Flameweaver / Margaret Ball

Flameweaver / Margaret Ball

ISBN: 9780671720957 - Verlag: Baen Books mehr

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Margaret Ball: Flameweaver (Baen Books 1991, $ 4.99, 374 Seiten) Manchmal bekommt man ein Buch und stellt fest, daß es der 2. Teil ist. Bei Balls "Changeweaver" ging es mir so. Und weil mich das Buch trotzdem in seinen Bann zog, versuchte ich jahrelang, den ersten Teil zu bekommen. Offenbar ... Bericht lesen





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1. Teil von Changeweaver
Erfahrungsbericht von wmueller über Flameweaver / Margaret Ball
21.08.2000


Produktbewertung des Autors:   

Niveau  
Unterhaltungswert  
Spannung  
Wie ergreifend ist die Story?  

Pro: spannend und exotisch
Kontra: nix

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Margaret Ball: Flameweaver
(Baen Books 1991, $ 4.99, 374 Seiten)

Manchmal bekommt man ein Buch und stellt fest, daß es der 2. Teil ist. Bei Balls "Changeweaver" ging es mir so. Und weil mich das Buch trotzdem in seinen Bann zog, versuchte ich jahrelang, den ersten Teil zu bekommen. Offenbar gab es von "Flameweaver" nur diese eine Auflage, denn das Buch erwies sich als sehr selten. Schließlich konnte ich es von Bookplanet in Texas erwerben.
Balls zweiter Fantasy-Roman (nach "The Shadow Gate") ist ebenso spannend und interessant wie die Fortsetzung - und eigentlich alles, was ich von ihr kenne.
Das Buch handelt 1884 im Hindukusch-Gebirge. Hoch oben in den Bergen liegt die Stadt Gandhara, der Rest eines einst ausgedehnten Reiches. Sie ist nicht nur unzugänglich, sondern wird auch noch von den Weisen Frauen, die sie regieren, durch einen Schleier aus Illusionen und Magie vor Fremden beschützt. Außerhalb der Stadt scheint sich nur noch das ebenso abgeschottete Reich China diese besonderen Fähigkeiten erhalten zu haben, wobei angedeutet wird, daß dort auch (oder nur?) die Männer darüber verfügen.
Die Briten in Indien würden gern mit China Handel treiben, aber leider gibt es keine Route durch die Berge. Und über das Meer kommt man nicht an das Kaiserreich heran...
An dieser Stelle ist es auch, wo die Realität des Buches unsere Wirklichkeit verläßt. Während die Briten in der bekannten Geschichte sehr wohl in China Fuß faßten, gelang es ihnen hier nicht. Das ändert die Kräfteverhältnisse ganz bedeutend.
Margaret Ball ist prädestiniert für eine solche Altenativweltfantasy, denn unter dem Namen Catherine Lyndell schrieb sie bereits etliche erfolgreiche historische Romane. Man merkt deutlich, daß sie von jener Zeit etwas versteht. Ihre Briten sind genau die arroganten Kolonialherren, die es damals in Indien gegeben haben muß, mitsamt der Kultur und den manchmal absurd anmutenden Sitten des 19. Jahrhunderts, inklusive der Rolle der Frau.
Eine Hauptperson ist Tamai aus Gandhara, die leider nicht in den Kreis der Weisen Frauen aufgenommen wird, weil sie entweder kein magisches Talent hat oder es nicht ausreichend beherrscht. Es zeigt sich rasch, daß letzteres der Fall ist, Tamais Bemühungen haben oft ziemlich destruktive Nebenwirkungen, aber sie hat durchaus die bei den Frauen von Gandhara üblichen Kräfte.
Als die Stadt aus dem Norden von einer mit modernen Gewehren bewaffneten Armee angegriffen wird (von den Russen, wie sich herausstellt), schickt man Tamai halb offiziell nach Süden, um von den Engländern ebensolche Waffen zu besorgen, da man dem Feind mit Illusionen und Magie allein nicht beikommt.
Die andere Hauptperson des Buches ist Louisa Westbrook, Frau des in den Bergen vermißten Hauptmann Westbrook. Ihre Sicht wird hauptsächlich in Auszügen aus ihrem Tagebuch dargestellt, was aber nicht weniger Handlung enthält als die andern Kapitel. Man kann nicht sagen, daß sie die interessantere der beiden Figuren ist, aber bei ihr beschreibt Ball eine tiefgreifende Entwicklung, während Tamai sich kaum verändert.
Zunächst ist Louisa eine typische Engländerin, welche die Eingeborenen als minderwertige Kreaturen und Diener ansieht. Dazu kommt noch, daß sie von ihrem Mann gedemütigt und mißhandelt wurde, so daß sie scheinbar völlig in der Rolle der unterdrückten Frau, und dabei paradoxerweise gleichzeitig der englischen Lady aufgeht. Als sie von seinem vermutlichen Tod hört, trauert sie zwar - wie es sich für eine Lady gehört - ist aber innerlich eher befreit: Der erste Schritt zu ihrer völligen Befreiung...
Die beiden Frauen treffen in Peshawar aufeinander, wo Tamai lange erfolglos versucht, Waffen von den Briten zu bekommen. Doch die wollen das sagenhafte Gandhara lieber ihrem Herrschaftsgebiet einverleiben, um die Handelsroute zu öffnen.
Während sich Tamai und Louisa näherkommen und letztere langsam ihre Sichtweise verändert, bis sie sogar beginnt, die "Disziplin" von Tamai zu erlernen, also die Beherrschung jener übernatürlichen Kräfte, spitzt sich die Belagerung in den Bergen zu. Schließlich handelt Tamai doch noch einen Vertrag aus, der verhindern soll, daß die Briten den kleinen Stadtstaat einfach übernehmen, und eine Eingreiftruppe des Empire setzt sich in Marsch.
Das dabei recht eigenmächtige Vorgehen Tamais stößt daheim nicht gerade auf Verständnis, und es kommt am Schluß noch zu einem spannenden Finale - erstaunlicherweise ohne große Entscheidungsschlacht.
Louisa emanzipiert sich nicht nur zu einer Weisen Frau, die dadurch als britischer Resident in Gandhara bleiben kann, sie besteht auch die letzte Prüfung, als ihr totgeglaubter Mann plötzlich wieder auftaucht, fieser als je zuvor.
Sicher, das Buch übermittelt damit wohl in erster Linie eine feministische Botschaft, die übrigens auch 120 Jahre nach der Handlung aktuell sein dürfte. Aber es ist eines dieser Bücher, die es schaffen, nicht von ihrer eigenen Botschaft erschlagen zu werden.
Gerade der für europäische (oder "westliche") Leser sehr exotische Ort, das überzeugende Flair des kolonialen Indiens des 19. Jahrhunderts macht eine Verlegung der Handlung in eine ganz und gar fiktive Fantasywelt überflüssig. Der Leser erkennt außerdem vieles wieder, so z.B. den jungen Journalisten R. Kipling, der den Vertragstext publiziert, damit er später nicht gebrochen werden kann. Dieser Effekt trägt zum Lesespaß ebenso bei wie die gut gezeichneten Charaktere und die spannende Handlung.
Ein Buch, das möglichst bald für den deutschen Leser entdeckt werden sollte.


   



Flameweaver / Margaret Ball

Haupteigenschaften

EAN: 9780671720957

ISBN: 0671720953

Autor: Margaret Ball

Autor Nachname: Ball

Autor Vorname: Margaret

Autor Name invertiert: Ball, Margaret

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ähnlich nach Erscheinungsjahr
(1991)
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