Fiorenza (Hörbuch) / Thomas Mann

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Fiorenza (Hörbuch) / Thomas Mann

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... Es handelt sich um das Hörbuch „Fiorenza“ von Thomas Mann. Meine Mutter schenkte mir vor einiger Zeit dieses Hörbuch, da sie weiß, wie sehr ich die italienische Renaissance und auch die italienische Renaissance-Literatur liebe. Ehrlich geschrieben, war mir dieses Stück von Thomas Mann ... Bericht lesen





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zwischen Moral und Kunst!
Erfahrungsbericht von La_Livia über Fiorenza (Hörbuch) / Thomas Mann
15.02.2005


Produktbewertung des Autors:   


Pro: siehe Bericht  : O)
Kontra: wenig

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

***Wie ich zu dieser CD gekommen bin***

Heute möchte ich Euch ein Kleinod in meiner Hörbuch-Sammlung vorstellen, das vielleicht nicht Jedermanns Geschmack treffen wird, aber meiner Meinung nach zu wenig Beachtung erfährt.
Es handelt sich um das Hörbuch „Fiorenza“ von Thomas Mann.
Meine Mutter schenkte mir vor einiger Zeit dieses Hörbuch, da sie weiß, wie sehr ich die italienische Renaissance und auch die italienische Renaissance-Literatur liebe.
Ehrlich geschrieben, war mir dieses Stück von Thomas Mann völlig unbekannt. Die schöne Verpackung (das satte Rot der Pappe) macht Lust auf sofortiges Hören ...
Wir Ihr sehen könnt, hat Ciao netterweise ein Bild des Covers mit eingestellt. Die Pappe des Covers ist absolut hochwertig und geeignet sich deswegen auch wunderbar als Geschenkidee, die Eindruck machen könnte ...

***Kurzinfos zur CD***

°°°Sprecher°°°
Erzähler: Walter Hilsbecher
Erzählerin: Gisela Zoch-Westphal
Savonarola, der Prior: Heiner Schmidt
Lorenzo di Medici: Dieter Borsche, kleines High-Light dieses Hörspiels
Fiore: Margot Medicus-Phillip
Angelo Poliziano: Wolfgang Büttner
Pulci: Nicolaus Schilling
Uva.
Regie: Ludwig Cremer

Mehr Infos unter www.hoerverlag.de
Dieses Hörbuch stammt aus der Hörbuchreihe: Klassiker.Welten
ISBN: 389584-725-9

***Wie sieht die CD aus?***

Die Ausgabe dieses Hörbuchs ist wirklich schön gelungen.
Ich denke, dass sich dieses Hörbuch wunderbar zum Verschenken eignet, vor allem für literaturhungrige Menschen, die schon alles von der Mann-Familie gelesen haben und dennoch nicht genug bekommen können...
In einer roten Pappschachtel befinden sich zwei CDs, die sich in je einer Einzelverpackung befinden. Ich erinnere mich gut, wie sehr ich mich freute, als ich diese CD aus dem Geschenkpapier wickelte.

Auf der Verpackung sehen wir einen kleinen Ausschnitt aus Francisco de Goyas „Die Herzogin von Alba“ aus dem Jahr 1797, das in New Yorker Hispanic Society hängt.

***Bemerkenswertes zu „Fiorenza“ und Thomas Mann in Florenz***

Thomas Mann (1875 in Lübeck geboren) nannte „Fiorenza“ ein Quasi-Drama denn es handelt sich hierbei nicht unbedingt um ein Schauspiel im bekannten Sinne.
Wegen einiger Abweichungen vom aristotelischen Prinzip der Aufteilung eines Dramas (im Drama zählt einzig die Handlung. Das bedeutet, dass die Handlung erlebt und nicht erzählt werden muss) und Thomas Manns epischen Regieanweisungen verliert dieses Stück stark an der Unmittelbarkeit, die man zumeist im Theater erleben kann.
Die fehlende Unmittelbarkeit macht das Stück an einigen Stellen schwer zugänglich. Thomas Mann hatte bewusst die Form des Dramas gewählt, um den Konflikt zwischen moralischen und künstlerischen Leben darstellen zu können (wer mag denkt sich an dieser Stelle auch den Konflikt zwischen den Geschwistern Heinrich und Thomas hinzu).

1896 bis 1898 bereiste Thomas Mann Italien und 1898 erreichte er endlich Florenz, die Stadt der Medici. Wegen dieser Ausgangspunkte und des geschraubten Inhalts, galt dieses Stück als nicht bühnengeeignet und wurde deswegen als so genanntes Lesedrama bezeichnet.

1979 erschied der Hessische Rundfunk sich mutig zu einer Umsetzung dieses schwierigen Stoffs, welches erstmals im Sommer 1905 in „Die Neue Rundschau“ veröffentlich wurde und zwei Jahre später im Frankfurter Schauspielhaus uraufgeführt wurde.

***Zum Inhalt***

Alle siebzehn Szenen des Dreiakters „Fiorenza“ spielen an einem einzigen Nachmittag im Jahre 1492.
Es ist nicht irgendein beliebiger Tag im schönen Florenz, sondern der Sterbetag des Kunstliebhabers und Mäzens Lorenzo di Medici.

In Florenz, der Stadt der Schönheit und der Künste (siehe die Uffizien im Herzen der Stadt!!), predigt seit einiger Zeit der Bettelmönch Girolamo Savonarola.

Dieser charismatische Dominikanermönch war nicht einfach nur der Prior des Florentiner Klosters San Marco, welches ihm der Ausgangpunkt seiner Klosterreform gegen das Herrscherhaus der Medici war. Savanarola wurde 1453 in Ferrara geboren, 1497 wurde er exkommuniziert und dann 1498 erhängt und anschließensein Leichnam wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt
In seinen wortgewaltigen Predigten sagte er das Gottesgericht voraus. Diesem Gottesgericht, so predigt er, würde eine neue Ordnung der Gesellschaft folgen, die dem wahren Christentum folgen würde. So jener Zeit, so prangert der Prediger die Menschen Florenz an, herrscht die Unzucht und die Zügellosigkeit, die verdammenswert seien. Di Medici waren bekannt für zügellose Bälle, auf denen es recht ruchlos zuging!

Was nur wenige wissen: Savonarola begehrt Fiore, die Geliebte Lorenzos, seit seiner frühsten Jugend.
Fiore weist den als hässlich geltenden Savonarola jedoch brüsk an. Savonarola begibt sich verbittert in ein Kloster, wo er seine Herzensqualen durch Buße und Geißelungen lindern möchte. Savonarola wettert gegen die Obrigkeit der Medici und beschuldigt sogar die Geliebte Lorenzos als Ursache allen Übels zu sein.
Um es auf den Punkt zu bringen: Der Mönch erregt Aufsehen und prangert ungeniert den üppigen Kunstgenuss und die Lebensfreude der Familie De Medici an.
Die Künstler Florenz fürchten um ihre Arbeitsplätze (und das zu Recht, denn ohne Lorenzos Unterstützung war weder politisches noch künstlerisches Wirken möglich) und bitten ihren Mäzen Lorenzo den rebellischen Bettelmönch zu verurteilen.

Das Spannungsfeld zwischen dem jenseitsblickenden Savanarola und dem Kunstgenießer Lorenzo bestimmt dieses Stück. Ich finde gerade diese extreme Polarisierung zwischen dem Guten, Moralischen und dem opulenten Mäzen sehr spannend, auch wenn ich weiß, dass eine solche Thematik nicht besonders zeitgemäß ist. Ebenso spannend ist aber auch die Rolle Fiores (ihr Name ist eine Anspielung auf Florenz), die zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern steht. Von Lorenzos erwartet sie das pralle Leben und fordert ohne mit der Wimper zu rucken, Schmuck, Reichtum, Festlichkeiten ... Kurz: Fiore fordert genau das, was Savonarola anprangert und dennoch geht Fiore jeden Tag in die Kirche um den faszinierenden Predigten des Mönchs zu folgen. Sie ist fasziniert und hintergeht so ihren Geliebten! Und hier sehen wir wieder einmal, was gute Rhetorik alles anrichten kann. Sie kann uns den Kopf verdrehen und uns zum religiösen Wahnsinn verleiten. Und das galt zu Zeiten der Medici und gilt auch heute noch ...!

„Fiorenza“ endet mit einer dramatischen Szene. Der sterbende Lorenzo möchtet sich in einem letzten Streitgespräch über die Kunst und das Leben mit seinem Rivalen messen. Savonarola bleibt bis zum Schluss uneinsichtig und genießt letztlich einen Sieg über den Sterbenden.
Lorenzo di Medici starb im Jahr 1492 mit nur 43 Jahren und fand seine letzte Ruhe in der Basilica San Lorenzo in Florenz.

Für Thomas Mann war der Dominikanermönch Savonarola der Ausgangspunkt seines Schreibens und auch wenn er erst in den letzten Szenen erscheint, ist er immer gegenwärtig. Dieses Stück lebt von der Spannung zwischen Schönheit und Gottesfürchtigkeit. Was bedeuten Kunst und Schönheit im Angesicht des Todes?

Ich fand dieses Hörspiel sehr interessant, was aber sicherlich daran liegt, dass mir diese Epoche sehr am Herzen liegt und dass die Protagonisten mir bestens bekannt sind. Lorenzo de Medici, genannt il Magnifico (also der Prächtige), war eine schillernde Persönlichkeit, der die Politik und die Entwicklung der Künste in Florenz stark geprägt hat, denn er war es der zum Beispiel Botticelli förderte. Mir gefiel die Vielschichtigkeit dieses Stückchens und die kristallklare Sprache Manns sowieso!


***Ist die CD empfehlenswert??***

Nun ja ...
Auch wenn diese Hörspielaufnahme schon im Jahr 1973 aufgenommen wurde, hat sie M.E. nicht an Grandezza verloren.
Alle, die sich an der geschliffenen Sprache Manns erfreuen können und sich ein wenig für die Renaissance (die Medici-Familie, Angelo Poliziano, Luigi Pulci, Pico von Mirandola usw.) interessiert, werden viel Freude an diesen beiden CDs haben.

Die Sprecher, insbesondere Dieter Borsche als Lorenzo di Medici, sind ausgezeichnet und machen diesen doch recht komplexen Stoff zu einem Hörvergnügen, das ich mir in jenem Maße nicht erwartet hatte.
Ich habe dieses Hörbuch gern gehört, aber sehr viel länger hätte es nicht sein dürfen. Für dieses Hörbuch sollte man sich dennoch ein wenig Zeit und Muße gönnen, da man dieses Hörspiel nicht nebenbei hören sollte. Ich ziehe diesem Hörbuch einen Stern ab, da ich 24,95 € trotz der edlen Verpackung für 2 Cds (á 30 bzw. 54 min) etwas viel halte.
Viel Spaß beim Lauschen!!


PS: Ich hoffe, Euch hat mein Bericht gefallen und freue mich auf Eure Kommentare. Für den Fall, dass etwa unklar geblieben ist oder ich noch etwas ergänzen könnte, dann hinterlasst mir gern eine Nachricht im GB ...!
   


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