Der einzige schwere Gegner ist einer der optionalen, jedoch hängt es dabei auch recht stark vom Glück ab. Ferner werden keine wirklich Taktiken benötigt, um die Gegner zu besiegen, fast immer reichen einfach die jeweils stärksten Attacken der Charaktere.
--------------------
Übersetzung (deutsche Version)
--------------------
Die deutsche Übersetzung basiert auf der japanischen; es wurde nach der alten deutschen Rechtschreibung geschrieben. Grammatikalische und orthographische Fehler konnte ich nur sehr wenige entdecken, dafür gefallen mir die Übersetzungen der Namen, Items, Abilitys, Waffen usw. nicht besonders. Dass aus Dagger Lili und aus Amarant/Salamander Mahagon werden musste, kommt zwar daher, dass sonst die Erklärung gefehlt hätte, aber die Namen passen nicht wirklich zu den Charakteren. Viele andere Dinge wurden mir zu entfernt vom Original übersetzt, bei anderen bin ich dagegen geteilter Meinung - es ist für mich schwer, mit den "Mogrys" klarzukommen, wenn ich sie aus allen früheren Final Fantasys nur als "Moogles" kenne, andererseits ist es näher an der japanischen Version (in der sie "Mogli(e)s" heißen). Insgesamt trifft also eine gute allgemeine Übersetzung mit mäßigen bis schlechten Übersetzungen der einzelnen Namen und Bezeichnungen aufeinander, weshalb ich die Übersetzung dennoch gut nennen würde (in etwa so wie die von Final Fantasy VIII, wobei hier von den einzelnen Faktoren her eher das Gegenteil eintritt). Besondere Erwähnungen verdienen wohl die einzelnen Mundarten der meisten Charaktere, die einen guten Versuch darstellen, der allerdings nur teilweise gelang. Cinna bekam einen bayrischen Dialekt, der teilweise schwer zu verstehen ist, Marcus nervt mit einem "und so" am Ende jedes zweiten Satzes und ebenso stört es bei Quina, dass er alle "s"- und "z"-Laute wie "sch" ausspricht. Weiteres ist u.a. Zidanes leicht sächsischer Dialekt, Steiners relativ gehobene Redensweise oder Vivis Stottern, die alle sehr gut passen.
--------------------
Fazit
--------------------
Empfehlen kann ich Final Fantasy IX so wie jeden anderen Teil der Serie. Die Story ist jedoch kein Vergleich zu vorherigen Teilen, der Großteil der Charaktere mit Klischees beladen und der Held des Spiels stinklangweilig. Als ein Rückblick auf die älteren Teile der Final-Fantasy-Saga und ein Spiel, das einfach nur "gut" sein will, kann es wegen dem guten Gameplay, der recht langen Spielzeit und den sonst rundum gelungen Faktoren aber überzeugen.
[by ColdMephisto // ca. 4500 Wörter // geschrieben in Notepad]
04.01.2009 19:18
Oje, ich liebe Final Fantasy, habe bisher alle Teile der Serie gespielt außer Teil 11,da es online ist und bin sehr auf Teil 13 gespannt.Schön,dass es hier noch andere gibt,die FF zocken.*g*
13.09.2002 12:12
Du schreibst tolle erste Berichte
19.06.2002 15:29
Klasse Coldy! Ich kann nicht nachvollziehen das Honneybee hier nur ein hilfreich bewertet hat (Racheakt?). Nunja, mach schön weiter so ;) DD (rpgmaker2k.de)