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Fleisch ist mein Gemüse (DVD)

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Prämierter Erfahrungsbericht

Eine Sinfonie aus Humor und Depression

5  16.02.2006

Pro:
Lustig, traurig, leise, deftig

Kontra:
manchmal ein wenig eklig

Empfehlenswert: Ja 

NickAme

Über sich: Achtung: Mangels Zeit ist mein CIS bis auf weiteres aus. LG Matthias

Mitglied seit:15.02.2000

Erfahrungsberichte:43

Vertrauende:40

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 147 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

I. Ouvertüre, maestoso - Einleitung
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Heute möchte ich euch ein Kleinod, eine Perle, ja ich möchte fast sagen einen Ciao-Diamanten unter den Hörbüchern deutscher Sprache näher bringen.

Es heißt "Heinz Strunk liest Fleisch ist mein Gemüse" und ist mit keinem Hörbuch zu vergleichen - weder inhaltlich, sprachlich, vortragetechnisch oder gar in humoristischer Hinsicht - das ich bisher hören durfte. Eine an filigranem Wortwitz und brachialer Wortgewalt, psychologischen Momenten und pathologischen Neurosen, bizarren Protagonisten und ebenso merkwürdigen Statisten nicht zu überbietenden. Eine Sinfonie aus Humor und Depression. *einmaltieflufthol*

Aber am besten alles der Reihe nach:


I. Exposition, Allegro non troppo - Die harten Fakten
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Das Hörbuch - eigentlich eine ungekürzte Lesung - kommt in einer handelsüblichen Doppel-CD-Box daher. Es finden sich darin insgesamt 5 CDs und ein kleines Booklet, darin die Titel der einzelnen Kapitel pro CD, ein Foto mit Heinz Strunk und einer Kurzbiografien sowie ein gefaktes Foto von "Tiffanys".
Das CD-Cover, im Vordergrund ein prächtiger Hirschkopf (9-Ender) und im Hintergrund ein feines Tapetenmuster, ist oben als Produktbild zu sehen und muss daher nicht weiter beschrieben werden.
Auch hinsichtlich der technischen Daten, wie den Abmessungen der CD-Box oder deren Gewicht enthalte ich mich hier der Stimme, anzugeben ist der Vollständigkeit halber lediglich folgendes:

Spielzeit: 6 Stunden und 10 Minuten
© 2005 tacheles! - Das Wort-Label der ROOF Music GmbH
Prinz-Regent-Str. 50-60,44795 Bochum
Tel.: 0234/298780 Fax: 0234/2987810
www.roofmusic.de

Vertrieb Buchhandel: Eichborn-Verlag ISBN 3-936186-96-0
Vertrieb CD-Fachhandel: Indigo Bestellnummer 59372

Gekauft habe ich das für Buch im Buchgeschäft meines Vertrauens zum Preis von ca. 25 €.


II. Romanze, andantino - Wie meine Neugier geweckt wurde
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Neugierig wurde ich auf dieses für Buch zum einen durch das - zugegebenermaßen - merkwürdige Cover und zum andern durch den Text, der sich auf der Rückseite befindet:

"Wie es ist, in Harburg aufzuwachsen, das weiß Heinz Strunk genau. Harburg, nicht Hamburg. Mitte der 80er ist Heinz volljährig und hat immer noch Akne, immer noch keinen Job, immer noch keinen Sex. Doch dann wird er Bläser bei "Tiffanys", einer Show-Band, die auf den Schützenfesten zwischen Elbe und Lüneburger Heide bald zu den größten gehört. Aber auch das Musikerleben hat seine Schattenseiten: traurige Gaststars, heillose Frauengeschichten, sehr fettes Essen und Hochzeitgesellschaften, die immer nur eins hören wollen: An der Nordseeküste von Klaus und Klaus."

"Nun…", werden sich viele Leser fragen, "was ist daran so Besonderes? Hört sich zwar irgendwie ganz lustig an… Und weiter??"
Nunja, mich hat vorrangig - als ehemals selbst Betroffener - die Thematik "Schützenfeste in der niedersächsischen Provinz" sowie die geographische Ansiedlung der Geschichte interessiert. Als ich dann noch in der - ebenfalls im Buchhandel erhältlichen - Buchausgabe las, dass unter anderem "Klein Eilstorf" - ein Dorf, dass von meinem Wohnort genau 11 km entfernt liegt - eine (fast) entscheidende Rolle spielt, musste ich einfach zugreifen.


III. Quintett, adagio - Um was geht´s ?
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Heinz Strunk, 1962 geborenes Einzelkind einer allein erziehenden Mutter, die, nachdem sie sich von einem verheiratetem 5-maligen Familienvater hat schwängern lassen, wieder bei ihren Eltern eingezogen ist, und, ob ihres verkorksten Lebens und ihres damaligen Gedankens, Heinz abzutreiben, an einer schweren psychotischen Störung leidet, wächst in einem Reihenhaus ("Das Zwergenhaus") in Hamburg-Harburg auf. Der wahrscheinlich langweiligste Ort der Welt…. obwohl die Einwohner von Kassel mit Fug und Recht Gleiches über ihre Heimat behaupten.
Seine Jugendjahre sind geprägt von dem diktatorischen Opa, den strengen Exerzitien seiner Musiklehrerin und dem

Bilder von Fleisch ist mein Gemüse (DVD)
Fleisch ist mein Gemüse (DVD) Bild 8163869 tb
Als Musiker
Auf und Ab des psychischen Zustandes seiner "Zwergenmutter". Heinz ist die personifizierte Uncoolness: er muss Klamotten tragen, die ihm die Verwandtschaft aus der DDR zuschickt hat und leidet an - trotz mehrfacher Versuche - unheilbarer Acne Conglobata, die sog. Erwachsenenakne - "Pusteln mit oder ohne Eiterhaube, Mitesser und tief in der Haut verankerte Flechten".
Nachdem er bei der Bundeswehr wegen "endogener Depression" herausgeflogen ist und seine Mutter, aus dem Fenster gesprungen und im Krankenhaus, mit einem mehrfachen Beckenbruch, gelandet ist, weiß Heinz 1982 - nunmehr zwanzigjährig und immer noch von der Acne gepeinigt - nicht so recht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Durch einen Zufall wird er als Saxophonist und Flötist bei der drittklassigen Rumpelband "Tiffanys" ("nicht die Tiffanys - einfach Tiffanys!") engagiert und kann, nach dem ersten erfolgreichen Gig, in dieser Band dauerhaft verbleiben.
Positiv ist dabei, dass "Heinzer", wie er nunmehr von seinen Bandkollegen genannt wird, seinem Leben eine gewisse Struktur geben kann und er Geld verdient und sich von der Sozialhilfe abmelden kann. Negativ schlägt jedoch zu Buche, dass zum einen seine Bandkollegen alles andere als musikalisch begabt sind, Heinz der einzige ist, der ob seiner jahrelangen musikalischen Ausbildung in der Lage ist, wirkliche Musik zu machen und zum anderen die Band von einem Schützenfest (Dorfjugendparty, Hochzeit, etc) zur nächsten trostlosen Veranstaltung dieser Art tingeln muss. Das Repertoire ist gnadenlos: An der Nordseeküste, Es ist noch Suppe da, Hello Dolly, Alter Wein aus alten Krügen, Yummy Yummy Yummy, Was wollen wir trinken, sieben Tage lang, Marmor, Stein und Eisen bricht. "Ich hasste es wie die Pest, wenn die Leute Dammdamm machten. Wollt ihr den totalen Krieg? Dammdamm, Dammdamm."

Seine Mitstreiter sind der Bandleader Gurki an der Gitarre, ein mehr als erfolgloser Musikalienhändler aus Lüneburg, ein "Opportunist alter Schule", ständig an der Grenze zum Bankrott und "Lästerobjekt Nr. 1" im sozialen Gefüge der Band, da er die Macht über den Terminkalender hat, i.Ü. typischer Leptosom.
Dann Jens, "Typus Hummel", der deutsche Autofahrer und leidenschaftlicher Fleischesser (von ihm kommt auch der "Titel" dieses Werkes), pfeift ständig irgendetwas Undefinierbares und seines Zeichens Keyboarder mit Wurstfingern.
Und Norbert, der "robbenförmige" Bassist mit dem dicken Po, stottert und ist ein eben solcher Underdog wie Heinz. Er befindet sich genau wie Jens in der Ausbildung der gehobenen Beamtenlaufbahn.
Thorsten, Pykniker wie aus dem Lehrbuch, der Schlagzeuger, liest hinter seiner "Schießbude" in den Spielpausen unentwegt "Bunte" und ist mit seinen 18 Jahren der Benjamin im Bunde. Ihm geht es ausschließlich darum, möglichst schnell möglichst viel Geld zu verdienen und hält sich von den anderen ein wenig fern. Er hat Anschluss an eine "Land-Popper- Clique" gefunden. Um mit diesen reichen Schnöseln mithalten zu können, ist er auf die Tanzmusikeinnahmen angewiesen.

Es beginnt nunmehr eine Odyssee, die Heinz auf wahrscheinlich jede abgefuc*** Zeltparty zwischen Brunsbüttel und Klein-Eilstorf, Winsen/Luhe und Moorwerder führt.
Während der Alltag einer idealtypischen Rockband aus Sex, Drugs and Rock´n Roll besteht, ist Heinzers Alltag geprägt vom obsessiven Onanieren - kurz "entsaften" -, Alkohol - am liebsten dunkles Bockbier ("Vorglühen ist eine Kunst")- und deutschen Schlagern - von Gigi Anderson bis Moooaarius Müller-Westernhagen.

Heinz beginnt zusätzlich damit, in einer Musikschule Kindern das Saxophon- oder Flöten-Spielen beizubringen. Sein möglicherweise vorhandenes pädagogisches Talent macht sich jedoch in eher zweifelhafter Weise bemerkbar:
"Wie heißt die enharmonische Verwechslung von Ges?......... Aus welchen Tönen besteht der A7 + 9 Akkord?.............. Wie sind genau die Blue Notes entstanden?.... Für einen 10-jährigen schwierig, aber mit ein bisschen gutem Willen, lösbare Aufgaben!"

Seine ausgesprochen wenigen Kontakte zum weiblichen Geschlecht ("die Biester") enden tendenziell katastrophal. Mit Norbert hat er aber in dieser Hinsicht einen ebenfalls betroffenen Gesprächspartner, mit dem er das Thema, wie dem vorhandenen "Druck" beizukommen ist, ausgiebig und in allen Facetten beleuchten kann. Als Stichworte (*g* ) seien hier "abmelken" und "triebhemmende Medikamente" genannt.

Als ob dies nicht schon insgesamt als großer Griff in die braune Masse gelangt hätte, wird Heinz alkoholkrank, spielsüchtig (Merkur Disk II) und außerdem noch schwer depressiv. Trotzdem arbeitet er an seinem großen Durchbruch als Hit-Produzent…..

So……….., hier ist erstmal Schluss, wer wissen will, wie schrecklich Heinz Strunks Biographie bis 1997 noch werden kann, der muss sich dieses Hörbuch (oder das normale Buch) schon selber kaufen bzw. ausleihen.


IV. Scherzo, allegro, molto vivace - Warum ist denn das Lustig? Kritik
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Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen: "Und was hat diese traurige und teilweise ordinäre Geschichte mit Humor zu tun?"
Und da muss ich diesen Lesern natürlich Recht geben. Die Geschichte von Heinz Strunk ist eigentlich entsetzlich traurig. Menschen mit einem ausgeprägten Helfersyndrom könnten aufgrund dieses Hörbuches ohne weiteres explodieren, da man ja beim bloßen Zuhören nichts machen kann.
Alle Zuhörer, die in dieser Hinsicht jedoch eher normal veranlagt sind und ein Faible fürs Tragikomische haben, werden hier auf ihre Kosten kommen.

Heinz Strunk trägt seine Autobiographie in einer Distanziertheit und Unbeteiligtheit, dass einem fast schwindelig wird. Lediglich an den Stellen, wo er über seine arme "Vogelmama" spricht, wird´s ein wenig sentimental.
Ansonsten ist Selbstironie, gepaart mit einem Spritzer pseudointellektuellem Habitus, vorherrschend. Das Ganze wirkt absolut authentisch. Beim Hörer setzt sich der Eindruck fest: so wird es gewesen sein. Durch die Selbstironie kann ohne schlechtes Gewissen zusammen mit Heinz gelacht werden. Des weiteren gelingt es Strunk jeden Tiefpunkt in seinem Leben, eine noch schlimmere Episode folgen zu lassen, so dass er den Zuhörer geradezu dazu zwingt, sich bei der Tragikomik des Ganzen, eindeutig für die Komik zu entscheiden. Dazu bedient er sich auch gern des einen oder anderen "Running Gags". "Gut Schuss! Gut Schuss! Gut Schuss!"

Heinz Strunk ist des Weiteren ein wahnsinnig guter Beobachter, der das Erlebte derart in deskriptive Wörter verpacken kann, dass der Hörer eigentlich ebenfalls mit auf der großen Schützenfestbühne steht.

Die Schilderung des Dorfjugendfestes in Klein Eilstorf sticht in der Vielzahl der sehr guten Beschreibungen in diesem Werk heraus: Wer einmal auf einem niedersächsischen Dorf- oder auch Schützenfest war, der wird bestätigen können, dass es genauso ist, wie Strunk es ausmalt. Auf mich als "Dorffestgeschädigtem" war es höchst amüsant, das Festzelt einmal aus dem Blickwinkel der Tanzkapelle sehen zu dürfen. Die ab einem gewissen Punkt sturzbesoffenen Dörfler, die bei "Verdammt lang her" geradezu ein gemeinschaftliches Erweckungserlebnis haben, die nicht jedem Schönheitsideal genügenden Dorfschönheiten, die aber beim Marschwalzer ganz groß rauskommen, die leicht brummigen Wirte und die natürlich unnachahmlichen Begegnungen in Klowagen. Wenn Strunk dann noch, ob der ein wenig dick geratenen Oberarme einer tanzenden Klein Eilstorferin, trocken bemerkt: "In Klein-Eilstorf wird die Wurst noch mit der Hand geschnitten", dann kann man nur noch Schreien vor Lachen.

Strunk trägt in seiner hamburgischen Mundart absolut authentisch vor und brilliert, wenn er jeweils die gespielten Schlager - nicht wirklich virtuos- ansingt. Das ganze Hörbuch hört sich so an, als wenn einem ein guter (hamburger) Freund, einen Schwank aus der Jugend erzählt. Seine Betrachtungen zum Sinn und Unsinn der Liedtexte und zum Hintergrund der Interpreten sind einfach göttlich.
Absoluter Höhepunkt ist der eingebaute Vortrag auf der Querflöte während einer Musikstunde.

Die Tonqualität des Hörbuches ist insgesamt hervorragend. Manchmal verhaspelt sich Strunk im Redefluss derart, dass er selbst lachen muss. Toll, dass diese Stellen nicht herausgeschnitten und neu aufgenommen wurden.


V. Intermezzo, allegretto - Ein Textbeispiel
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Um diese explosive Mischung von Humor und Depression nachvollziehen zu können, kann vielleicht ein bei www.amazon.de zu findender Textausschnitt weiter helfen:

"1991 Die Bombe
Während meine braven Kollegen praktisch nur noch Mineralwasser tranken, war ich saufmäßig fast schon wieder wie früher dabei. Ich wäre sonst gestorben vor Langeweile. Langeweile im Endstadium, ich verbrachte meine Tage wie mit einer Überdosis Insektengift aufgepumpt in einer Art Duldungsstarre. Langeweile gleich entarteter Stillstand minus Zeit. Das war meine Formel. Zeit genug, mir so meine philosophischen Gedanken zu machen, hatte ich ja. Raum und Zeit waren im Zwergenhaus so stark gestaucht, dass ich das Gefühl hatte, statt dreidimensional nur noch halbdimensional zu existieren und mich zu einem unendlich kleinen Punkt zu verdichten. In einer kaskadierenden Verschachtelung verschränken sich die Wahrnehmungsebenen so ineinander, dass am Ende nur noch ein virtuelles Knäuel, ein Knäuel aus Licht, übrig bleibt, das sich nicht mehr synchron zur Zeit bewegt, sondern von ihr weg. Und genau ab da verläuft das Leben nicht mehr symmetrisch, sondern asymmetrisch. Vielleicht war ich jetzt ja auch endgültig verrückt geworden und merkte es nur nicht. Oder ich war ein großer Privattheoretiker. Gibt es Rezepte gegen Langeweile? Ja, man kann zum Beispiel die Milch überkochen lassen und stundenlang die verkohlten Placken vom eingebrannten Ceranfeld schaben. Oder den Inhalt des Staubsaugerbeutels in der ganzen Wohnung verteilen, nur um anschließend die Sauerei analog mit Kehrblech und Feger wieder zu beseitigen. Man kann Klimatabellen von Zwergstaaten führen, aus alten Topflappen Flurteppiche nähen oder aus Eisstielen und zerschlagenem Altglas rezeptfreie Lesebrillen basteln.
Meine wirksamsten Waffen gegen Langeweile waren aber immer noch Jubiläumsaquavit und Bier. Der Mineralwasserkonsum der Kollegen stieg derweil besorgniserregend, ein richtiger Trend wurde das bei Tiffanys. Laut Expertenurteil von Norbert sollten am Tag mindestens drei Liter getrunken werden, um Gifte auszuschwemmen, die Zellmembran elastisch zu erhalten und noch anderen Quatsch. Am besten gleich auch noch stilles Wasser, die sinnloseste Erfindung der letzten hundert Jahre. Mich regte das auf, und aus Trotz trank ich oft tagelang ausschließlich Kaffee und abends natürlich Bier. Keinen einzigen Schluck Wasser. Und? Ging es mir nur einen Deut schlechter als den anderen? Eben! Ich war schließlich kein Kamel.
Eine lustige Begebenheit hat sich in diesem ansonsten ereignislosen Jahr dann aber doch zugetragen. Jens hatte als passionierter Fleischesser öfter unter Blähungen zu leiden. Oft fragte er schon beim Essen laut in die Runde, wie das wohl später riechen würde. Es stank meist ganz entsetzlich nach Problemen, Arbeitslosigkeit und chronischen Krankheiten, doch wir amüsierten uns wie die Kinder über die Feuerwerke, die da an so manchem Abend abbrannten. Einmal war es wieder besonders schlimm. Das Hochzeitsessen bestand aus drei Sorten Fleisch: Wild, Schwein und Rind. Beim Mitternachtsbuffet wurde noch Gulaschsuppe mit Zwiebeln und Paprika gereicht, und man konnte sich darüber hinaus noch von einer reichlichen Auswahl an Wurstsalaten bedienen. Eine Bombe nach der anderen zündete Jens im Verlauf des Abends! Der Gestank war sensationell. Mehrere Kilo Fleisch verrotteten da beschleunigt im Jenskörper. Man konnte an seinem Gesicht ablesen, wie der Stand der Dinge gerade war. Konzentration und Verkrampfung beim Rausdrücken, gespannte Erwartung, während die Wolke langsam hochstieg, und Zufriedenheit, wenn sich die Blume endlich entfaltet hatte. Während des Abbauens ging es munter weiter, ein letzter Gruß der toten Tiere. Als wir den Hänger fast eingeladen hatten, sprang Jens ein letztes Mal mit einem Notenständer hinein, und kurz bevor wir das morsche Gefährt mit der Plane luftdicht abschlossen, ließ er drinnen noch ordentlich einen los. Als wir eine Stunde später die Stelle erreichten und den Hänger öffneten, quoll uns eine Wolke aus Gestank und Verderben entgegen. Jens schaute triumphierend in die Runde: Die Bombe hatte sich die ganze Zeit über gehalten. Sensationell! So ein Geniestreich sollte allerdings auch ihm nie wieder gelingen, und gerne erinnerten wir uns mangels anderer Erlebnisse an diesen Höhepunkt des Jahres 1991 zurück."


VI. Menuett, allegro molto mosso - Zum Autoren
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Heinz Strunk ist das Alter Ego von Mathias Halfpape. Er nennt sich auch Jürgen Dose.
Halfpape wurde am 17.5.1962 in Hamburg geboren; nach Abitur und Musikstudium war er als Musiker und Komponist in einem stilistischen Spektrum tätig, das von Howard Carpendale bis zu den Ärzten und Fettes Brot reichte. Er war Schauspieler, Comedian, Autor/Hauptdarsteller einer TV-Kampagne für Eistee, Gründungsmitglied von Studio Braun. Von 2000 bis 2001 moderierte er die VIVA-Sendung "Fleischmann TV" sowie die "Jürgen-Dose-Show" auf Radio Fritz.

Der Name "Heinz Strunk" ist 1992 entstanden, für seine erste Gag-CD. Warum kann er heute nicht mehr sagen. Nach seinen Angaben erhebt der Roman "Fleisch ist mein Gemüse" nicht den Anspruch, absolut autobiografisch zu sein (das beruhigt natürlich).


VII. Finale, presto, allegro assai - Fazit und Empfehlung
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"Zum Abschied sag ich leise Servus…" *sing* ach nee, das war ja wer anders. Mein Fazit ist, dass dieses Hörbuch einfach genial ist. Ich habe es im Zug zur Arbeit gehört und wirklich laut gelacht. Hmm, ein bisschen peinlich war´s schon, die Blicke der Mitreisenden muss man dann eben aushalten, aber wenn man einmal mit dem Hören angefangen und sich auf den Humor von Strunk eingelassen hat, kann man eigentlich nicht mehr aufhören und möchte wissen, wie es weiter geht.
Von mir eine klare Empfehlung mit der Einschränkung, dass Leute, die zart besaitet sind und teilweise deftige Sprache nicht so mögen, sowie Jugendliche unter 15 vielleicht die Finger davon lassen sollten.

Um es mit Gurki zu sagen: "Swingtime is good time, good time is better time"

© NickAme 16.02.2006
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
manwah

manwah

13.10.2008 23:25

Eigentlich wollte ich nur mal nachgucken ob schon jemand was über dieses grandiose Hörbuch geschrieben hat. Und dann steht da so ein fulminanter Bericht, dass ich erst gar nicht anfange. Du hast alles genau so beschrieben, wie ich es auch gemacht hätte - nur besser!. Ein Ausnahmebericht!! Grüße manwah

TMOS

TMOS

28.03.2008 00:49

ups, ich meine natürlich "Heinz" ... Dilettantenhafter Fehler.

TMOS

TMOS

28.03.2008 00:48

Sehr guter Bericht. Leider hats Hein Strunk bei mir nicht ganz gerissen. Vertraute auf die Empfehlung von Sven Regener... Naja. Zwischendurch pascht das auf jeden Fall ;)

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