Woody Allens Komik ist komischer im Original
23.01.2003
Pro:
englische Originalfassung
Kontra:
manchmal bemüht komisch
Empfehlenswert:
Ja
 MSChiffre
Über sich:
Mitglied seit:07.05.2000
Erfahrungsberichte:32
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 46 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
1985 adoptierten Woody Allen udn Mia Farrow ein kleines Baby, einen Sohn: Dylan O'Sullivan Farrow. Davor hatten sie 1979 schon einen Sohn adoptiert. Ob dies der Ausgangspunkt der Komödie "Geliebte Aphrodite" ist? Auf jeden Fall hatte Allen wohl genug Erfahrung mit der Adoption und folgenden moralischen und sozialen Problemen, um auch mal die lustige und absurde Seite des ganzen zu sehen. 1995 jedenfalls erschien der Film "Geliebte Aphrodite", der genau in so einer Adoption seinen Ausgang nimmt.
Der Sportreporter Lenny (Woody Allen) und seine Frau, die Galleristin Amanda (Helena Bonham Carter) sind ganz mit ihrem Beruf beschäftigt, als Freunde ihnen begeistert von ihrer Schwangerschaft erzählen. Da man als modernes Paar alles haben kann und muss, aber eigentlich gar nicht die Zeit dazu hat, entscheidet Amanda - zunächst gegen Lennys Willen, ein Kind zu adoptieren. Das klappt zunächst ganz gut, bis... Ja, bis sich Lenny Sorgen über Genetik macht. Welche Gene hat mein Kind: ist es begabt? musisch? sportlich? soll es lieber boxen oder Bilder malen? oder wird es vielleicht als Autoverkäufer ein besseres Leben haben? Er beschließt, auf eigene Faust Recherchen zu beginnen und die natürlichen Eltern des Kindes ausfindig zu machen.
Und da er Journalist ist, ist Recherche natürlich sein Steckenpferd. So hat er in kurzer Zeit die Mutter des Jugen gefunden: eien Prostituierte namens Linda Ash, gespielt von Mira Sorvino. Aus Angst, sein Sohn könnte irgendwann herausfinden, dass seine Mutter Hure ist, legt Lenny eine Art soziales Besserungsprogramm auf, versucht Linda - die sein Interesse zunächst deutlich missversteht, zu etwas zu machen.
Der Film läuft jetz auf zwei Ebenen weiter: einerseits eine Komödienebene, wie Lenny versucht, Linda zu einer "ehrlichen und gebildeten Frau" zu machen - das ist sehr witzig, voll lustiger Missverständnisse und Pannen aller Art. Allen folgt hier durchaus den berühmten Vorbildern dieser Geschichte: das bekannteste ist Shaws Pygmalion (besser bekannt durch das Musical My Fair Lady). Er kann geschickt aktualisieren, indem er die Liebe des Zuhälters für Basketball ebenso ironisiert, wie die Liebe des ehrlichen Boxers zu Linda. Auf der anderen Seite zeigt Allen die Einflüsse seiner Suche auf Lennys Ehe: die Missverständnisse, die Inkompetenz, miteinander zu sprechen, Geheminiskrämerei und schließlich ein doppelter Ehebruch: weniger witzig, eher ein bißchen vor Sozialkitsch triefend und in der Darstellung der karrieregeilen Galleristin, die für ihren Beruf alles tut, schließlich sogar fremdgeht, fast mehr Klischee als die komische Handlung. Oder ist das ganze ein böser Seitenhieb auf Mia Farrow, von der sich Allen 1992 trennte? Die Technik, eine ernste und eine komische Handlung zu verweben, ist zwar in der dramatischen Literatur oft gemacht worden, scheint mir aber für die Gegenwart wenig zu funktionieren: kaum fängt man an zu lachen, wird man wider aus der Handlung rausgeschmissen - schließlich fängt man sogar Helena Bonham Carter dafür zu hassen an, obwohl sie nun wirklich nichts dafür kann.
Umrahmt wird das Ganze von einem antiken Chor, der immer wieder Ratschläge gibt, die Handlung kommentiert - das funktioniert nun überhaupt nicht, weil Allen dazu wenig Aktuelles einfällt. Als am Schluss der Chor in Musical-Manier auftritt, merkt man, was alles möglich gewesen wäre! Die DVD hat eine großen Vorzug vor dem Film: man kann sich das Ganze im englischen Original (zur kleinen Hilfe auch mit deutschen Untertiteln) anschauen. Das erspart einem die unerträglich quietschig synchronisierte Stimme Lindas, die Mira Sorvino im Original zwar exaltiert, aber natürlich spricht. Die Gags sind auch besser im Original: der flaue Wortwitz der Übersetzung hat im Englischen plötzlich Ecken und Kanten und Assoziatioen in viele Richtungen.
Bonusmaterial ist nicht gerade üppig: ein Interview mit Mira Sorvino(die für diese Rolle immerhin für den Oscar vorgeschlagen war!) und ein paar Trailer, das war's. FAZIT: Nicht der beste Woddy Allen, aber ein passabler, zumal wenn man Spaß hat an dramaturgisch verwickelten Plots und verwischten literarischen Anspielungen. Allen denkt hier oft zuviel um die Ecke und tut seiner Sache keinen Gefallen. Wenn, dann die OV laufen lassen, dafür hat man ja schließlich die DVD. Die DVD kostet bei amazon nun schlappe 14,99 €, da kann man nicht meckern.
Regisseur: Woody Allen Darsteller: Woody Allen, Helena Bonham Carter (u.a. Howard's End, Room with a View), F. Murray Abraham, Mira Sorvino USA 1995 ab 12 Jahren Länge 95 min DVD von Arthaus, 1999 Sprache: Deutsch, Englisch
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16.06.2010 10:57
Derzeit gibt's, zumindest zu einem erschwingliche Preis, nur noch die Originalversion zu kaufen - was ich in diesem Falle etwas schade finde, da mir Mira Sorvinos deutsche Synchronstimme sehr im Ohr haften geblieben ist. Trotzdem freue ich mich auf ein Wiedersehen mit dem Film - gerade eben habe ich mir nämlich in UK die DVD bestellt. Es grüßt: der Spassprediger.
23.01.2003 17:16
Auch Woody hat Sachen gemacht, die nicht so toll waren - da denke ich nur an sein Musical. Da rollen sich mir die Fußnägel hoch. carmen
23.01.2003 16:12
DVD und auch Film sind etwas zu kurz beschrieben, deswegen kein s.h.