Full Metal Jacket (USA 1987)

Erfahrungsbericht über

Full Metal Jacket (USA 1987)

Gesamtbewertung (116): Gesamtbewertung Full Metal Jacket (USA 1987)

 

Alle Full Metal Jacket (USA 1987) Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


 


Entspricht nicht meinen Vorstellungen von einem (Anti-)Kriegsfilm

2  12.06.2011

Pro:
Schauspielleistung einiger Darsteller

Kontra:
fehlende Spannung, Unstimmigkeiten

Empfehlenswert: Nein 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


hisbrightsky

Über sich: Ich schreibe auch für Yopi, Dooyoo und Amazon.

Mitglied seit:02.10.2010

Erfahrungsberichte:39

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 31 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wie es zum Anschauen kam:
Ich bin ja immer noch auf der Kriegsfilm-Welle (etwa ein halbes Dutzend Streifen erwartet mich noch in dieser Kategorie, dann werde ich bei den Blockbustern á la Inception und Co. weiterschreiben), deshalb habe ich nun auch Full Metal Jacket angeschaut, von dem ich mir aufgrund eines IMDb-Scores von 8.4 und eines Metascores von 78 eigentlich recht viel erwartet hatte. Leider hat er mich enttäuscht und stellte die erste große Abweichung meiner Meinung von der von Tausenden anderen Rezensenten dar. Warum das so ist, möchte ich auf den folgenden Seiten näher erläutern.

Geschichtlicher Hintergrund und Authentizität:
Sicherlich kennt man ihn noch von den Worten der Eltern oder aus dem Geschichtsunterricht: der Vietnamkrieg, ein ungemütliches Scharmützel, dass mitten im Kalten Krieg stattfand und Millionen von Soldatenleben und Verletzen forderte.
Die Macher des Films haben die Kämpfer selbstverständlich mit Waffen ausgestattet, die damals verwendet wurden - allerdings fehlten dann doch einige, die zu dieser Zeit durchaus ebenfalls verwendet wurden, etwa das M14, das M40 und das M1.

Inhalt:
Der Film ist in zwei große, durch den Hauptcharakter verbundene Parts aufgeteilt.
Zum einen der erste Teil; in diesem kann der Zuschauer das Training von zukünftigen Marines auf Parris Island beobachten, bei dem ein Drill Instructor die Männer auf sehr strenge Art und Weise auf den Vietnam-Krieg vorbereitet. Einer von den Rekruten, im Film als Private Pyle bekannt, leistet sich viele Aussetzer und wird entsprechend oft hart bestraft und gedemütigt. Als die Rekruten dann in Squads aufgeteilt werden, wird Pyle Private Joker als Squad Leader zugewiesen. Dieser ist die Hauptfigur und unternimmt viele Versuche, Pyle zu helfen, von denen manche sogar helfen und Pyles Position und Ehre langsam wieder festigen. Doch Pyle leistet sich weitere Ausrutscher und ist ganz klar nicht bereit für so einen Krieg, bis ein beklemmendes Ereignis seine ganze Persönlichkeit ändert und zu einem tragischen Ende des ersten Teils und Gewissensbissen bei dem Hauptcharakter Private Joker führt.
Dann gibt es noch den zweiten, längeren Teil; in diesem treffen die Rekruten, die am Ende des ersten Teils zu echten Marines erklärt wurden, in Vietnam ein. Der Zuschauer sieht allerdings lange nichts von den Gefechten und kann nur hilflos dem Hauptcharakter Private Joker beim Langweilen (er ist Kriegsjournalist) zusehen, bis in einer Nacht das Camp der Marines bedroht wird und ein kurzer Schusswechsel stattfindet. Später wird Private Joker dann zusammen mit seinem “Kollegen” Rafterman entsprechend seinem Beruf zu den normalen Squads geschickt, die gerade in Vietnam die Aufklärung von Gebieten voranringen (oder so ähnlich, absolut verstanden habe ich diesen Punkt leider nicht). Dort lässt der erste vom Zuschauer beobachtete Tod auf Seiten der Marines dann auch nicht lange auf sich warten und mehrere folgen in den Minuten danach, weil sich ein Scharfschütze an einer opimalen Position verschanzt hat und die Männer einen nach dem anderen ausschaltet. Die Überlebenden schaffen es dennoch, ihn zu finden, und erleben eine böse Überraschung (die eigentlich keine ist und in diesem Krieg relativ alltäglich war), welche in einer beklemmenden Szene resultiert und mehr oder weniger den Film abschließt.

Stil:
Kubrick, der Regisseur des Films, beleuchtet vor allem die Vorbereitungen der Rekruten sehr detailliert und zeigt z.B. mit dem Haareschneiden am Anfang sehr deutlich, wie die Persönlichkeit der meisten in diesen Wochen oder Monaten verloren geht und vom stumpfen Tötungswahn ersetzt wird, den der Drill Instructor erreichen will. Feuergefechte kommen in dem Film nur spärlich vor, erst nach über eineinhalb Stunden zerfetzen die ersten Kugeln den Körper eines Marines. Generell baut der Film nur sehr selten Spannung auf und hält sie nicht lange aufrecht, jedenfalls war das mein persönlicher Eindruck.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die ungenügende Darstellung der vietnamesischen Kultur und des Landes an sich. Sicherlich hat das mit der Einstellung der Soldaten zu tun, die ja auch alle “Born to Kill” sind und z.B. einen toten Vietnamesen ins Camp mitnehmen, aber Kubrick hätte vielleicht dennoch versuchen können, etwas mehr von Vietnam zu zeigen und es ein wenig respektvoller darzustellen.

Schauspieler:
Ich weiß nicht, in wie weit die Sprüche des Drill Instructors vorgegeben waren aber R. Lee Emfrey macht seine Sache in dieser Rolle sehr gut, immerhin hat er auch eine militärische Vergangenheit und kannte seit dieser wohl noch viele Sprüche. Wie dem auch sei, er kommt sehr authentisch und beizeiten sogar durchaus komisch rüber, das eine oder andere Schmunzeln konnte ich mir bei seinen Tiraden nicht verkneifen.
Die anderen Schauspieler haben mich nicht wirklich begeistert, mal abgesehen von Adam Baldwin, der den aufs ziellose Töten beschränkten Soldaten Animal Mother spielt und ebenfalls sehr authentisch erscheint.

Logik:
Hier gibt es gleich mehrere Punkte, deshalb habe ich eine stichwortartige Aufzählung verwendet:
- Private Pyle läuft in heruntergelassenen Hosen herum und lutscht am Daumen
- die Marines schießen auf alles Mögliche, obwohl ihnen keine Schüsse entgegen kommen
- beim Überfall des Camps explodiert ein Fahrzeug der Vietnamesen beim ersten ziellosen Schuss eines Marines - mit einem normalen Sturmgewehr, wohlgemerkt.
- es gibt mehrmals den Grafikfehler, dass eine Flamme mitten im Bild oder auch direkt in einer soliden Wand tänzelt, nämlich (in meiner Fassung) bei 01:26:33, 01:39:20 und 01:40:20
- der Slow-Motion-Effekt bei den Schüssen des Scharfschützen wird jedes Mal verwendet und nutzt sich dementsprechend schnell ab. Zwei bis drei Mal wären absolut genug gewesen
- ein Marine stirbt ohne jegliche Wunden, und dieser Tod wird nicht einmal aufgeklärt
- die Waffe, die der Scharfschütze benutzt, ist kein dediziertes Scharfschützengewehr, sondern eine AK-47, die in der Realität trotz allem Können nur selten auf diese Entfernung so zuverlässig ihr Ziel trifft

Fazit:
Zwar scheine ich mit dieser Meinung weitestgehend allein dazustehen, aber Full Metal Jacket bietet mir nicht genug Spannung und Kampfszenen und stört auch noch mit einer massiven Anzahl von Logikfehlern und Unstimmigkeiten. Es tut mir leid, aber ich kann in diesem Film keinen gelungenen Klassiker sehen und vergebe deshalb nur zwei Sterne.

gesehene Fassung: Englisch, ungeschnitten.
Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
bojorix

bojorix

13.06.2011 10:08

Gleich zu Beginn: Ich bin anderer Meinung, daraus resultiert die "Abwertung" aber nicht. Mir sind die Gründe, die Du für Deine Kritik heranziehst, jedenfalls zu schlicht, da geht es um Details, die zum einen mit dem Alter des Streifens zusammenhängen oder zum anderen auf Nebenpfade wie Debatten um Waffen und ihre Reichweiten führen. Was nicht wirklich rauskommt, ist m.E. der Charakter des Antikriegsfilms, also der krasse Gegensatz zwischen dem Drill, dem Brechen und Kriegsfähigmachen junger Menschen (dazu verlierst Du kaum ein analytisches Wort) - und als Kontrast dazu das Fallen in vietnamiesische Realität insbesondere im Umfeld der Tet-Offensive, mit Kriegsverbrechen, Massengräbern und Gefechten ohne echten Gegnerkontakt in Mondlandschaften. Selbst bei der Beschreibung solcher Szenen (und Vietnam ist in breiten Teilen der amerikanischen Bevölkerung, von Veteranen mal abgesehen, 1987 immer noch relativ romantisch gelesen worden) bleibst Du dann zu vage und bei Floskeln wie "welche in einer beklemmenden Szene resultiert und mehr oder weniger den Film abschließt", das finde ich verbesserungsbedürftig.

hemdchen2

hemdchen2

12.06.2011 12:23

Der Film ist schon mächtig alt. Die neueren sind auch besser, aber wenn man bedenkt wie alt der Film auch schon ist, war es für die Zeit schon sehr gut aufgemacht

Donline

Donline

12.06.2011 09:51

FMJ gehört zu meinen favorisierten Filmen zum Thema Antikriegsfilm. Deine Sichtweise ist aber auch sehr interessant. Du bemängelst, dass Kubrick nicht mehr von Vietnam gezeigt oder es respektvoller dargestellt hat. Dazu muss man immer bedenken, dass es ein amerikanischer Film ist und in dem hat es schon immer eine große Portion Patriotismus gegeben. Ein gesellschaftsfähiges Vietnam hat in so einem Film, aus Sicht vieler Amerikaner, keinen Platz.

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Verwandte Angebote
Burton Full Metal Jacket : Bitters Full Metal Jacket (DVD) Full Metal Jacket (DVD)
Burton Full Metal Jacket : Bitters Full Metal Jacket ​(DVD) Full Metal Jacket ​(DVD)
hot-zone.tv Buch. de thalia.de
€ 161,00 *

Händler kann Preis
erhöht haben

€ 9,99 *

Händler kann Preis
erhöht haben

€ 9,99 *

Händler kann Preis
erhöht haben

Versandkosten: 4
mehr
Versandkosten: 3,00
mehr
Versandkosten: 3,00
mehr
 zum Shop  zum Shop  zum Shop
hot-​zone.​tv Buch.​ de thalia.​de
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 211 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (97%):
  1. duderally
  2. jaros
  3. Paula680
und weiteren 27 Mitgliedern

"hilfreich" von (3%):
  1. bojorix

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.
Verwandte Tags für Full Metal Jacket (USA 1987)