vorerst muss ich festhalten, dass wieder einmal das hubbie an allem schuld ist:
von der "Obifrau" zur "Tranklerin"
als ich dieses gestandene Mannsbild vor ziemlich genau 36 Jahren kennenlernte war mein Haupt- und Lieblingsgetränk das "Obi (Apfelsaft) gespritzt", wobei ich dazu sagen muss, dass es wg. Kohlensäureunverträglichkeit meinerseits eigentlich "Obi verwässert" heißen sollte. Egal, ich hatte meine Twenjahre schon hinter mir und war noch immer alkoholische Jungfrau, als wir zu unserem ersten Griechenlandurlaub aufbrachen und am Lakonischen Golf in der Mittagshitze ein Fischlokal ansteuerten, um ein paar gegrillte Garides mit einem Choriatiki zu uns zu nehmen. Zu trinken gab es Cola, Heineken Bier oder einen geharzten Demestika - von meinem Lieblingsgetränk natürlich keine Spur. Ich nuckelte halt an meinem Wasserglas als er mir einen Schluck seines Biers "nur zum Kosten" anbot, da es sehr heiß war und mein Wasser eher schal schmeckte, empfand ich diesen ersten Schluck als superbe Erfrischung, die leicht bittere Pilsnote tat das Ihre und ab diesem Moment war ich "hooked". Wann immer wir in heißen Sommern der Folgejahre Durst verspürten war ich mit einem frisch gezapften Bier dabei und habe mich stetig zur Genießerin - und nicht nur des alkoholarmen Biers - weiterentwickelt. Heute kann ich behaupten, Hopfen- und Malzprodukte aus fast allen Ländern, die wir seither bereist haben, mit Begeisterung verkostet zu haben.
vom ersten Heineken zum "Böcklein" aus Flamberg
da meine schlechtere Hälfte frisch gezapfte süffige
Biere bevorzugt, besitzen wir daheim gleich neben dem Esstisch eine eigene Bierzapfstelle, den "Beertender" von Krups, den wir im Wiener Sommer mit vorgekühlten 4 Liter Gebinden der Brauerei Gösser bestücken und mit den acht daraus zapfbaren Krügeln so drei bis vier heiße Tage über die Runden kommen. Dazwischen kaufen wir gerne echtes Budweiser aus Tschechien, wenn wir wie im Schweizerhaus im Wiener Prater eine knusprige Stelze serviert bekommen, aber auch fläschchenweise edles Gesöff aus belgischen Landen, vor allem das doppeltvergorene Duvel oder das ein oder andere malzige Trappistenbier von Chimay. Bockbiere mit 8% Alk gab es früher immer zu Ostern oder Weihnachten, aber da wir in diesen Zeiträumen im spanischen Winterexil weilen, müssen wir uns in diesem Land mit traditionell wenig Bierkultur mit Surrogaten begnügen.
Eine erfreuliche Trouvaille ist uns jüngst mit dem "Böcklein" bei der steirischen Minibrauerei "Flamberg" gelungen. Dieser kleine, helle Bock - der Begriff stammt übrigens von der Stadt Einbeck, mittelalterlich Ainpöck, in Niedersachsen - ist ein in der Flasche vergorenes Spezialbier und hat "nur" 6,1 % Alk, ist unfiltriert und man ist gut beraten, den Bodensatz , obzwar ein hefiges Naturprodukt, im Glas zurückzulassen, denn es sieht nicht gerade schmackhaft aus.
beim "Hopfenmichel"
Aus Anlass einer Jaguarausfahrt hatten wir schon einmal das Vergnügen, vom Chef Michael Löscher persönlich allerlei Interessantes zu seinem Hobby - im Hauptberuf ist er Dipl.Ing Dr. des Maschinenbaus - zu erfahren und kosteten uns anschließend durch die äußerst bunte Palette an Spezialbieren. Beim Zweitbesuch begannen wir mit einem "Hausbier", dann probierten wir ein "Pale Ale" nach irischer Brauart, herrlich süffig im Geschmack wie ein Kilkenny oder ein Murphy´s. Es folgte ein Kürbisbier, das zwar bierig aber sicher nicht nach Kürbis schmeckte. Es hätte noch weitere 47 (!) Sorten zur Verkostung gegeben, darunter Whiskybiere, Dinkelbier, Himbeerweizen und so fort....
Bockbier, unser Favorit
Hängengeblieben sind wir dann beim erwähnten "Böcklein".
Zur Definition des Begriffes ein Zitat aus Wikipedia: "Das Starkbier wird mit einem höheren Stammwürzegehalt als ein normales Voll- oder Schankbier eingebraut. Die Maische ist dickflüssiger, da weniger Wasser hinzugegeben wird. Es gibt helle und dunkle Bockbiere. Im heutigen Angebot ist ein Bockbier meist ein dunkles, süßes und weniger gehopftes Starkbier. Bevorzugt werden Bitterhopfen eingesetzt. Die hellen Vertreter werden entsprechend als heller Bock, aber auch als Maibock gehandelt. Außerdem gibt es auch hellen und dunklen Weizenbock.
Bedingt durch die besonderen, oft dunklen Malze ist Bockbier voll im Geschmack und bringt die vom Malz gelieferten Röstaromen mit. Oft wird die Karamelsüße und der hohe Alkoholgehalt durch das Bittere des eingebrauten Hopfens hervorgehoben. Entsprechend der Schwere des Bieres und einer (gegenüber Vollbieren) oft geringeren Menge an Kohlensäure ist der Schaum cremig und vor Allem bei dunklem Bock ebenfalls beige gefärbt."
Ideal also für mich, die ich den vollen Geschmack und die edle Süße schätze, ganz im Gegesatz zu hopfigen Bitterpilsbieren. Da ich wie gesagt ohnehin Probleme mit dem Vertragen von Kohlensäure habe, ist der Vorteil dieser "Böcke" evident, hingegen wäre es von Nachteil, würde das "Böcklein" zum Bock, denn bei einem Alkoholgehalt von 8 und mehr Prozenten läge ich bald unterm Tisch.
Nach dem Probieren fragen wir begeistert nach Bezugsquellen im Raum Wien, doch der Hopfenmichel muss uns enttäuschen, er habe zwar versucht über eine Bioschiene seine Biere zu vermarkten, sei aber mangels verlässlicher Partner gescheitert, in der steirischen Landeshauptstadt Graz würde er hingegen an die 26 Lokale beliefern, auch unser Quartier in Kaindorf, das superbe Wellnessresorthotel "Staribacher" zapfte abends zum mehrgängigen Menü sein frisches Flamberger.
weitere Produkte aus Flamberg
Schon beim Eintritt in die Probierstube war uns eine Vitrine mit dem sagenhaften Aceto Balsamico aus Modena aufgefallen. Dieser berühmte Essig war mit dem Zusatz "tradizionale" versehen, einer Qualitätsbezeichnung ähnlich dem DOCG bei Toskanaweinen, die diesen wahren Balsam von Massenprodukten unterscheidet, die Konsistenz ist dickflüssig und wer schon einmal ein paar Tropfen dieser Köstlichkeit auf einem Mozzarella Bufala genossen hat, weiß wovon ich spreche.
Herr Löscher braut auch Essig, freilich noch keinen "tradizionale", aber bei seinem Qualitätsanspruch ist er sicher auf gutem Weg dorthin. Sein drittes Standbein schließlich ist eine Whiskymaischerei, die er mit einer Profidestillerie gemeinsam betreibt.
"Adventkalender"
sehr originell ist auch die alljährliche Bestellmöglichkeit eines bierigen Adventkalenders im November, die Kiste fasst vierundzwanzig verschiedene Bierflaschen und ist adventmäßig dekoriert, ich wäre nur zu neugierig, welches seiner Spitzenprodukte man nach Öffnen des Fensters vom Hl. Abend in Händen hält, vermutlich einen Weihnachtsbock.
Souvenir, Souvenir
natürlich wollen wir ein paar flüssige Andenken mitnehmen, wir hätten gerne das eine oder andere Fass in den Kofferraum geladen, aber das Jaguarcabrio taugt zu unserem Leidwesen nicht als Bierlaster, daher bescheiden wir uns mit ein paar Sechsertrageln ausgewählter Spezialitäten.
Tipps zur Anreise
Man fährt von Graz kommend auf der A 9 Richtung Süden, nimmt die Ausfahrt Gralla auf die B 73, bei Kaindorf biegt man rechts auf die L 666 ab bis man nach 12 Kilometern in Flamberg eintrifft. Hinweisschildern "Zur Brauerei" folgen.
weitere Infos
Die Webseite der Brauerei lautet www. flamberger.at
Alle nötigen Infos und Fotos zu Führungen und Öffnungszeiten sind vorhanden, lediglich der Link zu den Produktinformationen ist "under construction", dabei wäre es interessant die umfangreiche Palette vorgestellt zu bekommen, eine Preisliste fehlt leider ebenfalls.
01.04.2013 23:24
Tja, ein Bierchen im Sommer ist wirklich OK, aber derzeit werden wir wohl auf Grog und Glühwein umsteigen....
25.03.2013 01:18
Ein gutes Bier vom Fass hat schon was, aber für mich ist das eher was für den Sommer - wie du schreibst: Schweizer Haus usw. lg + bh
27.01.2013 11:11
Oha, einen "Bierbericht" hatte ich jetzt nicht erwartet, als ich grad mal gesucht habe, ob es noch einen Bericht gibt, den ich noch nicht gelesen hatte ;-). Aber auch das kannst du prima!