Erfahrungsbericht über "Framus Spitfire Custom"

veröffentlicht 02.11.2006 | Almstedt
Mitglied seit : 12.07.2004
Erfahrungsberichte : 81
Vertrauende : 1
Über sich :
Sehr gut
Pro Holzqualität, Seymour Duncan Pickups, Sound
Kontra Listenpreis
sehr hilfreich
Klangqualität:
Verarbeitung
Design
Bedienkomfort:
Zuverlässigkeit

"Eine "Super-Strat" aus Deutschland"

Guten Tag allerseits…

Heute möchte ich euch eine meiner Gitarren vorstellen die eher der gehobenen Preisklasse zuzuordnen ist. Der empfohlene Verkaufspreis betrug zum Zeitpunkt als ich die Gitarre erwarb stolze 1875€ (heute bereits über 2000€), für eine moderne und freie Interpretation des Themas "Stratocaster" erscheint das im ersten Moment schon als recht heftig, zumal man zu diesem Preis bereits eine "einfache" Stratocaster aus dem Fender Custom Shop erwerben kann.

Warum also habe ich mir diese Gitarre zugelegt??? Nun, erstens bin ich nicht unbedingt ein Freund von "zerfledderten" und verschrammten Replika-Gitarren, schon gar nicht, wenn die Gitarren schon so aus der Fabrik kommen, und zweitens habe ich bereits eine Fender Stratocaster in meiner Sammlung, mit der ich sehr zufrieden bin.
Wünscht man sich aber trotz aller Zufriedenheit eine modernisierte und optisch/klanglich aufgemotzte Variante der inzwischen gut 50 Jahre alten Strat-Form, wird man bei Fender nicht unbedingt fündig. Hier haben Firmen wie Ibanez und auch Framus inzwischen einen netten Entwicklungssprung vorzuweisen, der für Fender wohl nur schwer zu schließen sein wird.

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Die Kaufentscheidung:
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Seit Jahren schon habe ich die teilweise recht eigenwilligen und spröden Gitarren des deutschen Herstellers FRAMUS auf dem "Speisezettel", insbesondere die "Panthera Studio Custom" hat es mir seit Jahren technisch und optisch angetan und trotzdem habe ich noch keine Panthera gefunden, die mir wirklich zugesagt hätte. Erstens ist diese Gitarre auch recht teuer (knapp 1700€ Listenpreis), zweitens habe ich beim verwendeten Holz (Ovangkol) für den Hals der Gitarre trotz aller klanglichen Meriten ein taktiles Problem (es gibt ihn nur in Natur und nicht vollständig lackiert und gegenüber einem Mahagoni- oder Ahornhals fühlt er sich trotz aller Nachbearbeitung irgendwie "grob" an), und drittens hat man bei Framus trotz aller Fertigungspräzision wohl häufiger Probleme mit den Bundstäbchen, die mir schon häufiger als recht scharfkantig und teilweise über den Hals hinausragend aufgefallen sind. Trotzdem besuche ich seit Jahren keinen Musikladen, ohne eine Framus Gitarre zumindest in die Hand zu nehmen.

Eines Tages war es dann soweit... Am Ende einer meiner Dienstreisen nach Wien kehrte ich in "Österreichs größten Musikladen" ein und dort stand sie dann, eine FRAMUS Spitfire Custom mit in Burgundrot-Sunburst lackierter Wölkchenahorn-Decke ("Quilted Maple").
Das Preisschild unterschritt den empfohlenen Verkaufspreis um gut 25% und meine Begehrlichkeit war schlagartig geweckt (zumal die dort ebenfalls vorhandenen Pantheras, Diablos, etc. teilweise ebenfalls die von mir vorher geschilderten "Problemchen" aufwiesen).
Freundlicherweise durfte ich trotz vorgeschrittener Stunde die Gitarre noch an einen Amp anschließen und antesten und danach war die Entscheidung gefallen, die erste FRAMUS Gitarre bereicherte meine Sammlung.

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FRAMUS Spitfire Custom Quilted Maple:
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Die Spitfire ist eine der Modellreihen von FRAMUS, deren vergleichsweise hoher Preis auf den ersten Blick nicht unbedingt nachvollziehbar ist. Keine Perlmutt-Einlagen, keine umfangreichen Bindings, ein schlichter Ahorn-Hals mit einfachen dunklen Punkt-Holzeinlagen und das für die teuerste Modellreihe???
Beim zweiten Blick fallen dann die Feinheiten auf, insbesondere bei der von mir erstandenen CUSTOM Version: der komplette Hals besteht aus einem Stück sehr gerade und feinzellig gewachsenen Ahorn, das auf Höhe des Sattels auch noch eine Verstärkung aufweist, um diese "Sollbruchstelle" besonders zu verstärken. Die Kopfplatte ist entsprechend nicht angeschäftet und angeleimt und es wurde auch kein separates Griffbrett aufgeleimt. Für diesen Hals ging eine Menge teures Top-Holz drauf! Lediglich der "TrussRod" (der in den Hals eingelassene Stahlstab zur Justage der Halskrümmung) wurde hinter einer rückwärtig angebrachten Blende aus Nussbaumholz "versteckt" - bei Fender nennt man dieses auffällige Merkmal "Skunk-Stripe"... ;o))

Als nächstes fällt die Qualität der Wölkchenahorn-Decke auf: so eine Holzqualität (AAA) und Verarbeitungsqualität ist sonst eigentlich einem teuren Custom-Shop Modell vorbehalten. Dazu kommen hochwertige Locking-Mechaniken, ein trotz aller Unauffälligkeit perfekt arbeitendes Wilkinson-Tremolo, Security-Gurtpins, Original Seymour-Duncan Pickups, und so weiter...
Die Spitfire ist die perfekte Understatement-Gitarre - auf den ersten Blick nicht weiter ins Auge fallend aber bei genauerer Betrachtung einfach umwerfend...

Die Spitfire Modellreihe ist in zwei Varianten erhältlich, einmal als PRO und einmal als CUSTOM Version. Die Unterschiede liegen weniger in der verwendeten Elektronik oder der Verarbeitung, sondern in der Qualität der verwendeten Hölzer und der speziellen Bauart der CUSTOM Version.

Während die PRO mit einem traditionellen Korpus aus massiver amerikanischer Sumpfesche gebaut wird, wird für die CUSTOM speziell selektierte Sumpfesche verwendet, die dann auch noch mit speziellen Tonkammern (TCS System) versehen wird, um Tonansprache und -entfaltung zu verbessern.
Außerdem wird für die Decke der CUSTOM Version ein sogenanntes "Triple-A" ("AAA grade") Ahorn verwendet (wahlweise als Riegelahorn- oder Wölkchenahorndecke ("Quilted Maple"), das besonderen optischen und akustischen Ansprüchen genügt.

Exkurs:
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Viele Musikhölzer werden in 5 Qualitätsstufen einsortiert: beginnend mit einfachem Holz ohne Qualitätseinstufung gibt es mit aufsteigender Qualität "A", "AA" und "AAA" Einstufungen und als meistens unbezahlbare Sahnehaube noch die "Custom stock" Variante, die die Instrumentenbauer egoistischerweise für ihre eigene Verwendung (na ja, meistens heute nicht mehr...) gesondert einlagern und nur auf speziellen Wunsch (und gegen fürstliche Entlohnung) für spezielle Kundengitarren verwenden.
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Ein besonders edles Detail der Custom Version ist das sogenannte "Fake Binding" der Decke, dass seitlich einfach den Naturfarbton des Deckenholzes unter einer Schicht Klarlack präsentiert, anstelle des üblichen (creme-)weißen Kunststoff-Bindings anderer Gitarren. Dies erfordert natürlich eine ungemein präzise und aufwändige Fertigung, damit alles passt und dann auch noch gut aussieht.

Beide Gitarren gibt es in verschiedensten Farb- und Lackvarianten, von Naturfarben bis hin zu aufwändigen Sunburst-HighPolish Veredelungen…

Allen Spitfire Gitarren gemein ist ein in Lizenz von Wilkinson hergestelltes Locking Vibrato, das als besonders pflegeleicht, effizient und stimmstabil gilt und auch klanglich als fette Konkurenz zu Floyd-Rose Tremolos gilt, sowie original Seymour-Duncan Pickups.

Nett ist, dass im Kaufpreis der Gitarre eine ungemein stabile und hochwertige Gitarrentasche mit enthalten ist, ebenso wie das notwendige Werkzeug (diverse Inbusschlüssel) und ein dickes mehrsprachiges, allerdings verblüffend schlecht geschriebenes und wenig informatives Handbuch zur allgemeinen Handhabung der Gitarre… 

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Technische Daten:
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• Korpus aus amerikanischer Sumpfesche mit Tone-Chamber-System (TCS™)
• AAA Riegel- oder Wölkchenahorndecke
• einteiliger Ahornhals mit schwarzen Dots oder Ahornhals mit Palisandergriffbrett und Dot Einlagen, 12" Radius (300 mm)
• Mensur: 25,5" (648 mm)
• originale Seymour Duncan Pickups SSL-1, SSL-1 (RW/RP), STB-4
• Framus Vibrato-System by Wilkinson
• Framus Low Friction Nut (Sattel)
• Framus Locking Mechaniken
• Warwick Security Locks
• verchromte Hardware (alternative Hardwarefarben gegen Aufpreis erhältlich)
• High Polish Finish (Natural, Stain oder Sunburst)
• Holzbinding (nicht bei Natural High Polish)
• inklusive Framus "User Kit" (seit Herbst 2006)
• inklusive "Premium Line" RockBag® für E-Gitarre


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Wer ist FRAMUS?
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"FRAMUS - ein Weltbegriff"

Mit diesem Slogan machte die Bubenreuther Musikinstrumentenfirma in den 1950er Jahren Werbung. Deutsche und internationale Stars wie Peter Kraus, John Lennon oder Bill Wyman verhalfen der Marke zu Weltruhm.
Die Wurzeln von Framus sind in der Musikstadt Schönbach dem heutigen Luby u Chebu im Egerland zu finden. Die Stadt am Fuße des Erzgebirges war geprägt von der Musik. Hier wurden Geigen und viele andere Streich- und Zupfinstrumente produziert und von Schönbach aus in alle Welt exportiert.

Dort, im böhmischen Teil des Musikwinkels, wurde der Firmengründer Fred Wilfer im Jahre 1917 geboren. Als er 1945 von den Vertreibungsplänen der Alliierten hörte, die auch seine sudetendeutsche Heimat betreffen würden, fasste er den Plan, für seine Landsleute und deren Musikinstrumentenindustrie im Westen neue Grundlagen zu schaffen. Noch bevor der erste Vertreibungstransport aus der Tschechoslowakei ins Rollen gekommen war, hatte sich Fred Wilfer mit den verschiedenen staatlichen Stellen in Bayern in Verbindung gesetzt und sein Anliegen vorgetragen. Die bayerische Staatsregierung begrüßte Wilfers Vorhaben und beauftragte ihn damit, die Voraussetzungen für eine Ansiedlung der Schönbacher Geigenbauer in Bayern zu treffen. Weil Fred Wilfer von den tschechoslowakischen Behörden als "Antifaschist" eingestuft worden ist, erteilte ihm die US-Militärregierung in Bayern bereits Ende 1945 die Erlaubnis, ein Unternehmen zu gründen. So wurde am 1. Januar 1946 die "Fränkische Musikinstrumentenerzeugung Fred Wilfer KG" in Erlangen aus der Taufe gehoben, die zur zentralen Anlaufstelle für die aus Schönbach vertriebenen Instrumentenbauer wurde.

Im März 1946 traf dann der erste Transport mit Schönbachern in Erlangen ein. Fred Wilfer bemühte sich zusammen mit dem Flüchtlingskommissar um die Unterkünfte. Eine erste Werkstätte konnte im Herbst 1946 im ehemaligen RAD-Lager in Möhrendorf eingerichtet werden. Ende 1948 verlagerte Wilfer die Produktionsstätten ins nahe gelegene Baiersdorf. Allerdings waren auch dort die Räumlichkeiten in einer ehemaligen Brauerei bald zu beengt. Seit Ende 1949 kristallisierte sich Bubenreuth als Zentrum für die Ansiedlung der Schönbacher Geigenbauer heraus. Im klingenden Dorf errichtete Fred Wilfer daher eins der modernsten Fabrikgebäude der Zeit, in das Framus im Sommer 1954 einziehen konnte. Auf 2200 qm Produktionsfläche konnten von jetzt an 170 Instrumentenmacher an die Erzeugung von 2000 Instrumenten im Monat gehen.

Der Himmel der Schönbacher Geigenbauer in Bubenreuth hing schon bald nicht mehr nur voller Geigen. Die Gitarre und insbesondere ihre elektronische Schwester liefen der unbestrittenen Königin nach der Zahl bald den Rang ab. Die Beatles hatten die Gitarrenproduktion in einen regelrechten Boom versetzt. Angesichts dieser Entwicklung wurde der Bau eines Zweigwerks in Pretzfeld in der Fränkischen Schweiz notwendig. Dadurch avancierte Framus 1966 zur größten Gitarrenfabrik Europas mit über 300 Beschäftigten.


Eines der interessantesten Kapitel der Firmengeschichte ist das Verhältnis von Framus zu seinen Stars. Die älteste und längste Beziehung zwischen Framus und einem herausragenden Musiker war die zu dem damals aus Funk und Fernsehen bekannten Gitarristen Billy Lorento (alias Bill Lawrence). Eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit bahnte sich einige Jahre später mit dem Jazzgitarristen Attila Zoller an. Der dritte im Bunde war das deutsche Rock 'n' Roll Idol Peter Kraus. Für ihn wurde eigens eine leicht erlernbare viersaitige "Peter-Kraus-Schlager-Gitarre" entwickelt.

Die berühmteste Band aller Zeiten sind zweifelsohne die Beatles. Und auch hier gibt es Berührungspunkte mit Framus. John Lennon besaß seit 1965 eine Framus "Hootenanny", auf der auch George Harrison gelegentlich spielte. Paul McCartney begann seine Karriere übrigens auf einer Gitarre der Zenith-Line, die Boosey & Hawkes bei Framus bauen ließ.

Die Zusammenarbeit von Framus mit Bill Wyman von den Stones kam 1964 zustande, als Bill Wyman für ein dreijähriges "endorsement" für den "Framus Star Bass" unter Vertrag genommen wurde. In den Vereinigten Staaten konnten Charlie Mingus und Jim Hall für eine Werbetätigkeit gewonnen werden. Zu guter Letzt sei an dieser Stelle der Niederländer Jan Akkerman hervorgehoben. Das von Framus für ihn entwickelte Signature-Modell entstand 1974.

Ende der 1970er Jahre kam nach dem Konkurs das Aus für die Framus-Werke in Bubenreuth. Ursache war neben innerbetrieblichen und finanziellen Gründen die Konkurrenz aus Japan. Viele Aspekte der Firmengeschichte liegen noch im Dunkeln. Dies hängt aufs engste mit dem Konkurs von Framus Mitte der 1970er Jahre zusammen, denn damals ging leider nahezu das gesamte Firmenarchiv verloren.
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(Quelle: www.framus.de, auszugsweise zitiert).

1992 gründete der Sohn des FRAMUS Gründers Fred Wilfer, Hans Peter Wilfer die Firma WARWICK in Pretzfeld und etabliert sich recht schnell als Hersteller höchstwertiger Bässe. Für den internationalen Durchbruch der Firma gelten zwei Dinge als besonders wichtig: erstens das phänomenale Holz-Verständnis der Firma sowohl was die Auswahl traditioneller Hölzer angeht als auch die Einführung neuer hochwertiger Klanghölzer wie Wenige und später Ovangkol und zweitens die Verwendung modernster CNC-Fertigungstechnologien zur Erzielung einer gleichbleibend hohen Verarbeitungsqualität.
Zusätzlich etablierte sich WARWICK als Distributor für Firmen wie Digiteck, Seymour-Duncan, B.C.Rich, Rocktron und andere. Auch die eigene Produktpalette wurde erweitert um Bassverstärker und Zubehör.
1995 zog WARWICK vom oberfränkischen Pretzfeld ins sächsische Markneukirchen und ließ dort die alte Marke FRAMUS auch wieder neu mitaufleben. Seit 1995 hat FRAMUS nun begonnen, den Gitarrenmarkt mit neuen eigenwilligen und höchst innovativen Modellen zu bereichern.

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Klang:
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Kommen wir jetzt einmal zu den wichtigsten Disziplinen einer Gitarre: wie lässt sie sich spielen und haben und wie klingt sie letztendlich.
Bereits trocken, d.h. ohne Verstärker, angespielt überrascht die Spitfire mit einem überraschend lauten und ausgewogenen Klangbild, an dem sicher auch die Tonkammern im Body ihren Anteil haben. Auch das Sustain und die Entfaltung der Obertöne sind eine Klasse für sich und sprechen Bände über die Qualität der verwendeten Hölzer. Der harte Ahornhals ohne Griffbrettauflage sorgt zusätzlich noch für ein sehr spritziges und direktes Ansprechverhalten. Insgesamt spielt die Spitfire auch akustisch schon mit viel Druck, was angesichts der Konstruktion und der ab Werk aufgezogenen dünnen "Custom-Light" Saiten der Stärke 0,09 bis 0,46 doch schon ein wenig überrascht.

Das eigentliche Metier der Spitfire ist aber natürlich die Arbeit am Verstärker und ich habe inzwischen einiges an Zeit gehabt, die Gitarre an meinem Equipment auf Herz und Nieren zu testen. Hauptsächlich abgehört wurde über einen LANEY LC-15R Vollröhren-Combo (kleiner Kofferverstärker), BOSS GT-PRO, VOX ToneLab SE und Line6 POD xt.
Die letztgenannten Amp-Simulatoren/Multieffekte laufen über eine Terratec EWS88MT in einen YAMAHA Verstärker und von dort weiter an TANNOY Reveal Nahfeldmonitore oder an diverse Kopfhörer (AKG-271 Studio, Sennheiser HD-25, AKG K701, AKG K501, etc.)

Die Seymour-Duncan SSL-1 Vintage Staggered SingleCoil-Pickups in der Halsposition als auch in der Mittenposition (dort allerdings "reverse wired", um Brummprobleme zu eliminieren) verhelfen der Spitfire zu einem ungemein runden, dynamischen und dabei trotzdem eher sanften (samtenen) Ton. Die Pickups sind mit ALNICO V Stabmagneten bestückt und weisen eine moderate Ausgangsleistung auf, was der Gleichstromwiderstand von 6,5kOhm unterstreicht. Vorteil der moderaten Wicklungszahl ist die hohe Resonanzfrequenz von 10kHz und die damit einhergehende beeindruckende Luftigkeit des Tons, eine frappierende Präzision der Obertongestaltung und ausgesprochen plastische Attackphase einzelner Töne, selbst in dichten Arpeggien.
Ob die Isolierung der Anschlußkabel mit Stoff statt PVC (wie in den seligen 50er Jahren) diese Tonqualität mit unterstützt oder ob es sich hier um "ideologische" Details handelt, möchte ich hier lieber nicht spekulieren... ;o))
Trotz der "Vintage" Ausrichtung ist der Tonabnehmer bei weitem nicht so leise wie befürchtet und erlaubt an meinem LANEY auch ohne "Booster" heftige "Overdrive"-Attacken. Insgesamt klingt der SSL-1 sehr rund und glockig, erscheint aber trotz seines warmen Klangbildes keinesfalls dumpf oder höhenschwach, im Gegenteil: für jazzige Sounds muss man schon den Klangregler gehörig herunterfahren.
Faszinierend ist die Fülle an Artikulationsmöglichkeiten, die dieser Pickup wunderbar in Szene setzt. Weich mit dem Daumen angeschlagene Noten entfalten sich majestätisch und lassen sich trotzdem in der Lautstärke präzise definieren, hart mit dem Plektrum angerissene Saiten explodieren perkussiv und lassen sich in ihrem Obertonspektrum beim Ausschwingen trotzdem sensibel modulieren. Bei entsprechend eingestelltem Gain (Vorverstärkungsgrad) am Verstärker ist der Übergang von Clean zu Crunch bis hin zum leichten Overdrive allein mit der Anschlaghand zu bewerkstelligen, was für den Dynamikumfang des Pickup spricht.

Der ebenfalls originale Seymour-Duncan STB-4 in der Steg-Position scheint inzwischen nicht mehr angeboten zu werden, jedenfalls habe ich ihn im aktuellen Seymour-Duncan Katalog nicht mehr finden können. Der STB-4 ist ein splitbarer Humbucker, der speziell für die Verwendung mit Tremolo-bestückten Gitarren angepasst wurde (etwas weiterer Abstand der einzelnen Magnete voneinander). Klanglich und technisch ist der STB-4 an den klassischen SH-4 "Jeff Beck" angelehnt und kommt wie die ursprüngliche Version desselben hier ohne Kappe zum Einsatz.
Der STB-4 ist ein recht "heißer" Tonabnehmer, der mit einem Widerstand von gut 16 kOhm ein recht heißes Pfund in den Verstärker pumpt. Auch wenn die Resonanzfrequenz von 5,5 kHz recht niedrig liegt, heißt das mitnichten, dass der STB-4 ein dumpf klingender Humbucker wäre. Wie vom "Jeff Beck" gewohnt, klingt der STB-4 bei cleanen Verstärker-Einstellungen immer noch angenehm rund und dynamisch um mit zunehmender Amp-Verzerrung das Kriegsbeil auszugraben und mit fetter Kompression, brillanten Obertönen und massivem Sustain beliebige Höhenflüge anzutreten... - ziemlich genial!

Der STB-4 Humbucker lässt sich (natürlich) auch "splitten" (d.h. nur eine Reihe des Doppelspulers ist in Betrieb), was dem Sound noch giftigere Höhen und ein klareres, ausgedünnteres Klangbild beschert. Die Auswahl zwischen Humbucker- und Split-Sound erfolgt einfach über den Push/Pull-Volume-Regler der Spitfire, der nach sanftem Ziehen am Regler satt in der Split-Position einrastet.

Zusammen mit dem 5-Wege-Schalter bietet die Spitfire somit also insgesamt 8 klar unterscheidbare Sounds durch folgende Schaltungen:

Vorne :: --- Halsseitiger SSL-1 alleine
Zwischenraste :: --- Halssseitiger SSL-1 plus mittlerer SSL-1
Mitte :: --- Halsseitiger SSL-1 plus Humbucker
Mitte & Split :: --- Halsseitiger SSL-1 plus gesplitteter STB-4
Zwischenraste :: --- Mittlerer SSL-1 plus Humbucker
Zwischenraste & Split :: --- Mittlerer SSL-1 plus gesplitteter STB-4
Hinten :: --- STB-4 Humbucker
Hinten & Split :: --- gesplitteter STB-4

Die mittlere Position und die hintere Zwischenraste sind laut Homepage von Framus nicht sinnvoll, weil erstens der STB-4 im Humbucker-Betrieb den jeweiligen SSL-1 SingleCoil übertönen würde und zweitens die Gefahr von unerwünschten Nebengeräusch-Einstreuungen bestehen würde.
Nun, erstens wäre damit auch die Solo-Einstellung des vorderen SingleCoil Tonabnehmers nicht zu empfehlen, weil jede einzelne Spule naturgemäß dazu neigt, auf Brummstörungen sensibel zu reagieren und zweitens habe ich auch und gerade mit den nicht empfohlenen Einstellungen klanglich interessante Ergebnisse erzielt.

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Handhabung der Gitarre:
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Meine Spitfire ist mit einem Gewicht von 3,1kg angenehm leicht zu tragen. Der Korpus ist rückwärtig ähnlich komfortabel geformt wie der einer Standard-Stratocaster, nur die Flanken sind (bewusst) nicht so stark verrundet wie die einer Strat (alleine schon, um das wunderschöne Decken-Binding zur Geltung kommen zu lassen).
Die Gitarre bleibt sowohl im sitzen wie auch im stehen gespielt schön in der Balance, die doch recht schweren Locking-Mechaniken führen noch nicht zu einer feststellbaren Kopflastigkeit. Die im Lieferumfang enthaltenen Security-Gurtpins sorgen für einen bombensicheren Sitz des Gurtes - hier reißt eher der Gurt als das die Gefahr bestünde, dass sich die Gitarre vom Gurt löst… ;o))

Der Hals ist ein Gedicht. Er gehört zwar eher zu den etwas "kräftigeren" Gesellen, liegt aber absolut angenehm in der Hand, lässt sich stundenlang ohne Ermüdungserscheinungen spielen. Der Zugang zu den höheren Lagen des mit 22 mittelhohen Bünden versehenen Halses ist deutlich ergonomischer geformt als bei einer Standard-Strat und lädt zu wilden Attacken auf die höchsten Lagen ein und der recht flache Radius (300mm) sorgt für traumhaft einfache Bendings! Die dunklen Markierungspunkte am Hals und im Griffbrett sorgen auch bei "intimer Beleuchtung" für eine problemlose Navigation auf der Gitarre.

Das Wilkinson Tremolo macht seinem Ruf alle Ehre und ist in der Praxis tatsächlich nicht nur erstaunlich stimmstabil, sondern lässt sich bei Bedarf auch recht einfach und zuverlässig stimmen. Auch klanglich lässt sich nicht meckern: das Sustain der Gitarre bleibt erhalten und auch an der Tonentfaltung und dem Einschwingverhalten gibt es wirklich nichts auszusetzen. Verglichen mit dem HighTech-ZR-Tremolo meiner Ibanez Prestige S2170FW Gitarre klingt selbige deutlicher "stumpfer" und weniger lebendig als die Spitfire, die nicht nur spritziger in die Hufe kommt, sondern dem Ton auch dann noch schmeichelt, wenn er sich auf meiner Ibanez S2170 schon längst wieder zur Ruhe begeben hat… Da beim Wilkinson Tremolo auch keine scharfen Kanten in die Hände schneiden, gibt es dafür von mir die Höchstnote. Man sollte die Spielhand nur nicht zu fest auflegen, sonst drückt man das Tremolo schon mal aus der gewünschten Stimmung…

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Fazit:
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Qualität hat seinen Preis - auch wenn der Umkehrschluss leider nicht immer gilt…
Im Falle der Spitfire hat FRAMUS ganze Arbeit geleistet und aus hochwertigsten Hölzern, edlen Zutaten und behutsamen Verbesserungen des Originals einen klanglich und optisch überzeugenden Prototypen einer Strat für's nächste Jahrhundert entwickelt.
Wenn ich überhaupt etwas an der Gitarre auszusetzen finde, dann ist es die Verstellung des Halsstabes, zu dessen Justage der Hals-Tonabnehmer ausgebaut werden muss. Nichts gravierendes, aber für jemanden, der mit der Gitarre "on the road" ist oder gerne mit den Saitenstärken oder Tunings experimentiert sicher auf Dauer nervig.
Eher in den Bereich der kosmetischen "Macken" gehören die unsaubere Lackierung der Fräsungen für die Pickups (da ist sogar das Holz zu sehen!) und die nicht perfekte Saitenführung über die Pickups. Der Hals ist gerade montiert, also bleibt bestenfalls die Vermutung, dass die Pickups nicht perfekt mittig eingeschraubt wurden. Da die Abweichungen aber im zehntel Millimeter Bereich liegen und der Sound auch so großes Kino ist erwähne ich diese "Mängel" der Vollständigkeit halber ohne sie in der Gesamtwertung der Gitarre erschwerend zu berücksichtigen...

Ansonsten kann ich den Jungs bei FRAMUS nur ein großes Lob aussprechen. Ich habe bisher nur wenige Gitarren gespielt, die so danach "lechzten" gespielt zu werden und bei denen man sich wirklich anstrengen muss einen Ton einzustellen, der nicht gut klingt, egal ob die Gitarre an einem edlen Röhrenverstärker, einem kleinen Transistor-Amp oder einem schnöden Amp-Simulator hängt…
Auf Grund des meiner Meinung nach doch recht hohen Preises und der nicht zu 100% perfekten Verarbeitung vergebe ich nur 4 Sterne von 5, diese allerdings mit einem besonders dicken Pluszeichen versehen…

Das war's mal wieder, ihr habt es geschafft. Danke sehr für's lesen und bis bald mal wieder…

© Bernd Almstedt

Community Bewertungen

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • rollingbeaver veröffentlicht 13.09.2007
    prima, gibst dir ja echt Mühe. Gruss Hanno
  • Tomter veröffentlicht 19.02.2007
    So sieht wohl ein perfekter Bericht über eine Gitarre aus.Da gibt es wirklich nihts zu meckern.Danke!
  • Banetharm veröffentlicht 01.02.2007
    du hast dir mal wieder viel Mühe gemacht mit dem Bericht, aber diese Qualität kommt an :D
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Produktdaten : Framus Spitfire Custom

Produktbeschreibung des Herstellers

Haupteigenschaften

Hersteller: Framus

Typ: E-Gitarre

Ciao

Auf Ciao gelistet seit: 02/11/2006