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Vollendung der Aufnahme in die kath. Kirche

4  04.02.2007

Pro:
imposante Zeremonie, nicht zu früh, kein Druck bei Entscheidung

Kontra:
könnte später vollzogen werden

Empfehlenswert: Ja 

Eagle01

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Mitglied seit:22.04.2000

Erfahrungsberichte:27

Vertrauende:2

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Die Firmung in der katholischen Kirche ist der dritte und letzte Initationsritus, und vollendet damit die Taufe.
Der Firmling bekräftigt seinen Glauben, und wird damit vollends in die Kirche aufgenommen.

Während in der katholischen Kirche Kommunion und Firmung getrennte Riten sind, wird in der protestantischen Kirche beides zur "Konfirmation" zusammengefasst.
Üblicherweise wird die Kommunion für Katholiken im Alter von etwa 8 Jahren durchgeführt, die Konfirmation bei Protestanten mit 14 Jahren. Die Firmung hingegen kann zu zwei Zeitpunkten stattfinden. Einmal war das ebenfalls mit ca. 14 Jahren, ein späterer Zeitpunkt wurde aber damals von meinem Pfarrer empfohlen, weshalb ich erst 2 Jahre später, also mit 16 zur Firmung ging.

Die Firmvorbereitung
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Wie bereits bei der Kommunion wird die Firmung auch wieder von Unterricht begleitet, wieder einmal wöchentlich im Gemeindehaus unter Leitung von Leuten die der Kirche angehörten, aber deren genaue Position innerhalb der Kirche mir leider nie verständlich wurde, ob sie nun blos ausgewählte Gemeindemitglieder waren die sich dafür engagierten, oder speziell dafür ausgebildet. Da es aber meistens Frauen waren und diese als Geistliche selber keine Aufstiegschancen in der katholischen Kirche besassen, tippe ich eher auf Gemeindemitglieder oder studierte Theologen.
Das Niveau des Unterrichts war dem Alter der Fimlinge entsprechend höher als bei der Kommunion. Man las nicht nur die Geschichten von Jesus, sondern suchte nach deren Bedeutung dahinter, oder nahm sich auch mal weniger bekannten Geschichten an. Ja, selbst der Pfarrer bei dem wir einige male Unterrichtet wurden gab zu, das er nicht glaubt das Jesus über das Wasser gelaufen sei, sondern dies nur ein Bildnis für was anderes darstellen soll, bewusst überzogen dargestellt um die Bedeutung zu unterstreichen.

Praktische Kirchenbesuche waren auch notwendig, aber sie waren nicht mehr wöchentlich statt des Religionsunterrichtes, wie zur Kommunionsvorbereitung, sondern nur einige male statt des Unterrichtes und wie sollten einige male an einem Sonntag erscheinen.

Mindestens eine Beichte wurde auch gefordert, und auf die erste Frage des Pfarrers im Beichtstuhl "wann hast du das letztemal gebeichtet" wollte ich mir nicht die blöße geben und fragen "wann war die Kommunion?" sondern antwortete diplomatisch "vor langer Zeit".
Eigentlich soll man vor einer Beichte in sich gehen und überlegen was man vorzubringen hat, welche Sünden man begangen hat. An sich ist die Beichte in meinen Augen wert- und sinnfrei, keine Sünde wird einem abgenommen dadurch das man Beichte, kein Unrecht wird dadurch bereinigt, nichts wird an dem was man getan hat verbessert. Das einzig positive an einer Beichte ist meiner Meinung nach die Vorbereitung, das in sich kehren und überlegen, was hab ich denn wirklich falsch gemacht. So kann man dann wirklich manchesmal noch auf Fehler in seinem Verhalten, insbesonder in Bezug auf andere Menschen stoßen.
(Aber Menschen, die glauben sie hätten keine Fehler begangen, und die Schuld immer auf andere schieben, denen hilft auch das nicht mehr)

Im Großen und Ganzen waren die Vorbereitungen auf die Firmung viel lockerer als die zur Kommunion. Was aber im Alter von 16 Jahren dennoch lästig sein kann wenn man einmal die Woche für 2 Stunden Nachmittags extra noch zur Kirche muss.

Die Firmung
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Schließlich war man dann nach, ich denke es war ein halbes Jahr, bereit für die Firmung.

Im Gegensatz zur Kommunion ist die Firmung ein Familienfest im direkt betroffenen Kreise, also lediglich Eltern und Geschwister sind davon betroffen. Hinzu kommt die Familie des Firmpaten.
Dieser musste vorher gewählt worden sein von der Familie des Firmlings. Er musste katholisch sein und durfte noch kein Firmpate gewesen sein. Bei meiner Familie fiel die Wahl deshalb auf meinen älteren Bruder, da die Familie mütterlicherseits allesamt protestantisch waren, und auf der väterlichen Seite allesamt schon Firmpate gewesen sind.

Man zieht sich dann also chic an, Anzüge bei Männern sind nicht vorgeschrieben, aber gerade mit Jeans dort auftauchen sollte man auch nicht. Weiße Kleider bei Frauen waren kein muss, die Damenwelt zog Stoffanzüge oder Abendkleider vor, wenn ich mich recht erinnere.

Gefirmt wurde irgendwann Nachtmittags, zu keinem besonderen Zeitpunkt für die Aussenwelt, ja ich glaub sogar mitten unter der Woche.
Das etwas besonderes vorgeht sah man aber schon von weitem, die Straßen im näheren Umkreis der Kirche waren zugeparkt, die Kirche war von aussen geschmückt, am Eingangstor der Umzäunung war Grün angebracht, an den Fahnenmasten wehte große Banner, und bereits als wir ankamen erschallten die Glocken der Kirche laut, im inneren erschallten die Pfeifen der Orgel und begleiteten den gesamten folgenden Gottesdienst.

Die Kirche war durch die Angehörigen gut gefüllt, wenn auch nicht brechend voll wie es zu einer Kommunion gewesen wäre.
Man nahm an einem kurzen Gottesdienst teil, dann mussten wir Firmlinge uns alle nebeneinander vorne vor dem Altar aufstellen, bzw. dort wo die Stufen zum Altar beginnen. Erhöht stand halt immer der Klerus (die Geistlichen).
Hinter uns Firmlingen standen die Firmpaten, jeder hatte seine rechte Hand auf der rechten Schulter seines Firmlings.
Der Reihe nach begann nun der Bischof, denn ein normaler Pfarrer sollte diesen Ritus nicht vollführen und in meinem Falle war es der dafür zuständige Bischof aus dem Bistum Essen der extra angereist war, die Firmlingen abzuschreiten.
Er zeichnete ihnen mit den Fingern ein Kreuz auf gesalbtem Öl auf die Stirn, sprach einen Satz, dessen Wortlaut mir nach all den Jahren entfallen ist, und wir mussten daraufhin antworten. Laut Wikipedia steht etwas von "Amen" dort, aber ich bin mir ziemlich sicher das es das nicht war, eher ein "ich glaube" oder "ich bekräftige".

In der Firmvorbereitung spielten wir das oft durch und es wurde uns eingebläut das es zwar nur zwei Worte seien, aber wir die auf keinen Fall vergessen sollten zu sprechen.
Ja, als ich den Bischof in meine Richtung kommen sah, und mitbekam wie andere vor mir dran waren, ich dachte noch "vergiss diese Worte bloss nicht, aber wieso auch, das so einfach, das vergisst doch nur ein Depp", und dann, als der Bischof vor mir stand, die Worte sprach, das Kreuz salbte...
mein Kopf war leer, ich wusste garnix mehr, ich zögerte, war total unsicher, ich wusste garnicht mehr was los war.
Der Bischof flüsterte mir dann zu, was ich zu sagen hab und ich sagte es.
Ich war der einzige dem das passiert ist. Ich glaube zu wissen warum, denn mit Gott hatte ich es zu dieser Zeit sehr locker gehalten, und die Anzeichen waren damals schon vorhanden, doch erst in den letzten Jahren ist es mir bewusst geworden und letztes Jahr habe ich es sogar offiziell werden lassen, das IHR Gott nicht mehr mein Gott ist.

Nach dem Höhepunkt gab es dann zum Ausklang wieder Gesang, danach zogen die Familien wieder heim.
Damit war es das dann auch für unsere Familie. Keine Familienfeier, kein Kuchen, kein Geld oder Geschenke, wie man es zur Kommunion erlebt hatte. Nur zwei doch noch religiöse Nachbarn liessen durch eine Karte ihre Glückwüpnsche übermitteln, wie auch später einige Verwandte.

Mein Fazit
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Während man bei der Kommunion praktisch keine Wahl hatte als diese zu absolvieren, da man mit 8 Jahren keine eigene Entschlusskraft hat und die Aussicht auf viel Geld einen natürlich die Entscheidung auch abnimmt, wurde ich zur Firmung einmal von meiner Mutter gefragt "willst du das denn machen?", mit dem Nebensatz "aber sonst wirst du nie in Weiss heiraten können", was heisst, wer die Firmung nicht macht darf nicht katholisch heiraten, und somit wird die Frau auch kein weißes Kleid tragen dürfen. o.O
(bei einigen Leuten scheint eine Hochzeit in erster Linie ein kirchliches Ritual zu sein, und Standesamtlich scheint nichts zu zählen, wie ich bei einem guten Freund und seiner Familie mitbekommen durfte)

Wäre ich ehrlich gewesen, hätte ich damals nein sagen müssen, denn ich vollzog einen Ritus der bekräftigte, woran ich damals schon nicht mehr wirklich dran glaubte.

Dennoch fand ich es gut durchgeführt. Der Unterricht hatte aufklärenden Charakter, war nicht mehr ganz von blindem Nachbeten alter Texte durchzogen, sondern ging schon mit Köpfchen an die Sache. Leider alles nur in Bezug auf das katholische Christentum.
Die Tatsache das man auch kein Geld zu erwarten hatte, oder das keine Großfamilie von einem erwartet das man es vollzieht, wie beides bei der Kommunion üblich ist, nahm einen den Druck bei der Entscheidung.
Auch der gewählte Zeitpunkt, mit etwa 16 Jahren ist relativ in Ordnung. Der frühere Vollzug, im Alter von 14, würde ich nicht empfehlen. Um ehrlich zu sein ist selbst 16 Jahren meiner Meinung nach noch zu früh. Wenn man mal schaut für wie "unreif" wir 16 jährige halten, und welche Lebensansichten selbst 20 jährige heutzutage noch haben, find ich es gut was ich andernorts las. So gibt es bei den Wicca Gemeinschaften Regeln, das man frühestens mit 25 Jahren einer Wicca Gemeinschaft beitreten darf, weil man vorher als nicht genug gefestigt gilt und es eine Entscheidung fürs Leben sein soll und keine Schnupperstunde oder Modeerscheinung.
Ich denke das ist gut erfasst, denn wir leben hier in Deutschland im 21 Jahrhundert relativ sicher und lang. Es ist nicht mehr notwendig so schnell so wichtige Entscheidungen zu treffen, da wir nicht mehr mit 30 Jahren an einer Erkältung sterben.

Alles in allem ein mehr von Religiösität bestimmter Ritus als die Kommunion, der eigenartiger weise viel weniger Beachtung findet.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Mondhexchen

Mondhexchen

08.03.2008 14:13

Ich hatte meine Firmung im letzten September und es war für mich eine sehr schöne, beeindruckende Prozession. Das Highlight war dass zum einen der Erzbischof von Paderborn dabei war und zum anderen war sogar nich ein Erzbischof aus Asien dabei der kurzzeitig hier verweilte und während es Gottesdienstes dann, in englisch, einiges über seine Arbeit in seinem Land erzählte. Dein Bericht war mir ein besonders hilfreich wert. LG Nika

stine1_ciao

stine1_ciao

01.03.2007 13:49

Ich bin auch nicht gläubig und mit 14 hatte ich bei der Konfermierung (evangelisch) zwar offiziell auch die Wahl, aber wer sagt schon Nein? Was sollen bloß die anderen denken.... Na ja egal *g* Interessant finde ich aber die Aussage deiner Mutter, dass man ohne Firmung nicht in Weiß heiraten darf. Auf dem Standesamt darf man tragen was man will....

Porcupine

Porcupine

05.02.2007 14:25

Hmmm, vielleicht liegt's ja daran, dass ich etwas älter bin, aber ich bin damals nicht wegen irgendwelcher zu erwartenden Geldsummen zur Kommunion gegangen. ;-) Damals war ich tatsächlich der Meinung, das sei für mich so richtig. Ich habe auch noch die Firmung mitgemacht (mit 15), aber schon mit Zweifeln, die sich dann immer stärker manifestierten, bis ich mit schließlich Anfang 20 der katholischen Kirche aus Überzeugung den Rücken kehrte. Ad in Weiß heiraten: Das ist doch ohnehin in den allermeisten Fällen ein Anachronismus... ;-)

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