Frida (DVD)

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Frida (DVD)

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Mexikanische Bilder

5 30. Aug 2006 (31. Aug 2006)

Pro:
Beeindruckender Film über eine starke Persönlichkeit

Kontra:
Fällt mir ja gar nichts ein !

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Action:

Anspruch:

Humor:

Romantik:

Spannung:

mehr


leonardo500

Über sich: "Der Idealist weiß nicht, wohin er geht, ist aber unterwegs." (Carl Sandbourg)

Mitglied seit:24.06.2004

Erfahrungsberichte:56

Vertrauende:75

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 178 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Vor reichlich einem halben Jahr lieh sich meine Tochter einen Film über eine Malerin in unserer städtischen Bibliothek aus: "Frida", ein biographische Darstellung der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo. Ich hatte diese DVD auch schon mehrmals in der Hand gehalten, irgendwie hatte mich die Inhaltsbeschreibung nicht sonderlich beeindruckt.
Während nun Adeline sich diesen Film anschaute, las ich in einem Buch. Allerdings nicht sehr lange, schon die Filmmusik lies mich aufhorchen, und dann zog mich der Streifen immer mehr in seinen Bann.

Zum Film:

Die im Jahre 1907 geborene Tochter des Deutschen Wilhelm Kahlo und der Mexikanerin Mathilde Calderon y Conzaler wächst in Coyoacan in der klösterlich abgeschiedenen Welt Mexikos auf.
Sie besucht das staatliche Colleges Escuela Nacional Preparatoria, als sie den Maler Diego Rivera zum ersten mal sieht, aber auch als sie den tragischen Straßenbahnunfall erleidet, der ihr ganzes Leben beeinflussen soll.
Durch schwerste Verletzungen für lange Zeit ans Bett gefesselt beschäftigt sie sich mit der Malerei. So entstehen Porträts von Freunden und Bekannten, Familienmitgliedern und, nachdem am Betthimmel ein großer Spiegel angebracht wird, eine Vielzahl Selbstbildnisse. Diese wiederum helfen ihr zu einer neuen Identität zu finden.

Kaum wieder auf den Beinen fasst Frida, die unabhängig sein will, einen kühnen Entschluss: Mit Bildern unter dem Arm sucht sie den berühmten Freskenmaler Diego Rivera auf, den sie bereits an ihrer Schule gesehen hatte, um ihn nach seiner Beurteilung ihres Talents zu fragen. Er sagt ihr eine große Karriere voraus und soll Recht behalten. (Im Film drückt er es, nach eingehender Bekanntschaft, so aus: "…Du bist die größere Künstlerin, Frida. Ich male, was ich mit den Augen sehe, du aber malst mit dem Herzen.")

Die zierliche Frida und der mächtige Diego verlieben sich ineinander, spöttisch als Taube und Elefant bezeichnet, was die beiden aber wenig stört. Auch die von vornherein bekannte Untreue ihres Mannes schreckt Frida nicht ab, seinen Heiratsantrag anzunehmen: erwartet sie doch von ihm zumindest Loyalität. Aber selbst dazu ist er nicht in der Lage.

Wie viel Leid kann man ertragen? Medizinisch bedingte Abtreibung ihrer Wunschbabys, ständige Schmerzen, immer wieder neue Operationen…Frida Kahlo war in ihrer Jugend ein Rebell, zu einer starken, unbeugsamen Frau ist sie inzwischen geworden. Zieht mit ihrem Mann 1930 für vier Jahre in die Staaten(beeindruckend, wie das im Film gespielt wird. Durch Collagen wird der Hintergrund dargestellt. New York und San Francisco
Bilder von Frida (DVD)
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Bleistiftskizze des Unfalls
erscheinen dem Zuschauer als Illusion, ebenso Paris, wohin Frida Kahlo auf Grund einer Ausstellung ihrer Bilder in der Galerie Renou und Colle 1939 reist. Durch Sparmaßnamen sind solche Mittel der Filmkunst unumgänglich, für eine Verlagerung der Dreharbeiten in diese Städte hätte das Budget nicht gereicht. Im Grunde tut dieser Trick dem Film aber keinen Abbruch, eher im Gegenteil)

Wieder in Mexiko zieht das Künstlerpaar in ein eigens für sie gebautes, modernes Haus in San Angel, welches jedoch nicht das Blaue Haus (Fridas Elternhaus), ersetzen kann. So kommt man später zu dem Entschluss, im Blauen Haus zu wohnen, während der hochmoderne Glaskasten als Atelier funktioniert.

1937 unterstützten die Riveras den russischen Revolutionär Leo Trotzki, dem sie ein Haus in Coyoacán schenken .Frida flüchtet, angestachelt durch die Untreue ihres Mannes, in verschiedene Affären, nicht nur mit Trotzki, sondern auch mit dem Fotografen Nickolas Muray und der mexikanischen Sängerin Chavela Vargas.


Die Schicksalsschläge ihres Lebens bringen Frida Kahlo nur dazu, immer weiter zu malen. Sie malt sich ihren Kummer von der Seele, ihre surrealistischen Bilder scheinen den Betrachter das Innerste zu zeigen, die Schmerzen werden fast spürbar.
So stellt sie zum Beispiel in einer Bleistiftskizze ihren Unfall dar, oder in der Lithographie : "Frida und die Fehlgeburt" und dem Gemälde "Das fliegend Bett" ihren Schmerz über den Verlußt ihrer Kinder.
In einem Selbstbildnis" Die gebrochene Säule" malt sie sich in einem Stahlkorsett, auf anderen Gemälden erscheint ihre Wirbelsäule als eine Dornenranke.
Und dennoch, Frida ist eine lebenslustige Person, die in allem und jeden das Positive sieht. Von ihrer Lebensfreude und dem Stolz auf ihre Herknft zeugen auch die farbenfrohen, bunten Kleider, die Armreifen und Ketten, die auch ohne Anlass ständig getragen werden .
Sie liebt es zu singen und zu tanzen, sie bringt ihre Gefühle in ihren Bildern zum Ausdruck. Es gelingt ihr, aus dem Leben, was ihr wahrlich nicht nur Angenehmes brachte, etwas Besonderes zu machen.

1953 findet zum ersten Mal eine Einzelausstellung ihrer Gemälde in Mexiko statt, zu der sich die Malerin in ihrem Bett tragen lässt. Ihr Gesundheitszustand hat die Ärzte veranlasst, ihr strengste Bettruhe zu verordnen. Doch Frida wäre nicht sie selbst, wenn sie sich ihre erste Ausstellung im eignen Land entgehen lassen würde. Der Erfolg dieser Ausstellung wird allerdings von ihrem Zustand überschattet.


Am 13.Juli1954 verstirbt Frida Kahlo, eine starke, egozentrische Persönlichkeit, die der Welt wundervolle Gemälde hinterlässt und einen Lebensmut zu Tage legte, der uns allen zu denken geben sollte.

Zur Entstehung:

Die Schauspielerin Salma Hayek, eine Mexikanerin, erfüllte sich mit der Darstellung der Frida Kahlo einen Traum, denn sie war die Heldin ihrer Kindheit.
Eigentlich ist Anfangs nur von einem kleinen Film die Rede, jedoch veränderte dieses Werk nach eigener Aussage ihr Leben oder zumindest die Einstellung dazu.
Am Tag der Premiere war Salma nervös und erst , nachdem sie das Gesamtkunstwerk angeschaut hatte, löste sich die Spannung und machte einer völligen Überwältigung Platz.

Selbst eine leibliche Cousine von Frida Kahlo, die sich bislang jeder Veröffentlichung des Lebens ihrer Verwandten widersetzte und mit gemischten Gefühlen zur Premiere ging, war hinterher so erschüttert, dass sie Salma Hayek spontan die Hand gab und ihr für die Wahrhaftigkeit ihrer Darstellung dankte. Alle sahen in Frida Kahlo nur das traurige Opfer, Salma Hayek hauchte ihr anmutiges Leben ein. Was macht es dann aus, wenn Kritiker ihr mangelnde Ausdrucksstärke vorwerfen. Die Ähnlichkeit Salma Hayeks mit Frida Kahlo ist jedenfalls verblüffend.

Regie:

Mehrere Regisseure versuchten sich an diesen Film, Julie Taymor gelang es, ihn wirklich so zu vollenden, dass er einem Kunstwerk glich. Und zwar eines, dass jeder versteht und jedem zugänglich ist: seltsam schön und berauschend, ähnlich den Bildern der Malerin. Bunt und farbenfroh wie Mexiko, schrill und laut wie das Leben, bedrückend wie die Schicksalsschläge der großen Künstlerin.
Julie Taymor schuf eine visuelle Welt, in der sie mit der Hauptdarstellerin auf einer Wellenlänge lag, lies diesen Film zu einen berauschenden Meisterwerk heranwachsen.
In einem Interviewe erklärt Salma Hayek, dass die Regisseurin eine unglaublich starke Frau voller Emotionen ist, bereit, für das, was ihr wichtig ist, zu kämpfen. Genau das Selbe kann man auch über Frida Kahlo sagen- wahrscheinlich ein Grund, warum Julie Taymor die Richtige für diese Aufgabe war.

Anfangs sieht man im Film, wie ein Bett von Männern aus einem blauen Haus getragen und auf der Ladefläche eines LKW's verstaut wird. Am Himmel des Bettes befindet sich ein Spiegel und im Bett liegt eine Frau. Die Filmmusik klingt tragisch, eine klagende Frauenstimme singt von Verzweiflung und Flammen…Die Kamera fährt immer näher, die Musik wird fröhlicher und die Züge der Frau nehmen jugendliche Gestalt an, und plötzlich wird der Zuschauer mit einem fröhlichen, rennenden jungen Mädchen konfrontiert.

Ich möchte mit der Beschreibung der Anfangsszene die künstlerische Originalität des Gesamtwerks zum Ausdruck bringen, selten habe ich einen Film gesehen, in dem jedem Detail so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Und die Musik:

Durch den Einsatz von Sologitarren im Film wird eine Art Intimität erzeugt, die berührt, und uns interessiert das Geschehen verfolgen lässt. Nichts wird hier dem Zufall überlassen, alles scheint aufeinander abgestimmt zu sein. Die farbenfrohen Bilder, die Musik, die Darsteller: eine enorm sorgfältige Arbeit bei der man aber auch die Begeisterung aller Beteiligten zu spüren bekommt und selbst mitgerissen wird..

So wurde beispielsweise die Szene, in der Frida zum ersten Mal nach ihren Unfall auf eigenen Füssen läuft, von Gitarrenmusik begleitet, die Anfangs vorsichtig und behutsam, dann sich steigernd bis hin zum jubelnden Höhepunkt schwingt, als Frida schreiend vor Freude in den Armen ihrer Eltern liegt.

In einer der erotischsten Szenen legt Frida mit einer Freundin einen feurigen Tango auf das Parkett- gesungen wird ein Lied über Leute, bei denen es heiß her geht, sehr treffend.

Und genauso unterstreicht in allen Szenen des Films die Musik die Darstellung, bringt Stimmung, macht uns Gänsehaut oder lässt uns jubeln, je nach dem.

Der Komponist Elliot Goldenthal setzt auf unterschiedliche Art der Musik, so z.B. auf zeitgenössiche Lieder, gesungen von Lila Down bis hin zur Volksmusik, vertreten von der Musiklegende Chavela Vargas u.a.. So kommt die ganze Palette der wunderbaren mexikanischen Musik zur Geltung.

Aber auch andere künstlerische Mittel werden eingestzt. Den Unfall, bei dem Frida die Beine gebrochen und das Becken zertrümmert wird, wird dem Zuschauer in der Schlusssequenz als eine Art Bild präsentiert, die wirren Träume der erwachenden Schwerverletzten im Krankenhaus durch Marionetten dargestellt.

Ich habe mir diesen Film bereits mehrmals angeschaut, ich konnte immer wieder etwas Neues, Beeindruckendes entdecken und habe mir bereits mehrere Bücher über diese großartige Künstlerin gekauft, natürlich inzwischen auch die DVD, die es für 9,99€ bei Amazon zu kaufen gibt.

Bonusmaterial:

Die Fülle an Bonusmaterial ist überwältigend.Auf der ersten DVD im Anschluss an den Spielfilm findet man u.a. einen Audiokommentar der Regisseurin Julie Taymor und des Komponisten Elliot Goldenthal. Auf der zweiten DVD äußert sich Salma Hayek zur Entstehungsgeschichte des Films. Es wird ein Porträt der Künstlerin Frida Kahlo dargestellt, die Filmmusik erörtert. Eine Fragestunde mit der Regisseurin, ein Interviewe mit der der Hauptdarstellerin und der Musiklegende Chavela Vargas sowie mit Lila Downs fand ich interessant.Aber auch der Kameramann und die Filmausstatter läßt man zu Wort kommen.Zu guter Letzt lernt man auch noch die Originalschauplätze kennen.
Selten, dass ich mir so viel Zeit für die Entstehungsgeschicht und das Drumherum eines Films genommen habe, aber ich habe alles, was irgendwie mit diesem Film und der Malerin zu tun hat, "verschlungen"


Darsteller:

Salma Hayek (Frida Kahlo) Alfred Molina (Diego Rivera) des weiteren: Geoffrey Rush, Ashley Judd, Antonio Banderas, Edward Norton, Valeria Golino, Mia Maestro, Roger Rees, Patricia Reyes Spindola, Saffron Burrowsu.a.

Buch:

Hayden Herrera, Clancy Sigal, Diane Lake, Gregory Nava, Anna Thomas

Produzenten:

Lindsay Flickinger, Sarah Green, Nancy Hardin, salma Hayek, Jay Polstein, Roberto Sneider, Lizz Speed

Preise:

Der Film "Frida" wurde ausgezeichnet mit dem Oscar für die beste Filmmusik sowie dem Oscar für die beste Maske, ausserdem den Golden Globe für die beste Filmmusik.

Sprachauswahl: Deutsch, Englisch, Italienisch

Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte
Italienisch

Laufzeit: 118min

Format:Dolby, PAL, Surround Sound

Bildseitenformat:16:9

FSK:ab 12 Jahre

Studio: Touchstone

Erscheinungstermin: 18.04.2003


Mein persönliches Fazit:

Wer Wert auf ausgezeichnete Unterhaltung legt und wem die Lebensgeschichte der Malerin Frida Kahlo interessiert sollte sich diese DVD kaufen.
Die preisgekrönte Filmmusik verdient ebenso Erwähnung, es gibt den Soundtrack inzwischen auf CD.
Eine Empfehlung von mir für dieses wirklich gut inszenierte Werk der besonderen Art. Anschauen lohnt sich.
 

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Leuchttuermin

Leuchttuermin

03.02.2010 19:10

ich habe in der Schule in Kunst mal wie Frida gearbeitet :)

dohe1958

dohe1958

19.03.2008 18:49

Als ich "Frida" gelesen habe, dachte ich jetzt im ersten Moment an die frühere Abba-Sängerin. Ganz toll beschrieben, aber eher nichts für mich, LG Doris

badenpower60

badenpower60

03.03.2008 12:48

wunderschöne beschrieben und na ja, eigentlich geht es mir ähnlich wie Burki, aber ... ;-) wäre dann allerdings nicht unbedingt ein Film für mich...

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