Liebhabern alter Sci-Fi-Trash-Schinken aus den guten alten 50ern und 60ern habe ich heute etwas Interessantes zu erzählen: Kennt Ihr den Film "The Flesh Eaters"? Nicht? Ich bis vor kurzem auch nicht ;-). Das mag in erster Linie daran liegen, dass dieser Streifen nie in synchronisierter Fassung ... Bericht lesen
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Erfahrungsbericht von Videokind über Flesh Eaters, The (1964) 23.01.2002
Produktbewertung des Autors:
Pro:
Eine kleine, unerwartete Perle
Kontra:
Das Budget stand so mancher Umsetzung im Wege
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Liebhabern alter Sci-Fi-Trash-Schinken aus den guten alten 50ern und 60ern habe ich heute etwas Interessantes zu erzählen: Kennt Ihr den Film "The Flesh Eaters"? Nicht? Ich bis vor kurzem auch nicht ;-). Das mag in erster Linie daran liegen, dass dieser Streifen nie in synchronisierter Fassung hierzulande zur Aufführung gelangte und auch sonst in Publikationen über diese Ära des Kinos wenig bis gar keine Erwähnung findet. Es handelt sich um einen B-Trash-Streifen, der einem geneigten Zuschauer 86 min. Vergnügen bereitet.
Die Filmdiva Lora Winters, die den Zenit ihres Ruhmes bereits deutlich überschritten hat und deren Alkoholvorrat die Hälfte des Gepäcks einnimmt, heuert mit Ihrer Sekretärin den Piloten Grant Murdock an. Er soll die beiden zu einem Auftritt der Diva fliegen. Natürlich kommt man nicht am Zielort an sondern muß aufgrund eines Motorschadens bei einer kleinen Insel notwassern. Schon bald trifft man auf deren einzigen Bewohner, den Marine-Forscher Professor Peter Bartell, der dort Untersuchungen durchführt. Rasch bemerkt man, dass man einer merkwürdigen Gefahr ausgesetzt ist: das Wasser am Strand der glüht aufgrund diffuser Kleinstlebewesen, welche eine unangenehme Eigenschaft haben. Welche das ist finden unsere Vier heraus, als man am Strand ein sauber abgenagtes menschliches Skelett findet, welches von einem jugen Mann aus der Prä-Titel-Sequenz stammt. Schneller als jeder Piranha machen sich die "Flesh Eaters" über jedes Lebewesen her, welches mit ihnen in Berührung kommt.
Natürlich weiß der Prof über die Viecher mehr, als er zunächst zugibt. Er entpuppt sich schließlich als "Mad Scientist", welcher eines von den Nazis begonnenes Experiment im Alleingang weiterführt. Zwischendurch wächst die Gruppe um ein weiteres männliches Mitglied an. Bei dem Versuch, sich der Flesh Eaters mit Hilfe von Elektrizität zu entledigen, muß unsere illustre Gesellschaft feststellen, dass der Strom leider ein unerwünschtes Ergebnis hervorbringt: Nach einer kurzen Phase der Regeneration wächst aus den verbruzelten Kleinsttierchen im Laborzelt ein deutlich größeres Exemplar heran. Als man dies merkt, hat man dummerweise schon das Wasser am Strand unter Strom gesetzt...
Die Inhaltsangabe hört sich nach einem gewaltigen Heuler an, bei dem sich der Trashfan permanent die Lachtränen aus den Augenwinkeln wischen muss. Das Besondere an dem Film ist aber, dass er sich nur so anhört wie Dutzende andere Billigstreifen, die zu dieser Zeit die Kinos überflutet haben. Die mir durchweg unbekannte Crew vor und hinter der Kamera vollbringt nämlich das Kunstwerk, den Film trotz offensichtlicher geringer finanzieller Mittel interessant und spannend zu gestalten und das Ganze sogar ernsthaft wirken zu lassen. Unfreiwillige Komik stellt sich nur sehr selten ein.
Ein großes Lob ist der Kameraführung auszusprechen, findet der zuständige Herr hinter derselben des öfteren ausgefallene Perspektiven und Blickwinkel. Auch das überzeugende Spiel der Besetzung trägt dazu bei, dass der Film nicht zum Partyknaller verkommt. Zwar verleitet der eine oder andere mißratene Spezialeffekt um Schmunzeln, aber im Kontext mit dem restlichen Ambiente des Films sieht man gern darüber hinweg und ergänzt die weniger überzeugende Optik mit Phantasie, um das Gezeigte so zu sehen, wie es bei einem höheren Budget hätte sein sollen.
Bei einem Film, der fast die komplette Laufzeit auf einer Insel mit 4 - 5 Personen zubringt, bedarf es schon eines guten Drehbuches, um Langeweile auszuschließen. Auch hier bestätigt sich wieder die These, dass ein Film mit dem Buch steht und fällt - und nicht mit der Anzahl der eingesetzten Dollars. Die Figuren besitzen bzw. entwickeln echte Charktere, wenn auch die Grundauslegung sich an gängigen Klischees orientiert. Vor allem die Figur des Professors ist ziemlich undurchsichtig und auch die Diva hat die eine oder andere Überraschung parat. Man hat sich halt im Gegensatz zu vielen anderen Streifen nicht darauf verlassen, dass das Monster der eigentliche Hauptdarsteller ist.
Wenn man etwas über "The Flesh Eaters" an Literatur findet, so fehlt selten der Hinweis, dass man bereits vor H.G. Lewis' "Blood Feast" (1963) einen Splatterfilm gedreht hat. Das schrammt zwar etwas an der Wahrheit vorbei und weckt falsche Erwartungen, aber man kann mit Sicherheit sagen, dass dieser 1960 gedrehte Streifen über einige Härten verfügt, die weit über das hinausgehen, was man dieser Jahre auf den Leinwänden gezeigt bekam. Über das Entstehungsjahr gibt es verschiedene Angaben - das liegt daran, dass einige Quellen das Herstellungsjahr angeben, andere das Jahr des Erscheinens. Ich vermute jetzt mal, dass man ziemlich Schwierigkeiten hatte, für das Teil einen Vertrieb zu finden. Das würde auch den äußerst geringen Bekanntheitsgrad dieser kleinen Perle erklären; denn er ist um einiges besser als so vieles, was in dieser Zeit ein Kassenschalger wurde.
Herausgebracht wurde der Film hierzulande von der Firma "Something Weird Germany" vor mittlerweile 6 Jahren im englischen Original und s/w. Er sollte bei gut sortierten Mail-Order-Firmen erhältlich sein - bei "Karstadt" werdet Ihr wahrscheinlich vergeblich suchen ;-). Vielleicht hat man auch bei der ein oder anderen Filmbörse Glück. Sofern sich der Preis im akzeptablen Rahmen befindet rät Euch das Videokind: "Zugreifen"!
PS: Interessant: Ich hatte den Film als Produktvorschlag eingereicht. Da hatte ich als Jahr "1960" angegeben. Als Kategorie erscheint aber "1964". Wo Ciao da wieder recherchiert hat ;-)? Immerhin prüfen sie wenigstens wirklich, dass keiner irgendwelchen Blödsinn vorschlägt - auch ein Trost.