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Hallo Zielgruppe!
Richard Nixon gilt ja neben George W. Bush als einer der unbeliebtesten Präsidenten der USA und ist unter skandalumwitterten Umständen nach der berühmt-berüchtigten Watergate-Affäre von seinem Amt zurückgetreten. Im Gegensatz zum Nixon-Film von Oliver Stone widmet sich dieser Film nicht besagter Affäre, sondern einem englischen Talkmaster, von dem Nixon sich drei Jahre später hat interviewen lassen. Warum nun gerade von eben diesem Talkmaster und nicht etwa von irgendwelchen amerikanischen Polit-Journalisten oder von Frank Plasberg, und warum dieses Interview nicht nur deswegen eine echte Sensation war, das versucht dieser Film zu erklären.
### DER INHALT ###
~~~ wie immer zuerst die "MissVega's Wissen to go" - Kurzversion ~~~
1977, drei Jahre nach seinem wegen der Watergate-Affäre mehr oder weniger erzwungenen Rücktritt, will Richard Nixon endlich sein bis dahin eisern durchgehaltenes Schweigen brechen, um auf diese Weise seinen ramponierten Ruf wieder ein wenig aufzupolieren und auch, um sich zu rehabilitieren. Nebenbei hofft Nixon auch, seine Kasse ein wenig auffüllen zu können. Überraschenderweise bekommt der englische Talkmaster David Frost den Zuschlag. Zum einen, weil er am meisten Geld für das Interview geboten hat und zum anderen, weil Nixon die Hoffnung hatte, dass dieser Engländer ihm intellektuell nicht gewachsen sein würde. Umgekehrt erhofft sich Frost damit einen Karriereschubund mehr Anerkennung von seinen Journalistenkollegen. Allerdings tun sich für Frost bei der Vermarktung des Interviews einige unerwartete Hürden auf. Niemand traut ihm zu, dass er Nixon rhetorisch oder intellektuell gewachsen ist. Anfangs läuft das Interview auch wie erwartet und Frost kriegt keine Schnitte gegen Nixon, aber dann nimmt der Verlauf eine überraschende Wendung...
~~~ und nun die "Dr.Ed immer janz discht dran und knallhart recherchiert" - Langversion ~~~
Richard Nixon (David Langella) galt nie als besonders medientauglicher Typ. Trotzdem hat er im Laufe der Jahre gelernt, sich zu inszenieren. Während er noch 1960 beim TV-Duell gegen John F. Kennedy bei der Kandidatur um die US-Präsidentschaft buchstäblich baden ging, weil er vor laufenden Kameras schwitzte, als wäre das Deo noch nicht erfunden worden, gelang es ihm in den folgenden Jahren, das Fernsehen immer mehr für sich zu instrumentalisieren. Nachdem er 1974 im Zuge der Watergate-Affäre von seinem Amt als Präsident zurücktreten musste, sah er drei Jahre später die Zeit gekommen, sein Image aufzupolieren und sich zu rehabilitieren, denn er wollte auf keinen Fall als Präsident in die Geschichtsbücher eingehen, der außer Rechtsbruch und Amtsmissbrauch nichts auf die Reihe gebracht hat. Zur öffentlichen Inszenierung dieses Vorhabens fehlte nur noch der richtige mediale Rahmen und eine entsprechende Aufwandsentschädigung.
Dank des Verhandlungsgeschicks seines Medienagenten Swifty Lazar (Toby Jones) gelang es Nixon, die Honorarhöhe auf 600.000 U.S.-Dollar hochzuschrauben. Aber den amerikanischen Fernseh-Networks und ihren Polit-Journalisten erschien dieser Preis zu hoch. Nur der englische Talkmaster David Frost (Michael Sheen) war bereit, diesen Preis zu bezahlen. Als Medienprofi war er fest davon überzeugt, damit gigantische Einschaltquoten erzielen zu können und den Deal auf diese Weise zu refinanzieren. Allerdings erwies sich die Vermarktung schwieriger als erwartet, da Frost als eher oberflächlichler Playboy galt, der eher seichte Unterhaltungsshows moderiert und knallhartes Nachfragen nicht unbedingt zu seinen Kernkompetenzen zählte. Dagegen galt Nixon als brillanter Rhetoriker und einer der führenden politischen Köpfe seiner Zeit. Warum sollte also ein britischer Talkmaster, der nicht einmal ansatzweise politisch angehaucht war, dieses Interview führen? Aufgrund dieser Vorbehalte gründete Frost kurzerhand seine eigene Produktionsgesellschaft.
So agierte als Produzent sein Freund John Burt (Matthew MacFadyen) und als Rechercheure konnte er den Journalisten Bob Zelnick (Oliver Platt) und den Politwissenschaftler James Reston jr. (Sam Rockwell verpflichten. Das Geld für das Interview kratzte Frost mühsam aus eigener Tasche und geliehen von Freunden zusammen. Für Nixon schien das Ganze ein tadelloser Deal zu werden: Jede Menge Kohle für ein Interview mit einem Typen, den er vermeintlich locker an die Wand reden würde. Entsprechend präpariert von seinem persönlichen Assistenten Jack Brennan (Kevin Bacon) nahm das Gespräch am ersten Tag der auf insgesamt vier Tage anberaumten Session auch den erwarteten Verlauf: Nixon plaudert munter drauflos, erzählt eine banale Anekdote nach der anderen und lässt Frost kaum zu Wort kommen. Frost sieht seine Felle davonschwimmen und selbst Freundin Caroline (Rebecca Hall) kann ihn nicht trösten. Auch der zweite und dritte Tag verlaufen nicht viel besser. Doch als am vierten Tag das Gespräch auf die Watergate-Affäre kommt, nimmt das Ganze auf einmal eine unerwartete Wende...
### MEINE MEINUNG ###
Mit dem Begriff "Watergate" können hierzulande in der Regel nur Leute was anfangen, die vor 1980 geboren wurden. Bei den meisten jüngeren dürfte da auf dem Gesicht eher ein Fragezeichen erscheinen. Aber selbst bei allen anderen dürfte zum Thema Nixon nicht viel mehr als das Stichwort "Watergate" oder allenfalls noch "Rückzug aus Vietnam" einfallen. Sicher war Nixon - genausowenig wie George W. Bush - kein Anwärter auf einen Sympathiepreis, aber intellektuell und rhetorisch war Nixon Bush um Längen voraus. Auch der politische Sachverstand Nixons dürfte dem von Bush weit überlegen gewesen sein. Insofern könnte es das indirekte Verdienst dieses Films sein, dass er ein sehr differenziertes Bild von der durchaus schillernden und zwiespältigen Persönlichkeit Nixons zeichnet.
Das Hauptaugenmerk des Films liegt aber darauf, die Geschichte zu erzählen, wie es dazu kam, dass ein Spezialist für eher seichte Fernsehunterhaltung plötzlich einen auf Politjournalist macht und dann trotz dieser ungewohnten Vorzeichen unerwartet über sich hinauswächst und das Interview seines Lebens führt. Es fängt damit an, dass Frost im Fernsehen mitbekommt, wie Nixon seinen Rücktritt bekannt gibt. Dabei wundert sich Frost, warum das zu einer Tageszeit geschieht, wo im Amerika kaum ein Mensch vorm Fernseher sitzt, nämlich frühmorgens. Daraufhin rumort es in Frost und er will unbedingt ein Interview mit Nixon führen. Aber bis dieser Plan in die Tat umgesetzt werden kann, vergehen drei Jahre. Trotz der genannten Vorbehalte arbeitet Frost verbissen an seinem Plan und geht dafür ein hohes finanzielles Wagnis ein. Selbst seine Freunde sind nicht recht überzeugt vom Gelingen dieses Vorhabens. Und was nicht mal seine engsten Vertrauten zu hoffen wagten, passierte: Rund 45 Millionen Menschen verfolgten gebannt diese Auseinandersetzung am Fernseher.
Aufgezogen ist der Film wie ein Doku-Drama: Es wird die Geschichte vom Zustandekommen dieses Ereignisses erzählt und zwischendurch kommen die einzelnen Beteiligten in Rückblenden zu Wort, um die Ereignisse aus ihrer Sicht zu schildern. Da ist der idealistische Politwissenschaftler, der renommierte Journalist, der gewiefte Produzent und die charmante Freundin, die alle irgendwie Gefallen an der Aktion finden, auch wenn sie nicht so recht vom erfolgreichen Gelingen überzeugt sind. Trotzdem machen sie sich - getreu dem Motto "Du hast keine Chance, also nutze sie" - daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen und schildern anschließend ihre ganz persönliche Sicht der Dinge, die natürlich bei jedem der Beteiligten irgendwie anders aussieht.
Genau darin liegt auch der Reiz und der Unterhaltungswert dieses Films: Er ist nicht deshalb sehenswert, weil er auf einen erwarteten und sich abzeichnenden Showdown hinausläuft, schließlich ist das Ende ja hinlänglich bekannt. Vielmehr zieht der Film seine Spannung und Dramatik daraus, wie die einzelnen Egos miteinander ringen, den psychologischen Vorteil suchen, dem Gegenüber voraus sein und überrumpeln wollen. Man kann die Situation vergleichen mit einem verbalen Boxkampf, ein mentales Kräftemessen, wo es auf Vorbereitung, Taktik und Strategie ankommt, wobei die Härte der Schläge, einige Überraschungsmomente und vielleicht sogar ein lucky punch entscheidend sein können. Dabei kommen dann zum Teil skurrile, zum Teil witzige und zum Teil auch bizarre Charakterzüge der Personen zum Vorschein, so dass es immer wieder Momente gibt, in denen man ins Schmunzeln gerät, weil die Figuren nur allzu menschlich erscheinen. Es ist vor allem ein Verdienst der Hauptdarsteller, dass man die Elektrizität und die Spannung dieses Duells förmlich spüren kann. Beide spielten auch schon in dem gleichnamigen Theaterstück dieselben Rollen und womöglich ist das auch der Grund, warum von den Figuren eine enorme Authenzität und spürbare Präsenz ausgeht.
### FAZIT ###
Auch wenn man nicht unbedingt politik- oder geschichtsinteressiert ist, kann man an dem verbalen Gefecht durchaus sein Vergnügen haben. Insofern kann ich den Film allen empfehlen, die im Kino auch mal einen intellektuell durchaus anspruchsvollen Film sehen wollen, der einem aber nicht gleich wieder aufs Gemüt schlägt, sondern durchaus auch einen gewissen Unterhaltungswert besitzt.
### ABSPANN ###
Spielfilm USA 2008, 122 Min., FSK 6
Regie: Ron Howard
Buch: Peter Morgan
Kamera: Salvatore Totino
Musik: Hans Zimmer
~ David Frost - Michael Sheen
~ Richard Nixon - David Langella
~ Jack Brennan - Kevin Bacon
~ John Burt - Matthew MacFadyen
~ Bob Zelnick - Oliver Platt
~ James Reston jr. - Sam Rockwell
~ Caroline - Rebecca Hall
~ Pat Nixon - Patty Mc Cormack
~ Swifty Lazar - Toby Jones
u.v.a.
| weitere Erfahrungsberichte |
Nixon gegen Frost oder umgekehrt ....
Bewertung für Frost/Nixon von
HEIDIZ
Pro: interessant und gute schauspielerische Leistung
Kontra: nicht immer der Wahrheit entsprechend
Einen Kinofilm möchte ich euch heute vorstellen, den ich mir letzte Woche in Eisenach in meinem Stammkino angesehen habe. Nixon kennt ja wahrscheinlich jeder, er war ein nicht ganz so beliebter US-Präsident, der durch die bekannte Watergate Affäre negat ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
09.05.2009
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Nicht Beckmann, nicht Kerner, sondern Frost
Bewertung für Frost/Nixon von
dvm24
Pro: nettes Interviewduell
Kontra: zu wenig Hintergrundgeschichte
Art des Films: Es handelt sich um einen dokumentarischen Spielfim. Eine ernsthafte Dokumentation ist es nicht. Inhalt: Nach Watergate. Nixon, der Präsident tritt zurück. So beginnt der Film. Doch die Entschuldigung oder auch Rechtfertigung von Ihm fehlt. ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
19.02.2009
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