Privatmann Mister Spenalzo selbst nimmt am Verkehrsgeschehen auf Deutschlands Straßen meist auf Schusters Rappen teil; der tägliche Weg zur Arbeit wird mit Mitteln des öffentlichen Personennahverkehrs bewältigt ... so ab und an aber ist Spenalzo auch im Selbstbeweger auf den Straßen der Republik unterwegs.
Selbiges Automobil, das im Kreise der Kollegen auch schon mal liebevoll als "Elefantenturnschuh" bezeichnet wird, bewegt sich mit einer Spitzengeschwindigkeit von stattlichen 140 km/h von A nach B - für den Stadtverkehr reicht das allemal aus *g*.Nun fügt es sich freilich, dass ich den Smart (die im Kollegenkreise ebenfalls beliebten Diminutive "Smartie" oder "Smartchen" verbittet sich Mister.Spenalzo ausdrücklich - ja, wat denn ... die Kiste ist auch ohne "chen" und "lein" ab Werk schon klein genug) für gewöhnlich eher von Stadt zu Stadt als innerstädtisch bewege - und stelle ergo fest: Wer ahnen muss, dass die Konstrukteure eines in erster Linie für den Einsatz im Stadtverkehr konzipierten Vehikels wahrscheinlich im internen Sprachgebrauch immer dann bereits von einer Knautschzone sprechen, wenn Otto Normalverbraucher "Kniescheibe" sagt - für den dürften Begriffe wie "vorausschauend" und "defensiv" per se einen höheren Stellenwert besitzen.
"Karosserie" - ich vermute mal, dass der Ursprung dieses Wortes in der Panzerung der Schlachtrosse zu suchen ist, auf denen die mehr oder minder edlen Rittersleut' ins Turnier oder in die Schlacht zogen ... ?Ihre Nachfolger, so mein Eindruck, sind jene Zeitgenossen, die auffällig oft in schwarzen Karossen auf den Kampfplatz namens "Autobahn" ziehen (bzw. auf der linken Spur am Schreiber dieser Zeilen vorbeiziehen): In ihrer Wappenzier spielen oft Kreise und Sterne eine Rolle; und vielfach erfüllen die getönten Scheiben solcher hochgezüchteten Karossen die Funktion von Visieren, hinter denen der Recke, der einen da oft ganz "reckless" aus der Bahn zu werfen versucht, nicht eindeutig auszumachen ist.
So manches Mal, wenn auch ich mich geneigt fühle, einen Transport zu überholen, an dessen bauartbedingter Eignung für den Einsatz auf einer Autobahn ich zu zweifeln geneigt bin, will und will mir das Überholen eines gemächlichst einherzockelnden Fahrzeuges nicht gelingen ... nicht etwa, weil der Frontmann mich nicht an ihm vorbeischnüren lassen wollte - sondern weil, wie schon häufig erlebt, einer der schwarzen Ritter das Unterfangen in buchstäblich letzter Sekunde zum Scheitern verurteilt: "Heda, holla", bedeuten einem die Damen und Herren durch Betätigen der Lichthupe, "die Überholspur ist mein Revier - wage, du Wicht, dich nicht, mir jenes streitig zu machen!"
Drängler. Raser. Selbst ernannte Verkehrserzieher, die sich zum Herrn über den Asphalt aufschwingen - lieben wir sie nicht alle?Ein einziges Mal konnte ich mich (horribile est dictu) einer gewissen "Blech-)Schadenfreude nicht enthalten - als nämlich, auf einem als äußerst schlecht ausgeschilderten Autoabahnabschnitt und während eines Platzregens von sintflutartigen Ausmaßen ein schwarzer Benz mit mindestens "180 Sachen" an mir vorbeipreschte und mir einen Heidenschreck einjagte ... ich selbst hatte mich einer m.E. durchaus angepassten Fahrweise befleißigt - und so zeigte mein Tacho rund hundert Stundenkilometer weniger an als der des Menschleins, das sich offensichtlich trotz des auf der Straße stehenden Wassers für schier unverwundbar gehalten hatte.
Kilometer später gelang es mir mehr oder minder mühelos, den Überresten dessen, was ich bis heute für jenen besagten schwarzen Daimler halte, auszuweichen: Viel war von dem Gefährt, das es offenbar aus der Kurve getragen hatte, nicht mehr übrig. Dass "sowas von sowas kommt" - wen wundert's ... ? Ich hoffe aufrichtig für den Ritter Daimler, dass es ihm vergönnt gewesen sein mag, aus seinen Fehlern zu lernen. Drängler. Raser.
Nicht nur sie empfinde ich übrigens als rücksichtslos, sondern auch jene Zeitgenossen, die mit gemächlichen 100 Stundenkilometern auf der Überholspur einherzockeln - wer sich zum Überholen entschließt, so meine Überzeugung, sollte den Überholvorgang auch bitteschön vollenden.Und nicht, weil ihn oder oder sie plötzlich die Angst vor der eigenen Courage heimsucht, die Überholspur zur Kriechspur machen: schließlich gibt es, wenn ich mich recht entsinne, hier zu Lande ein Rechtsfahrgebot.
Schleicher. -------------------
Rücksicht im ÖPNV
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Indessen der Obertitel der Rubrik, in der dieser Beitrag erscheint, "Verhalten im Verkehr" lautet, möchte ich es nicht versäumen, an dieser Stelle auch kurz auf ein Thema einzugehen, das mich ebenfalls in stärker werdendem Maße beunruhigt:Rücksicht im ÖPNV: Wie sieht denn die aus, und - gibt's die noch?
Als kleiner Fratz habe ich noch gelernt, man solle doch, bitteschön, die Leute, die sich dazu anschicken, ein öffentliches Verkehrsmittel zu verlassen, doch auch zunächst tatsächlich aussteigen lassen - diese schöne Sitte ist, das scheint mir, allerdings weithin in Vergessenheit geraten ... und zwar bei Angehörigen sämtlicher Generationen.Mütter mit Kinderwagen - gilt es heute schon als schicklich, sich an diesen Teilnehmern des öffentlichen Personennahverkehrs schnellstmöglich vorbeizudrängen, um den Weg ins Freie zu finden - oder einen Sitzplatz zu ergattern? Fast hat es für mich den Anschein.
"Senioren und Seniorinnen sowie gehbehinderten Personen ist bei Androhung von Strafe der eigene Sitzplatz unter keinen Umständen zu überlassen!" - irgendwo muss diese Regelung öffentlich sichtbar aushängen - bis ich sie nicht mit eigenen Augen gelesen habe, werde ich mich dieser Anordnung auch weiterhin widersetzen. "Was andere nicht hören, das wird auch niemand stören!" - so stand es dereinst auf Plakaten zu lesen, die zu bedenken gaben, der Betrieb von mobilen Kassettenabspielgeräten (ist ein um die um die Umgehung der Nennung von Markennamen bemühter Schreibstil, der durch unfreiwillige Komik stets aufs Neue erfreut, nicht ein herrlich' Ding?) sei in den Vehikeln eines gewissen Verkehrsverbundes prinzipiell untersagt. Indes - wem man den kleinen Finger gibt ... nichts gegen den, der seine Umwelt mit den Klängen behelligt, die weithin hörbar aus seinem Discman, Walkman oder sonstigen Nervman schallen - ich hoffe nur, meine Krankenkasse stellt sich quer, wenn es dereinst gilt, die unweigerlich bei "Dauerbetrieb bis zum Anschlag" entstehenden Hörschäden bei den fraglichen Zeitgenossen mit meinen Pflichtbeiträgen auch wieder zu kurieren.
Fällt mir sonst noch etwas ein zum Thema?Vielleicht dies: Im deutschen Straßenverkehr, der mir allzuoft als ein repräsentativer Spiegel von des Deutschen allgemeiner Befindlichkeit in punkto "Rücksichtnahme" und "Zusammenleben" erscheint, genügt es offenbar nicht, an das moralische Empfinden vieler Zeitgenossen zu appellieren - "Freie Fahrt für freie Bürger"? Klar - wenn es mündige (und ich meine hier nicht: "im wahlberechtigten Alter") Bürger sind, habe ich nichts dagegen. Für alle anderen empfehle ich: Bußgelder, die ordentlich weh tun - "hit them where it hurts".
Geht es auch anders?Definitiv: Während eines Irlandurlaubs stand ich, zur Abwechslung mit einem Mietwagen versehen, an einer Straßenkreuzung - die Aussicht hatte mich so in ihren Bann geschlagen, das ich, bei abgestelltem Motor, minutenlang nicht den Fahrer bemerkt hatte, der da hinter mir wartete.
Wie bemerkte ich den Mann? Erst durch einen Blick in den Rückspiegel ... denn gehupt hatte der Gute nicht.Als ich mich anschickte, das Vehikel hektisch aus dem Weg zu befördern, steig der Mensch aus seinem Wagen - und fragte mich, ob ich Hilfe benötige?
Neinneini, winkte Mister.Spenalzo ab, er sei nur in Gedanken gewesen und bitte um Entschuldigung ... warum der freundliche Zeitgenosse denn nicht kurz per Hupe auf sich aufmerksam gemacht habe, fragte Mister.Spenalzo.Und was bekam er zur Antwort?
"Oh no, I thought you were tired and might be holding a little nap - no need to wake you up, I've got all day."Ob's nun gänzlich ernst gemeint war (und ich habe manchen Grund, solche Aussagen außerhalb Deutschlands nicht zwangsläufig für feine Ironie zu halten) oder nicht - das minutenlange Ausharren des Menschen, dessen Fortkommen ich behindert hatte, hat mich nachhaltig beeindruckt.
Ein kleines Schlusswort sei mir noch vergönnt: Ich habe noch nie eine Hupe betätigt. Und darauf ist man richtig stolzEuer
Mister.Spenalzo
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NACHTRAG VOM 07.09.2000
-------------------------Ja Mensch - beinahe hätte ich's versäumt, eine Frage an die geneigten Leser zu richten: Ein Linienbus, der mit dem Schild "Fahrschule" versehen ist ... und mit einer Durchschnittgeschwindigkeit von ca. 40 km/h dahinzockelt ... auf einer kurvenreichen Landstraße ... hinter diesem Bus Mister.Spenalzo (der es ein bisserl eilig hat ... und gern die nächste Autobahnauffahrt erreichen würde) - Möglichkeiten, kurz einmal "rechts 'ran zu fahren" gab es wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Trotzdem "schlich" der Fahrer rund 15 Kilometer vor Mister.Spenalzo her.
Ich finde auch dieses Verhalten rücksichtslos.Stehe ich mit meiner Meinung alleine da ... ?
27.09.2000 22:20
Trotz der für den Deutschen, astronomischen Spritpreise nehmen die Rangkämpfe auf den Provinz-Highways nicht ab. Es wird gejammert wie ach so teuer Sprit ist, gefahren wird wie auf der Hindernisbahn. Ich schliesse mich dem bearwurze an und schlage vor, dass du als "Beweis-das-es-(doch-)funktioniert" den zukünftigen Rasern, Schleicher, Schwarzkarossen-besitzern, das nötige Feingefühl für den Straßenverkehr vermittelst. Doch halt, wer hat denn dann noch die Zeit solch' Meinungen zu schreiben... ?
17.09.2000 20:30
Das angesprochene Verhalten der vornehmlich Audis auf der linken Spur ist nicht gerade fein, da stimme ich dir durchaus zu... allerdings empfinde ich es auch als äußerst nervend, wenn Leute einen LKW nach der Formel "LKW-Geschwindigkeit + 2 km/h" überholen - schön, daß du die Schleicher auch angesprochen hast. ---- Ich selbst bin Freitag aus einem Italienurlaub zurückgekommen, und finde die dortige Fahrweise um einiges besser als die hiesige. In Italien wird zwar "zügig" im Sinne von "sehr schnell" gefahren, aber dafür regt sich keiner auf, wenn man mal beim Überholen nicht 200 km/h drauf hat - und wer hurtig beim Anblick der BMW-Nieren im Rückspiegel auf die rechte Spur wechselt, darf sich meist sogar über eine kurze Dankesbekundung des Rasers freuen. Huch, das wird aber jetzt ein langer Kommentar...
14.09.2000 17:19
Die Sache mit dem Bus und auch alle anderen Punkte, die Du angesprochen hast, sehe ich genauso. Zum Thema saftige Bußgelder: ja, richtig, das Traurige ist nur, daß die meisten Raser ein Bußgeld nicht besonders interessiert, denn die Kohle ist ja in Mengen vorhanden. Wenn's für 'nen neuen Benz reicht, dann zahlt man das Bußgeld aus der Portokasse.