...aufriggen, einhängen und du bist im flow...
28.08.2007 (20.06.2008)
Pro:
easy handling, hohe qualität
Kontra:
relativ langes vorliek
Empfehlenswert:
Ja
 jjflash
Über sich:
...windsurfender, pc-süchtiger, audiofreak....
Mitglied seit:12.03.2000
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Vertrauende:11
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 33 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo liebe ciao Gemeinde, ich möchte Euch nach meinem letzten Urlaub einfach über mein bislang liebstes Windsurfsegel berichten, auch wenn es schon seit Jahren nicht mehr produziert wird.
Es handelt sich um das Gaastra Flow Zero X oder einfach nur Zero X so wie es in der Produktbeschreibung von ciao steht. Nun, zunächst etwas von der Vorgeschichte. Anno ;-) 1998 hatte ich mir ein recht schnelles Freeride Board zugelegt. Bis zu diesem Jahr, war ich rein surferisch fast nur auf der Suche nach Geschwindigkeit. Auch meine Segel waren bis 98 ausschließlich Tücher der Marke Five-Star, die mit ihrer Schaumprofilkonstruktion schon fast einem Flugzeugflügel glichen und daher enorme Leistung produzierten. Tja, Five-Star war schon Jahre vorher leider Konkurs gegangen.....also war ich gezwungen meine altersschwachen Segel durch neues Material zu ersetzen. Von Cambern hatte ich die Nase voll, also entschied ich mich kurzerhand für das og. Gaastra Flow Zero X in der Größe 6,5 m².
Ihr werdet es nicht glauben, aber das Segel blieb bei mir in den ersten 1 1/2 Jahren nahezu ungenutzt. Ich war damals nicht so begeistert....die Gewohnheit der alten Schaumprofile ließ sich nicht so schnell abschütteln. Zwischenzeitlich und mit bald darauf erworbenem passenden Mast, wurde das 6,5er zu meinem absoluten Lieblingssegel.
Zum Hersteller: Gaastra ist einer der größten und weltweit bekanntesten Segelmacher. Schon seit der ersten Stunde des Windsurfsports gibt es auch die passenden Segel von Gaastra. Der Hersteller wird heute mit den ganz großen Namen der Branche genannt und zählt zu den großen "Drei" der Surfsegelproduzenten (Neilpryde, North, Gaastra). Gaastra hatte in den frühen Jahren des Sports mit Teamridern wie Robby Naish oder Pete Cabrinha den Worldcup dominiert und galt als Innovationsmotor. Viele Entwicklungen (darunter u.a. auch die Camberspangen) die heute nahezu nicht mehr wegzudenken sind stammen aus ihrer Entwicklungswerkstatt.
Bilder von Gaastra Zero X
Das Segel: Das Flow Zero X stammt aus der Zeit nach Robby und Pete.....und bildete bei Gaastra den Grundstein eines Neuanfangs. In den Mittneunzigern mußte das Unternehmen, oder zumindest die Windsurfsparte eine kleinere Krise durchstehen. Nach dem das Entwicklungsteam nicht mehr komplett war kam es zu einer Reihe äußerst unbeliebter Segelschnitte, die auch in Tests regelmäßig die rote Laterne trugen. Mit der Flow F1 Serie startet Gaastra einen neuen sehr erfolgreichen Entwicklungsschritt. Etwas mehr auf den Endkunden bezogen wurde schließlich das Flow-Prinzip mit dem Shape-Lock-Panel im Zero X zum Beginn des neuen Erfolgs bis zum heutigen Tag. Das Zero X ist ein völlig camberloses Freeridesegel und hat noch eine sehr gestreckte Aspect/Ratio, d.h. das Segel hat im Vergleich mit heutigen Segeln ein relativ langes Vorliek (Mastlänge) von 4,85 +/- 2cm, dafür glänzt das Segel mit nur 1,92 +/- 2cm Gabellänge. Es besitzt eine relativ enge Masttasche und kommt beim 6,5er mit 6 Segellatten. Alle Latten wurden gemäß dem Total Flow Prinzip parallel zu einander aufgesetzt, d.h. das Segel hat im Wind keine störenden Lattenwinkel, alle laufen im "Close-the-Gap" Betrieb nahezu horizontal. Dies ermöglicht auch in Manövern ein nahzu ruckfreies Umschlagen, da es am Mast zu keinerlei Verspannungen kommt. Hierzu trägt auch die Shape-Lock-Vorlieksbahn des Segels bei. Sie führt nicht wie heute oft noch üblich exakt vom top zum vorliekstrecker, sondern enden jeweils ca. 50 cm davor. Dies reduziert den Druck an den Mastenden und somit auch die Spannung der Masttasche. Das ganze Segel ist bis auf die Vorlieksbahn (Dacron) aus Monofilm, die Unterlieksbahn ist bereits aus x-ply Material (Transparent mit Rip-Stop Gitterfäden aus Kevlar). Man achtete bei der Materialwahl peinlichst auf das Gewicht des Segels. Trotz guter Verstärkungen an den neuralgischen Punkten und sogar einem integrierten Mastprotektor aus Neopren, wiegt das Segel verglichen mit heutigen Segeln relativ wenig (ca. 3,5 Kg). Die Outline des Segels verzichtet auf extreme Fatheads oder abenteuerliche Konstruktionen, man setzt auf ein Round-Top und einer leicht konkaven Achterlieksbahn. Die Segellatten können (Gott-sei-Dank!!) noch ohne Spezialschüssel gespannt werden, den man sonst gerne mal verliert...hier hat man auf ein bewährtes und vor allem leichtes Gurt-Klemm-System gebaut. Kurz vor dem Vorliekstrecker befindet sich auf der Unterlieksbahn der Aufdruck mit den erforderlichen Trimmwerten und Eckdaten, die im übrigen sehr exakt ausfallen und auch die Segelgröße muß nicht erst mit der Lupe gesucht werden und prangt deutlich und gut lesbar über der Gabel an der Achterlieksbahn (spätere Baujahre hatten die Größe unter der Gabel im Fenster aufgedruckt). Trimmhilfen im Segeltop, bei meinem Modell drei Gaastra-Burgen, mußte später wegen Lizenzstreitigkeiten mit North (Erfinder des "Visual Trimm Systems") entfernt werden.
Zu den Fahreigenschaften: Das Zero X erstaunt schon mal an Land, zumal es mit einigermaßen passablen Riggkomponenten ausgestattet nur sehr wenig auf die Waage bringt. Erstmal auf dem Wasser staunt man über die Leichtigkeit mit der alles geht. Der Wasserstart mit diesem Segel erinnert stark an ein 5 m² Wavesegel, durch die enge Masttasche genügt ein kurzer Schub und das wenige Wasser ist abgelaufen, sofort schwebt das Profil stabil über dir. Tja, zum wichtigsten Thema der Geschwindigkeit......die Beschleunigung ist für ein Segel ohne Camber recht ordentlich, ich empfinde auch die Anstellwinkel als nicht problematisch. die Endgeschwindigkeit ist, ein passendes Board vorausgesetzt absolut top. Die Haltekräfte bleiben dabei überschaubar. Das Segel vermittelt ein direktes und präzises Feedback, ist daher auf Leistung und weniger auf Komfort ausgelegt. Ein klassisches Slalom/Freeride Segel also. In diesem Rahmen läßt sich das Zero X völlig "gewaltfrei" Halsen und läßt erfreulicherweise den sonst üblichen Ruck beim Umschlagen der Latten vermissen. Einmal angepowert und im Trapez läßt es auch mal "hands-free" Surfen zu, d.h. der Segeldruckpunkt liegt angenehm tief und beginnt erst bei deutlich überpowertem Zustand mit leichtem Zug auf der Segelhand zu wandern. Alles in Allem ich habe bislang kein neutraleres Segel gefahren. Der Preis: Ich habe für das 6,5er damals 550,-- DM bezahlt......neu und aus der aktuellen Saison. Ein fairer Preis, vor allem wenn man auch schon damals übliche Neilpryde-Preise von knapp 1000 DM im Kopf hat. Das Segel erfreut sich vor allem bei Kennern immer noch großer Beliebtheit, das erklärt auch die z.T. immer noch erstaunlichen Preise für gebrauchte Tücher bei ebay. Ein gut erhaltenes Zero X kann schon mal gut und gerne für deutlich über 100 Euros über den virtuellen Tresen gehen. Auch wenn das für ein nahezu 10 Jahre altes Tuch stark übertrieben ist, aber das nur nebenbei.
Die Qualität: Das Segel hat wie Ihr seht inzwischen 9 Jahre aufm Buckel und es ist noch lange nicht am Ende. Zugegeben ist gehe sorgfältig damit um, aber ich finde trotz des Alters fühlt sich das Segel nicht ausgelutscht an......nach wie vor vermittelt es das straffe Fahrgefühl. Auch die Abnutzungserscheinungen oder die Alterung des Monofilms halten sich in Grenzen. Keine Naht hat sich bislang gelöst und auch die übrigen Materialen, seien es verwendete Ösen oder Gurtbänder, Segellatten oder auch die Masttasche ist "verbraucht" und das trotz zig Surfreisen rund um die Welt und entsprechend hartem Einsatz. Dank der sehr guten "anti-crush-bag" als Segelsack werden auch bei Transport und Lagerung Knick-Schäden wirksam verhindert. Einsatzbereich und Rigging: Das Zero X ist und bleibt ein Freeride Segel, trotzdem hat es z.T. das easy handling eines Wave oder Manövertuches. Es ist vor allem leicht und sehr schnell aufgebaut. Durch bereits eingebaute Trimmhilfen (Rollenblock am Vorliekstrecker) sind die Trimmkräfte des Segels auch ohne Bodybuilding kein Problem. Zielgruppe ist für mich der private Freerider, der sich nicht mit strundenlangem Trimmen aufhalten will, sondern schnell auf und im Wasser sein möchte. Es empfiehlt sich beim Trimm die aufgedruckten +/- Werte zu beachten und in deren Bereich zu bleiben. Bei mehr Zug auf dem Vorliek sollte auch die Gabel etwas länger gesetzt werden und umgekehrt. Flachwasser und Dühnung sind das Zielgebiet des Zero X.....aber auch Kabbel oder zur Not auch kleinere Welle ist damit fahrbar. Für den absoluten Einsteiger würde ich dieses Segel nicht empfehlen, denn ein sauberes Trimmen und die Freude am direkten Fahrgefühl ist erforderlich um damit Spaß zu haben.
Fazit: Auch Ich werde mein gutes Zero X irgendwann ersetzen müssen, nur wodurch?!...Bislang konnte ich mit keinem Testsegel exakt das erreichen, wozu mein altes Zero fähig ist. Es wird also wiedermal schwer.....auch mein neu gekauftes 2005er Gaastra Matrix 5,5 erreicht nicht die klasse Fahreigenschaften meines geliebten Zeros. Wenn ich das richtige gefunden habe, ihr werdet es als erste erfahren..... UPDATE 1: ....so leute, das gute alte flow ist in Rente. es wird also keine weiteren Updates hier geben. Es gibt bereits einen Nachfolger, ich habs durch ein 2007er Point-7 Runner mit 6,5 m² ersetzt. So ganz wie das flow fährt es sich nicht, aber ich bin damit zufrieden. Also wird irgendwann mein altes Segelchen bei Ebay auftauchen....sonst läuft mein Keller über.
greets, jj....
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09.11.2007 21:56
Ein toller Bericht mit vielen Hintergrundinformationen. Das Flow-Prinzip und der Begriff Shape-Lock-Panel sollten noch erläutert werden. Der Abschnitt zu den Fahreigenschaften und Trimmeigenschaften könnte noch einen Touch ergänzt werden. Jedenfalls ist es bereits jetzt schon ein klasse Bericht. VG Jörg
28.08.2007 15:42
Sehr informativer Bericht und für Interessierte sicherlich auch sehr hilfreich für eine kaufentscheidung. LG Andrea
28.08.2007 15:19
so n segel brauch ich nicht aber für interessierte hast es sicherlich sehr hilfreich beschrieben lg michi