Wir wollen nur eins DAS GELD ANDERER LEUTE

5  16.12.2000 (19.12.2000)

Pro:
durch Förderung oft billiger als man denkt, Erfahrungen fürs Leben

Kontra:
viel Papierkrieg

Empfehlenswert: Ja 

kochski

Über sich:

Mitglied seit:10.10.2000

Erfahrungsberichte:71

Vertrauende:46

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 81 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Für alle Leute, die den grauen Alltag im verregneten Deutschland mal ein wenig hinter sich lassen und statt dessen ihr Studium (zumindest für eine Zeit) im Ausland fortsetzen wollen, hier ein paar unentbehrliche Tips zum Thema „Wie bezahle ich das alles und muss nicht doch mangels Reichtum in der Schlange fürs Stammessen 2 in der Mensa in Bielefeld verweilen?!?“

DISCLAIMER
Die Meinung bezieht sich von den direkten persönlichen Erfahrungen auf ein Auslandsstudium in den USA, vieles gilt aber für alle Auslandssemester. Wenn Ihr in einem Land studiert, in dem es keine (oder kaum) Studiengebühren gibt, ist es sogar alles noch einfacher. Sicherlich gibt es noch mehr Tips & Tricks, aber nach fast drei Word-Seiten hatte ich Erbarmen. Freue mich aber auf Kommentare!

AUTAUSCH
Erkundigt euch zuallererst mal, ob Eure Uni (bzw. Euer Fachbereich) einen Austausch mit einer Uni in dem Land anbietet, in das Ihr wollt. Ihr wollt in gar kein bestimmtes Land? Oh je, dann muss eure deutsche Hochschule euch ja wirklich bereits zur Verzweiflung getrieben
haben. In dem Fall: Ins Auslandsamt gehen und fragen, wohin es die besten Verbindungen gibt. Unipartnerschaften haben dabei in der Regel nichts zu bedeuten und sehen einfach auf Papier gut aus. Ein Austausch von Studenten findet deshalb oft noch lange nicht statt.
Positiv am Austausch: Oft kommt Ihr um die Studiengebühren herum, ihr kriegt viel organisiert, das ihr sonst selbst machen müsstet, und bekommt gute Betreuung vor Ort (in USA oder GB aber sowieso gang und gäbe, auch wenn Ihr auf eigene Faust kommt). Außerdem gibt es bei einem Austausch die wenigstens Probleme, Leistungen im Ausland (Scheine, etc.) von der deutschen Uni angerechnet zu bekommen.
Negativ: Ihr dürft nur ein Semester oder zwei bleiben und bekommt relativ genau vorgegeben, was Ihr im Ausland studieren müsst. Das gibt euch wenig Freiheit und genau für die wollt ihr ja weg. Klar soll ein Auslandstudium auch fachlich was bringen, aber es tut auch gut, den Horizont mal zu erweitern und Kurse zu belegen, die nicht unbedingt genau in Euren Studienverlaufsplan passen. In den USA bieten Unis z.b. oft geniale Kurse wie Golf, Segeln oder Bergsteigen an und die sollte man auf jeden Fall auch als angehender Journalist oder Diplomphysiker besuchen!

DAS AUSLANDSAMT
Das akademische Auslandsamt Eurer deutschen Uni - angeblich bekommt Ihr hier Antworten auf Eure Fragen und Hilfe bei Euren Problemen. Die Wahrheit: Die Leute, die hier sitzen, haben irgendwas ganz gewaltig falsch gemacht, um auf diesen Posten strafversetzt zu werden. In der Regel sind sie wenig kompetent, kaum hilfsbereit und sehr darauf bedacht, wenig Arbeit zu haben, die über ein paar Standardsätze und das Aushändigen von Standardunterlagen hinausgeht (Quelle: Subjektive Beobachtung von mir und zahlreichen Bekannten). Geht trotzdem hin und checkt die Möglichkeiten auf Austauschprogramme und lasst euch die Formulare für Stipendien (wie z.B. Fulbright) geben. ACHTUNG! Dieser Besuch sollte bereits sehr sehr früh stattfinden, da die Vorlaufzeiten für derlei Stipendien oft über ein Jahr betragen.

STIPENDIEN
„Nur die Harten kommen in den Garten“ ist eine Redensart, die nicht ganz von Tante Ungefähr kommt. So wahnwitzig schwierig ist es aber auch nicht, zumindest ein bisschen vom „Geld anderer Leute“ zu bekommen. Quellen für dieses Geld sind vielfältig, die meisten Stipendien vergeben eindeutig der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD, www.daad.de) und die Fulbright Comission (www.fulbright.de). Die Unterlagen dazu gibt es bei Euren Freunden vom Auslandsamt oder direkt per Post. Wer sich auf die EU beschränken möchte, kann auch sehr oft Gelder des Socrates- bzw. Erasmus-Programm bekommen, hier helfen Euch am besten Dozenten Eures Fachbereichs weiter. Klar, dass da jedes Mal gute Noten gefragt sind, aber man kann auch mit anderen Punkten überzeugen: Ein klares Bild, wo man hinwill und warum, was man sich von einem Studium GERADE DORT erhofft und wie es in den eigenen Studienplan passt. Hey! Das muss nicht alles Eure tiefste Überzeugung sein, aber es muss Sinn machen. Kurzer Fakerschutz: Diese Meinung stammt im Original von kochski. Auch Engagement, das über die Schule/Uni hinaus geht, wird von Stipendiengebern (zu denen auch Organisationen wie der Rotary Club etc. zählt, aber da wiederum ist Vitamin B nicht unwichtig) gerne gesehen und honoriert. Schreibt in Eurer Bewerbung also auch, was Ihr sonst so macht, egal ob Jugendgruppe, Laientheater oder Fußballverein.

STIPENDIEN IM AUSLAND
Ein schwieriges Thema. In der Regel gilt auch hier, dass es nie so schwierig ist, wie es von anderen gerne gemacht wird. Gerade im ersten Jahr ist es jedoch wirklich nahezu unmöglich Gelder von der ausländischen Uni zu bekommen. Ist ja auch klar, dass die zuerst lieber ihre eigenen Studenten fördern wollen. Sobald Ihr allerdings dort seit und durch gute Leistungen überzeugt, ist es möglich, sich für die folgenden Semester/Jahre zumindest kleinere Stipendien zu sichern.

AUSLANDSBAFÖG
Eine weitere sehr wichtige Quelle für „das Geld anderer Leute“ ist das Ausland-Bafög. Es wird gerne unterschätzt und oft überhaupt nicht beantragt, da die Leute glauben, sie würden es nicht bekommen. Irrtum! Fast jeder kann es bekommen, auch solche, die im Inland KEIN Bafög erhalten. Der Punkt ist: Durch Euren Auslandsaufenthalt habt Ihr ja viel höhere Kosten und bei denen greift euch das Amt unter die Arme. So könnt Ihr beispielsweise einen Hin- und Rückflug verrechnen, Eure Studiengebühren (bis zu 9000 DM, was z.B. in den USA leider oft nicht reicht) , Kosten für Auslandskrankenversicherung etc. Kurzer Fakerschutz: Diese Meinung stammt im Original von kochski. Erst wenn Eure Eltern so viel verdienen, dass sie auch diese erhöhten Kosten tragen können, sieht’s auch mit dem Bafög schlecht aus. Ich habe aber von den meisten Leuten gehört, die im Inland keins bekamen und vor allem durch Studiengebühren so hoch belastet waren, dass Förderung möglich wurde.
Beantragt also in jedem Fall Förderung beim Amt für Ausbildungsförderung, BWF-Auslandförderung, Postfach 13 09 51, 20109 Hamburg. Das ganze ist ein unwahrscheinlicher Papierkrieg (ich habe heute noch einen mitteldicken Ordner damit im Schrank stehen), aber es lohnt sich. In meinem Fall gab’s fast 13.000 Mark und im Gegensatz zum normalen Bafög ist das kein Darlehen, sondern komplette Unterstützung, das heißt ihr müsst NICHTS zurückzahlen.
Ihr müsst diverse Sachen nachweisen, wie zum Beispiel Sprachkenntnisse, dass euch das Auslandsstudium nützt (wird euch jeder dt. Professor gerne bestätigen) und so weiter und so fort. Seid sehr gewissenhaft und kopiert alles, bevor ihr es wegschickt. Die Leute vom Bafögamt kämpfen um jede Mark und haben meinen Antrag zweimal unberechtigt abgelehnt und nur nach zweimaligem Einspruch ihren Fehler eingesehen. Leistet euch also keine Formfehler, haltet die Fristen ein, lasst euch aber auch nicht ins Boxhorn jagen, wenn Ihr alles richtig gemacht habt und die Euch trotzdem was vorwerfen. Anrufen plus schriftlicher Einspruch und immer die Nerven bewahren, auf keinen Fall vorzeitig aufgeben. Es dauert ein wenig, bis das Geld kommt (meist seid Ihr dann schon ein paar Monate im Ausland), aber es ist ein monatlicher warmer Regen und in vielen Fällen wird dadurch ein Studium mit hohen Gebühren erst möglich. Das Bafög läuft allerdings maximal ein Jahr, wer länger bleiben will, muss für die Zeit danach also alternative Quellen aufgetan haben. Wichtig dabei: Auch wenn Ihr länger bleiben wollt, erzählt Ihr dem Bafögamt natürlich am Anfang bitte IMMER, dass ihr nur zwei Auslandssemester machen wollt. Die wollen ja einen Austausch fördern und keine Auswanderung. Wenn Ihr dann letztlich doch länger wegbleibt, hat damit keiner ein Problem, aber wenn ihr von Anfang an sagt, Ihr wollt Euren kompletten Abschluss im Ausland machen, gibt es Schwierigkeiten.

JOBS
Okay, das geht natürlich auch... Die obigen Tips drehten sich wie gesagt eher um Zuschüsse, Stipendien etc. weil es natürlich stets angenehmer ist, die Zeit im fremden Land nicht mit Arbeit verbringen zu müssen. Dabei bietet ein Job oft Gelegenheit, die Einheimischen von einer ganz anderen (der alltäglichen) Seite kennen zu lernen. Vorsicht ist allerdings beispielsweise ein den USA geboten, hier ist es für ausländische Studenten meist nicht erlaubt zu arbeiten (wegen ihres Visums) und die Jobs, die erlaubt sind (bei der Uni z.B.) sind lausig bezahlt. Erkundigt euch also vorher, ob ihr überhaupt arbeiten dürfte und mit welchem Verdienst ihr rechen könnt, damit es keine bösen Überraschungen gibt.

FAZIT
Wie bereits in meiner Meinung zum Auslandstudium allgemein (lesenswert!) geschildert, halte ich es für die beste Sache der Welt, eine Zeitlang woanders zu studieren. Land und Leute von einer ganz anderen Seite kennenzulernen, neue Dinge wahrzunehmen und lernen auch in der Fremde klarzukommen. Wie ihr eventuelle Schwierigkeiten finanzieller Natur aus dem Weg räumen könnt, habe ich euch in epischer Breite erklärt, jetzt müsst Ihr nur noch den inneren Schweinehund überwinden und könnt schön bald statt in tristen Beton-Hörsälen in einer Hängematte unter Palmen Eure Bücher lesen. Oder wo es Euch sonst hinzieht. Viel Spaß und gute Reise!

© Kochski 2000-12-16


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
zitrol

zitrol

19.09.2002 13:47

"Auslandsstudium allgemein" ist also auch lesenswert? Grins...

Sidschei

Sidschei

16.02.2001 13:28

Ach ja, das waren noch Zeiten, als ich auch noch in Bielefeld studierte.... Mangels finanzieller Masse konnte ich mir jedoch nie das Stammessen II leisten. Ich mußte immer auf den Eintopf ausweichen. Seitdem habe ich eine Milchreisallergie *gg* Gruß: Sidschei

RoyNaor

RoyNaor

15.01.2001 20:44

Sehr gute und vor allem hilfreiche Meinung. Ein dickes Lob an dich! Mach weiter so und schau doch mal bitte bei mir vorbei, Roy

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