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"wie Elefant und Taube..."

5  18.05.2003

Pro:
großes, leidenschaftliches Kino mit künstlerischem Anspruch

Kontra:
nix

Empfehlenswert: Ja 

LadyInWhite

Über sich: Wenn Liebe die Antwort ist, könnten Sie dann bitte die Frage noch einmal formulieren? (Lily Tomlin...

Mitglied seit:14.02.2002

Erfahrungsberichte:30

Vertrauende:9

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 75 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

„Frida Kahlo war Künstlerin, Kämpferin, Liebhaberin, Mexikanerin...sie war umstritten, sie wurde umkämpft, verehrt, geliebt und gehaßt. „Frida“ ist mehr als eine Künstlerbiographie: „Frida“ ist kraftvolles, überwältigendes und leidenschaftliches Kino - eine Ode an die Kunst, die Liebe und das Leben selbst.“

Dieses Zitat von Dirk Jasper stell` ich bewusst als Einleitung voran, weil man nicht besser und kürzer ausdrücken kann, worum es in diesem Film geht und was ihn ausmacht.

Wer war Frida Kahlo?
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Der Film stellt das Leben und den Leidensweg der mexikanischen Malerin Frida Kahlo (1907-1957) dar.
Als Gymnasiastin wird sie bei einem Zusammenstoß eines Omnibus und einer Straßenbahn in Mexiko-Stadt schwer verletzt. Monate ihres Lebens verbringt sie bettlägerig, sucht verzweifelt nach einer Beschäftigung und beginnt zu malen, ihr erstes Werk: ihr rechter Fuß, der nicht eingegipst ist. Monate später schafft sie es, dem Bett zu entkommen und mit einem Spezialkorsett wieder zu laufen. Sie bleibt bei der Malerei und bittet 1928 den berühmten mexikanischen Maler Diego Riviera, ihr Talent zu beurteilen, der von ihren Kunstwerken begeistert ist. 1929 heiraten die beiden: sie, die trotz aller Leiden lebenslustige, gutaussehende, junge, zarte Frau und er, der doppelt so alte und doppelt so schwere, große, exzentrische Mann. Ein ungleiches Paar, eine Hassliebe, die durch die Presse geht. Er bietet einen Seitensprung nach dem anderen, sie steht ihm infolgedessen kaum nach und lebt ihre Affären zu Männern und Frauen, unter anderem mit dem von Stalin verstoßenen Revolutionär Trotzkij, der 1937-39 bei ihnen Unterschlupf findet.
1938 zeigt eine New Yorker Galerie erstmals Bilder von Frida Kahlo, 1939 reist sie nach Paris zu einer Ausstellung und beteiligt sich 1940 an einer Surrealistenausstellung in ihrer Heimatstadt.
1939 lassen sich Frida Kahlo und Diego Rivera scheiden, heiraten aber ein Jahr später zum zweiten Mal.
Während ihres ganzen Lebens leidet Frida Kahlo unter den Folgezuständen des Unfalls, den Schmerzen, dem körperlichen Abbau, hört aber nicht auf, zu malen, ihre Schüler zu unterrichten und auch sich politisch zu engagieren.
1953 hat sie ihre erste eigene Ausstellung in Mexiko-Stadt, trotz des Verbotes ihrer Ärzte nimmt sie daran teil, sie lässt sich auf einer Bahre ins Gebäude tragen.
1954 stirbt sie mit nur 47 Jahren.

Der Film:
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Julie Taymor stellt in ihrem Film das Leben der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo dar. Der Film ist jedoch nicht nur eine Biographie, ein Aufzeichnen der Lebensabschnitte der Künstlerin, sondern es werden die Triebkräfte ausgelotet, die Beweggründe, aus denen heraus Frida Kahlo ihre Werke schuf, das sind in erster Linie ihr körperliches Leiden und ihr Gefühlschaos in der Ehe. Das ist Julia Taymor bestens gelungen, kaum ein anderer Künstlerfilm schafft das in dieser Weise.
Das Faszinierende an diesem Film ist die visuelle Umsetzung der Welt und auch der Werke der Frida Kahlo, mit surrealistischen Szenen hat dieser Film künstlerischen Anspruch. Bei der ersten dieser Szenen, bei dem Busunfall, entstehen die Bilder noch aus realistischen Dingen wie dem Goldstaub, einem Vogel und dem zerbrechenden Glas. Später verwischen die Grenzen zur Realität, z.B. als sie im Krankenhaus aufwacht und sie zunächst groteske Gestalten sieht. Später folgen weitere Visionen, die dann als bewegtes Bild plötzlich verstummen und wie Pappfiguren erscheinen und plötzlich stillstehend einige Werke der Künstlerin darstellen. Darunter finden sich beispielsweise „Die beiden Fridas“, „Das Hochzeitsporträt“, „Da hängt mein Kleid“, oder „Selbstbildnis mit abgeschnittenem Haar“. Gekonnt sind bewegte und starre Bilder miteinander in Einklang gebracht.
Das Gefühlsleben der Künstlerin stellt einen wesentlichen Faktor in diesem Film dar, die Hassliebe zu ihrem Mann, die Eifersucht, das ständige Hoffen auf seine Liebe und Treue, aber auch die Vitalität der körperlich eingeschränkten Künstlerin.

Eine optimale Besetzung der Hauptfigur ist mit der mexikanischen, gut aussehenden Salma Hayek gelungen, sie überzeugt in der Darstellung der Frida Kahlo vom Schulalter bis zu ihrem Tod im Alter von 47 Jahren. Ihr unerschütterlicher Lebensmut, ihre selbstbewusste, fröhliche und energische Art, ihr Charme, ihr Humor stellen die Künstlerin bewundernswert dar. Physische und psychische Krisen gehen unter die Haut.
Auch ihr Mann Diego (Alfred Molina) wird überzeugend dargestellt. Er wirkt neben der zarten Hayek tatsächlich wie ein „...Elefant ...“ neben der „...Taube...“ wie Fridas Mutter es bezeichnet.Aber trotz seiner Affären, seines exzentrischen Auftretens ist er irgendwie liebenswert in seiner Art, er wirkt nicht etwa abstoßend, sondern man kann diese ungleiche, irrationale Liebe nachvollziehen.
In einer Nebenrolle ist Valeria Golino („Lampedusa“) zu sehen als die frustrierte Ex-Frau Diegos. Leider kommt sie in dieser Rolle nur schwer zum Zuge.
Eine Minirolle hat übrigens auch Antonio Banderas übernommen, schon allein deshalb lohnt der Film! ;-)

Untermalt wird der Film von rassiger, leidenschaftlicher und emotionaler mexikanischer Musik (Eliot Goldenthal). Zurecht gab es den Oscar für beste Filmmusik (neben dem Oscar für bestes make up). Und die dazugehörige CD, die übrigens in den deutschen Longplay-Charts zu finden ist, gibt es auch „Frida-music from the motion picture“, die ich allerdings nur empfehlen würde, wenn man den Film bereits gesehen hat.

Fazit:
* * * *
Wer endlich mal wieder großes, leidenschaftliches Kino mit Drama, Romantik, Humor und schöner Musik erleben will, sollte sich diesen Film ansehen. Für einen Hollywood-Film, der natürlich alles bietet, was der Kinogänger sucht, erstaunt der Film durch seinen zusätzlichen künstlerischen Anspruch mit surrealistischen und experimentellen Szenen.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
carmen

carmen

29.04.2005 17:16

Ich kannte Frida Kahlo nur wenig, von dem Film war ich begeistert. grüße und ein schönes Wochenende, carmen

hexefraenzy

hexefraenzy

06.12.2004 19:10

schoener film, schoene schauspieler, schoener bericht...

barcelona2000

barcelona2000

20.06.2004 11:46

---und ein schöner Soundtrack. Hasta luego!

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