Fotografie - brotlose Kunst?

4  22.12.2004

Pro:
Sehr abwechslungsreich, kreativ

Kontra:
flexible Arbeitszeiten, momentan schlechte Chancen am Arbeitsmarkt

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Einstellungschancen:

Aufstiegschancen

Verdienstmöglichkeiten:

Sozialleistungen:


Tina909

Über sich:

Mitglied seit:21.10.2003

Erfahrungsberichte:10

Vertrauende:1

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 47 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich bin Auszubildende zur Fotografin im zweiten Lehrjahr und muss sagen, ich habe es mit meinem Chef goldrichtig erwischt. Das sage ich dazu, da sich manche vielleicht denken mögen, ich hätte nach so kurzer Ausbildungszeit noch nicht genug Erfahrung. Jedoch habe ich das Glück, Einblick in alle Bereiche zu bekommen - also nicht nur das Fotografieren an sich, sondern auch Buchhaltung, Werbemaßnahmen und vieles mehr. Alles was dazu gehört wenn man ein eigenes Geschäft führt.
Aber nun zum eigentlichen Beruf!

AUSBILDUNG

Die Ausbildung zum Fotografen kann man ganz "normal" in einem Betrieb machen. Dort dauert sie im Normalfall 3 Jahre. Bei entsprechender Schulbildung (Abitur) oder besonders guten schulischen und betrieblichen Leistungen kann sich die Lehrzeit jedoch um 1/2 bis 1 Jahr verkürzen. Nach Beendigung der Ausbildung mit erfolgreicher Prüfung ist man Fotografengeselle.
Außerdem gibt es die Möglichkeit, Fotografie zu studieren. Dazu kann ich leider nicht mehr sagen, da ich mich darüber nicht informiert habe.

BERUFSSCHULE

Erwartet euch bitte nicht zu viel davon! In meiner Berufsschule musste ich bis jetzt schon sehr viel einstecken. Es mangelt an Lehkräften (wie überall), an Lehrmitteln und man wird nicht wie ein erwachsener Mensch behandelt. Gelernt habe ich bis jetzt nur bei bestimmten Lehrern etwas, die anderen unterrichten zum Großteil in Fächern für die sie nicht ausgebildet wurden. Alles in allem für mich eine herbe Enttäuschung, die sehr viel Eigeninitiative erfordert. Muss aber natürlich nicht überall so sein.

NACH DER AUSBILDUNG

Früher konnte man sich nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen ohne Meistertitel selbständig machen. Da dieser nun aber nicht mehr unbedingt notwendig ist, hat man schon direkt nach der Ausbildung die Möglichkeit zur Selbständigkeit. Dabei sollte man allerdings beachten, dass man wie in allen Berufen erst einmal genügend Kapital hat, um sich eine Ausrüstung zu kaufen, evtl. Räume anzumieten und auch eine Möglichkeit hat, die Fotos zu entwickeln bzw. entwickeln zu lassen (z. B. durch ein Fremdlabor).
Wenn zur Selbständigkeit das nötige Kleingeld fehlt, muss man versuchen in einem Studio unterzukommen, für die Presse, oder freiberuflich zu arbeiten. Da es in dieser Branche am Arbeitsmarkt sehr schlecht aussieht, ist es empfehlenswert, aussagekräftige Blindbewerbungen zu schreiben. Denn wer schon einmal in Zeitungen geblättert hat, wird feststellen, dass kaum Fotografen per Anzeige gesucht werden. Und auch dann ist es immer noch schwierig, eine Festanstellung zu bekommen.
Außerdem sollte man sich dabei nicht nur auf den derzeitigen Wohnort mit Umgebung konzentrieren, sondern sollte die Arbeitsplatzsuche auf jeden Fall ausweiten und auch zu einem Umzug bereit sein.

GEHALT

In der Ausbildung ist das Gehalt sehr niedrig - ist eben ein "Handwerk". Im ersten Lehrjahr bekommt man brutto = netto € 260, im zweiten € 285 und im dritten € 315 (in Bayern). Vorteil: durch das niedrige Gehalt bekommt man normalerweise noch Kindergeld, auch wenn man über 18 ist. Das kann einem zumindest über die Runden helfen.
Nach der Ausbildung, also als Geselle, ist das Gehalt der Männer meist höher als das der Frauen. Warum, kann ich nicht beantworten. Es liegt bei einer Anstellung im Studio meist nicht besonders hoch, bei ca. € 1000 bis € 1500. Also reich werden kann man davon nicht.
Als Meister bekommt man zwar eigentlich mehr Gehalt, die meisten Studios sind aber nicht in der Lage das zu bezahlen und da es keine zwingende Voraussetzung mehr ist, hilft es auch nicht viel weiter.

ARBEITSZEITEN

Die Arbeitszeiten sind meist schon in der Ausbildung äußerts flexibel. Darum werden Bewerber ab 18 Jahren meist bevorzugt, da sie nicht mehr unter das Jugendarbeitsschutzgesetz fallen. Auch wenn man in einem Geschäft mit Öffnungszeiten arbeitet, muss man damit rechnen, auch mal nach Ladenschluss zu arbeiten (je nach Auftragslage). Auch nachts oder sonntags bedeutet es nicht automatisch frei zu haben. Man muss bestimmte Termine (Feste o. ä.) eben fotografieren wie sie fallen, egal an welchem Wochentag und zu welcher Uhrzeit.

AUFGABEN

Je nach Ausbildungsbetrieb oder Betrieb im Allgemeinen, sind die Aufgaben sehr unterschiedlich aber auch abwechslungsreich. In meinem Betrieb werden Passfotos gemacht, Bewerbungsfotos, Portraitserien, Hochzeitsserien, aber auch Werbeaufnahmen für verschiedene Firmen. Außerdem fotografieren wir Reportagen von verschiedenen Festlichkeiten. Natürlich sind nicht alle dieser Aufgaben spannend und oft auch nervenaufreibend, aber es ist mit Sicherheit abwechslungsreicher als manch anderer Beruf. Die Abwechslung bringt hier aber meiner Meinung nach nicht die Art der Arbeit, sondern eher die Möglichkeit ständig mit anderen Menschen zu arbeiten. Also auch wenn man mal nur Hochzeiten oder Portraits fotografiert, wird es meist nicht langweilig, sondern man muss sich immer wieder auf neue Charaktere und Wünsche einstellen und vorbereiten. Dazu gehört natürlich auch Offenheit gegenüber Fremden, d. h. man sollte möglichst keine Berührungsängste haben und sich schnell auf die jeweilige Person einstellen können, also Spaß am Umgang mit Menschen haben. Durch die flexiblen Arbeitszeiten steht aber auch Belastbarkeit mit an erster Stelle.

ZUKUNFTSAUSSICHTEN

Ehrlich gesagt ist meine größte Angst, nach der Ausbildung keine Arbeit zu finden. Die analoge Fotografie, mit der man noch mehr Geld verdienen konnte, nimmt immer mehr ab. Es geht wie sicherlich jeder weiß mehr in die digitale Richtung. Auch hier ist es möglich gutes Geld zu verdienen, aber meiner Meinung nach nicht mehr wenn man "nur" angestellt ist. Die wenigsten Fotografen sind noch bereit oder in der Lage, angemessene Gehälter zu zahlen. Zwar kann man sich dann immer noch selbständig machen, jedoch ist die Flut an selbständigen Fotografen durch die Abschaffung des Meisterbriefs im Moment relativ groß. Dadurch steigt natürlich der Konkurrenzkampf und der Kampf um die Kunden und den besten Preis.
Das A und O ist in diesem Beruf auf jeden Fall ständige Weiterbildung, da sich alles sehr schnell entwickelt. Ob es sich hierbei um den Bereich Fotografie im Allgemeinen handelt oder um Bilbearbeitung - am Ball bleiben ist die Devise!
Alles in allem sind die Zukunftsaussichten momentan meiner Meinung nach eher schlecht.

FAZIT

Mir macht der Beruf sehr viel Spaß, auch wenn er oft anstrengend und mühselig ist. Jeder, der wirklich mit Leib und Seele fotografiert und dafür auch all die Nachteile in Kauf nimmt, sollte den Beruf erlernen und ausüben. Allerdings muss man sich wirklich darüber im Klaren sein, dass es, so schön es auch klingt, kein Zuckerschlecken ist. Man muss sich wirklich reinhängen, ständig Kontakte knüpfen und präsent sein.
An alle, die eine Ausbildung machen wollen: Bitte seid vorsichtig und versucht erst einmal durch ein Praktikum in den Betrieb reinzuschnuppern. Es gibt leider immer noch viele schwarze Schafe, die einen Lehrling als billige Arbeitskraft missbrauchen und ihn teilweise während der ganzen Ausbildung nicht einmal eine Kamera in der Hand halten lassen. Falls ihr noch Fragen zur Ausbildung habt, beantworte ich diese gerne!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
LittleSteph

LittleSteph

29.11.2009 14:44

hm...ich glaub ich bleib im privatleben gerne hobbiefotograph und überlasse das bezahlte fotographieren den profis...hätte zwar auch bock, das zum beruf zu machen, aber mir ist definitiv das geld zu gering...lg steffi

stefbl

stefbl

10.10.2007 15:01

Würde ich heute noch mal vor der Wahl stehen, mir einen Beruf aussuchen zu müssen - ich glaube, eine Fotografen-Ausbildung wäre ganz vorne mit dabei. Sollte ich eines Tages mal im Lotto gewinnen, werde ich das vielleicht auch nochmal in Erwägung ziehen ... ich stimme dir aber zu, wenn du schreibst, dass die Berufsaussichten nicht die besten sind. Durch die Verbreitung von Digitalkameras wissen immer weniger Leute die Qualität von professionellen Fotos zu schätzen, weil man ja sehr viel einfach selbst machen kann. Wer gibt heute z.B. noch Geld für eine schöne Portraitserie aus, wenn man mit der Digi-Cam zu einem halbwegs brauchbaren Ergebnis kommen kann? Dabei finde ich, dass nichts über schöne Studiobilder geht, ich hatte kürzlich einmal die Gelegenheit, selbst in einem zu fotografieren, das war ein Traum ...

Superlativ

Superlativ

21.06.2006 15:29

Der Bericht war sehr interessant zu lesen. Ich habe selbst Freunde, die diesen Beruf ausüben. Deswegen ist mir die Problematik bekannt. Außerdem bin ich Werbekauffrau und arbeite viel mit Fotografen zusammen. Die Schere zwischen erfolgreich und arm geht da weit auseinander. Entweder man ist sehr erfolgreich, weil man auf einem großen Kunden arbeitet, oder man krakselt nur um. Das<mit den Arbeitszeiten ist mir bestens bekannt :-) Aber: Wenn man mit Leidenschaft in seinem Beruf ist, machen die kleinen und großen Erfolgserlebnisse vieles wett, finde ich. Lieber sowas, als in nem langweiligen Büro nen langweiligen Job machen und um 4 nach Hause gehen. Schöner Bericht. Liebe Grüße Biene

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