EINBLICKE - DIE TIEF BLICKEN LASSEN
12.01.2010
Pro:
s . B .
Kontra:
s . B .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 cat_in_a_cradle
Über sich:
Die Spielzeugwelten in unserem Haus hoffen auf Nachschub... wenn ich im Rückstand bin mit Lesungen -...
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Sheffield ist mit knappen 15 km Entfernung fast die Heimatstadt meines Mannes. Die große Stahlstadt in South Yorkshire hatte einst den Ruf den besten Stahl Englands herzustellen und der Ruf wurde immerhin über das britische Weltreich um die ganze Welt getragen. Ebenso wie der Stahl. Die großen, nicht allzu tief liegenden Kohlevorkommen in South Yorkshire - allen voran der Barnsley Seam, der gerade mal 10 - 20 km um Sheffield herum liegt, hat zu dieser Berühmtheit vieles beigetragen. Und zu der Entwicklung der Stadt Sheffield. Eisebahnlinien direkt von den Kohlenminen in die aufstrebende Stahlstadt Sheffield.
Sheffield - der Inbegriff der englischen Kohle- und Montanindustrie und einst der Motor für ein Weltreich - ist im Jahr 1997 durch die großen strukturpolitischen Reformen der englischen Regierung zu einer der ärmsten Städte Englands geworden. Der Untergang der Kohleindustrie - eingeleitet durch die Verstaatlichung der Kohleminen ím Jahr 1951 - und dann der Schließung der meisten Minen in der Regierungszeit der "eisernen Lady" Margret Thatcher haben zu einer riesigen Rezession geführt. Ein Stahlwerk nach dem anderen schließt. Wo einst glorreich für Vickers und Rolls Royce der Stahl hergestellt wurde, stehen nur noch vor sich hin rottende Fabriken. Und die ehemaligen stolzen Stahlarbeiter stehen Schlange vor den verkommenen Gebäuden der englischen Arbeitsämter um ihre wöchentliche Unterstützung abzuholen. "On the dole" ist der Ausdruck, den die Arbeiter dafür verwenden (heute übrigens wieder in aller Munde) und 60 Pfund pro Woche ist die Auszahlungsrate. Der Stolz wird gebrochen, die Moral sinkt. Die wunderschönen Hügel auf denen Sheffield gebaut ist, fallen nicht mehr weiter auf. Dafür die Uniformität der "Estates". Reihenhaussiedlungen, die aus einem Haustyp bestehen und ein tristes und monotones Bild auf die Stadt und ihre Einwohner fallen lassen. Und genau vor diesem Hintergrund spielt sich eine dramatische Komödie ab. Der Regisseur Peter Cattaneo hat den Stahlarbeitern Sheffields ein Denkmal gesetzt mit seinem Film aus dem Jahre 1997: The Full Monty.
Was macht man wenn man in seinem Stolz verletzt wurde und die eigene Frau sich lieber die Stripshow der Chippendales ansieht? Man trifft sich mit seinen anderen arbeitslosen Kollegen aus dem Stahlwerk und gründet eine Striptease Männer Gesellschaft.... Das Proben der nicht gerade besonders attraktiven Herren jedenfalls entbehren nicht der Situationskomik und die musikalische Unterlegung ist eine Reise durch die 80-er und 90-er Jahre. Doch hinter der Komik läßt der Film in die von Depressionen und Unsicherheit und Frustration geplagten Männerseelen blicken. Auf die Demütigungen und die Nutzlosigkeit der Existenz - auf gleichgeschlechtliche Sexualpräferenzen und auf die damit verbundenen Ängste. Doch trotz aller Rückschläge und trotz haariger Brüste und krummer Beine und gegen alle Widrigkeiten des Lebens wird es einen Full Monty in Sheffield geben...
Eine Stripshow die ALLES zeigt. Normale Menschen stellen die ausgezeichneten Schauspieler vor, die einem immer mehr ans Herz wachsen und um deren Existenz man sich sorgt und hofft, daß sich alles zum besten wendet. Ob die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau noch stimmt, wenn tatsächlich eine Frau im Stehen pinkelt? Und ob man einem arbeitslosen, zockenden Mann sein Kind vorenthalten darf, weil er den Unterhalt nicht aufbringen kann? Der Film ist witzig, glänzt mit Antihelden und bringt einem über viel Situationskomik die unheile Welt der Gegenwart nahe. Grandios ist der Film auf English oder vielmehr im breiten "Yorkscherisch". Herrliche Dialoge, die die deutschen Fassung so einfach nicht wiedergibt.
Der Film bekommt von mir volle 5 Sterne und wer je nach Yorkshire oder gar ins moderne Sheffield fährt, der sollte ihn unbedingt gesehen haben, denn er ermöglicht einen unglaublichen Einblick in die Mentalität der stolzen Menschen aus Yorkshire, die sich vor niemandem eine Blöße geben und trotz ihrer manchmal rauhen Art einen unheimlich weichen Kern haben. Darsteller: Robert Carlyle, Dave Hill, Bruce Jones, Lesley Sharp, Steve Garti Regisseur(e): Peter Cattaneo Format: Anamorph, PAL, Widescreen, Import Sprache: Englisch (Dolby Digital 2.0 Surround) Untertitel: Englisch, Portugiesisch, Schwedisch, Dänisch, Ungarisch, Polnisch, Isländisch, Finnisch, Tschechisch Region: Region 2 Bildseitenformat: 16:9 - 1.85:1 Anzahl Disks: 1 BBFC: Freigegeben ab 15 Jahren Studio: 20th Century Fox Home Entertainment Erscheinungstermin: 30. Juni 2003 Produktionsjahr: 1997 Spieldauer: 88 Minuten
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19.01.2010 11:42
der film is immer wieder geil:-)LG
18.01.2010 21:34
Herrlicher Film und ebensolche Beschreibung
17.01.2010 15:13
Hab ich damals im Kino gesehen, witzig. LG Annette