Schuldig und dagegen machtlos...

2  26.09.2001 (27.09.2001)

Pro:
nichts

Kontra:
eigentlich alles

Empfehlenswert: Nein 

Joelina

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 57 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo...

Ich habe jetzt ein paar Berichte zu diesem Thema gelesen und versuche nun die Dinge mal aus meiner Sicht zu schildern.

Ich rauche seit meinem 14. Lebensjahr mittlerweile etwa 1 Schachtel am Tag.
Mit 22 Jahren wurde ich ungeplant schwanger, bemerkte es erst im dritten Monat, das heißt, früher wollte ich es wahrscheinlich unterbewußt nicht bemerken...

Also ab zum Frauenartzt und dort habe ich dann ganz offen mit ihm auch über das Thema Rauchen gesprochen.

Er verbot mir regelrecht sofort das Rauchen einzustellen, da die ungeborenen Kinder ab dem 4. Tag nach der Befruchtung bereits nikotinabhängig sind.
Sollte man in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten aprubt aufhören zu rauchen erhöht sich das Risiko einer Fehlgeburt um etwa 40%.

Auch nach diesen 3 Monaten sind die Entzugserscheinungen oft so stark, dass das Kind Schäden davon trägt.

Aber natürlich musste ich aufhören zu rauchen, das war mir klar und so erstellte ich zusammen mit meinem Frauenartzt einen genauen Reduzierungsplan.

Es kostete mich wahnsinnige Überwindung mich daran zu halten, vor allem ab einem Zigarettenkonsum von 5 Stück am Tag.
Bis dahin ging alles ohne Probleme aber ich habe glaub ich insgesamt vielleicht nur 1 Monat keine Zigarette geraucht, dazwischen wurde ich immer wieder rückfällig, rauchte also immer mal wieder ein zwei Zigaretten.

Meist in den Momenten in denen es mir richtig schlecht ging und mich irrationale Ängste befielen, suchte ich in den Zigaretten einen Trost und fand ihn auch.

Eine Schwangerschaft ist nämlich nicht immer so eitler Sonnenschein wie viele Leute denken. Ich für meinen Teil hatte Probleme damit meinen Körper nicht für mich allein zu haben, es gab immer wieder Momente in denen ich am liebsten schreiend weggelaufen wäre weil dieses winzige Wesen in mir die Kontrolle über meinen Körper übernommen hat.

Da brauchte ich sozusagen eine Zigarette als Beweis meiner Durchsetzungskraft, auch wenn sich das jetzt krass anhört.

Hinzu kam noch, dass die Welt um mich zusammenbrach, der Vater des Kindes verließ mich, mein Vater starb und ich verlor auch noch meine Wohnung.

All das ist natürlich kein Grund erst gar nicht mit dem Rauchen aufzuhören, aber es ist der Grund, warum es mir so schwer fiel, denn gerade während der Schwangerschaft ist man oft labil, hat mit sehr vielen Dingen zu kämpfen, nicht zuletzt mit der elementaren Angst vor etwas Neuem und manchmal hat man dann einfach nicht auch noch die Kraft der Sucht zu wiederstehen.

Vorwürfe, wie ich sie nur zu oft zu hören bekam nützen da rein gar nichts, das verschlimmert nur die Ängste und das schlechte Gewissen unter dem wohl jede rauchende Schwangere sowieso leidet, weil keine Mutter ihrem Kind schaden will.

Stattdessen sollte man stützend zur Seite stehen.
Wieviele Männer rauchen vor ihrer schwangeren Frau erwarten aber von ihr, dass sie einfach so aufhört?
Passivrauchen schadet schließlich genauso dem Kind, auch dem ungeborenen, darüberhinaus macht es das Aufhören für die Frau noch viel schwerer.

Natürlich sollte eine Frau bevor sie geplant schwanger wird unbedingt diesem Laster absagen, es ist viel leichter dies mit einem normalen Hormonhaushalt auszuhalten, als in labilem schwangeren Zustand, desweiteren dürfte es theoretisch einfacher sein, von einem auf den anderen Tag der Versuchung zu widerstehen, als in winzigen Schritten, immer den schrecklichen Tag vor Augen, an dem es keine Zigarette mehr gibt.

Uns geht es mittlerweile prima, doch im letzen Schwangerschaftsmonat hatte ich eine Plazentainsuffizienz (das Kind bekommt dann nicht mehr ausreichend Nährstoffe und wächst nicht mehr, nimmt nicht mehr zu oder stirbt sogar ab), die unter anderem durch Rauchen in der Schwangerschaft ausgelöst werden kann.

Weitere Ursachen sind psychische Überbelastung und die Neigung hierzu ist auch erblich.

Bei mir trifft alles drei zu, meine Mutter hatte bei zwei von drei Kindern auch eine Plazentainsuffizienz, obwohl sie nicht geraucht hat.

Ich versuchs grade mit dem Buch "Endlich Nichtraucher", und es klappt irgendwie ganz automatisch, die Einstellung zum Rauchen hat sich bei mir schon gewaltig geändert, aber dafür sollte man sich schon mehr als ein paar Wochen Zeit nehmen, damit es auch wirklich klappt und für das Aufhören während der Schwangerschaft ist dieses Buch auch nicht geeignet, da es auf ein aprubtes Ende hinarbeitet.

Nachtrag:

Es hat für etwas Verwirrung gesorgt, dass ich hier erwähnte das der Vater des Kindes mich verlassen hat, bei meinem Bericht über die PDA aber,dass er bei der Geburt dabei war. Es trifft beides zu, meine Mutter hatte ihn am Tag der Geburt zu einem Besuch ins Krankenhaus geschleppt (ich lag ja schon 4 Tage dort) und er ist dann mit dem gesamten Besuch mit in den Kreissaal getrottet. Soviel zur Aufklärung...

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zwillimum

zwillimum

04.04.2004 03:37

Toller Bericht! Stark, daß Du den Mut aufgebracht hast, darüber zu schreiben. Ich habe auch in beiden Schwangerschaften geraucht. Zwar nicht viel, aber jede einzelne war zuviel. Ich bin froh, daß alle meine drei Kids gesund sind. Jetzt bin ich dabei, Nichtraucher zu werden. Habe seit knapp 3 Wochen keine mehr geraucht und auch fast kein Verlangen mehr. Wie ich das geschafft habe??? ...mit www.rauchfrei.online.de... schau doch mal dort vorbei, das ist echt ein starke Hilfe! *LG Nicole*

TheHeat

TheHeat

26.11.2002 18:43

Ich finde es sehr stark, dass du hier deine Gefühle zum Asudruck bringst Sehr Mutig.... Gruss von TheHeat (..übrigens ich heisse mit wirklichem Vornamen Joel.)

EXCES

EXCES

01.02.2002 00:23

Als meine Freundin (23/raucht seid dem sie 13 ist/mindestens 1 Schachtel pro Tag) von ihrer ungeplanten Schwangerschaft erfuhr, stand für sie sofort fest: Ich höre auf... aber erst nach meinem Geburtstag!!! (der ungefähr 2 Wochen später war) Früher hat sie schon zig male probiert aufzuhören, aber nie geschafft, als wir es dann mal gemeinsam versucht haben, ich habe seid dem keine mehr geraucht, hat sie heimlich wieder angefangen... Jedenfalls hat meine Freundin statt ihrer geplanten 2 Wochen Frist schon nach drei Tagen komplett aufgehört! Ich war und bin sehr stolz auf sie!

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