FlixBus

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Erfahrungsbericht über "FlixBus"

veröffentlicht 08.04.2013 | wasserquelle
Mitglied seit : 22.11.2004
Erfahrungsberichte : 23
Vertrauende : 1
Über sich :
Ausgezeichnet
Pro Sehr moderner Bus, angenehme entspannte Fahrt, extrem preiswert
Kontra Gab es nicht
besonders hilfreich
Beratungskompetenz:
Zufriedenheit mit Hotel, Reise, Appartement etc.:
Kinderfreundlichkeit:
Service
Häufigkeit der Buchung:

"FlixBus - eine echt preiswerte Alternative zur Bahn"

FlixBus (Fernbuslinie)

FlixBus (Fernbuslinie)

FlixBus (Fernbuslinie)

Kaufgrund / Buchung

Seit dem 1. Januar 2013 ist das Monopol auf den Fernverkehr weggefallen. Bis zu diesem Zeitpunkt durfte nur die Deutsche Bahn AG Fernverkehrstrecken bedienen. Andere Anbieter konnten nur dann Lücken füllen, wenn diese von der Bahn nicht angemessen bedient werden.
Das war natürlich Auslegungssache, denn Angemessenheit ist immer relativ. Die einen finden 70 EUR für ein Ticket Hamburg-Freiburg angemessen, die anderen nicht. Der Preis spielte bei der Bewertung der Angemessenheit jedoch fast nie eine Rolle, sondern immer nur, ob die Bahn überhaupt die Strecke bedient.
Das tat sie in der Regel immer, von daher gab es nahezu keinen Fernbusverkehr, wie man ihn aus anderen Ländern kennt.

Nun aber ist seit ein paar Wochen der Markt aufgebrochen und es herrscht künftig harter Wettbewerb zwischen Schiene und Autobahn. So wie wir es im Flugverkehr kennen. Lange Zeit gab es Linien- und Charterverkehr nur bei den großen Staats-Airlines, bis dann vor ca. 10 Jahren Ryanair, Easyjet, Germanwings, TuiFly, etc. den Markt so aufwirbelten, dass man Ticketflugpreise von 300 EUR an aufwärts nur noch im seltenen Fall bucht. Nach Malle oder Stockholm kommt man schon seit Jahren für den Preis eines Schnitzel mit Pommes.

Ich bin schon oft in den vergangenen Jahren mit den Billigairlines geflogen und auch Strecken wie Frankfurt-Berlin legte ich daher schon nicht mit der Bahn zurück, sondern mit Ryanair über Hahn.

Nun aber gibt es einen ganz neuen Konkurrenten - den Bus! Ich bin ein absoluter Fan von preiswerter Mobilität und liebe es zu Reisen. Mache fast jeden Monat eine Städtereise.

Deshalb hab ich in den vergangenen Wochen bereits mehrfach Fernbuslinien in Anspruch genommen. Über FlixBus schreibe ich nun den ersten Testbericht. Weitere Berichte über andere Anbieter werden in Kürze folgen.

So ging's los

Die Fahrt buchte ich über das Internet. Geht ganz einfach. Auf flixbus.de gehen und dann die gewünschte Fahrstrecke auswählen. Die Sparpreise fangen oft bei 5 EUR an und sind ab den ersten ca. 10 Plätzen erhältlich. Wie bei Ryanair auch steigt mit der Auslastung und dem Näherrücken des Reisetermins auch der Fahrpreis. Für die Strecke Frankfurt - Nürnberg zahlte ich genau 9 EUR. Bei Frühbuchung verlangt die Bahn mindestens 19 EUR, später steigt der Sparpreis frühmorgens um die gleiche Abfahrtszeit von FlixBus auf 35 EUR, dann auf 45 EUR und der Normalpreis beträgt 53 EUR.

Die Zahlen kann jeder selbst prüfen - einfach bei bahn.de nachschauen und die gewünschte Abfahrtszeit auswählen, die der FlixBus anbietet.

Ich musste also nicht lange überlegen, sondern es war recht risikolos, den Bus zu buchen.
Nachdem ich den Buchungsvorgang abgeschlossen habe (bezahlt werden kann wahlweise mit Lastschrift oder Kreditkarte), gab es das Ticket zum Selbstausdruck. Das muss man unbedingt dabei haben!!!

Fahrt

Samstag morgens ging es dann los. Abfahrt war um 07:45 Uhr. Der Bus stand schon um 07:35 Uhr dort und war an der Haltestelle Mannheimer Straße (Frankfurt) hinter dem Hauptbahnhof gar nicht zu übersehen. Blau-orange und groß FlixBus drauf - kann man nicht verfehlen.

Der Fahrer scannte kurz den QR-Code des Tickets ein und sah auf seiner Buchungsliste nach. Mein Name war dabei - also Einsteigen. Kurz darauf ging es los. Nächste Haltestelle: Flughafen Frankfurt. Auch hier stiegen Leute zu.
Wer also von Flughafen Frankfurt oder Nürnberg abfliegt, aber auch der jeweils anderen Stadt kommt, kann hier den Bus als Transfer nutzen.
Dann ging es auf die Autobahn.
Nächster Halt: Würzburg. Die Fahrt im Komfortbus ist ziemlich entspannt, so wie der Bahn auch. Man kann prima die Sitze zurückklappen und schlafen.
Hab ich aber nicht gemacht, sondern im Internet gesurft. Der Bus hat nämlich gratis WLAN. Kein Witz. Ideal für meinen EEE PC. Einfach WLAN aktiviert und bei Aufrufen der Seite kurz den Nutzungsbedingungen zustimmen und lossurfen. Ist zwar sehr langsam das Netz, aber um mal ne Mail zu verschicken oder Nachrichten zu checken langt es. Musik downladen geht hier nicht, auch nicht Youtube anschauen. Dafür ist das Netz zu langsam. Aber muss man ja auch net.

Nächster Halt: Erlangen.
Und Punkt 11:24 Uhr sind wir dann in Nürnberg. Der Bus parkte ca. 200 Meter vom Hauptbahnhof entfernt. 6 Minuten früher als angekündigt im Fahrplan.

Punktevergleich mit der Bahn

Schnelligkeit:
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ICE: 2 Stunden, 23 Minuten. (0x umsteigen)
FlixBus: 3 Stunden, 45 Minuten (0x umsteigen)

==> Hier ist die Bahn eindeutig im Vorteil.

Preis:
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ICE: Zwischen 19 (Sparpreis) und 53 EUR (Normalpreis).
FlixBus: Zwischen 9 (Sparpreis) und 19 EUR (Normalpreis).

==> Hier ist FlixBus unschlagbar im Vorteil.

Sitzkomfort:
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ICE: In den Bahnsitzen 2. Klasse sitzt man sehr gut, die blauen Kopfstützen sind sehr angenehm und man kann prima während der Fahrt schlafen. Die Sitze sind verstellbar, man hat prima Platz für die Füße und kann sich bequem ausstrecken.

FlixBus: Der Bus ist 4-5 Sterne-Kategorie hat ebenfalls verstellbare Sitze, auch hier sind die Kopfstützen bequem, der Bus fährt ruhig, man kann ebenfalls gut schlafen.

==> Im Prinzip unentschieden - die Sitze in der Bahn sind für mich einen Tick besser als im Bus, aber das ist Geschmackssache.


Ausstattung:
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ICE: In der Bahn kann man wählen zwischen Abteilen und ob man gegen oder in Fahrtrichtung sitzen will. Außerdem gibt es pro Großraumabteil auch Tische, wo man - wenn man allein an einer Vierergruppe ist, sein privates Büro ausbreiten kann. :-)

FlixBus: Hier hat man immer 2 Sitze parallel nebeneinander in Fahrtrichtung. Früher in den alten Neoplan-Doppeldecker-Bussen gab es durchaus auch Vierer-Sitzgruppen, aber in den neuen seh ich das eher weniger. Wird wohl zuvielen Leuten schlecht, wenn sie mit dem Rücken in Fahrtrichtung Autobahn fahren ;-) .

Die Sitze haben ebenfalls Tische, sind aber nicht so großzügig wie bei der Bahn.

==> Hier ist die Bahn leicht im Vorteil. Geschäftsleute werden die großzügigere Ausstattung der Bahn eher mögen.

Gastronomie:
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ICE: Hat ein eigenes BordBistro dabei. Im Prinzip kann man das nicht toppen, nicht mal Flugzeuge haben so eine großzügige Bordküche.

FlixBus: Bietet dafür Getränke zum supergünstigen Preis an. 0,5l Cola: 1,50 EUR.
Kaffee: ebenfalls 1,50 EUR (bei freiem Refill - ja, für 1,50 EUR ganz amerikanisch "All you can drink" während der Fahrt ist auf jeden Fall super).

==> Dennoch: Die Bahn ist hier noch im Vorteil. Ein ganzes BordBistro kann man im Prinzip nicht schlagen.

Internet:
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ICE: Gibt es auf einigen Fernverkehrsstrecken, bis 2014 will die Bahn es in allen Zügen anbieten. Das hat allerdings seinen Preis. Eine Stunde kostet 4,95 EUR. Zugang ist T-Mobile. Wer einen D1-Vertrag hat, in dem Gratis-HotSpot-Nutzung drin ist, zahlt hier nix. Alle anderen müssen die Tarife bezahlen. 600 Minuten kosten 19,95 EUR, 30 Tage-Pass: 34,95 EUR.
Wie schnell man damit surft, kann ich nicht sagen, ich hab's nicht genutzt. 5 EUR die Stunde ist einfach zu teuer, zumal man bei McDonald's schon 1 Stunde gratis bekommt.
Die Preise sind für Geschäftsleute sicher kein Problem, denn das zahlt eh deren Firmen. Privatpersonen geben nicht einfach mal so für 600 Minuten 20 EUR aus.
Die Verbindung ist aber auf jeden Fall einfach. Man muss nur WLAN aktivieren und schon erscheint das Netz Telekom_ICE.

FlixBus: Internet ist hier per WLAN möglich. Gratis. Die Geschwindigkeit liegt hier zwar auf Modem-Niveau (16-32 kb geschätzt), also zweckmäßig um News zu checken und E-Mails zu schreiben (Achtung: Mails im Text-Editor vorschreiben und erst dann absenden; fährt man durch Tunnel und die Netzverbindung bricht ab und der Browser zeigt bei Absenden nur "Seite nicht erreichbar", dann ist das Geschriebene weg - also immer bei Unterwegs-Verbindungen Textsicherungen machen!) reicht es völlig aus.

Hab ich auch aktiv genutzt, hab mich einfach mit dem WLAN-Netz "FlixBus" verbunden (siehe Bild) und schon konnte man nach Akzeptieren der Benutzerbedingungen lossurfen.

==> Hier gewinnt FlixBus. Internet kostenlos ist einfach eine tolle Dienstleistung.


Sonstiges:
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Als nach knapp 4 Stunden mein Netbook-Akku anzeigt: "Sie haben noch Saft für genau 1 Stunde, danach ist Feierabend", merke ich gerade: Aha, hier hat die Bahn auch noch einen kleinen Vorteil. Denn auch in der 2. Klasse von ICE-Zügen ist zwischen den Sitzen eine Steckdose. Und zwar neuerdings zwischen allen Sitzen. Lange hat's gedauert, denn in den alten ICE 1 und teilweise auch ICE 2 hatte man oft nur Netzanschluss bei den Vierertischen oder in den Abteilen.

Im Bus hat man hingegen gar keine Steckdose - würde auch die Autobatterie nicht lange mitmachen. Das kann man aber überbrücken, indem man einen Ersatzakku mitnimmt. Ein einfacher Akku hält beim EEE PC 6-7 Stunden durch, je nach eingestellter Beanspruchung, das wäre bei einem Zweitakku 14 Stunden. Damit könnte man bis Marseille fahren.
Trotzdem ist es ganz angenehm, wenn man nicht befürchten muss, dass der Saft mal ausgeht.

Ergebnis: Die Bahn hat knapp mit 3:2 beim direkten Vergleich hier gewonnen. Aber das liegt eher am Bistro, den der Bus logischerweise nicht mitnehmen kann. Muss man ja auch nicht unbedingt, denn die meisten haben eh ihr Brötchen mit dabei.

Preis

Das ist natürlich das Hauptargument schlechthin. Bei 9 EUR die einfache Strecke, da ist es wurscht, ob ein Bistro dabei ist oder die Fahrt länger dauert. Selbst mit dem Auto kann man wohl so günstig nicht fahren, es sei denn man hat ein echtes 3-Liter-Auto. Für Einzelpersonen ist der Bus bei den Preisen unschkagbar günstig.


Fazit

Der Fernbus agiert locker mit der Bahn auf Augenhöhe. Der Preis ist das Hauptargument - Fernverkehrsmobilität wird dadurch enorm günstiger. Wer viel Geld hat, dem kann es egal sein, ob er 50 oder 10 EUR für dieselbe Strecke ausgibt, ansonsten wird für preisbewusste Menschen der Bus erste Wahl werden, wenn sich die Bahn nicht künftig mit Special Offers bewegt. Lufthansa bietet heute auch innerdeutsche Flüge ab 59 EUR an. Die aggressive Strategie Ryanairs zwingt sie dazu.

Es wird künftig eher wieder mehr Personen geben, die von der Schiene auf die Autobahn wechseln. Der Fernbusverkehr steckt noch in den Kinderschuhen und wird in den kommenden Jahren sicherlich einen Boom erleben. Davon bin ich fest überzeugt.

Natürlich wird dies auch wieder Umweltdiskussionen auslösen. Wollte man nicht ursprünglich, dass die Leute von der Autobahn auf die Schiene wechseln?
Andererseits wird es wiederum auch Leute geben, die lieber vom Auto auf den Bus umsteigen. Da die Bahn viel weniger CO2 ausstößt als Autos, könnte hier bei massivem Umstieg von Auto auf Bus mit dem Busfernverkehr trotzdem sogar eine leicht bessere CO2-Bilanz erreicht werden. Aber das wird sich alles in der Zukunft zeigen, wo es hingeht.

Ich bin ein großer Fan von preiswerter Mobilität und bin mir sicher: Die Bahn wird nicht tatenlos zugucken. Wie beim Flugverkehr auch wird es sicher in 1-2 Jahren einfache Fernverkehrsstrecken z.B. ganz früh morgens oder nachts vielleicht für 5-10 EUR die einfache Strecke geben.
Gewinner beim Wettbewerb ist vor allem der Kunde.

In diesem Sinne: Wer also den Reisebus ausprobieren will: Keine Scheu! Buchen, Ticket ausdrucken, Einsteigen, Losfahren und dann selbst ein Fazit ziehen. Gute Fahrt! :-)


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Post_scriptum veröffentlicht 02.03.2015
    gemessen an den hiesigen leserzahlen ist FlixBus wesentlich bekannter als Meinfernbus.de, aber mittlerweile stecken sie ja ohnehin unter einer decke
  • wechmida veröffentlicht 30.01.2014
    Danke für Deine Erfahrungen. Ich werde am 13.02. von Dresden nach Köln und am 16.02. zurück fahren mit dem Flixbus. Ich bin schon gespannt.
  • winniehamburg veröffentlicht 02.09.2013
    endlich bekommt die Bahn Konkurrenz :-) BH :-)
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Produktbeschreibung des Herstellers

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