Mad World *BBB-Finale*
24.06.2004 (18.07.2004)
Pro:
Wie alt möchtest du werden?
Kontra:
Wie möchtest du alt werden?
Empfehlenswert:
Nein
 Catblue22
Über sich:
Wenn das Leben dir 1000 Gründe zum Weinen gibt, zeig ihm, dass es 1001 Gründe zum Lächeln gibt...
Mitglied seit:22.02.2003
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Dies ist mein Beitrag zum Finale des BBB-Cups. Details unter JediCassio. Alle Leser können im öffentlichen oder privaten Gästebuch bei astly ihre Stimme abgeben. Da sich im Halbfinale ein Unentschieden für LeaofRafiki und Kardamon ergeben hat, haben wir beschlossen, ein Triell zu starten. Damit also eure Stimmen gültig sind, bitte auch bei den beiden anderen Finalisten lesenund bewerten. Alle gültigen Stimmen, die innerhalb von 48 Stunden abgegeben werden, zählen. Vielen Dank für eure Lesungen bisher! Um das Thema „Gedanken an die Zukunft“ soll es heute gehen. Um an die Zukunft zu denken, habe ich mich kurzerhand in dieselbe versetzen lassen und beginne meinen Bericht direkt aus einer Zeit, in der ich alt sein werde.-Wissen Sie, wie es ist, wenn der Tod am Frühstückstisch sitzt? - Jeden Morgen sitzt er stumm dort und schaut mich an. Ich weiß, er wartet und sein selbstsicheres Grinsen bedeutet mir, dass es nun nicht mehr lange dauern wird, bis ich ihm folgen muss. Langsam blättere ich in meiner Zeitung und versuche ihn zu ignorieren, und habe mich schon fast an ihn als stummen Tischherrn gewöhnt. Früher, da saß mein Mann auf diesem Stuhl und störte mich jeden Morgen mit seiner Anwesenheit. Zuerst nahm er die ganze Zeitung und blätterte mit Marmeladenbeschmierten Fingern die Seiten um, kommentierte jeden noch so kleinen Artikel und nahm mir regelmäßig damit die Freude am Lesen. Während er beim Sprechen die Tischdecke gleichmäßig mit Brötchenkrümeln besprühte und ab und zu ein Tropfen des guten Kaffees über seine im Alter fetten und wabbelig gewordenen Lippen hinunter rann, um dann schließlich die Anzahl der Flecken auf der Zeitung zu komplettieren, hörte er nicht auf, zu reden. Dagegen stören mich die ruhigen Blicke meiner jetzigen Gesellschaft nicht besonders. Mühsam erhebe ich mich von dem Stuhl und gehe zum Fenster, um auf die Strasse zu blicken. Es ist schon erstaunlich, wie sie sich in den letzten 50 Jahren verändert hat. Früher, da fuhr ab und zu mal ein Auto vorbei und ich schaute aus dem Fenster, wenn ich es draußen hörte, um zu sehen, ob vielleicht Besuch kommen würde. Nun gleiten lautlos unzählige kleine runde Kapseln durch die Strasse. In jeder sitzt ein Mensch, der hastig und ohne Lächeln seinen Weg macht. - Jetzt besucht mich niemand mehr und doch stehe ich gern am Fenster und sehe hinaus – blicke auf den von der Luftverschmutzung violetten Himmel und denke zurück an die Tage, als er noch wegen seiner blauen Farbe von Dichtern besungen und gerühmt wurde. Unsere Regierung klagt unablässig über diesen Zustand, doch sie können nichts daran ändern. Sie hätten eher neue Technologien einführen müssen. Nun fahren Millionen Chinesen diese alten Autos, die es bei uns damals gab, und die Tage, an denen man überhaupt noch das Haus ohne Gasmaske verlassen kann, sind selten geworden. Eben kommt schon wieder eine Warnung über meinen guten alten Plasmabildschirm, dass die Giftkonzentration in der Luft heute wieder die zulässigen Gesamtwerte übersteigt. Ich drehe mich um und immer noch spüre ich seinen Blick auf mir. Er scheint heute nicht gehen zu wollen, doch das ist mir egal. Hinter ihm befindet sich meine kleine mit wunderbar synthetischen Schnäpsen gefüllte Hausbar, zu der ich jetzt gehe, um mir ein großes Glas zu genehmigen. Schnell rinnt das Getränk meine Kehle hinunter und hinterlässt dieses leichte Brennen, das in einem wunderbaren beruhigenden und heißen Gefühl der Gelassenheit gipfelt. Noch einmal fülle ich mein Glas bis oben hin und nun bin ich sogar ein wenig frech und proste ihm zu. Er lächelt mich an, doch das beunruhigt mich nicht. Ich habe keine Angst mehr vor ihm – Wer so lange gelebt hat, wie ich, der weiß, wann es genug ist. Unzählige Tage habe ich nun schon durchlebt und als ich das Ergebnis meiner Genanalyse bekam, das besagte, ich würde 132 Jahre alt werden, da habe ich geweint. Sicher, ich kann nicht klagen, den anderen alten Menschen in unserem Land geht es sehr viel schlechter, als mir. Als damals die Rentenzahlungen einfach eingestellt wurden, und viele nicht mehr wussten, wie sie ohne Geld weiterleben sollten, da ist die Zahl der Auswanderungen und der Selbstmorde sprunghaft angestiegen. Vielleicht war das ja auch von der Regierung beabsichtig. Sicher wussten es alle im Voraus und doch hat es niemand wahr haben wollen, aber tatsächlich kommt jetzt ein „Rentenzahler“ auf einen „Rentenempfänger“, wie es damals so schön hieß. Nur, dass heute niemand mehr zahlt. Wer in diesen Tagen zu alt ist, um regelmäßig für sich selbst zu sorgen, der bekommt von dem Altenamt einen Wohnplatz bei einem jungen Menschen zugewiesen, der dann für ihn aufkommen muss. Wer kann, hilft im Haushalt, kocht, putzt und versorgt die Kinder. Wer nicht mehr kann, hat es allerdings nicht so gut, denn auf viel Hilfe und Mitgefühl kann man nicht zählen. Und niemand fragt, warum viele alte Menschen, deren Lebenserwartung noch ein paar Jährchen mehr betragen hätte, so plötzlich sterben, wenn sie zu nichts mehr nutze sind.Bestimmte Gifte kann man heute überall rezeptfrei in jedem Superstore kaufen und wer fragt schon nach einem alten Menschen, der sowieso nur zur Last fällt? Ja, da hab ich es doch gut, dass ich mir auf meine alten Tage so etwas nicht antun muss, habe ich doch schon vor Jahren die gute Lebensversicherung meines seligen Mannes einkassieren können. Heute gibt es nur noch eine große staatliche Versicherung und die hätte mir sicher ein paar unangenehme Fragen gestellt, wenn sie soviel Geld hätten auszahlen müssen. Mein Blick wandert zu dem kleinen Tisch neben meinem alten gemütlichen Sofa und ich muss lachen. Dort liegt aufgeschlagen ein buntes Rätselheft. Wenn ich noch daran denke, wie nett damals die Preise waren, die man gewinnen konnte! Einmal da habe ich sogar eine Reise in die Karibik gewonnen und dort eine amüsante Zeit mit einem jungen Mann, dessen Namen mir entfallen ist, verbracht. Heute kann man eine kostenlose Zahnbehandlung oder eine Augenoperation gewinnen und viele glückliche Gewinner präsentieren dann ihr neues Lächeln direkt neben den noch zu lösenden Rätseln. Ich muss noch ein Schlückchen trinken und warum soll ich mir mein Glas nicht bis oben hin füllen? Es verbietet mir ja niemand. Niemand, der mit mir spricht, den ganzen Tag diese unheimlich Stille, die auch durch die Berichte und Melodien meines Medien-Centers an der Wand nicht verschwindet. Es gibt Zeiten, das vermisse ich sogar die ewig nörgelnde Stimme meines Gatten. Meine Beine fühlen sich auf einmal so wackelig an. Besser, ich setze mich ein wenig auf den Fußboden, der Stuhl ist ja so weit weg und außerdem ist er immer noch belegt –Von ihm - Jetzt steht er auf und kommt auf mich zu und er streckt mir seine bleiche Hand entgegen. Ich bin sicher, er will mir nicht aufhelfen, also greife ich zu.And I find it kinda funny I find it kinda sad The dreams in which I’m dying are the best I’ve ever had I find it hard to tell you I find it hard to take When people run in circles It’s a very very mad world, mad world
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10.05.2006 11:38
Deine Visionen gehen nahezu verloren im Bezug das Alter. Prioritäten setzen!!! LGB
09.05.2005 09:49
Das ist ja schaurig..... Wenn das wirklich so kommt, möchte ich es nicht mehr erleben ;-). Irgendwie ist wohl der zweite BBB-Cup völlig an mir vorbeigelaufen, wie wäre es sonst zu erklären, dass ich deinen Siegerbeitrag noch nicht kannte. Sehr gut passt dazu auch dein Songzitat von Tears for fears. Liebe Grüße Peter.
26.04.2005 15:21
Puh! Gänsehaut beim Lesen! Ich war neugierig auf den letzten Gewinner. Ein verdienter Sieg!