Wer möchte mit mir Gedichte lesen?
16.08.2002
Pro:
machen nachdenklich, die schönsten Gedichte, die ich kenne
Kontra:
kein
Empfehlenswert:
Ja
 Estefania
Über sich:
Mitglied seit:15.08.2002
Erfahrungsberichte:29
Vertrauende:17
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 58 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vor einigen Jahren habe ich die gesammelten Werke von Erich Fried zu Weihnachten geschenkt bekommen. Damals konnte ich damit nicht so viel anfangen (was nicht zuletzt daran lag, dass mir vor Jahren im Deutsch-Kurs die Liebe zum Gedicht ausgetrieben wurde...). Also stellte ich die (sehr dekorative) Papp-Kassette mit den vier Bänden in eins meiner vielen Bücherregale und beachtete sie erst Mal nicht weiter. Einige Zeit später sah ich im Fernsehen eine alte Aufzeichnung einer Literatursendung, in der zufälligerweise auch Gedichte von Fried vorgetragen wurden, die mir ausgesprochen gut gefielen. Da fiel mir wieder ein, dass ich ja stolze Besitzerin seiner Bücher bin und zog neugierig eins seiner Bände heraus...Und mit den Gedichten Erich Fried habe ich dann fast zehn Jahre später endlich wieder genussvoll Gedichte lesen können. Schon als ich das erste mal einen der Gedichtbände ich die Hand genommen habe, fesselte mich sein Werk für Stunden. Diese einfache schlichte Sprache, die trotzdem alle Tiefen und auch Untiefen des menschlichen Lebens beschreibt, fasziniert mich immer wieder. Und es sind nicht nur seine unübertroffenen Liebesgedichte, die mich berühren, sondern auch gerade seine politische Lyrik. Erich Frieds Ängste, seine Leidenschaftlichkeit und Lieb, Empörung und Zorn fanden stets auch literarisch Ausdruck. Offen bekannte er: Je mehr man über das Leben eines Dichters weiß, desto mehr weiß man auch über seine Gedichte. Ein Grund mehr, um auf Frieds Leben einen kurzen Blick zu werfen: Erich Fried wurde 1921 (am sechsten Mai) in Wien als Kind jüdischer Eltern geboren. Seine Mutter war Grafikerin und sein Vater Spediteur. Bereits im Gymnasium widmete er sich dem Schreiben. Der Einmarsch der deutschen Truppen machten ihn 1938 vom österreichischen Oberschüler zum verfolgten Juden. Er musste seine Schulausbildung beenden. Sein Vater wurde von der Gestapo ermordet und Fried floh nach London. Seine Mutter folgte ihm wenig später ins englische Exil. Sein erster Gedichtband Deutschland erschien 1944 (im Exilverlag des österreichischen PEN. Nach dem Krieg arbeitete er für verschiedene Zeitschriften und als Kommentator für BBC. Diese Arbeit beendete er allerdings 1968 wegen der Haltung des BBC im kalten Krieg. Er veröffentlichte verschiedene Gedichtbände, einen Roman (Ein Soldat und ein Mädchen) und Übersetzungen (Shakespeare). Immer wieder löste er mit seinen politischen Gedichten Diskussionen aus, da er zu brisanten politischen Fragen radikal-moralische Stellung bezog. Die ihm nicht nur Ruhm einbrachten, sondern auch Verleumdungen, Zensur und Anklagen. Erst gegen Ende seines Lebens wurde sein Werk anerkannt und mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet ( wie dem Bremer Literaturpreis, dem Österreichischen Staatspreis und dem Georg-Büchner-Preis). Erich Fried starb nach langer und schwerer Krankheit am 22. November 1988 auf einer Lesereise und wurde auf dem Kensal Green in London beerdigt. Die Besonderheit seiner Gedichte liegt, wie schon erwähnt darin, dass er es schafft mit wenigen, einfachen Worten die wirklich wichtigen Themen der Menschheit zu beschreiben., er suchte politische und poetische Wahrheiten zu finden. Sie zeichnen sich durch eine einzigartige Prägnanz aus, die sich in den Köpfen fest setzt. Manche Formulierungen sind so griffig, dass man sie nie vergisst. Zum Abschluss werde ich Euch noch eins meiner absoluten Lieblingsgedichte vorstellen. Habt einen herrlichen Tag und findet ein bisschen Glück!Gegengewicht Woher mein Gegengewicht nehmen damit ich vom Leben noch nicht abgeworfen werde und fortgeschleudert?Mich halten An meine Gedichte? Mich halten an meine Würde? Mich halten an meine Einsamkeit in diesem Haus? Wie erbarmenswert sind alle solche Methoden kleinlich sich klammernd an Hoffnungen die keine sindEs gibt nur ein einziges Gegengewicht gegen Unglück: das muß man suchen und finden und das ist Glück
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28.01.2003 18:45
oh ja - immer wieder lesen - wieder lesen - wieder lesen
18.10.2002 16:11
Wenn ich doch nur die Zeit dafür hätte.. *Seufz* Viele Grüße Rot-Tigerchen
10.09.2002 20:21
Das ist lustig. Gleicher Fimgeschmack, fast zur gleichen Zeit bei Ciao angemeldet und beide ein Bericht über Erich Fried geschrieben. Ich mag ihn auch sehr, obwohl ich dein Gedicht noch nicht kannte. LG