Fruchtwasseruntersuchung

Fruchtwasseruntersuchung

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Untersuchung des ungeborenen Kindes
Erfahrungsbericht von lorelei911 über Fruchtwasseruntersuchung
22.06.2006


Produktbewertung des Autors:   


Pro: 99%ige Sicherheit, schmerzarme Untersuchungsmethode
Kontra: späte Durchführung, Wartezeit auf Ergebnis

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Einleitung
========
Bei meiner letzten Schwangerschaft war ich immerhin schon 38 Jahre alt. Außerdem hatte ich schon einmal ein Kind bekommen, was schwer behindert auf die Welt gekommen ist und nach 1 1/2 Jahren verstorben ist. Das wollte ich nie wieder erleben.
Ich wollte wenigstens ein bischen Sicherheit haben, denn 100%ige Sicherheit gibt es in einer Schwangerschaft wohl nie.
Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, eine Fruchtwasseruntersuchung durchführen zu lassen. Diese möchte ich euch heute mal etwas näher vorstellen.

Allgemeine Infos zur Fruchtwasseruntersuchung
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Der lateinische Begriff der Fruchtwasseruntersuchung lautet Amniozentese. Vielleicht habt ihr diesen Begriff im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt ja schon mal gehört.
Bei der Amniozentes handelt es sich um eine Methode der Untersuchung des ungeborenen Kindes.
Bei dieser Untersuchung können bestimmte gentische Defekte des Babys oder Mißbildungen erkannt oder ausgeschlossen werden.
Leider können nicht alle genetischen Defekte erkannt werden. Eigentlich ist es sogar nur ein kleiner Teil an Chromosomenstörungen, der diagnostiziert werden kann. Aber dabei handelt es sich eben um die am häufigsten vorkommenden Störungen, wie z. B. Trisomie 21 (im Volksmund Mongolismus genannt) oder Neuralrohrdefekte (Spina bifida).

Wann wird die Amniozentese durchgeführt?
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Diese Fruchtwasseruntersuchung wird im Allgemeinen zwischen der 15. und 16. Schwangerschaftswoche durchgeführt.
Das ist leider ein großer Nachteil zu anderen Untersuchungen, wie z. B. der Chorionzottenbiopsie, die wesentlich früher durchgeführt werden kann.
Wenn irgendwelche Störungen beim Kind festgestellt werden, kann und muß die Frau selbst entscheiden, wie es dann weitergeht.
Falls man sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden sollte, dann muß dieser eingeleitet und durchgeführt werden wie eine normale Geburt. Das sollte sich jede Frau im Vorfeld gut überlegen. Ca. In der 18. Schwangerschaftswoche bekommt man dann das Ergebnis aus dieser Untersuchung mitgeteilt, und dann ist es leider für einen Schwangerschaftsabbruch, von dem man durch die Narkose nichts mitbekommen würde (Absaugmethode), zu spät.
Dennoch hätte auch ich mich für die Beendigung der Schwangerschaft entschieden, wenn schwerwiegende Behinderungen beim Kind festgestellt worden wären. Da ich schon eine große Familie habe und weiß, wie schwer das Leben mit einem behinderten Kind ist, war diese Entscheidung im Krankheitsfalle ganz klar.
Deswegen habe ich diese Untersuchung auch durchführen lassen. Aber auch wenn eine kleine Behinderung festgestellt worden wäre, bei der mir ein Schwangerschaftsabbruch nie in den Sinn gekommen wäre, finde ich es besser, wenn man sich darauf einstellen kann und somit ein bischen Zeit hat, sich daran zu gewöhnen.

Für wen eignet sich die Fruchtwasseruntersuchung?
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Für alle Schwangere, die älter als 35 Jahre sind, eignet sich diese Methode besonders - und ab diesem Alter wird die Untersuchung auch von der Krankenkasse übernommen.
Da das Risiko mit steigendem Alter steigt, ein behindertes Kind zu bekommen, würde ich es jeder Schwangeren empfehlen, diese Untersuchung durchführen zu lassen, die Gewissheit über den Gesundheitszustand des Kindes haben möchte.
Natürlich gibt es auch Frauen, die niemals abtreiben würden. An deren Stelle würde ich diese Untersuchung nicht machen lassen, da sie unnötig ist und immer ein gewisses Risiko bedeutet.

Wenn ein genetischer Defekt bei den Eltern oder Verwandten der Schwangeren vorliegt, würde sich diese Untersuchung auch anbieten.

Wenn man bereits, wie in meinem Falle, ein Kind mit schweren genetischen Störungen oder Stoffwechselkrankheiten geboren hat, ist die Amniozentese eine gute Möglichkeit, um bei diesem Kind diese Störungen ausschließen zu können.

Weiterhin würde sich diese Untersuchungsmethode für diejenigen Schwangeren anbieten, die durch eine Ultraschalluntersuchung verunsichert sind. Meist gibt eine Ultraschalluntersuchung Hinweise auf Entwicklungsstörungen, die dann durch die Amniozentese abgeklärt werden können.

Ab der 30. Schwangerschaftswoche kann eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt werden, um beispielsweise die Lungenfunktionsreife des Babys festzustellen oder um eine Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind ausschließen zu können.

Durchführung der Fruchtwasseruntersuchung
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Gleich am Anfang möchte ich euch mitteilen, daß die Amniozentese keine 100%ige Sicherheit gewährleistet. Sie wird ungefähr mit 99% Sicherheit angegeben. Bei Neuralrohrdefekten bietet sie sogar nur eine Sicherheit von 90%.
Doch wie wird sie nun durchgeführt?
Ich hatte große Angst davor. Einmal vor den Schmerzen, denn ich wußte, daß mir mit einer Nadel in die Bauchdecke gestochen wird. Andererseits hatte ich Angst, daß das Kind von der Nadel getroffen werden könnte und davon Behinderungen davontragen würde. Und zu guter Letzt gibt es noch einen kleinen Prozentsatz (2%) an Frauen, die durch diese Untersuchung ihr Kind verloren haben.
Ich kannte all die Risiken und dennoch wollte ich diese Untersuchung durchführen lassen.
Ich bekam also in der 16. Schwangerschaftswoche einen Termin in der Uniklinik. Ich habe mir extra eine Uniklinik ausgesucht, da diese Untersuchungen da täglich durchgeführt werden und die Ärzte große Erfahrungen mit dieser Methode haben. Deshalb habe ich einen langen Weg in Kauf genommen.
Natürlich muß man vor Behandlungsbeginn einen Zettel mit den jeweiligen Komplikationsangaben und eventuellen Nebenwirkungen lesen und unterschreiben. Bei der Amniozentese ist in der Regel eine Narkose nicht erforderlich, da die Schmerzen erträglich sein sollen. Da ich aber große Angst vor Spritzen habe - und diese Nadel ist besonders groß - habe ich mich für eine örtliche Betäubung entschieden.
Dann macht der Arzt einen großen und ausführlichen Ultraschall. Auch während der Fruchtwasseruntersuchung wird dieser Ultraschall weiterhin durchgeführt, denn man möchte das Kind ja nicht verletzen.
Von der Nadel habe ich letztenendes nichts gespürt. Ich habe mich auch mit Frauen unterhalten, die diese Untersuchung ohne Betäubung durchgestanden haben. Alle sagten mir, daß eine Blutentnahme schmerzhafter wäre.
Ich habe nur ein leichtes Druckgefühl wahrgenommen.
Die Untersuchung dauerte nicht länger als 10 Minuten.
Danach mußte ich aber noch eine Stunde liegenbleiben. Dort wurde ich überwacht, daß keine Nebenwirkungen auftreten.
Als alles überstanden war, konnte mich mein Mann wieder nach Hause fahren. An dem Tag habe ich mich ausgeruht und nichts weiter gemacht, um kein unnötiges Risiko einzugehen.
Aber gut ging es mir dennoch.

Was wird gemacht bei der Untersuchung
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Durch eine permanente Ultraschalluntersuchung kann der Arzt die Lage des Kindes und die Lage der Gebärmutter und des Mutterkuchens feststellen.
An einer ausgewählten Stelle sticht der Arzt die Nadel durch die Bauchdecke und weiter in die Fruchtblase ein.
Aus der Fruchtblase saugt der Arzt ca. 20 ml Fruchtwasser ab. Diese Probe wird anschließend in einem Labor untersucht. Dort werden die Zellen, die sich in der Probe befinden, weiter gezüchtet und vermehrt. Diese Zellen sind abgestoßene Zellen z. B. der Haut des Kindes.
Und dann beginnt eigentlich die schlimmste Zeit - das Warten.
In diesen 2 Wochen konnte ich mich über meine Schwangerschaft überhaupt nicht freuen. Ich wollte erst das Ergebnis wissen. Sicherlich hat mein Kind im Bauch meine Abweisung auch gespürt, aber ich konnte einfach nicht anders. Es hätte sonst zu weh getan, wenn hinterher mit dem Baby irgendwas nicht gestimmt hätte.
Da ist die Chorionzottenbiopsie eindeutig im Vorteil, weil man das Ergebnis innerhalb von 24 Stunden erhält und weil diese Untersuchungsmethode stellenweise schon ab der 8. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird. Danach ist ein Abbruch kein Problem. Aber das Risiko, das Kind zu verlieren ist doppelt so hoch wie bei der Amniozentese. Deshalb habe ich mich lieber für die Fruchtwaseruntersuchung entschieden.
Wie froh war ich, als ich das Ergebnis mitgeteilt bekommen habe. Es war alles in Ordnung. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich mich erst über mein Kind so richtig freuen. Und positiver Nebeneffkt war, daß ich genau wußte, es wird ein Mädchen. Das kann nämlich bei dieser Untersuchung mit festgestellt werden.

Fazit
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Für jede Frau, die gern Gewissheit haben möchte, daß das Kind gesund ist, empfiehlt sich diese Untersuchungsmethode. Natürlich kann während der Schwangerschaft und der Geburt auch einiges schief gehen. Dennoch weiß ich, daß ich, seit ich das Ergebnis wußte, viel befreiter und glücklicher die Schwangerschaft erleben und genießen konnte.
Es gibt bei dieser Untersuchung natürlich immer ein kleines Risiko und ob ich mir noch mal diesen Stress antun würde bei erneuter Schwangerschaft, glaube ich kaum. Ich war aber sehr beruhigt - und das die ganze Schwangerschaft hindurch.
Schade ist, daß erst so spät diese Untersuchung vorgenommen werden kann. Ich hätte das Kind bei einem Abbruch normal gebären müssen, was ich ganz schrecklich finde und mir so richtig gar nicht vorstellen kann. Dennoch war ich über die Gewissheit nach Ergebnisbekanntgabe sehr erleichtert.
Ich ziehe bei meiner Bewertung einen Stern ab für all die Nachteile - z. B. spät in der Schwangerschaft erst möglich, risikoreiche Untersuchung, Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht bei einer Frau, die noch nicht 35 Jahre alt ist.
Dennoch empfehle ich euch die Untersuchung, weil ich persönlich mit der Gewissheit am besten leben kann.


Vielen Dank für eure zahlreichen Lesungen, Bewertungen und Kommentare. Seid ganz lieb gegrüßt von Anett   
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