Ich wünschte, ich wäre bei dir gewesen...
28.08.2003 (02.09.2003)
Pro:
Tom Hanks, Robert Zemeckis, Musik, Gefühl . . . einfach alles ! ! !
Kontra:
Nix !
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 derklaaHann
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:4
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 87 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Guten Abend allerseits! Nachdem ich nun meine "ersten Erfahrungen" in Sachen Testbericht-Schreiben sammeln konnte, indem ich euch die ersten sieben Teile der "Freitag, der 13."-Reihe vorgestellt habe, bin ich nun an einem Punkt angelangt, an dem ich das Gefühl habe, mal "etwas Neues" auszuprobieren.
Natürlich habe ich immer sehr gerne über die "Freitage" berichtet, aber irgendwie ist es halt nicht gerade das gelbe vom Ei, sich komplett auf ein Gebiet zu spezialisieren und dabei andere Sachen völlig außer Acht zu lassen. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, mich einem Film aus einem ganz anderen Genre zuzuwenden; ein Film, der mich persönlich sehr bewegt hat und nicht nur deshalb ohne jeden Zweifel zu meinen absoluten Lieblingsfilmen gehört! Die Rede ist von "Forrest Gump", einem Drama, das im Jahr 1994 abgedreht wurde. Zur damaligen Zeit noch nicht die geringste Ahnung, welch qualitativ hochwertiges Spektakel mich erwarten würde, wurde ich zunächst "nur" durch Tom Hanks, einem der meiner Meinung nach besten Schauspieler überhaupt, auf den Film aufmerksam. Doch bevor ich zu sehr ins Schwärmen gerate und schon im Voraus eine Bewertung vornehme, möchte ich euch im Folgenden "in aller Kürze" die Handlung von "Forrest Gump" vorstellen.
Achja, bevor ich's vergesse: Diesen Bericht möchte ich besonders Claire-Laureen (Clairexxy) widmen, die mir neulich erzählt hat, dass sie "Forrest Gump" noch nie gesehen hat - Ich hoffe, du kannst dir dadurch wenigstens ein kleines Bild von dem Film machen! *knuddl* Aber genug um den heißen Brei geredet, jetzt geht's auch schon los:
==Story==Eine kleine, weiße Feder gleitet - umrahmt von Alan Silvestris grandioser Titelmelodie - durch die Straßen der Stadt Savannah/Georgia, um vor den Füßen eines zunächst ungewöhnlichen jungen Mannes zu landen. Der sitzt auf der Bank einer örtlichen Bushaltestelle und weil er scheinbar nichts Besseres zu tun hat (*fg*), memoriert er in einem Monolog über sein Leben:
In den vierziger Jahren in der Stadt Greenbow/Alabama geboren, trifft den kleinen Forrest Gump bereits früh ein herber Schicksalsschlag; sein Daddy war nämlich gestorben und auf Grund eines Wirbelsäulenschadens ist er gezwungen, Beinschienen zu tragen, wodurch er die Blicke und den Spott seiner Mitmenschen förmlich anzieht. Dennoch meistert Forrest diese schwierigen Situationen, nicht zuletzt auch dank der gut gemeinten Weisheiten seiner Mum, die ihm immer alles erklären konnte, sodass er es verstand ("Wenn Gott gewollt hätte, dass wir alle gleich sind, würden wir alle Beinschienen tragen"). Als wäre seine Behinderung nicht schon schlimm genug, stellen die Ärzte bei seiner Einschulung auch noch fest, dass Forrest nur einen IQ von 75 besitzt, worauf ihn der spießige Direktor in eine Sonderschule abschieben will. Doch auch hier weiß Mama Gump Rat: Indem sie auf die Erpressung dieses Schmalspurhirnes eingeht und mit ihm eine Nacht verbringt, ermöglicht sie ihrem Forrest eine "normale" Schulausbildung in der Greenbow Highschool.
Doch bereits die Busfahrt am ersten Schultag gestaltet sich schwerer als erwartet: Schon als Forrest in den Schulbus einsteigt, versperren die gehässigen Klassenkameraden ihre (noch freien) Sitzplätze oder stoßen Forrest mit einer fadenscheinigen Ausrede beiseite; doch da gibt es ja zum Glück noch die kleine Jenny Curran, ein bildhübsches und intelligentes Mädchen mit der süßesten Stimme, die Forrest je gehört hat. Diese entpuppt sich als seine erste und einzige Freundin. Als Forrest eines Tages von ein paar Jungs als Blödmann bezeichnet und mit Steinen bombardiert wird, ist es auch Jenny, die ihn "zum Laufen" ermutigt - und so platzen nicht nur Forrests lästige Beinschienen wie durch ein Wunder auf, der kleine Gump lernt sogar so schnell zu rennen, dass er später in die Football-Nationalmannschaft aufgenommen wird und den Präsidenten der Vereinigten Staaten trifft!
Derweil sind Forrest und Jenny wie Pech und Schwefel und verbringen den ganzen Tag zusammen "auf ihrem Baum" - kein Wunder, denn zuhause wird Jenny von ihrem alkoholabhängigen Vater geschlagen und sexuell missbraucht. So betet sie eines Tages auf der Flucht vor ihrem betrunkenen Dad zum lieben Gott, dass sie ein Vogel werde, damit sie weit, weit wegfliegen könne... So vergeht also Jahr für Jahr - und nach ihrem erfolgreichen College-Abschluss trennen sich die Wege von Forrest und Jenny.
Wie jeder Amerikaner muss der mittlererweile erwachsene Forrest zur US Army. Dort lernt er Benjamin Bufford-Blue kennen, den alle nur liebevoll "Bubba" nennen (*lol*); dieser entpuppt sich nicht nur als Forrests "bester guter Freund", er ist auch ein Meister im Shrimps-Fischen und hegt mit Mr. Gump den Plan, nach der Armee einen Shrimp-Kutter zu kaufen.
Jenny hatte sich derweil für den Playboy fotografieren lassen und war deshalb vom College geflogen. Seitdem verdient sie sich ihr Geld in einer dubiosen Kneipe, wo sie nackt Gitarre spielt und sich von fremden Männern begrabschen lässt. Dort treffen sich Forrest und Jenny auch zum ersten Mal wieder; und der naive Gump denkt natürlich zuerst, ihr Traum, eine berühmte Volksängerin zu werden, sei in Erfüllung gegangen! *lol* Doch als er die Situation begreift, will er seiner Jenny helfen und gesteht ihr seine Liebe...doch die hat nichts besseres zu tun, als mit einem müden "wir passen nicht zusammen" per Anhalter abzuhauen. Zeit zur Trauer bleibt Forrest jedoch kaum, denn er ist gezwungen, mit seiner Einheit am Vietnamkrieg teilzunehmen, wo Bubba letztendlich nach einem Überraschungsangriff der Vietnamesen stirbt. Den anderen Soldaten kann Forrest jedoch das Leben retten und mutiert so zum Kriegshelden - innerlich jedoch zutiefst enttäuscht, dass seine Briefe, die er täglich an seine geliebte Jenny schreibt, allesamt unbeantwortet zurückkommen. Doch wie es der Zufall will, trifft Forrest bei einer Friedens-Demonstration in Washington "sein Mädchen" wieder - um sie kurz darauf erneut zu verlieren.
Doch auch diesen Schicksalsschlag erträgt Forrest Gump mit Gleichmut, er steigt sogar ungewollt die Karriereleiter noch weiter nach oben: erst wird er ein Tischtennisstar, dann verwirklicht er den damaligen Traum Bubbas und eröffnet mit seinem ehemaligen Lt. Dan Taylor, der seit dem Krieg im Rollstuhl sitzt, die berühmte "Bubba-Gump-Shrimp-Cooperation". Auch der plötzliche Krebstod seiner geliebten Mama wirft ihn nicht aus der Bahn. Jenny währenddessen rutscht immer weiter ab, treibt sich auf wilden Partys herum, nimmt immer wieder harte Drogen und steigt mit wildfremden Männern in die Kiste. Erst als sie vom Heroin sichtbar zerfressen ist, kehrt sie zu ihrem Forrest zurück, der inzwischen als mehrfacher Millionär alleine in seinem Elternhaus in Alabama lebt und nie aufgehört hat, Jenny zu lieben. Überglücklich, seine einzig wahre Liebe wieder bei sich zu haben, macht er ihr sogar einen Heiratsantrag. Doch erneut zweifelt Jenny, ob Forrest überhaupt richtig lieben kann und verschwindet, nach einer leidenschaftlichen Liebesnacht, erneut spurlos.
Um seine Trauer zu verarbeiten, entschließt sich Forrest Gump, mir nichts dir nichts mal zwei Jahre ohne Unterbrechung zu laufen, entwickelt sich zum Medienstar und erfindet nebenbei berühmte Slogans ("Shit happens"); doch dann schreibt ihm Jenny einen Brief - und der wird Forrests Leben schlagartig verändern... Tja...wenn ihr nun wissen wollt, ob Jenny und Forrest nun doch noch zueinander finden und ob es ein Happy End geben wird, solltet ihr euch den Film unbedingt ansehen, es lohnt sich!!!
==Kritik==Als ich den Film zum ersten Mal gesehen hatte, befand ich mich selbst gerade in einer Depri-Phase wegen einem Mädel - und ich muss sagen, "Forrest Gump" hat mir aus der Seele gesprochen!
Ich weiß noch, wie ich mich damals über diejenigen lustig gemacht hatte, die bei Filmen a lá Titanic die Taschentücher rausgeholt hatten, weil ich mich ernsthaft gefragt hatte, wie man bei solch einem "Schnulzenfilm" derart mitfühlen kann; tja, dann schaute ich mir eben "Forrest Gump" an und konnte gleich an mehreren Stellen meine Tränen nicht zurückhalten... Irgendwie ist es schon verrückt: Forrest, der vermeintliche "Dummkopf", der von seinen Mitmenschen nur Spott und Verachtung erhält, findet in Jenny Curran eine Freundin, die zum damaligen Zeitpunkt weitaus reifer scheint und Forrest in allen Belangen überlegen ist; so ist sie es, die sich seiner annimmt, ihm Lesen und Schreiben lernt, ihn vor den anderen beschützt und immer zu ihm steht - und das, obwohl sie eigentlich selbst genug Probleme mit ihrem alkoholabhängigen Vater hat, der Jenny ständig vergewaltigt. Ohne sie und seine Mama hätte es Forrest wohl nie zu dem gebracht, was er später geworden ist.
Dann trennen sich die Wege der beiden - und mit diesem Zeitpunkt verändern sich auch die Charaktere um 180°: Die Entwicklung, die man von vorne herein eher Jenny zugetraut hätte, vollzieht Forrest: Er ist es, der erst zum Football-Star, dann zum Kriegshelden und schließlich zum mehrfachen Millionär aufsteigt; somit steht Forrest letztendlich am oberen Ende der Karriereleiter und straft ungewollt all diejenigen, die ihn einst für einen "Trottel" hielten und somit selbst die eigentlichen "Dummen" des Filmes sind.
Jenny hingegen muss der dank ihres Vaters zerstörten Seele Tribut zollen; obwohl sie sehr intelligent war, fliegt sie vom College, landet in verrufenen Kneipen, um schließlich in der Party- und Drogenszene vollends unterzugehen. So steht sie auch mehrmals kurz vor dem Selbstmord, z.B. als sie gerade mit einem Fixer geschlafen hatte und ihr verbrauchtes, angegriffenes Gesicht im Spiegel betrachtet. Dieser Verfall zerstört auch Jennys eigentliche Gefühle, denn irgendwie liebt sie ihren Forrest schon den ganzen Film über und wünscht sich, sie wäre immer bei ihm gewesen; doch will es die Dramatik, dass sie sich von ihm nie helfen lässt, obwohl es immer wieder zu solchen Situationen kommt. Erst zu spät, nämlich als ihr Körper bereits ein Wrack ist, erkennt sie ihre Fehler und kehrt zu Forrest zurück; dementsprechend ist das Ende des Filmes auch die logische Konsequenz des Ganzen, aber hier möchte ich euch nicht zuviel verraten.
Und doch ist die Handlung des Filmes nicht nur äußerst dramatisch, sondern auch phasenweise zum Totlachen - um es auf den Punkt zu bringen: einfach genial! So ist Forrests Aufstieg derartig übertrieben dargestellt, dass man nach einiger Zeit gar nicht mehr anders kann, als sich totzulachen, denn er wird als Dreh- und Angelpunkt der amerikanischen Geschichte dargestellt; so begegnet er immer wieder berühmten Persönlichkeiten wie Elvis Prestley und John Lennon, besucht aber auch mehrmals die verschiedenen Präsidenten, sodass es ihm mit der Zeit schon langweilig wird! *lol* Auch die Auflösung des Watergate-Skandals beruht übrigens, wenn auch ungewollt, auf Forrest Gump! *fg*
Umrahmt wird das ganze Geschehen übrigens vom meiner Meinung nach genialsten Soundtrack überhaupt, der aus der Hand von Alan Silvestri stammt und je nach Situation dramatisch, aber auch ergreifend und aufbrausend wirkt. Zurecht war Silvestri für sein Opus auch für den Oscar nominiert. Die Schauspieler spielen von Anfang bis Ende konsequent, nämlich weltklasse. Wenn ich all deren Leistungen aufzählen würde, könnte ich wohl ein Buch darüber schreiben, so möchte ich "nur" meinen Lieblingsschauspieler Tom Hanks besonders hervorheben; der hat für seine Rolle als Forrest Gump zurecht den Oscar abgeräumt, denn schließlich spielt er ihn so, wie ihn sich der Zuschauer vorstellt: die Mimik, die Gestik, aber auch die Stimmlage im englischen Original sind mehr als überzeugend und passend. Danke Tom, dass du die Rolle des Forrest übernommen hast!!! Aber auch die anderen Darstellen machen ihre Arbeit sehr gut, allen voran Robin Wright als Jenny Curran oder Gary Sinise als Lt. Dan Taylor; und "Klein Forrest und Jenny" alias Michael Conner Humphreys und Hanna R. Hall werden wir sicherlich noch öfters in großen Filmen bewundern können!
Das Regiezepter hat glücklicherweise Robert Zemeckis übernommen, auf dessen Kappe auch Hollywoodstreifen wie "Schatten der Wahrheit" oder "Zurück in die Zukunft II" gehen. Kaum ein andere hätte seine Arbeit wohl so toll erfüllt wie Zemeckis, der es vermochte, Dramatik und Humor geschickt zu verbinden und dafür konsequenter Weise auch einen Oscar erhielt. Klasse find ich es auch, wie Zemeckis diverse Situationen im Laufe des Filmes immer wieder aufgreift, so zum Beispiel Jennys Gebet, als sie sich auf der Flucht vor ihrem Vater wünscht, dass sie ein Vogel werde, damit sie weit, weit wegfliegen könne...mehr kann und will ich aber dazu nicht sagen, sonst würde ich eine der genialsten Stellen des Filmes vorwegnehmen! Die Special Effects stammen aus den Händen von Ken Ralston, George Murphy, Stephen Rosenbaum und Allen Hall, die für ihre Arbeit ebenfalls mit dem Oscar belohnt wurden; so sind dafür weniger die Explosionen in Vietnam verantwortlich, sondern viel mehr die brillianten Schnitte von Arthur Schmidt, mit denen berühmte Persönlichkeiten wie John Lennon, Elvis Prestley oder John F. Kennedy in den Film integriert wurden, als wären sie nie tot gewesen!
Die DVD von Paramount aus der Widescreen Collection verfügt übrigens über ein gestochen scharfes Bild und einen zufriedenstellenden Dolby-Digital-Ton. Also auch hier kann man bedenkenlos zugreifen, wobei der Film so einzigartig ist, dass mir ein "schlechteres" Bild beispielsweise egal wäre.
==Technische Daten zum Film==
Originaltitel: Forrest Gump Genre: Drama
Darsteller: Tom Hanks, Robin Wright, Gary Sinise, Sally Field, Mykelti Williamson, Michael Conner Humphreys, Hanna R. Hall, Haley Joel Osment Regie: Robert Zemeckis
FSK: ab 12 Jahren Drehland und Jahr: USA 1994
Filmlänge: ca. 137 Minuten
==Oscars==
- Oscar 1994 für "Forrest Gump" (Bester Film) - Oscar 1994 für Tom Hanks (Hauptdarsteller) - Oscar 1994 für Robert Zemeckis (Regie) - Oscar 1994 für Eric Roth (Drehbuch-Adaption) - Oscar 1994 für Arthur Schmidt (Schnitt) - Oscar 1994 für Ken Ralston, George Murphy, Stephen Rosenbaum, Allen Hall (Spezialeffekte)
==Fazit==
Tja, wer jetzt noch Zweifel hat, wie viele Sterne ich dem Film gebe, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen! ;o) Da man leider "nur" fünf Sterne verleihen kann, bekommt "Forrest Gump" eben "nur" fünf - für mich hätten es aber getrost auch zehn sein können, weil der Film eben weltklasse ist und keine der 137 Minuten langweilig sind! Eine Empfehlung gibt’s allemal und zwar an alle, die sich dramatische und lustige Filme gerne ansehen, aber auch an diejenigen, die wie ich damals Kummer haben und ne Aufheiterung bedürfen - "Forrest Gump" ist eben ein Film, den man sich getrost mit der ganzen Familie ansehen kann; die Altersfreigabe ab 12 beruht auch weniger auf Brutalität, sondern auf diverse Verständnisschwierigkeiten mit berühmten Persönlichkeiten, der amerikanischen Geschichte etc.! Also schlagt zu!!!
So, ich hoffe, euch hat mein Bericht gefallen, auch wenn er dieses Mal "etwas länger" geraten ist, aber das hat der Film eben voll und ganz verdient! Für Lob, Kritik, Anregungen und Verbesserungsvorschläge bin ich wie immer sehr offen und würde mich auch über die ein oder andere Bewertung und den ein oder anderen Kommentar freuen! Mein nächster Testbericht steht im Übrigen noch nicht fest!
Also, haltet die Ohren steif! *derklaaHann*
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