Polemische Zukunftsannäherung - mit Happy End
24.06.2004
Pro:
Thematischer Rundumschlag
Kontra:
Harmoniesoße am Ende
Empfehlenswert:
Ja
 Kardamon
Über sich:
Bin gerade mal Zigaretten holen.
Mitglied seit:12.11.2003
Erfahrungsberichte:87
Vertrauende:47
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 77 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Für das Finale im BBB-Cup haben LeaofRafiki, catblue22 und ich uns so ein richtig schönes Laberthema ausgesucht: „Gedanken an die Zukunft“. Wie Ihr beim Finale abstimmen könnt, das lest ihr am Ende des Textes. Was ich am Thema besonders schön finde ist, dass darin die Kurzform meines Vornamens enthalten ist: Gedanken ANDI e Zukunft. Das ist doch schon mal positiv. ***Taktisches Vorgeplänkel*** Was soll ich dazu schreiben. Was kommt an, bei Euch? Soll ich ebenso pessimistisch wie publikumswirksam sinnieren, dass die US amerikanische Politik ungerecht und falsch ist und dem Terrorismus Vorschub leistet? Soll ich ergänzend anmerken, dass der Irakkrieg sich nun doch als das darstellt, was wir schon immer vermutet haben: Als Auftakt der großen Entscheidungsschlacht um die letzten Ölreserven der Erde? Das nämlich könnte die Zukunft sehr wohl bringen. Solche Ausführungen kämen bestimmt gut. In diesem Zusammenhang könnte ich eine Lanze für mehr Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit brechen. Damit hätte ich auch eine ordentliche Überleitung zum nächsten Inhaltlichen Komplex: Ich würde dann nämlich in grundsätzlichen Überlegungen ausarbeiten, dass wir so, wie wir heute leben, nicht weitermachen sollten, wenn wir nicht alle in der Flutwelle des geschmolzenen Polareises jämmerlich ersaufen wollen. Oder, dass wir an Hautkrebs verrecken, weil die Ozonschicht schon vor uns gestorben ist. Gipfeln könnte ich in einem Satz wie: „Wie auch immer, die Erde wird glücklicher sein, ohne uns!“ das wäre doch ein Hammer. Da sehe ich doch, wie mindestens neunzig Prozent der Dreimillionen Leser dieses BBB-Cup-Textes vor der Mattscheibe sitzen und mit dem Kopf nicken. „Recht hat er“ werden viele vor sich hinmurmeln. Aber soll ich wirklich so zustimmungsheischend sein? Warum eigentlich nicht.Um ein breites Spektrum der Leserschaft anzusprechen, könnte ich auf die Rechte der Tiere – unserer Mitgeschöpfe – eingehen. Von der Legebatterie bis hin zu qualvollen Lebendtiertransporten – ich würde alles anprangern und es gebührend geißeln. So richtig ins Gewissen würde ich uns reden. Und kulminieren (= gipfeln) würde das ganze in einem flammenden Appell /(=Aufruf) gegen Tierversuche. An dieser Stelle schlössen sich sehr schön ein paar plakativ vorgetragene Betrachtungen zum Thema „Genmanipulation“ an, um im nächsten Atemzuge endgültig zu klären, ob Eingriffe in das menschliche Erbgut ethisch zu verantworten sind oder nicht. ***Abschweifung: Der selbst gebastelte Kalauer*** Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht noch einen selbst gebastelten Kalauer oder einen Sinnspruch zum Thema einbauen würde. Schließlich will ich ja die Stammleserschaft nicht vergraulen. Also, ich nehme den, zu dem ich kürzlich bei einem Gästebucheintrag inspiriert wurde:Wie heißt das Möbelstück, auf dem man einen kitschigen Liebesroman platzieren kann: Das ist der Roman Tisch! Oder zum Gen-Thema: Ein Satz wie: >>Da wird das „Getier“ zum „Gentier“ degradiert. Grauenhaft <<. Ja. Grauenhaft. Aber immerhin schön viel „G“ drin. Doch ich schweife ab. ***Genug gescherzt*** Beinahe hätte ich die dritte Welt vergessen. Oder heißt es jetzt „Eine Welt“? Auch das ist ein Thema, dass man bei Zukunftsgedanken beackern muss! So viel Ausbeutung. Kinderarbeit! So viel Ungerechtigkeit. So wenig „Hilfe zur Selbsthilfe“. „Menschen für Menschen“. Danke Herr Böhm. Ich muss dann auch überlegen, ob ich so was schreiben darf, wo ich zu Hause dutzende Quadratmeter handgeknüpfte Teppiche rumliegen habe. Und: Ist mein Parkett aus Tropenholz? Muss ich zur Buße jetzt Warsteiner trinken, um das „Regenwaldprojekt“ zu fördern? Saufen für die Zukunft! Genial!! Das isses! Isses das? Prost. (Ich beginne schon wieder zornig zu werden!) ***Relativierender Einschub*** Mit dem Aufkommen der elektrischen Straßenbahn erhielten die Städte in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihre ersten Elektrizitätswerke. Das ist gerade mal gut hundert Jahre her. Die Straßenbeleuchtung - sofern überhaupt vorhanden - war Gas betrieben. Nix Waschmaschine. Nix Kühlschrank. Nix Fernseher. Und schon gar kein PC. Wie rasant die Entwicklung seitdem vorangeschritten ist. Was für „Gedanken an die Zukunft“ sich die damaligen Zeitgenossen wohl gemacht haben? Haben sie sich vielleicht mehr auf das „Wesentliche“ konzentriert. Was ist eigentlich das „Wesentliche“? Und: Ahnten sie, was kommen würde? So, nun ist das auch gesagt.***Einschub Ende*** Der „religiöse Zwist“ (um es mit den Worten von Udo Lindenberg zu sagen) ist heutzutage – wie auch schon früher – auch ein Thema, welches man in so einen Bericht packen könnte. Deshalb rufe ich hiermit dazu auf, dass sich doch künftig bitte alle ganz doll lieb haben sollen, egal woran sie glauben. Und die Chinesen sollen doch bitte den Dalai Lama in Ruhe lassen und Tibet wieder rausrücken. Und meine ganz persönliche Montagsdemo mache ich, um die letzten Enklaven des real existierenden Sozialismus zu befreien – ohne hinterher die sozialen Errungenschaften über Bord zu werfen – was aber – beides – sicher erstmal ein frommer Wunsch bleibt. (Und ob DDR-Kinderkrippen jetzt gut oder schlecht waren, das wage ich nach heftigen Kontroversen, die man hier und da jüngst lesen konnte, wirklich nicht zu sagen.)An dieser Stelle sei in den Raum geworfen: Es regiert das Kapital! Alles andere könnt ihr Euch ja denken. Jetzt hätte ich doch beinahe was ganz elementares für ciao vergessen: Habt Euch in Zukunft lieb! Streitet sachlich. Faked nicht. Begründet Bewertungen. Und rächt nicht per Punktabzug. (Oh. Dieser Absatz ist ja für sich genommen schon ein kompletter Erfahrungsbericht. Weit unter 120 Worten!)Dies alles und noch viel mehr könnte man zum Thema „Gedanken an die Zukunft schreiben. Doch ich habe mich anders entschieden: ***Nein, ich gehe das Thema ganz anders an!***Ich erzähle euch lieber, wie ich am vergangenen Sonntag in der kleinen, leicht Barock angehauchten Pfarrkirche im Gottesdienst saß. Meine große Tochter ministrierte und ich hatte die Kleine auf dem Schoß. Wir zwei hatten uns ganz nach hinten gesetzt, falls die Kleine – ein Jahr alt – unruhig werden würde. Sie stand auf meinem Schoß und – wie es ihres freundlichen Wesens Art ist – sie scherzte mit den umhersitzenden, -stehenden und -knienden. Alle um mich herum waren verzückt. Den guten – das meine ich wörtlich – Pfarrer störte es nicht, dass sie auch mal seine Predigt brabbelnd kommentierte. Als es zur Kollekte kam (für die vielen Atheisten hier: Bei der Kollekte geht ein Korb („Klingelbeutel“) herum in dem man Geld stecken kann, das sozialen Projekten (oder der Kirchenrenovierung) zu Gute kommt), näherte sich meine große Tochter mit dem Klingelbeutel. Sie wurde von der Kleinen mit einem schrillen Schrei der Entzückung und herrlich fuchtelndem Gewinke herzlich begrüßt. Und die Große winkte zurück. Alle, die es mitbekamen, freuten sich an dieser herzerfrischenden Szene. Da wurde mir bewusst: Sie sind ja so nahe bei mir! Meine Gedanken an die Zukunft! ENDEDas war der Text. Ich lege den Spiegel jetzt beiseite. (Schön, dass mir dieser Abbinder noch einfiel. Da bleibt Raum für Interpretationen und es ist eine Steilvorlage für allfällige Kommentare!) *** Wie ihr beim BBB-Cup abstimmen könnt ***LeaofRafiki, Catblue22 und ich haben alle zum selben Thema geschrieben. Wenn Ihr alle Beiträge gelesen und bewertet habt, dann könnt ihr bei Astly im öffentlichen oder privaten Gästebuch unter Angabe der Spielnummer, hier Spiel W, mitteilen, welcher Bericht Euch am besten gefallen hat. Stimmteilung ist im Dreierfinale nicht möglich. Alle Stimmen, die binnen 48 Stunden nach Veröffentlichung des Berichtes eingehen, werden bei Gültigkeit gewertet. Abstimmungsende für das Finale: Samstag, 26. Juni 2004, 17.30 Uhr. In eigener Sache: Beurteilt so wie ihr es für richtig haltet. Die Geschmäcker sind verschieden. Ich bin keinem böse der für den Beitrag von LeaofRafiki oder catblue22 stimmt. Auch wenn ich deren Beiträge jetzt, da ich dies schreibe, nicht kenne, so lehrt die Erfahrung: Es sind mit Sicherheit außergewöhnlich gute Texte!
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
|
|
11.05.2006 09:32
Anmerkung: DDR-Kinderkrippen... Ich bin gelernte Krippenerzieherin (meine Lehrzeit begann 1972 nach der 10. Klasse und endete 1975). Dass ich damals überhaupt als Auszubildende in eine Medizin. Fachschule genommen wurde, grenzt an ein Wunder, da ich weder Mitglied der Pioniere noch der FDJ war und außerdem kein Jugendweihe gemacht hatte. Die Kinderkrippen "schossen" damals aus dem Boden und vielleicht kamen da meine musik. Begabungen mir letztendlich zugute. Mit EOS (in der DDR vergleichbar mit dem Abi) war ohnehin nichts, da fiel ich mit meinem Glauben durchs "Raster". Man kann geteilter Meinung über die Kinderkrippen sein, zumal das auch auf die sonst häuslichen Bedingungen der Kinder ankommt. Für mich stand jedenfalls schon nach kurzer Zeit fest, dass meine Kinder (falls ich später mal welche haben sollte), so eine Einrichtung nicht von innen sehen werden...
14.03.2005 01:24
Schön, dass Du Dich für's Herz und nicht die Polemik entschieden hast... ;-)
13.08.2004 15:19
jeglicher kommentar wuerde den bericht eh nich angemessen kommentieren und daher lass ich es lieber.. aber CIAO mag ja wieder ne extra-wurscht.. also steht das nun als kommentar.. carpe diem