Die S-Max Kaufentscheidung
04.10.2007 (02.10.2007)
Pro:
Durchzugsstarker, leiser Motor, variabler Innenraum, Design, straffes Fahrwerk, exaktes Getriebe, Qualitätsanmutung,
Kontra:
Unübersichtliches Front End, Ford Image
Empfehlenswert:
Ja
 hotmunichjoe
Über sich:
Mitglied seit:02.10.2007
Erfahrungsberichte:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 43 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Der Autokauf Nach 10 Jahren unerschütterlicher Treue zu meinem Mercedes C 180 Elegance (der demnächst 12ten Geburtstag feiern wird und mich nie enttäuscht hat) soll jetzt dann doch mal ein neues Auto her. Für mich als (nicht mehr so ganz) jungen, sportlich ambitionierten Familienvater ist ein praktischer Van das Objekt der Begierde.
In die Kaufüberlegung wurden folgende Fahrzeuge einbezogen: VW Sharan 2,0 TDI VW Touran 2,0 TDI Mazda 5 Mercedes B-200 CDI Mercedes C 220 CDI T Ford S-Max 2,0 TdCI
Da der alte Benz die Latte in Sachen Qualität, Zuverlässigkeit und Wertanmutung sehr hoch gehängt hat, bin ich auch beim neuen Papamobil nicht bereit, diesbezüglich Abstriche zu machen. Schade, dass Mercedes im Bereich Vans nichts Vernünftiges anbietet, denn R-Klasse ist eindeutig über das Ziel hinaus geschossen und über das Design eines Vaneo kann man nicht mal mehr streiten. Finde ich. Die beiden anderen bayerischen Premiumhersteller bieten überhaupt kein Van-artiges Fahrzeug an, wurden daher in meinen Überlegungen nicht weiter berücksichtigt, wenngleich ich von den Verbrauchswerten der neuen BMW Efficient Dynamics Motoren schwer beeindruckt war (318d mit 144 PS: 4,8 l/100 km Normverbrauch).
Da sich auch VW als Premiumhersteller versteht, hatte ich zunächst mit einem Sharan 2,0 TDI geliebäugelt, obwohl das ich Design etwas klobig und altbacken finde. Die 3 Einzelsitze der 2ten Reihe bieten optimale Flexibilität. Die beste Methode, sich über ein Auto zu informieren ist, sich mit jemandem zu unterhalten der diesen Fahrzeugtyp besitzt. Im Gespräch mit mehreren Kollegen stellte sich dann heraus, dass der Sharan offensichtlich mit bemerkenswerten Qualitätsproblemen (Koppelstangen, Klimaanlage, Wassereinbruch, …) zu kämpfen hat. Keiner konnte mir einen Sharan empfehlen. Also doch lieber einen Touran? Der Cross Touran sieht richtig fetzig aus! Auf einer Probefahrt erwies sich der Touran 2,0 TDI als wendiger, spritziger, sparsamer (Normverbrauch: 6,2 l/100 km) Allzweckwagen, wenngleich der Motor etwas laut ist. Das Design ist auch moderner und die Abmessungen sind kompakter als beim Sharan. Allerdings: die Qualitätsanmutung des Innenraumes ist verheerend. Der Listenpreis meines Wunschfahrzeuges betrug ca 34.000 €, sehr viel Geld wie ich finde. Dafür bekommt man einen technisch veralteten Pumpe-Düse Diesel (laut!), billigstes Grawitschko-Plastik und noch nicht einmal einen Velours-Teppich im Innenraum. Eine Frechheit, was VW für diesen stolzen Betrag bietet. Ich hätte das miserable Preis-/Leistungsverhältnis zähneknirschend akzeptiert, bis mir ein Testbericht vom Touran in der Auto-Bild in die Hände fiel: schlechtestes jemals getestetes Auto!!! "Kann doch nicht sein, vielleicht ein Ausnahmefall" dachte ich anfangs, aber nachdem ich mich durch mehrere Internet Foren gekämpft hatte, wusste ich: kein Einzelfall! Der Touran war gestorben und ich hatte tatsächlich so etwas wie Liebeskummer.
Emotionen sind was für Weicheier und haben beim Autokauf nix verloren! Der Stratege geht rational vor. Madzda ist zum dritten Mal hintereinander Sieger im Qualitätstest geworden, hat faire Preise und der Mazda 5 sieht - finde ich - wirklich flott aus. Grund genug, um das Auto mal näher zu begutachten - auch wenn ich kein Freund fernöstlicher Autobaukunst bin. Gefallen haben mir die Schiebetüren hinten, aber das Interieur kann mit dem flotten Design der Karosserie nicht mithalten. Bei meiner Frau ist der Mazda wegen seines Karakuri-Harakiri Sitzkonzeptes durchgefallen und ich konnte mich mit einem Japaner auch nicht wirklich anfreunden. Eigentlich reicht ja auch ein kleiner praktischer Wagen wie ein Mercedes B 200 CDI. Ein Norm-Verbrauch von nur 5,8l/100 km und eine CO² Emission von 151 g/km versprechen günstiges Autofahren und ein halbwegs reines Umweltgewissen. Von allen bisher begutachteten Autos hatte die B-Klasse mit Abstand die höchste Qualitätsanmutung, was mir über das Design ein wenig hinweg half. Der Preis meines Wunsch-Fahrzeuges betrug bei Juetten-Koolen knapp 30 000 €. Also: Probefahrt. Die Sitzposition ist gewöhnungsbedürftig, das Lenkrad steht sehr steil, entweder ist der Hintern zu weit weg oder die Arme sind zu sehr angewinkelt. Mangelnde Ergonomie nennt man das wohl. Der Diesel rappelt beim Kaltstart wie ein Traktor. In der ersten Kurve kommt Panik auf: ich habe das Gefühl, der Wagen reagiert nicht richtig auf meine Lenkbewegung, ich muss "nachlenken", habe kein richtiges Gefühl zur Fahrbahn. Der Verkäufer wird mir später erklären, das sei eine neuartige Parameterlenkung, an die man sich nur gewöhnen muss. Ich will mich nicht daran gewöhnen.
Der Traum vom praktischen Van, der genauso zuverlässig ist wie mein alter C 180 aber noch sparsamer und flotter, schien gestorben. Ich suchte nach Alternativen. Ein richtig schönes Auto, finde ich, ist der C 220 CDI als T-Modell. Mit seinen 150 PS ist er eine richtige Fahrmaschine. Als Neuwagen ist er mir mit 45.000 € zu teuer, aber als 1 -2 Jähriger ist er erschwinglich. Nachteil: er hat nicht den variablen Innenraum eines Vans. Der Normverbrauch ist mit 6,9 l/100 km nicht so ganz wenig, aber akzeptabel. Die Qualitätsanmutung ist fantastisch. Zur Not, dachte ich, kriegt die C-Klasse eine abnehmbare AHK, auf die ich einen Heckfahrradträger montieren kann, dann ist der variable Innenraum eines Vans entbehrlich.
Die Kaufentscheidung schien gefallen zu Gunsten des T-Modells. Rein der Vollständigkeit halber wollte ich mir noch den S-Max ansehen. Mit Ford ist das so eine Sache: meine Frau hatte 2 Fiestas und nach dem letzten hatten wir uns geschworen: nie wieder Ford! In 27 Jahren als Autofahrer bin ich genau 2 Mal mit einem technischen Defekt liegen geblieben - beide Male mit einem Ford Fiesta, obwohl ich mit anderen Fahrzeugtypen viel, viel mehr km abgerissen habe. Das Verhalten der Vertragshändler trug ein übriges zu meiner ausgeprägten Aversion gegenüber Ford bei.
Allerdings: der S-Max ist in punkto Design ein gelungenes Auto. Auch die Wertanmutung des Innenraumes passt. Die Tatsache, dass er "bester Van" ist und Auto des Jahres 2007 passten nicht so recht zu meinem Image von Ford. Ich begebe mich abermals in entsprechende Internet Foren und finde mein altes Vorurteil bestätigt: Fiesta und Ka werden fürchterlich verrissen, aber: der S-Max wird gelobt. Was ist da los, auch der Mondeo gewinnt den Vergleichstest gegen den Passat. In mir kommt ein Verdacht auf: hat sich da vielleicht was getan? Bei VW zum Negativen und bei Ford (und auch Opel) zum Positiven? Die Familie macht eine Probefahrt. Der erste Eindruck ist gewöhnungsbedürftig, die Frontscheibe geht ewig weit vor und das Front End ist nicht zu sehen. Der Wagen zieht mit seinen 140 PS richtig ab, ist auch bei höheren Geschwindigkeiten noch angenehm leise. Auch das Handling ist für einen Van überraschend direkt, die Lenkung reagiert anders als bei der B-Klasse direkt und vermittelt hervorragenden Fahrbahnkontakt. Der Junior ist begeistert, klar: er sitzt hinten in der Mitte, hat freie Sicht nach vorne und zudem noch die erhöhte Sitzposition. Resultat: "Papa, den will ich!" Auch meine Frau und ich waren angenehm überrascht.
Und der Preis? Ich will den 140 PS Diesel in Titanium Ausstattung, mit Metalliclackierung, Tempomat, Park Distance Control, Solar-Protect Frontscheibe, Sony Stereo Anlage. Listenpreis: 34.500 € - der Händler gibt über 20% Rabatt und will 27.400 € (kein Re-Import!), das ist weniger als Juetten-Koolen für eine Tageszulassung verlangt - ich werde nervös. Wie gesagt, Emotionen haben beim Autokauf nichts verloren. Kann doch nicht sein, dass ich meinen alten Schwur breche und wieder einen Ford kaufe. Irgendwo muss der Pferdefuß sein - ich tippe auf den Spritverbrauch. Ford gibt einen Normverbrauch von 6,4 Litern an, das wäre ja akzeptabel. Der Bordcomputer des Testwagens zeigt 8,5 Liter an. Habe ich es doch geahnt. Der Fordhändler dementiert und verweist darauf, dass der Testwagen nur im Kaltbetrieb auf Kurzstrecken gefahren wird.
Traue niemals einem Autohändler - ich will es genau wissen und miete bei Sixt für 84 € einen S-Max für ein Wochenende. Auf insgesamt 1.050 km, davon ca 800 km Autobahn mit 160 km/h weist der Bordcomputer einen Verbrauch von 7,0 l aus. Nach meiner Berechnung müssten es 7,5 l sein. Ich finde das akzeptabel, überdies scheint der Verbrauch auf Bundesstrassen im Geschwindigkeitsbereich von 90 km/h sehr niedrig zu sein, denn der Durchschnittsverbrauch geht rasant nach unten. Beeindruckend finde ich vor allem die Variabilität des Innenraumes. Die hinteren Sitze können vor und zurückgeschoben oder ganz weggeklappt werden. Die weg geklappten Notsitze der dritten Reihe nehmen allerdings ganz schön Laderaum weg - mir egal, ich würde sie nicht mitbestellen. Die Wertanmutung des Innenraumes ist akzeptabel bis gut, wesentlich besser als beim Touran, wenngleich sie nicht an einen Mercedes rankommt. Das silbern lackierte Plastik der Mittelkonsole hatte beim Mietwagen, der gerade mal 14.000 km auf der Uhr hatte, erste leichte Kratzer und Abnutzungserscheinungen. Halte ich aber für einen Privatfahrer, der sein Auto pfleglich behandelt, für weniger relevant.
Das Fahrwerk ist perfekt abgestimmt, nicht zu weich und nicht zu straff. Das Getriebe arbeitet leichtgängig und direkt. Die Sitze sind angenehm komfortabel und vermitteln hervorragenden Seitenhalt. Anders als in der B-Klasse habe ich mich im S-Max auf Anhieb wohl gefühlt. Die zahlreichen Ablagefächer machen das Reisen angenehm. Der Motor erweist sich bereits ab ca. 1600 U/min als überraschend durchzugsstark, obwohl der Mietwagen nur den kleinen Diesel mit 131 PS hatte. Ich konnte keinen Unterschied zur 140 PS Variante feststellen. Bei 120 km/h ist der Motor kaum hörbar, bei 160 km/h ist das Geräuschniveau immer noch gut erträglich. Von einer Anfahrtsschwäche, von der ich im Internet gelesen habe, keine Spur!
Klingt da vielleicht ein bisschen Emotion - oder gar Begeisterung - durch? Das Ende vom Lied: ich weiß nicht, ob der S-Max über 10 Jahre und 150.000 km genauso zuverlässig und unproblematisch sein wird wie meine alte C-Klasse. Jeder Autokauf ist immer auch Glückssache und es könnte leicht passieren, dass ich mit einem neuen Mercedes ganz andere Erfahrungen mache als mit meinem alten. Daher: Ich gebe Ford eine letzte, nein, eine allerletzte Chance.
Positiv: Variabler Innenraum, durchzugsstarker, leiser Motor; exaktes Getriebe mit idealer Abstufung, straffe, bequeme Sitze, Design, zahlreiche Ablagen, fairer Preis, tolle Reiselimousine Negativ: Unübersichtlich nach vorne, Ford Image
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24.10.2009 20:26
Sehr schöner informativer und unterhaltsamer Bericht. Wie siehts denn 2 Jahre nach dem Kauf aus? Ist die Euphorie geschwunden? Was macht der Ford-Service, der dich ja früher auch gestört hat? Überlege nämlich einen gebrauchten Titanium S zu kaufen. Hast Du Tipps für mich? Danke.
21.06.2008 14:48
Ich kann mich den Äusserungen der Vorredner anschließen. Ähnliche Überlegeungen hatte auch ich bei unserem Kauf
22.02.2008 16:50
Hier werden genau die Fragen gestellt und beantwortet, die uns auch gerade beschäftigen