Die spinnen, die Fremden
19.07.2004
Pro:
guter Schreibstil
Kontra:
Geschichte zu lang und ausschweifend
 Primaverano
Über sich:
Bitte verschont mich mit euren Standardkommentaren. Das Weihnachten ist, gehört nicht unter Berichte...
Mitglied seit:11.05.2001
Erfahrungsberichte:108
Vertrauende:22
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 40 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Dieses Buch war ein Weihnachtsgeschenk meiner Tante & obwohl ich zunächst ganz begeistert angefangen habe zu lesen - schließlich geht es ja um Japan-, habe ich es doch erst heute geschafft meine Lektüre zu beenden. James Clavell, der Autor, sagte mir dabei ehrlich gesagt zunächst nichts. Ich weiß, dass ist eine große Schande, aber ich habe jetzt mein Wissen deutlich erweitert: James Clavell wurde am 10. Oktober 1924 in Sydney, Australien geboren. In seinen jungen Jahren war er bei der Navy und kam daher in zahlreiche länder des britischen Empires. Die Romane, die er später schrieb, befassten sich auch alle mit der glorreichen Zeit des britischen Empires. Obwohl sein bekanntestes Werk "Shogun" - wie ich mir habe sagen lassen - davon doch etwas abweicht. Im Jahre 1994 starb Clavell, genau ein Jahr nach der Veröffentlichung seines letzten Werkes: Gai-Jin.------------------------------------------------ Gai-Jin ist ein sehr abwertender Begriff für Ausländer (korrekt: Gai-koku-jin), den man ungefähr mit Aussenmensch, also minderwertig bezeichnen kann. Und als minderwertig sehen die Japaner auch, die Fremden, die nach der gewaltsamen Öffnung ihres Landes in den 1850er Jahren durch Commondore Perry, ins "Land der Götter" gekommen sind auch an. Sie verachten ihre Lebensweise, ihren Gestank, ihre Feigheit und würden sie am liebsten wieder aus dem Land vertreiben. Ähnlich verächtlich sehen natürlich auch die westlichen "Zivilisierten" auf ihre einheimischen "Gastgeber" herab. Am liebsten würden sie das Land noch heute anstatt morgen bedingungslos unterwerfen. Nur leider ist das nicht so einfach möglich, da ihnen bisher nur Yokohama (heute ein Stadtteil von Tokyo, damals ein Fischernest) und auch keine große Flotte zur Verfügung steht. Die ausländischen Händler haben natürlich ein ähnliches Interesse.In diesen Interessenkampf zwischen den Einheimischen und den Gai-Jin ist auch noch eine dritte Gruppe gesetzloser Samurai, den Shishi oder Ronin, verwickelt, die sich gegen das Toronaga-Shogunat richtet und die Macht den Kaiser wieder zurückgeben will. Auch sie sind für eine Vertreibung der Ausländer, allerdings mit nicht so netten Mitteln. Die Handlung in den Roman setzt auch gleich mit einer nicht so netten Ermordung eines Ausländers durch zwei Ronin ein. Die Handlung ist geprägt von diplomatischen Verhandlungen, Aufschüben, politischen oder weniger politischen Morden, nächtlichen Yoshiwarabesuchen und immer wiederkehrenden Ausländerhass - und dies das ganze Buch hindurch.Die wichtigsten Personen: Malcolm Struan zukünftiges Oberhaupt des mächtigen Handelshaus in Asien. WIrd aber bei den Überfall durch einen Samurai lebensgefährlich verletzt. Angelique Richaud: Der Liebling von ganz Yokohama und Malcalms Verlobte. Trägt trotz aller Misstände immer die neueste Pariser Mode und hat mit allen möglichen Problemen, die eine Frau im 19. Jhd. nur haben kann, zu kämpfen. So ist sie u.a. mittellos, da ihr Vater ihre Aussteuer verspielt hat. Hängt all ihre Hoffnungen an ihren reichen Verlobten. Norbert Greyforth: Vertreter der Brocks, Struans Widersacher, in Japan. Versucht alles um diese zu schikanieren.Sir William: Im heutigen Sprachgebrauch würde man sagen: britischer Botschafter in Japan. Seretard: sein französischer WiderpartPhilipp Tyrer: britisch-japanischer Dolmetscher, aber viel zu naiv. Andre Poncin: französisch-japanischer Dolmetscher und überhaupt nicht naiv ---------------- Hiraga Ronin, ein Gesetzloser, Meister der Verkleidung genau wie sein Lehrmeister KatsumataOri, Akimoto u.a. weitere Ronin aus den Süden Japans. die bedingungslos für ihr Ideal "Alle Macht den Kaiser" kämpfen Yoshi Toronaga einer der fünf Ältesten und einer der mächtigsten Männer Japans (übrigens auch der letzte Shogun, steht aber nicht im Buch). Ist der Einzige, der Japans Stärke (bez. Schwäche) richtig einschätzt und mit den Ausländern verhandeln will.Meikin, Raiko es gibt im Neudeutsch schöne, aber leider vulgäre Begriffe :-) Vorsteherin von Freudenhäusern und natürlich dürfen auch die Kurtisanen nicht fehlen.------------------------------------------------------ Wie ich bereits sagte, handelt der Roman auf 1244 (!!!) Seiten von den Kampf der drei Gruppen um das richtige zukünftige Japan. Der Autor schreibt dabei aus dem Standpunkt des Allwissenden - in Deutschuntericht habe ich mal gehört wie das heißt - der die Gedanken und Empfindungen jeder einzelnen Hauptperson darstellt. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass mir die Personen in irgendeiner Weise näher gekommen sind. Ich weiß zwar, wie alt sie sind, wie ihr Liebesleben aussieht und was sie für Zukunftspläne haben - aber mir erschienen sie trotzdem immer fremd. Außerdem hatte ich den Eindruck, daß man die Handlung auch auf 500 Seiten, wenn überhaupt, begrenzen könnte. Ein richtiger Konflikt ist nie aufgetaucht - oder ich war einfach nach sovielen Seiten zu blind ihn zu sehen - und die Handlung ist immer gleichbleibend vor sich hingeplätschert.Ich habe aber trotzdem mir mal die anderen Berichte zu James Clavells Büchern bei Ciao durchgelesen & bin zu den Schluß gekommen, dass man wahrscheinlich ein Fan sein muss, um auch dieses Buch gut zu finden.
Preisvergleich
sortiert nach Preis
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
Verwandte Tags für Gai-Jin / James Clavell
|
|
01.05.2006 18:34
mmmh ... das ist dann wohl eher nichts für mich ... .-) lg mozarteum
09.02.2005 17:59
Eine eben ganz andere Kultur und dazu noch eine andere Lebenseinstellung, egal ob es um die Liebe oder Ehre geht....schwer zu verstehen für uns Europäer. Ein sehr guter Freund von mir ist Japaner und diesen, obwohl wir uns dreißig Jahre kennen, verstehe ich ihn im Bezug auf einiges nicht. Japan an sich würde ich gerne mal sehen und erleben. Schöner Bericht zu einem sehr, sehr gutem Roman. Lieben Gruß Michael
19.07.2004 23:05
Interressanter Bericht über so ein langatmiges Buch. Gai-Jin verwendet man heutzutage aber nicht mehr so abwertend. Als Halb-Japanerin bezeichnet man mich dort auch so und ich denke nicht, dass Freundé mich so nennen würden, wenn es so ein abwertender Begriff wäre. LG