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Die Taube und der Elefant

5  01.05.2003

Pro:
gute Schauspieler, schöne Musik, Umsetzung der Thematik

Kontra:
zeigt nicht alles, was man über Frida Kahlo wissen möchte

Empfehlenswert: Ja 

Lorin76

Über sich: Bewertet einfach so wie ihr wollt - und wie ihr es für richtig haltet! :-) Bei mir gibt es keine BH-...

Mitglied seit:21.04.2000

Erfahrungsberichte:400

Vertrauende:79

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 94 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Jetzt möchte ich endlich über einen Film berichten, den ich vor ein paar Wochen gesehen habe und der mich begeistert hat: „Frida“, der Film über das Leben der mexikanischen Malerin Frida Kahlo.

Zur Handlung:
Frida Kahlo wird zunächst als rebellisches junges Mädchen voller Lebensfreude gezeigt. Sie entspricht nicht dem Idealbild einer anständigen jungen Frau. Ihr Vater, ein Fotograf, nimmt Fridas wildes Benehmen allerdings mit Humor. Bald kommt es allerdings zu einem tragischen Unfall, der Fridas ganzes Leben verändern wird: Bei einem Busunfall wird Frida von einer Metallstange buchstäblich aufgespießt. Sie überlebt, bleibt aber lange an das Krankenbett gefesselt und leidet ihr Leben lang unter Schmerzen (und muss viele Operationen über sich ergehen lassen).
Allerdings fängt sie auch im Krankenbett aus Langeweile zu malen an und sie hat wirklich Talent. Als sie wieder laufen kann, zeigt sie ein paar ihrer Werke dem wesentlich älteren und bereits sehr berühmten Maler Diego Rivera und der ist wirklich beeindruckt.
Frida wird zur Geliebten von Diego Rivera und ausserdem selbst zur bekannten Künstlerin. Schließlich macht ihr Diego Rivera auch einen Heiratsantrag, den sie auch annimmt. Ihre Mutter ist nicht begeistert von dieser Verbindung, zumal Diego Rivera überzeugter Kommunist und bereits ein geschiedener Mann ist: „Es ist, als ob eine Taube einen Elefanten heiraten würde“. (Und dieser Vergleich hat durchaus etwas für sich, wenn man die zierliche Frida und den großen beleibten Diego zusammen sieht.)
Mit Diego lernt Frida die Welt kennen, u. a. reisen sie in die USA, weil Diego Rivera dort Aufträge hat. Auch Fridas Kunst erregt im Ausland Aufsehen. Die Ehe ist allerdings nicht glücklich, denn Diego betrügt Frida sehr häufig, auch mit ihrer liebsten Schwester. Später entscheidet Diego, dass sie sich scheiden lassen sollen, weil es „das Beste für sie beide“ ist.
Später findet der berühmte Leon Trotzki, zusammen mit seiner Frau, eine Zuflucht bei Frida Kahlo und die beiden haben später auch eine Affäre miteinander...
Doch die Künstlerin hört nie auf, Diego Rivera zu lieben. Als er ihr nochmals einen Heiratsantrag macht, willigt sie noch einmal ein...

Zum Film:
Ich finde, dass er sehr schön und farbenfroh gestaltet wurde. Es ist schön, wie Frida Kahlos Werke im Film zum Leben erwachen. Teilweise wirkt der Film richtig surrealistisch (z.B. wenn Frida Kahlo, durch die amerikanischen Filme dieser Zeit inspiriert, sich Diego als King Kong vorstellt.)
Meiner Meinung nach passt auch die Musik gut zum Film. Ich kann zwar nicht sagen, ob diese Musik dem Stil der mexikanischen Musik der 20er und 30er Jahre entspricht, aber sie passt gut zur Stimmung des Films
Ich halte Salma Hayek für die Idealbesetzung der Frida Kahlo. Das liegt nicht nur an der äusseren Ähnlichkeit der beiden Frauen. Salma Hayek verkörpert gut die Lebenslust, aber auch die Wut und den Schmerz dieser Frau. Sie spielt sehr natürlich und glaubwürdig. Man merkt, dass ihre diese Rolle sehr am Herzen liegt.
Ansonsten waren mir die Schauspieler des Films nicht bekannt. Lediglich „Lupe Marin“ kam mir bekannt vor – aber ich kenne die Schauspielerin nicht dem Namen nach.

Meine Meinung:
Wie gesagt, hat mir der Film sehr gut gefallen. Ich weiß allerdings nicht, ob er Leute begeistern kann, die nichts über das Leben der Künstlerin wissen. Denn immerhin redet Frida im Film ziemlich ordinär daher und trinkt sehr viel. Allerdings scheint das wirklich der Wahrheit zu entsprechen. Ausserdem scheint es ziemlich unglaubwürdig zu sein, dass eine betrogene, junge Ehefrau den untreuen, so viel älteren Ehemann zum zweiten Mal heiratet – aber so ist es wirklich gewesen!
Frida Kahlo wird im Film sehr liebenswert dargestellt. Einerseits trinkfest und wild, allerdings auch sehr mitfühlend gegenüber den Menschen, die ihr etwas bedeuten. Auch ihr Talent wird gut dargestellt (meiner Meinung nach ist ihre Kunst wesentlich interessanter und ungewöhnlicher als die Werke von Diego Rivera). Auch die Bisexualität der Frida Kahlo wird im Film thematisiert. Auch das ist keine Erfindung des Drehbuchautors, sie hatte wirklich auch Affären mit anderen Frauen.
Ich finde den Film sehr ergreifend. Das traurige nimmt allerdings nicht Überhand. Die Lebensfreude überwiegt eindeutig. Zudem gibt es ausgesprochen lustige Szenen, ohne das der Film zur Klamotte wird.

Das einzige, was man dem Film vorwerfen kann ist, dass er wichtige Teile von Frida Kahlos Leben „unterschlägt“. Interessant zu wissen ist nämlich auch, dass Frida als kleines Kind Kinderlähmung hatte und das deshalb ein Bein schon immer ein bisschen verkrüppelt war. (Um kräftiger zu werden, hat Frida als Kind auch Fussball gespielt, was damals für ein Mädchen mehr als ungewöhnlich war.) Ausserdem wird Frida Kahlos eigenes politisches Engagement etwas unter den Teppich gekehrt. Aber in Wirklichkeit ist Frida nicht einfach nach ihrer ersten großen Ausstellung gestorben. Sie hat sich leider bei einer kommunistischen Demonstration (an der sie gegen den Rat ihres Arztes teilgenommen hatte) völlig übernommen. Kurz darauf ist sie an einer Lungenembolie gestorben.

Insgesamt ist es ein wunderbarer Film über eine unkonventionelle und hochbegabte Frau. Ich werde mir diesen Film sicherlich auch als Video kaufen. Besonders gefällt mir ausserdem, dass dieser Film endlich auch eine breitere Masse auf die Kunst Frida Kahlos aufmerksam macht.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Knetix

Knetix

02.06.2003 20:14

Gute Filmkritik, incl. der Hintergrundinformationen. Den Film habe ich auch noch nicht gesehen, lg Günter

w.gruentjens

w.gruentjens

12.05.2003 00:47

Schön, und wenn auch der Film nicht allem gerecht werden kann, so ist er schon sehr wertvoll. Ach, hieß Trotzki wirklich LeoN?

Stepnwolf

Stepnwolf

11.05.2003 01:09

Wie schon an anderer Stelle gesagt: Ab und an kann Kino oder TV auch bilden. Gerade bei Kunstbanausen, wie ich einer bin! ;-) Gruß Stepnwolf

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