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Die Entscheidung, einmal an einem Austausch mit Frankreich teilzunehmen, habe ich nicht bereut. Deshalb hat es mich dreimal in unser westliches Nachbarland hingezogen. Es besteht nämlich eine Partnerschaft zwischen unserem Landkreis an sich mit einer Schule im ländlichen Raum im Périgord Noir. Dies liegt im Südwesten Frankreichs, von der Umgebung her eher ruhig, ländlich, friedlich und spaßig, wobei ich schon beim Thema wäre. Aber alles von Anfang an...
Entschluss: ----------- Die Entscheidung fiel nicht all zu schwer, wie ich darauf gekommen bin, das weiß ich leider nicht mehr. Es war auf jeden Fall sehr interessant daran teilzunehmen, da viele aus dem Freundeskreis mit dabei waren. Einige Gesichter kannte man bisher noch nicht, doch dazu hatte man auf der (schon sehr langen) Busreise gute Gelegenheiten gehabt, sich zu beschuppern und sich näher kennenzulernen. Als Betreuer hatten wir unseren kommunalen Jugendpfleger Ole dabei und eine Christine, die Französischunterricht gibt und somit bestens gerüstet war, falls Verständigungsprobleme auftauchten. Es war zugleich schön zu beobachten, dass nicht alle Teilnhemer französich sprechen konnte, was aber keine negativen Folgen hatte. Man war vielmehr gefordert, alles mit Händen und Füßen zu erklären. Nach einer Woche "verstand" man es auch so, was die Gastfamilie einem mitteilen möchte. Und so traten ca. 20 mutige deutsche Jugendliche den langen Weg gen Westen an.
Besuch und Gegenbesuch: ----------------------- Die französischen Jugendlichen kannten sich untereinander sehr gut, weil sie aus der einen selben Klasse waren. Das war ein gewisser Vorteil für sie, weshalb es bei diesem Austausch üblich ist, dass unsere französichen Gäste zuerst nach Deutschland kommen. Dabei waren sie von den mitteleuropäischen Gewohnheiten überrascht, sehr neugierig und ließen sich auch darauf ein. Bei meinen drei Teilnahmen hatten wir immer nette Jugendliche, mit denen man viel Gaudi haben konnte. Ich verstand mich prächtig mit ihnen und auch umgekehrt. Wenn man einen Antrag auf Verlobung bekommt, dann will das was heißen (ja, echt!). Der Besuch fand in den Osterferien statt, sodass auch die deutschen Familien Zeit hatten und die Teilnehmer sowieso. Die Unternehmungen reichten von Wandern, Stadtbummel, Eisessen, Disco, alles was man am Nachmittag und Abend so unternehmen kann. Als offizielle Programmpunkte war einmal ein Besuch eines Kontrentrationslagers auf der Tagesordnung mit einer Stadtführung in der bayrischen Landeshauptstadt München (wo ich der einzige Deutsche in der französichen Gruppe war) bis hin zur Besichtigung von sozialen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung mit einem offiziellen Besuch beim Bürgermeister. Auch ein deutsch-französischer Abend gehörte mit zum Programm, wo unsere Gäste Lieder und einzelne Bühnenstücke gekonnt aufführten. Man konnte an diesem Abend auch französische Weine aus der Region kaufen, der Erlös war für einen guten Zweck. Mit Tränen standen alle beim Abschied vor den Glassheiben der Busse, doch es half nichts. *Huuup*, und der Bus startete in den sternklaren Nachthimmel. Diejenigen, die eine innige Beziehung aufgebaut hatten, ließen ihren Emotionen freien Lauf und standen mit wäßrigen Augen da. Alleingelassen! Doch nur für kurze Zeit, denn in den Pfingstferien sollte ja der Gegenbesuch stattfinden.
Hier sind wir auch nun: im Bus - volle Fahrt voraus - nach Frankreich. Vollbepackt mit Bier (da dort auch ein französisch-deutscher Abend mit Bierverkauf für gute Zwecke stattfand), Gebäck, Knabbereien, Kissen zum Schlafen und gut gelaunt ging es dann endlich los. Nach knapp 20 Stunden erreichten wir unser Ziel. Dort angekommen, erst mal raus aus dem stickigen Bus, sich frisch machen und relaxen. Doch nach und nach trödelten die Gastfamilien ein, es fand im Hinterhof der Schule eine kurze Besprechung in zwei Sprachen statt, man verabschiedete sich und suchte sich seine Familie, die meisten wussten wohin, weil man es vorher festgelegt hatte. Ein Wochenende im Herzen Frankreichs, leben wie Gott in Frankreich, das stimmte. Zuhause angekommen wurde dann erst mal abgeladen und schon kam der Hausherr und prieß seinen Aperitif an, den man natürlich nicht ablehnen konnte. Beim Essen musste ich mich schon zusammenreißen, da ich es ehrlich nicht gewohnt war, so hochprozentiges Zeug zu trinken. Allohol natürlich! Man lernte die Familie kennen, die einen am ersten Abend bis zur Disco fuhr und uns in im Morgengrauen um 4.30 auch bereitwillig abholte. Dann ausschlafen und ein gemütliches französisches Frühstück zu sich nehmen.
Erfahrungen: ----------- ...habe ich viele gesammelt. Zuerst einmal ist es sehr von Bedeutung, die langjährigen Erzfeindschaften und die Vorurteile gegenüber dem Nachbarland abzubauen. Dies kann man mit der Jugend machen. Sie soll Erfahrungen sammeln, an einem Austausch teilnehmen, neue Freunde gewinnen, sich verständigen und gleiche Ziele formulieren und dann feststellen, dass Krieg nicht die Lösung für Gewalt ist. Man baut Kontakte mit dem Ausland auf, nie im Leben könnte ich zur Waffe greifen und meine Freunde bekämpfen. So soll der Geist der Freundschaft auch weiterhin weiterleben zwischen den Völkern. Völkerverständigung ist hier das tiefgreifende Schlagwort, das zum Tragen kommt. Doch nicht nur dies ist sehr wichtig: auch der Spaß, der sicherlich bei einer solchen "Veranstaltung" nicht zu kurz kommt, steht im Vordergrund. Zusätzlich kann man seine Sprachkenntnisse, die man sich in der Schule (mühsam!!) erarbeitet hat, in der Praxis umsetzen und erkennen, dass die alltägliche Verständigung eine ganz andere ist. Der Zusammenhalt der Gruppe wird gefördert, man versteht sich, es funkelt in den Augen und man macht Dinge zusammen. Dies ist eine ungemeine Erfahrung, die ich jedem ans Herz legen kann. Wem sich die Gelegenheit bietet, an einem solchen Austausch mitzumachen, der sollte diese Chance ergreifen und sie nutzen.
Ich habe dreimal mitgemacht und es nie bereut, mich hat dieser Austausch geprägt. Ich könnte mir zwar nicht vorstellen, für immer dort zu leben, denn ein richtiger bayrischer Schweinebraten mit Blaukraut (=Rotkohl) und einem Weißbier sind mir immer noch am liebsten.
Und fuer Deine Sprachkenntnisse waren Deine Aufenthalte wahrscheinlich auch sehr vorteilhaft. Mir ging es mir Russisch aehnlich. Im Land lernt man eine Sprache am besten. Einen Gruss aus Moskau, Marlene.
30.09.2006 23:15
Hier geht's nicht um Schüleraustausch, sondern um Aupair, Gasteltern, Kinder etc.
07.04.2002 14:07
Und fuer Deine Sprachkenntnisse waren Deine Aufenthalte wahrscheinlich auch sehr vorteilhaft. Mir ging es mir Russisch aehnlich. Im Land lernt man eine Sprache am besten. Einen Gruss aus Moskau, Marlene.
12.01.2002 19:02
Bei Grün sehe ich immer rot, da kann ich nicht anders, tut mir leid