Krieg ist das allerletzte!!
24.04.2002
Pro:
brutal, genial und ehrlich
Kontra:
nichts
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 bboeck
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:577
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 154 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Liebe Leserinnen, lieber Leser, heute mal ein Bericht über einen der besten Antikriegsfilme aller Zeiten. Das Thema des Vietnamkrieges beschäftigte schon viele Regisseure. Leider gibt es auch viel filmischen Müll bei den ganzen Werken. Allerdings auch einige herausragende Produktionen. Zu einer von diesen gehört ganz sicher „Full Metal Jacket“, den uns Stanley Kubrick im Jahre 1987 präsentierte.
Zum Inhalt: Der Krieg in Vietnam ist bereits in vollem Gange, da kommt eine Gruppe neuer Rekruten ins Ausbildungscamp. Ihr Ausbilder wird Sergeant Hartmann (gespielt von Lee Ermey). Und er ist einer der härtesten Ausbilder die man sich vorstellen kann. Insbesondere auf Joker (gespielt von Matthew Modine) und Pyle (gespielt von Vincent D'Onofrio) hat er es abgesehen. Die anderen Rekruten, Eightball (gespielt von Dorian Harewood), Animal Mother (gespielt von Adam Baldwin) und Rafterman (gespielt von Kevyn Major Howard) werden zwar auch drangsaliert, kommen aber problemloser durch die Strapazen. Während Joker, der eigentlich mehr der Literatur als dem Krieg gegenüber aufgeschlossen ist, den Schikanen letztendlich auch standhalten kann, gelingt Pyle dieses nicht.
Zum Abschluss der Ausbildung erliegt er den grausamen Behandlungen des Sergeants. Doch auch für diesen bedeutet das sein Ende. Zuerst erschießt Pyle ihn, dann sich selbst. Mit dieser dramtischen Szene endet auch der Teil der Ausbildung innerhalb des Filmes. Der Rest der Gruppe wird nach Vietnam geschickt. Doch keiner von ihnen ist nach dieser Ausbildung noch der Mensch der er vorher war. In Vietnam schliesslich hat Joker einen Job als Berichterstatter bekommen. Insgesamt ist die gesamte Gruppe auf verschiedene Gegenden verteilt worden. Doch auch Joker hat nicht nur Glück mit seinem Job, er lernt die Greuel des Krieges kennen und wird sehr zynisch in seiner Berichterstattung. Dieser Zynismus führt ihn dann schliesslich direkt an die Frontlinie. Dort trifft er dann auch Cowby wieder. Das ganze esakliert dann in einer Straßenschlacht in der Stadt Hue-City. Die gesamte Gruppe liegt unter dem Beschuss eines Scharfschützen. Nachdem dieser nun schon mehrere Personen ausgeschaltet hat muss auch Joker letztendlich zur Waffe greifen und seine hehren Grundsätze endgültig über Bord werfen. Krieg ist Krieg und im Krieg wird getötet. Da hilft einem Soldaten auch keine Bildung.
Mehr gibt es nicht, hier endet die Inhaltsangabe. Meine Meinung:
Ein wirkliches Meisterwerk im Bereich des Antikriegsfilmes. Die Aufteilung in praktisch zwei Segmente, zum einen die Ausbildung, und dann den Kampfeinsatz ist Kubrick hervorragend gelungen. Insbesondere im ersten drittel des Filmes wird man mit den unmenschlichen Methoden der Ausbildung vertraut gemacht. Die Männer werden nicht ausgebildet. Die Männer werden gebrochen, erst dann beginnt die eigentliche Ausbildung. Alle entwickeln sich zu unglaublichen Kampfmaschinen. Und sie sind nur noch von dem Wunsch beseelt sind endlich in den Krieg ziehen zu können. Einzig und allein Joker behält noch ein wenig von seinem wachen Geist. Doch auch der geht dann spätestens in Vietnam kaputt. Besonders tragisch ist die Darstellung des Pyle, zwar hält er die Ausbildung noch gerade eben durch doch dann zerbricht er vollkommen. Seine letzte Handlung ist dann auch die reine Tat eines Menschen der wirklich keinen anderen Ausweg mehr sieht. Die Darstellung des Krieges in Vietnam wird mit absoluter Härte gezeigt, hier wird nichts beschönigt, es gibt auch kein Heldentum, wie es ja bei vielen anderen Filmen vorkommt. Der Krieg ist dreckig und das soll der Zuschauer auch sehen, ob es ihm gefällt oder nicht. Gebrochene Männer in einem Land in dem sie eigentlich nichts verloren haben. Und die meisten werden sterben, allerdings keinen heroischen Tod, sondern grausam, erbärmlich und schreiend. Kubrick hat es wirklich verstanden wie man ein solches Szenario glaubhaft und Ernst herüberbringt. Und er hat auch ganz bewusst auf große Stars verzichtet. Zwar kennt man Matthew Modine und auch Vincent D'Onofrio sowie Adam Baldwin sind keine No-Bodys. Allerdings zählten sie 1987 zu den eher unbekannten Schauspielern. Besonders hervorheben möchte ich allerdings nur 2 Personen. Da wäre zum einen Lee Ermy, er spielt den Drillsergeant mit einer solchen Intensität und Glaubwürdigkeit das einem Angst und Bange werden kann. Auch wenn seine Sprüche teilweise lustig anmuten so sind sie bitterer Ernst. Er muss zwar so handeln um die Jungs auf den Krieg vorzubereiten, doch seine eigentliche Menschlichkeit hat er schon lange verloren, hervorragende schauspielerische Leistung.
Und dann natürlich Vincent D'Onofrio, ich mag diesen Schauspieler eigentlich nicht, doch was er hier im ersten Drittel des Filmes an Leistung bietet ist einfach nur als grandios zu bezeichnen. Seine Verzweiflung und seine Ängste, einfach alles passt hier perfekt und ist mehr als glaubwürdig. Applaus von mir für so viel Talent. Mein Fazit:
Wer Filme dieses Genres mag und nicht allzu zart besaitet ist, der kommt an „Full Metal Jacket“ nicht vorbei. Ein schonungsloser und kalter Film. Der Verlust der Menschlichkeit ist denn auch die Hauptintention von Kubrick gewesen, so jedenfalls meine Meinung. Unbeding ansehen, es lohnt sich. Anmerkung für Cineasten: Keine der Szenen wurde an Originalschauplätzen gedreht.
Es gibt diesen Film sowohl auf Video und auch auf DVD. Ich spreche eine Empfehlung aus und vergebe alle 5 Sterne.
Vielen Dank fürs Lesen. Wer Tippfehler findet darf sich damit ne Full-Metal-Jacket nachbauen.
Respect all Colours.
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04.06.2002 18:08
tatsächlich war lee ermey malausbilder bei der army; kein wunder also, dass er die rolle so perfekt hinbekommen hat. gruß ingo
06.05.2002 16:48
man kann sich wirklich nur vor herrn kubrick verneigen , er war ein wirkliche rmiester seines faches und mit diesem film hat er meiner meinung nach ein wichtiges antikriegsfilm kapitel geschrieben - besonders die toillettenszene im ersten teil des filmes ging mir an die nieren , cu tobberich
30.04.2002 21:39
Guter Bericht. Der Film war wirklich nur geil. Hättest noch schreiben können das Pyle sich und den Ausbilder mit der Munition Full Metal Jacket erschossen hat. Gruss Diablo