Kaum ein Thema wird bei Ciao so heftig diskutiert, wie die Bewertung von Berichten. Weil ich schon etwas länger dabei bin, möchte ich nicht einfach meinen Senf dazu abgeben. Vielmehr gebe ich Ansichten und Meinungen weiter, die ich schon mehrfach so oder ähnlich von Mitgliedern gehört oder gelesen habe. Daraus leite ich Richtlinien ab, an denen ich mich bei meinen Bewertungen orientiere.
Die technische Funktion
****************************
Diese ist leicht zu finden. Man liest den Bericht ganz durch. Dann sieht man unten am Ende viereckige Buttons (Druckknöpfe) auf denen die Bewertungen draufstehen. Je nachdem, wie das Urteil ausfällt, kann man einen davon mit der Maus anklicken. Zwei weitere Funktionen kommen hinzu:
Sobald man ein b.h. oder ein n.h. oder eine stark abweichende Bewertung gegeben hat, öffnet sich ein Fenster und man muß einen Pflichtkommentar schreiben. Damit sollen ungerechte Bewertungen vermieden werden. Das funktioniert aber nur relativ. Ein Mitglied hat mal aus Pflicht "no comment" geschrieben.
Ein Hinweis für Anfänger. Bewertungen werden üblicherweise abgekürzt. Der Buchstabe "h." steht für "hilfreich".
Anhand der Bewertungen werden die Berichte nach Nützlichkeit sortiert. Wenn alle einheitlich bewerten würden, dann müßte in jeder Kategorie der beste Bericht ganz oben stehen. Das wünscht sich der Leser, der sich zum Kauf eines Produktes informieren will. Wenn das so einfach wäre, dann müßte man nur einen Bericht lesen und könnte sofort entscheiden, ob man das Produkt kaufen möchte oder auch nicht.
Hier setzt die Diskussion ein. Es gibt Autoren, welche die Bewertung sehr persönlich nehmen und es stehen Beziehungen auf dem Spiel. Da stellt sich auch noch die Frage, ob man bei Ciao Freunde oder Feinde haben möchte.
Da möchte ich zwei weitere Möglichkeiten erwähnen.
Gar nicht bewerten
***********************
Das kenne ich von einigen Mitgliedern und ich mache es manchmal auch so. Dabei möchte ich zwei Fälle unterscheiden.
Fall 1: Ich bin mir fast sicher, daß ich ein bestimmtes Produkt kaufen werde. Ein Beispiel war einmal das Handy. Ich brauchte es einfach. Eigentlich will ich nur noch wissen, ob es irgendwelche Einwände gibt. Dann schaue ich auf die Anzahl der Sterne. Wenn es weniger als fünf Sterne sind, dann lese ich das Kontra und überfliege vielleicht mal den Bericht. Auf der Grundlage darf man keinesfalls bewerten. Darum geht es auch nicht. Zu dem Zeitpunkt will ich ein Handy kaufen und nichts weiter.
Fall 2: Ich will wissen, wie die Kategorie definiert ist. Das gilt auch für diesen Bericht. Bevor ich angefangen habe, zu schreiben, habe ich mal ein paar Berichte überflogen und darauf geachtet, ob vielleicht jemand das Thema verfehlt hat. Hier habe ich noch nicht bewertet. Das könnte ich mir zu einem späteren Zeitpunkt überlegen.
Also, um Ciao sinnvoll nutzen zu können, muß man sich in einigen Situationen auf die Schnelle informieren. Niemand ist zur Bewertung verpflichtet. Es geht auch ohne. Davon merkt der Autor überhaupt nichts.
Die Statistik
***************
Es gibt hier Spezialisten, die in die Statistik eines anderen schauen, um zu sehen, wie dieses Mitglied bewertet.
Auf einem Stammtisch hat mich mal jemand darauf angesprochen und gemeint, daß 90% gute Bewertungen zuviel seien. Ich müßte öfters mal schlecht bewerten, um meinen Schnitt zu senken. Das habe ich versucht und es ist mir gelungen, die guten Bewertungen von 90% auf 80% zu drücken.
Diese Erfahrung war für mich recht frustrierend. Erstens: die schlechten Berichte muß man suchen. Zweitens: es macht keinen Spaß, schlechte Berichte zu lesen. Im Einzelfall ist mal unfreiwilliger Humor dabei. Normalerweise sind solche Berichte äußerst langweilig. Drittens: selbst wenn der Bericht tatsächlich schlecht ist, dann sieht das der Autor nicht ein und stellt im Gästebuch entsprechende Fragen: warum, wieso, weshalb??? Das ist nur noch nervig und deshalb habe ich diese Praxis längst wieder aufgegeben.
Nun bin ich erneut beim Schnitt von 90% guten Bewertungen. Ich habe einfach mehr Lust, gute Berichte zu lesen. Es bleibt nur ein Grund, warum ich schlecht bewerte. Wenn mir ZUFÄLLIG ein Bericht zwischen die Finger gerät, der tatsächlich schlecht ist. Dann ja.
Offensichtlich gibt es Mitglieder, die das ganz anders sehen. Na schön, dann sollen diese die Rolle des Chefkritikers übernehmen und schlechte Berichte auch abwerten. Solange das nicht meine Berichte sind, wäre mir das ziemlich egal.
Nun zu den Bewertungen im Einzelnen. Was bedeuten diese? Wie gehe ich vor?
Besonders hilfreich (b.h.)
******************************
Diese Bewertung darf nur fünf Mal am Tag vergeben werden und man muß einen Kommentar dazu schreiben. Der Autor bekommt 6 Punkte.
Darüber hinaus fühlt sich der Autor psychologisch geschmeichelt. Ich selbt gebe das b.h. nur dann, wenn der Bericht gut ist UND wenn ich am Thema interessiert bin. Und umgekehrt. Wenn ich selbst ein b.h. bekomme, dann kann ich dem Kommentar ein Interesse am Thema entnehmen.
Wenn ein Autor sehr gut ist, dann weiß er das selber. Meines Erachtens muß ein b.h. nicht weiter begründet werden. Es ist viel interessanter, im Kommentar etwas zum Thema zu sagen. Erst kürzlich habe ich einen Bericht über Afghanistan mit b.h. bewertet. Im Kommentar habe ich dazu geschrieben, daß so ein Bericht Seltenheitswert hat, weil wohl die wenigsten Mitglieder Gelegenheit haben, ausgerechnet dieses Land zu bereisen. In anderen Worten: ich kann von Glück reden, daß in so einer Kategorie überhaupt mal etwas erscheint.
Sehr hilfreich (s.h.)
**********************
Auch dafür bekommt der Autor volle 6 Punkte. Der Kontostand unterscheidet sich nicht vom b.h. Jedoch darf das s.h. beliebig oft vergeben werden und man muß es nicht kommentieren. Deshalb gilt das s.h. als "Einheitsbrei". Es ist eine Feld-, Wald- und Wiesenbewertung. Dazu ein Anhaltspunkt.
Der Oberbegriff dieser Kategorie lautet: "Ciao Funktionen & Angebote". An erster Stelle sehe ich die Funktion: Berichte schreiben. In dieser Kategorie habe ich den ersten Bericht gelesen. Darin steht alles, was man beim Schreiben beachten muß. Der Leitfaden ist so vollständig, daß ich auch nicht mehr dazu sagen kann.
Wer in seinem Bericht alle Ratschläge befolgt, die in dem erwähnten Leitfaden drinstehen, der bekommt von mir automatisch ein s.h. Das heißt: unabhängig vom Thema.
Aus der Sicht eines Autors ist das b.h. etwas Glückssache. Man weiß ja nie im Voraus, wer an welchem Thema interessiert ist. Dagegen halte ich das s.h. für lernbar. Man muß nur einen guten Leitfaden finden, die Regeln verinnerlichen und auch anwenden. Im Gegenzug hat man die freie Wahl des Themas.
Sowohl für das s.h. als auch für das b.h. bekommt man 6 Punkte. Deshalb fasse ich beide Bewertungen als "gut" zusammen. Ich bezeichne beides als den grünen Bereich. Sobald ich für einen Bericht ausschließlich s.h. und besser bekomme, mache ich mir keine Sorgen und fühle mich motiviert, auch den nächsten Bericht zu schreiben.
Hilfreich (h.)
***************
Diese Bewertung ist am meisten umstritten. Einige Mitglieder halten bereits das h. für "schlecht". Der Autor bekommt jedoch 3 Punkte gut geschrieben. Das ist ein Punkt bei der Sache. Einen sehr schlechten Bericht kann man auf Antrag löschen lassen. Wenn mein Bericht aber nur wegen vieler "hilfreichs" angeblich "schlecht" ist, dann habe ich immer noch gute Punkte auf meinem Konto. Warum sollte ich die guten Punkte löschen lassen?
Wie wird ein h. begründet? Oftmals heißt es, daß Informationen fehlen oder daß man zu dem Thema mehr sagen könnte. Da stellt sich die Frage: zu was ist ein Autor verpflichtet?
Bei Ciao soll man Erfahrungen weitergeben. Das bedeutet, daß ich eine Information einhole, die ich selber brauche. Auf einer Reise wäre das Hotelzimmer ein Beispiel. Dazu mußte ich mich auch erst informieren. Anschließend kann ich sagen, wo ich übernachtet habe.
Man ist jedoch nicht zu Recherchen verpflichtet. Auch dazu ein Beispiel. Angenommen, ich habe schon ein Zimmer und sehe weiterhin eine Feriensiedlung, die ich selber nicht brauche. Im Bericht kann ich darauf hinweisen. Ich bin nicht dazu verpflichtet, mich über diese Feriensiedlung zu informieren und dann kann ich keine weiteren Einzelheiten bekannt geben.
Die Grenzen zwischen Erfahrung und Recherche sind fließend und Verwechslungen sind möglich. Auch mir geht es so bei meinen Bewertungen. Zwar meine ich, daß in einen bestimmten Bericht ein paar mehr Informationen hineingehören. Diese Meinung könnte auch subjektiv sein. Wenn ich im Zweifel bin, dann gebe ich schon mal ein einfaches h. ab.
Diese Bewertung hat allerdings eine Konsequenz. Weil mehrheitlich s.h. vergeben wird, wandern nur hilfreiche Berichte in der Sortierung nach hinten. Solche Berichte werden kaum noch gelesen. Dem Autor stellt sich die Frage: hätte ich den Bericht überhaupt schreiben müssen?
Weniger hilfreich (w.h.)
***************************
Diese Bewertung ist eindeutig schlecht und bringt gleich 6 Punkte Abzug. Diese Bewertung gebe ich dann ab, wenn Informationen fehlen, die EINDEUTIG zum Thema gehören und einfach dabei sein müssen. Auch dazu ein Beispiel.
Jemand schreibt einen Reisebericht und sagt nichts über die Anreise. Also bitte! Irgendwie muß der Mensch ja sein Ziel erreicht haben und dann wird er wohl wissen, wie man dorthin kommt. Dazu muß er nicht recherchieren. Zudem kann er sich denken, daß vielleicht andere Leser das gleiche Ziel erreichen wollen und dann gehört die Anreise einfach dazu.
So einen Fall habe ich einmal erlebt, als ich noch systematisch nach schlechten Berichten gesucht hatte. Dieser Bericht war schon vor mir von anderen mit w.h. bewertet worden und in den Kommentaren war die Begründung die gleiche. Dem habe ich mich angeschlossen.
Übrigens wurde dieser Bericht nachträglich umgeschrieben. Der Autorin ist dann doch eingefallen, daß sie zur Anreise etwas sagen kann. Aha! Das hätte sie von Anfang an tun sollen.
Nicht hilfreich (n.h.)
***********************
Das ist mit Abstand die schlechteste Bewertung und bringt gleich 12 Punkte Abzug. Diese Bewertung muß kommentiert werden. Vielfach besteht der Verdacht auf "Fake". Gemeint ist das Abschreiben oder Kopieren. Es gibt auch den "Erfahrungsfake". Jemand täuscht Erfahrungen vor, die er selber nicht gemacht hat. Wenn so ein Mißstand erkannt wird, dann wird gnadenlos abgewertet.
Worauf begründet sich der Verdacht? Ein Autor war gerade einmal 10 Tage auf Sri Lanka und listet vollständig alle Sehenswürdigkeiten auf, die es in dem Land gibt. Hätte er es in der kurzen Zeit schaffen können? Vermutlich nein. Es besteht der dringende Verdacht, daß dieser Autor aus einem Reiseführer abgeschrieben hat.
Thema verfehlt
******************
Mit 12 Punkten Abzug ist diese Bewertung genauso schlimm wie ein n.h. Dennoch hat so ein Autor viel bessere Chancen. Ein wohlwollendes Mitglied könnte ja mal in einem Kommentar dazu schreiben, welche Kategorie dann die richtige ist. Solche Ratschläge werden auch erteilt. Dann kann man seinen Bericht umhängen. Das hat einen großen Vorteil: die schlechten Bewertungen wiederholen sich nicht.
FAZIT
Erfahrenen Mitgliedern erzähle ich sicherlich nichts Neues. Dennoch halte ich das Thema für notwendig. Würden sich alle konsequent an die Regeln halten, dann hätte das einen Lerneffekt zur Folge. Wir alle schreiben freiwillig. Niemand will schlechte Bewertungen. Würden wir uns alle konsequent verhalten, dann würde sich manch ein Autor die Frage stellen: lohnt es sich überhaupt den Bericht zu schreiben?
Oder: das Thema ist so ausgefallen, daß niemand bewerten kann. Dann muß man auch nicht bewerten.
Nun schaue ich mir gerade meine Statistik an. 0,1% w.h. Das waren Berichte, bei denen ich meine Kenntnisse überschätzt habe und solche Berichte hätte ich nie schreiben dürfen. 0,0 % n.h. Okay, das sieht gut aus. Also zu 99,9% habe ich Bewertungen bekommen, die ich verstehen kann. Dafür gebe ich fünf Sterne und eine klare Empfehlung.
Warum dann dieser Bericht? Weil wir uns mit ein paar schwarzen Schafen auseinandersetzen müssen, die absichtlich falsch bewerten. Diesen Leuten gegenüber müssen wir Argumente vorweisen können.
30.01.2013 10:47
Mir ist leider in letzter Zeit öfter passiert, dass ich nicht einmal die Chance zum Bewerten bekam, weil mir ständig gesagt wurde, ich müsste 12 sekunden warten - dabei habe ich nach dem Lesen bis zu einer Viertelstunde gewartet, um denselben Käse erneut zu erleben. So macht es keinen Spaß.
10.05.2012 09:17
Ok, es ist Einheitsbrei, mit dem ich deinen Bericht bewerte, aber auf der anderen Seite, es sind ja 6 gute Punkte ;-). Im Ernst, das mit den Punkten ist mir trotz langer Ciao-Zugehörigkeit irgendwie total entfallen. Natürlich freue auch ich mich immer mal über ein b.h., allerdings nicht weil ich irgendjemanden "kenne", sondern wenn ich das Gefühl habe, mein Bericht ist wirklich gut (psychologisch wirklich nicht gerade zu unterschätzen). Mit sh bin ich immer zufrieden, bei allem anderen schaue ich trotzdem nochmal drüber, ob irgendwas nicht stimmt. Ich finde Bewertungen jedenfalls wichtig, gerade auch wenn man seinen Stil verbessern möchte. Deswegen schreibe ich gern hier und werde zum Glück auch mal drauf hingewiesen, wenn irgendwas Mist ist.
25.02.2006 12:38
Dieser Bericht is für mich eindeutig ein bh. Ich denke nicht nur Neulinge können ihm viel entnehmen, sondern auch Schreiber wie ich, die sage ich mal "mittellang" *g* hier sind, denken noch einmal darüber nach. Ich konkret hatte mal genau, das gleiche Problem wie du, als ich einmal meine Statistik ansah und bemerkte, dass ich überdurchschnittlich viel shs vergebe, daraufhin machte ich mich auch kurzzeitig auf die Suche nach schlechten Berichten. Aber wie du schon sagtest, ist das erstens sehr zeitaufwendig und zweitens fällt dabei sehr schnell der Spaßfaktor, den Ciao eigentlich auch mit sich bringt. - Und bei dem, was du zu den Comments schreibst kann ich dir auch nur beipflichten. Ich freue mich vielmehr über Jemanden, der mir schreibt, was genau der Bericht bei ihm "bewirkt" oder welche Erfahrungen er vielleicht selbst mit dem "Produkt" gemacht hat, als über Sprüche wie "Toller Bericht! Weiter so!" , die am Morgen einmal geschrieben werden und danach zu jedem Bericht erneut reinkopiert werden. Finde es auch um einiges besser wenn mir zum Beispiel irgendjemand nur einen lustigen Comment reinschreibt, in dem er sich über einen Schreibfehler oder irgendetwas anderes auslässt, weil ich dann auch sehe, dass der Bericht wirklich gelesen worden ist. Greetz Marcus