Macht für jeden? Macht nichts? Doch doch......

5  18.03.2005

Pro:
Info - Börse, nette Kommentare,

Kontra:
Unmenschlichkeit

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Spaß

Benutzerfreundlichkeit

Wichtigkeit für Ciao:

mehr


bjlghs

Über sich: Frühling lässt sein blaues Band wieder .....Lest doch mal bei meinen Vertrauten, was es Neues gibt. ...

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Mir der Gefahr bewusst, einigen vielleicht deutlich zu nahe zu treten, möchte ich als „noch fast Neuling“ ein bisschen zum Miteinander auf dieser so vielschichtigen, interessanten und meinungsmachenden Plattform Stellung nehmen. Vielleicht gelingt es ja, ein bisschen Nachdenken zu schaffen zu diesem Thema. Ich denke, Veränderung braucht seine Zeit, aber Anstoß zum Nachdenken darüber ist immer eine Frage von heute.

Was findet statt?

Jeder Mensch möchte bestimmen! Über sich. Na klar. Und über andere! Hmm, na ja nicht jeder wird jetzt sofort Ja sagen. Aber so von links und rechts betrachtet ist da wohl schon was dran., werden sich die meisten denken. Nun, machen wir uns nichts vor. Annähernd jeder Mensch neigt dazu, anderen sagen zu wollen, wo es lang geht.
Immer gibt es in Gruppen von Menschen (Familie, Beruf, Sportverein, Partei, Feuerwehr, THW, Kaninchenzüchter-Verein und ähnliche Konstellationen, Nudistenclub, Auto-Fan-Club, Campergemeinschaft, Gewerkschaft, Bauernverband, Hausfrauen-Club),in denen Menschen ein bisschen gleicher sein wollen, als all die anderen Gleichen. Und immer gibt es Menschen, die ein deutlich widerständlerisch aufpoppendes Gefühl haben, wenn jemand anderes zu ihnen meint: macht mal!

Und wenn es nicht zum direkt wirkenden Bestimmen über andere Menschen langt (keiner hört auf mich - die machen sowieso alles so, wie sie es wollen – niemand fragt mich nach meiner Meinung – ob ich was sage, oder peng.. ) dann sucht jeder Mensch Möglichkeiten, seine Vorstellungen vom Leben allgemein, vom Zusammenleben mit Mensch und Tier, von den materiellen Dingen des täglichen Lebens, von den Ereignissen in der Welt und von den unerklärlichen Vorgängen auf diesem, unserem Planeten, in irgend einer Form an andere heranzutragen, nur zu spiegeln (worin auch immer) und im für die Mitmenschen schwierigsten Fall auch praktisch umzusetzen. Niemand ist also vor den Führungskünsten seiner Mitmenschen sicher, ganz gleich in welchem der oben genannten Bereiche.

Und es gibt viele Menschen, die haben zwar zu allem und jedem eine gelegentlich auch eigene Meinung, aber sie möchten die nicht unbedingt öffentlich und ihnen zuordbar verlauten lassen. Und wenn dann sich nicht öffentlich outen müssen mit einer Meinung und ein bisschen Macht über andere ausüben zusammen erlebt werden kann, dann trifft dass bei ganz vielen Menschen auf äußerst offene Ohren. Und wo wird den betroffenen Menschen die gesuchte, vermeintlich schützende Anonymität und die Chance auf ein bisschen Machtgehabe besser gegeben, als auf virtuellen Bühnen, wie dem Internet allgemein und zum Beispiel Verbraucher-Plattformen im Speziellen.

Wo findet es statt?

Und da wären wir also. Ciao als Basis für machtorientierte und darin optional eingeschränkte Menschen, die anderen sagen wollen (oder vielleicht sollen), wo es längst geht? Das Prinzip ist simpel. Mächtige Menschen (hier die Gründer der Plattform) geben allen Menschen, also den Usern/innen, die es wollen, die Möglichkeit, sich schriftlich und gelegentlich auch über Fotos darzustellen, ihre Kenntnisse und Meinungen zu projizieren. Und sie geben mit der vorgegebenen Systematik ihrer Plattform anderen Menschen die Chance, höchst kompetent oder auch mit etwas weniger davon die literarischen Ergüsse anderer Menschen zu beurteilen, sie zu bewerten, anderen zu sagen, was sie dabei alles falsch gemacht haben, wie man es besser machen sollte und (durch die berühmte Blume) wie mangelhaft der Autor oder die Autorin eigentlich ist.

Und das alles aus einer meist sehr anonymen Position heraus, die Sicherheit vor manifester Reaktion bietet. Der eine sagt, in Regensburg vor der Kiste zu sitzen, die andere behauptet, aus Bielefeld zu stammen. Beide Angaben müssen ja nicht stimmen. Und wenn dann jemand einen Bericht, (Lebens-)Erfahrungsbericht oder auch nur seine vermeintlich fachlich begründete Meinung in die virtuelle Öffentlichkeit leuchten läßt, ist ja auch nicht nachweisbar, wem die so gewichtigen Informationen tatsächlich zu verdanken sind. Was ist erlebt, was von anderen gehört, was gelesen und als erlebt verkauft und was geklaut? Die Plattform ist nur Träger, die diversen Wahrheiten werden durch die User/Innen geschaffen. Oder nicht?

Nun wird jeder sofort aufschreien, dass das ja wohl so nicht sei, und dass man das virtuelle Dasein auf so einer Plattform nicht so stark reduzieren kann und dass man selbstverständlich nur auf dieser Plattform angemeldet ist, weil man hier Informationen aus erster Hand bekommen möchte (hi,hi), weil man hier gemachte, so wichtige Lebenserfahrungen an den Mann und an die Frau bringen kann, damit sie der Nachwelt auch erhalten bleiben (boah) , dass man aus Spaß an der Kommunikation ( was das ist, definiert jeder anders und so liest es sich dann auch) mit anderen, vermeintlich Gleichgesinnten beteiligt ist und dass man natürlich keine Macht ausüben will, sondern fair und fördernd seine gewiefte Meinung vertreten möchte. Ganz zum Wohle der virtuellen Gemeinschaft und stets im Sinne der Sache.

Was läuft tatsächlich ab?

Natürlich haben alle Empörten jetzt ein ganz klein wenig recht. Da geht es mir nicht anders. Ich möchte Informationen haben zu ganz bestimmten Dingen des Lebens, ich erwarte Meinungen, die sich von den meinen unterscheiden, damit ich erkenne, dass es auch noch andere Sichtweisen gibt, außer der meinen, ich bewerte andere, die mit mehr oder immer wieder auch weniger Mühe verfasste Artikel ins Ciao-Netz stellen, und ich schreibe Kommentare in der Hoffnung, dem Bewerteten entweder durch meine ganz persönliche Bestätigung zu erfreuen, oder ihm (oder sie) zu sagen, wie ein Artikel bei anderen, also auch bei mir, vielleicht noch besser ankommen würde.

Ist das schon Macht ausüben? Bestimmen wir nicht mit unseren Bewertungen den Wert einer Arbeit, die Kompetenz eines/r Users/in, zu eben diesem Thema eine Meinung zu vertreten? Machen wir nicht den anderen ein „ganz klein“ bisschen nieder, wenn wir ihm ein Thema verfehlt ins „Gebetbuch“ schreiben, weil die Kategorie nicht stimmt, ohne den Inhalt des Artikels zu bewerten? Ist dass nicht auch höchst persönlich, wenn wir anderen bescheinigen, dass sie inkompetent und fehlerhaft sind, weil sie unserer Meinung nach wichtige Dinge nicht oder angeblich falsch gesagt haben? Sagen wir nicht anderen, dass sie von den Dingen, zu denen sie sich gerade geäußert haben, keine Ahnung haben und sich eigentlich dazu keine Meinung erlauben dürften? Sagen wir nicht auch damit, dass wir meinen, zum gewählten Thema kompetenter und besser informiert zu sein? Sicher von allem ein bisschen! Oder?

Wenn ich immer wieder die verbal oft höchst unangemessenen Kommentar-Schlachten zwischen einzelnen Ciao-Mitgliedern verfolge, dann kann ich die oben gestellten Fragen nur mit ja beantworten. Da beschimpfen sich Menschen, die meist persönlich nie zusammen gekommen sind, in übelster Art und Weise, da werden Allgemein-Plätze in der Rubrik „über mich“ veröffentlicht, um allen Lesern dieser Rubrik zu sagen, dass ein anderer User nicht ganz dicht ist, da wird einem Neuling ein „nicht hilfreich“ verpasst, weil der versäumt hat, Absätze in seinen natürlich zu kurzen und zu komprimierten Text einzubauen. Da gibt es User/innen, die genau in einem solchen Fall jovial kommentieren, so wollen es mal ausnahmsweise bei einem „hilfreich“ belassen, weil jemand neu ist, obwohl sein Text eigentlich Müll sei. Ist das nicht Macht ausüben? Was denn dann?

Da werden Cups ausgetragen, wo mit Artikeln vermeintlich besonderer Qualität gegeneinander angetreten wird, die dann wiederum von einer möglichst großen Anzahl sogenannter Vertrauter zu Gunsten des Vertrauten bewertet werden, um diesen siegen zu lassen. Und um den Kontrahenten schon mal ein wenig an den Pranger zu stellen, wird in der eigenen Rubrik „über mich“ (welch eine sinnige Kategorie) schon mal ein bisschen gegen den virtuellen Gegner polemisiert (na ja, vielleicht stammt sein Text ja nicht komplett von ihm). Und wieder ist es ein Stückchen Macht, dass einem die eigene „Anhängerschaft“ verleiht. Oder?

Da ist die Rede von Rachebewertungen, die man bekommt, wenn man selbst nicht so gut bewertet hat, wie andere meinen, dass es der Fall sein müßte. Ist das normal? Alle, die jetzt ja sagen, berufen sich wahrscheinlich auf die Bibel, wo ja sinngemäß geschrieben steht: Auge und Auge, Zahn um Zahn. Wer ein Nein formuliert, sollte einmal seine eigene Verhaltensweise in solchen Fällen überprüfen. Ich habe mich selbst dabei ertappt, gelegentlich, wie ich meine leichtfertig, ein „weniger hilfreich“ zu verpassen, weil ein Text nicht so formuliert ist, wie ich es gemacht hätte. Muss denn meine Vorstellung auch für alle anderen richtig sein? Nein, ganz klar nein.

Ich meine............

Ich bin dazu übergegangen, im Zweifelsfall eher ein bisschen besser zu bewerten und gegebenenfalls eine klar als Hilfe ausgewiesene Meinung zu formulieren (natürlich nicht bei jedem Fall, denn das kostet natürlich auch viel Zeit und Mühe und ich bin immer wieder auch ein bisschen faul). Ich verfälsche schließlich das Ciao-Gesamtergebnis zu einem Artikel nur dann mit so einer Verhaltensweise, wenn ich auch inhaltlich mangelhafte Artikel besser bewerten würde, was ich nicht tue.

Ich meine, dass der Umgang miteinander gerade auch bei einer so großen Plattform einfach ein bisschen höflicher und netter ablaufen sollte. Ich bemühe mich jedenfalls und habe schon ganz viele nette Reaktionen erfahren

Ich meine, dass auch 500.000 „points“ und 285 Vertraute auf der virtuellen Uhr absolut nicht dazu berechtigen, sich für kompetenter und besser zu halten, als all die vielen Neuen, die anders schreiben und sich darstellen, als es vielleicht bis heute üblicherweise der Fall war und ist. (Hätten alle Menschen so gedacht, würden viele noch heute auf den Bäumen sitzen)

Ich meine, dass es viel mehr Stammtische in den einzelnen Regierungsbezirken der Republik geben sollte, denn das persönliche Kennen nötigt nach meinen Erfahrungen immer auch ein wenig mehr Vorsicht und Respekt ab in der Bewertung dessen, was andere auf die Plattform bringen.

Ich meine, dass man mit seinen persönlichen Machtmitteln (Bewertung und Kommentar), die die Gründer von Ciao jedem User in die Hand geben, maßvoll und mit menschlichem Augenmaß umgehen sollte (im Zweifelsfalle für den Angeklagten)

Ich meine aber auch, dass man Usern, die die gedachten Spielregeln zur persönlichen Beschädigung anderer nutzen, das virtuelle Handwerk legen müßte, in dem die Wächter der Plattform eingreifen und letztlich ausschließen.

Ich meine, wenn User wegen ihrer anderen Ausfassungen zu Abläufen auf der Plattform oder zur Handhabung von Instrumenten (wie z.B. Kommentaren) von einer Gruppe von anderen Usern solange gemobbt werden, bis sie, persönlich diffamiert und sicher auch gekränkt, die Plattform verlassen, dann ist das dumpfes, ignorantes, menschenunwürdiges Machtgehabe und für so eine freiwillige Meinungsbörse absolut fehlt am Platze.

Ich meine, Ciao, von dem viele behaupten, dass es ein Teil ihres Lebens sei, kann nur dann auch langfristig in erträglicher Form bestehen, wenn die Umgangsformen derart gestaltet bleiben, dass jeder nicht nur seine Meinung sagen kann, sondern diese auch von den anderen so stehen gelassen wird, auch wenn sie nicht mit der eigenen übereinstimmt. Leben und leben lassen sollte für alle User/Innen oberstes Gebot sein und wenn schon nicht im alltäglichen realen Leben, dann zumindest als Übplattform hier bei Ciao.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Meinung stehen lassen heißt nicht, sie auch für sich zu akzeptieren, sie nicht zu kommentieren und nicht die eigene andere Meinung dagegen zu stellen. Es kommt dabei nicht darauf an, dass, sondern wie. Aus Frankreich stammt das Sprichwort : es ist der Ton, der die Musik macht (c’est le t.....). Dem ist heute und hier nichts hinzuzufügen.

Um keinen falschen Eindruck zu vermitteln: Ich fühle mich hier und heute wohl auf dieser Plattform, ich habe schon eine ganze Reihe netter Mitglieder virtuell und persönlich kennengelernt, was sicher meinen persönlichen Horizont durchaus erweitert hat, ich schreibe gern und freue mich über viele oft sachlich fundierte und oder auch einfach nette Kommentare. Aber ich habe eben leider in meiner kurzen Zeit bei Ciao auch viele kritische Punkte mitbekommen, die man sich einfach immer wieder einmal bewusst machen sollte.

Mit einer freundlichen Empfehlung von
bjlghs

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
colorfulgreen

colorfulgreen

25.02.2012 15:09

Ich finde, man sollte ciao aber auch nicht überschätzen. Es ist halt so, dass es viel Zeit kostet und auch interessant ist, aber irgendwie hab ich den Eindruck, dass sich viele schon viel zu viel damit beschäftigen. Wer das nicht tut, wird durch wenige Klicks usw. bestraft. Bisschen seltsam, aber so isses halt.

schor4711

schor4711

16.12.2005 00:59

einfach spitzen Bericht !!! Vor allem für die neuen :-))

fabilanger

fabilanger

10.09.2005 14:56

Ich mache jetzt von meiner mir von Ciao verliehenen Macht gebrauch und erdreiste mich dir für deinen literarischen Erguss ein sehr hilfreich zu erteilen! ;) Schöne Einleitung, hat Spaß gemacht zu lesen! LG fabi

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