Wie Ödipus doch noch glücklich wurde
11.12.1999
Pro:
Kontra:
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 gold
Über sich:
Mitglied seit:08.12.1999
Erfahrungsberichte:69
Vertrauende:2
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"Was meinst du damit: du konntest sie nicht finden?", fragt Amanda ein wenig irritiert, da liegen sie im Bett, und Lenny hatte wohl ein Problem. Lenny ist Woody Allen. Und Woody Allen hatte auch ein Problem. Ödipus, auch ein Problemfall, hatte den Vater erschlagen und die Mutter beglückt. Bei Woody war es ganz anders. Ihn wollte die Gattin erschlagen, weil er die Tochter... Oder so ähnlich. Und die Öffentlichkeit hat es bebellt. Deswegen spielt in diesem Film außer Woody Ödipus, Mutter Jokaste und Vater Laios die Öffentlichkeit mit. Gewandet als antiker Chor, die öffentliche Meinung des vormedialen Zeitalters. Und wie immer hat sie keine Ahnung. "Er versucht, Gott zu sein" nörgelt der Haufe. Was bleibt ihm übrig, denn Gott Zeus, wir hören es auf dem Anrufbeantworter, ist gerade nicht zu sprechen. Außerdem lieben wir Gott Woody auch viel mehr. Schließlich, auch seine Geschichten stiften Kunst. Wenn er auch nicht König von Theben ist und nur in Manhattan residiert. Da haben sie auch Probleme.
Lenny Weinrib zum Beispiel, dessen dynamische Frau keine Zeit hat zum Entbinden. Also wird es adoptiert, ein wunderbare Knabe. Wir wunderbar mag erst die Mutter dieses Kindes sein? Lenny, der Chor benörgelt auch das, sucht die herrliche Frau und findet: Linda. Linda ist Schauspielerin eines sehr speziellen Genres und eine bezaubernde Frau, so hat sie, was sie hat, in dem Streifen "Die verzauberte Muschi" gezeigt und ihr Lebensunterhalt in den langen Drehpausen hängt auch damit zusammen. Und nun hat Lenny eine, in der Tat, göttliche Aufgabe: Die Resozialsierung der fröhlichen Schlampe. Er kauft die Mutter seines Sohnes ihrem Zuhälter mit Baseball-Karten ab, er legt ihr einen dummen Boxer ins bräutliche Bett, der indessen wieder aufsteht, als er seine künftige Frau während einer kleinen Herrenparty in einem kleinen Film sieht, irgendwas mit Zauberei. Schließlich aber fällt ein Prinz vom Himmel, alle sind zufrieden und auch Woody geht es wieder gut. Das ist, wie die meisten von Woody Allen, kein besonders wichtiger Film, aber, wie die meisten von Woody Allen, ein besonders schöner. Derweil alle Welt lamentiert macht er einfach Filme - "Deshalb bist du auch immer nur im Chor" sagt Lenny, "ich handle". Und handeln heißt drehen. Woody zelebriert noch immer die wuselige Melancholie des poetischen Buchhalters, ihm zur Seite - die Brust auf Hornbrillenhöhe - zirpt und einfältelt Mira Sorvino den Berufsjargon als erörtere sie die Abenteuer der verzauberten Prinzessin - das war der Nebenrollen-"Oscar" dieses Jahres. Irgendwann sagt Lenny zu Linda "Du hast mich falsch verstanden. Clint Eastwood will nicht Friseur werden" - und sie beglaubigt den Hinweis als einen durchaus notwendigen. Und außerdem, er will es wirklich nicht.
So hat Woody, wenn schon keine Botschaft, doch eine Nachricht für uns.
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Bewertungen
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"sehr hilfreich" von (100%):
 sp67
 SteveZero0
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18.12.2000 11:16
Eine wirklich tolle Meinung von dir. Super geschrieben. Ich bin ein riesen Fan von Woody und mir hat dieser Film sehr gut gefallen. Wärend ja die wandelnde intelektuelle Hornbrille immer zu überzeugen weiß, fand ich auch Mira Sorvino absolut Spitze.